{"id":226319,"date":"2026-06-19T12:55:19","date_gmt":"2026-06-19T12:55:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/226319\/"},"modified":"2026-06-19T12:55:19","modified_gmt":"2026-06-19T12:55:19","slug":"terminal-piece-das-mumok-eroeffnet-erste-grossausstellung-unter-generaldirektorin-fatima-hellberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/226319\/","title":{"rendered":"Terminal Piece: Das mumok er\u00f6ffnet erste Gro\u00dfausstellung unter Generaldirektorin Fatima Hellberg"},"content":{"rendered":"<p>Am 20. Juni 2026 er\u00f6ffnet das mumok \u2013 Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien mit Terminal Piece seine erste Gro\u00dfausstellung unter Generaldirektorin Fatima Hellberg. Namensgebender Ausgangspunkt ist eine Installation von Kate Millett aus dem Jahr 1972, die das mumok als ersten Ankauf unter Hellberg erworben hat. Die Schau erstreckt sich in f\u00fcnf Akten \u00fcber f\u00fcnf Ebenen des Hauses und versammelt rund 400 Kunstwerke aus der mumok Sammlung, Leihgaben und neue Auftragsarbeiten. Der Eintritt zur Eingangsebene ist bis 30. September 2026 frei.<\/p>\n<p>Der Titel der Ausstellung ist Programm: Terminal Piece bezeichnet sowohl ein Ende als auch einen Aufbruch. Im Mittelpunkt steht die gleichnamige Installation der US-amerikanischen K\u00fcnstlerin, Feministin und Schriftstellerin Kate Millett aus dem Jahr 1972, ein Schl\u00fcsselwerk der feministischen Kunstgeschichte, das das mumok als ersten Ankauf unter Generaldirektorin Fatima Hellberg erworben hat. Eine einzelne Schaufensterpuppe sitzt inmitten leerer Stuhlreihen, vom Publikum durch Gitterst\u00e4be getrennt. Wer hier zur Schau gestellt wird, bleibt bewusst offen. Die Installation erschlie\u00dft sich nicht aus sicherer Distanz: Sie muss betreten werden, und jeder Moment, in dem man dem Blick der Figur begegnet oder wegschaut, wird Teil des Werks selbst.<\/p>\n<p>Millett, deren Buch Sexual Politics (1970) als eines der Gr\u00fcndungsdokumente der feministischen Theorie gilt, glaubte an die F\u00e4higkeit von Kunst, Momente intensiver, unmittelbarer Erfahrung zu schaffen. Terminal Piece entstand als Reaktion auf die Folterung und Ermordung der 16-j\u00e4hrigen Sylvia Likens im Jahr 1965, einem Fall, den Millett nicht in Worte fassen konnte. \u201eIch habe diese Arbeit gemacht, weil ich sie nicht schreiben konnte\u201c \u2013 so beschrieb Millett selbst den Ursprung. Das Ergebnis ist eine Installation, die Bilder erzeugt, \u201eso unumst\u00f6\u00dflich, dass sie sich nicht wieder ausl\u00f6schen lassen\u201c.<\/p>\n<p>Fatima Hellberg beschreibt den Ankauf als bewusste programmatische Setzung: \u201eKate Millett hat vor mehr als f\u00fcnfzig Jahren Fragen gestellt, die heute dr\u00e4ngender sind denn je: Wer beobachtet wen? Wer hat die Macht, jemanden sichtbar oder unsichtbar zu machen? Die Rechte und Errungenschaften, die Millett besch\u00e4ftigten, sind in unserer Gegenwart hochaktuell.\u201c Die Installation thematisiert das Beobachten selbst als Handlung und macht Strukturen sichtbar, die durch Gewohnheit unsichtbar geworden sind.<\/p>\n<p>Chefkurator und stellvertretender wissenschaftlicher Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Lukas Flygare, der gemeinsam mit Hellberg die inhaltliche Konzeption verantwortet, erg\u00e4nzt: \u201eWir haben nicht einfach ein Thema vorgegeben und Werke dazu ausgew\u00e4hlt. Wir haben Milletts Werk so ernst genommen, dass es zur Linse wurde \u2013 durch die wir alles andere neu gelesen haben. Das Ergebnis ist eine Ausstellung, in der es keine neutralen R\u00e4ume gibt.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcnf Akte, f\u00fcnf Ebenen: eine Dramaturgie des SehensProlog (Ebene 0): Anna Viebrock verwandelt das Erdgeschoss<\/p>\n<p>Die B\u00fchnenbildnerin Anna Viebrock transformiert 700 Quadratmeter der Eingangsebene in ein begehbares Gesamtkunstwerk. Viebrock bekam die Aufgabe, R\u00e4ume mit Kunstwerken zu bespielen \u2013 und drehte den Auftrag um. \u201eIch wollte einen Raum f\u00fcr Menschen inszenieren\u201c, beschreibt Hellberg die Haltung, die Viebrock einbrachte, und die zum Grundprinzip der gesamten Schau wurde. Anstelle einer klassischen \u201eWhite Cube\u201c-Ausstellung durchqueren Besucher*innen eine dynamische Abfolge von R\u00e4umen mit wechselnden Ma\u00dfst\u00e4ben und Blickachsen, deren H\u00e4ngung an die Wohnr\u00e4ume von Sammlern erinnert \u2013 etwa Peter und Irene Ludwig oder Wolfgang Hahn \u2013 und so Entstehungskontexte der mumok Sammlung sichtbar macht. Indem sie konventionelle kuratorische Strategien \u00fcbergeht, er\u00f6ffnet Viebrock einen Zugang zu der vielgestaltigen mumok Sammlung, der Differenz, Konflikt und Gleichzeitigkeit anerkennt. Die Eingangsebene ist bis 30. September 2026 bei freiem Eintritt zug\u00e4nglich.<\/p>\n<p>Akt 1 (Ebene 4): Die Schwelle und was dahinter liegt<\/p>\n<p>Akt 1 startet bei Kate Milletts namensgebender Installation. Nach ihr \u00f6ffnet sich der Raum zu einer weitl\u00e4ufigen Galerie mit einem Panoramafenster mit Blick auf den Stephansdom und andere historische Sehensw\u00fcrdigkeiten der Stadt, das f\u00fcr die letzten Ausstellungen verschlossen war und anl\u00e4sslich des Er\u00f6ffnungsprogramms wieder ge\u00f6ffnet wurde. Der Wechsel von Dunkelheit zu Tageslicht markiert einen physischen wie konzeptionellen \u00dcbergang. Megan Plunketts fotografische Serie Dissembalancer (2020\u20132026), in der sie Alltagsgegenst\u00e4nde, die ihre demenzkranke Mutter arrangiert hatte, verfremdet und kopf\u00fcber pr\u00e4sentiert. Kobby Adis Skulptur The Machine (2026) erfasst menschliche Pr\u00e4senz ausschlie\u00dflich als flackernde Schatten auf einem Live-Monitor und kalibriert so das Gef\u00fchl der Betrachtenden f\u00fcr Ma\u00dfstab und Bedeutsamkeit neu. Melanie Counsells begehbare Stahlskulptur [last moments seen from above] (2026) komplettiert den Akt: eine Architektur, die sich selbst enth\u00e4lt, begleitet von einem umgekippten, mit Vinylstickern verzierten Tisch. Gemeinsam beleuchten die Arbeiten, was es bedeutet, gesehen zu werden \u2013 und was es hei\u00dft, zu verschwinden.<\/p>\n<p>Flygare zur Logik dieser Zusammenstellungen: \u201eWir haben uns gefragt, was passiert, wenn Werke einander in die Quere kommen. Ausstellungen haben das Potenzial, Reibungen und Stimmungen zu erzeugen, die \u00fcber die Beschreibungen in Wandtexten hinausgehen.\u201c<\/p>\n<p>Akt 2 (Ebene 3): Politische Ideale und gelebte Erfahrung<\/p>\n<p>Wie schlagen sich die Ideale einer Epoche in gelebter Erfahrung nieder? Akt 2 wendet sich nach innen und sp\u00fcrt den Widerspr\u00fcchen zwischen kollektiven Bestrebungen und dem Leben im Privaten nach. Den inhaltlichen Fluchtpunkt bildet Elisabeth Subrins Film Swallow (1995), der zwischen Archivmaterial und intimen Szenen der M\u00e4dchenjahre den Wandel vom hoffnungsvollen Aktivismus der Millett-Generation hin zu ambivalenten Gef\u00fchlswelten in den Blick nimmt, die im Schatten des gesellschaftlichen Fortschritts weiterbestehen. In ged\u00e4mpfter, h\u00e4uslicher Atmosph\u00e4re treten Birgit J\u00fcrgenssens Schwarzer Honig meiner Tr\u00e4ume (1989\u20131992) \u2013 Fotografien und Rayogramme, \u00fcberzogen mit Latex, Voile und T\u00fcll, die weniger wie Fenster als wie Membranen wirken \u2013 und Anna Oppermanns eigenwillige konzeptuelle Ensembles in Dialog mit Louis Goodmans sonderbar lebendigen Assemblagen aus Alltagsgegenst\u00e4nden.<\/p>\n<p>Akt 3 (Ebene 2): Dokumentation und Zeugenschaft<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnen wir uns einer Welt stellen, die uns sprachlos macht? Akt 3 widmet sich Dokumentation und Zeugenschaft als Mittel, um sich Realit\u00e4ten anzun\u00e4hern, die \u00fcber die Sprache hinausgehen. Den visuellen Anker bildet Leviathan (2012) von Verena Paravel und Lucien Castaing-Taylor, der in gigantischer Gr\u00f6\u00dfe projiziert wird: ein audiovisueller Mahlstrom an Bord eines Fischtrawlers, aufgenommen aus den Perspektiven von Fischen, M\u00f6wen und Maschinen, der menschliche Wahrnehmung als blo\u00dfes Element eines viel gr\u00f6\u00dferen Kosmos begreift. Begegnungen mit Leben und Tod ziehen sich als roter Faden durch die umliegenden R\u00e4ume: von Annie Ernaux\u2018 und Marc Maries intimen Fotografien ihrer Aff\u00e4re, die mit Ernaux\u2018 Krebsbehandlung zusammenfiel, \u00fcber Jean Fautriers T\u00eates d&#8217;otages (1943\u20131945), entstanden als Reaktion auf Folterungen durch die Gestapo in benachbarten W\u00e4ldern, bis zu Heimrad B\u00e4ckers stummen Zeugnissen von Lagerinfrastruktur und Fernsehdokumentationen. Magdalena Abakanowicz, Bruce Nauman, Christine Gironcoli, Cora Pongracz, Yukio Nakagawa, Rebecca Horn und Sara Deraedt komplettieren einen Akt, der die Fragilit\u00e4t des Lebens in den Mittelpunkt stellt.<\/p>\n<p>Akt 4 (Ebene -2B): Der Apparat des Sehens<\/p>\n<p>Akt 4 erforscht die Instrumente, Medien und Vorrichtungen, durch die wir die Welt wahrnehmen und vermitteln \u2013 und fragt, wie der Apparat des Sehens selbst die Wirklichkeit formt, die er vorgeblich nur abbildet. Neue Arbeiten von Nina Porter und weitere Positionen aus der Sammlung, unter anderem das Archiv von Kate Millett zur Entstehung von Terminal Piece, beenden die Ausstellung mit der Frage, auf welcher Seite des Werks wir uns eigentlich befinden.<\/p>\n<p>\u00d6ffnung als Haltung<\/p>\n<p>Terminal Piece ist auch die erste \u00f6ffentlich sichtbare Richtungsentscheidung des mumok. \u201eDieses Haus wurde zur Bewahrung und Pflege von Kunst gebaut \u2013 ein Schutzraum\u201c, sagt Fatima Hellberg. \u201eAber Schutz muss nicht Distanz bedeuten. Wir haben angefangen, das Museum zu \u00f6ffnen und Fenster aufzumachen \u2013 nicht als Metapher, sondern als erster konkreter Schritt. Wir m\u00f6chten die Erfahrungen, die Kunst bieten kann, mit allen teilen.\u201c Der freie Eintritt zur Eingangsebene, finanziert durch private F\u00f6rdermittel und die Unterst\u00fctzung des mumok Board, ist Teil dieser Haltung: \u201eDer Zugang zu Kultur ist ein Recht \u2013 und dieses Recht m\u00fcssen wir auf jede Art erm\u00f6glichen\u201c, so Hellberg. \u201eDiese Werke wurden mit \u00f6ffentlichen Geldern gepflegt. Sie geh\u00f6ren der \u00d6ffentlichkeit. Also geben wir ihr ein Teil als kostenfreies Erlebnis zur\u00fcck.\u201c<\/p>\n<p>Er\u00f6ffnungstag: 20. Juni 2026, 14\u201320 Uhr, freier Eintritt f\u00fcr alle<\/p>\n<p>St\u00fcndliche F\u00fchrungen, poppets \u2013 ein Workshop mit Birke Gorm, Live-Siebdruck der Viadukt Siebdruckwerkstatt, ein Kost\u00fcmflohmarkt aus dem Volkstheater-Fundus, Pop-up-Caf\u00e9, Musikprogramm und mehr. Keine Anmeldung erforderlich, alle Programmpunkte kostenfrei.<\/p>\n<p>Zur Ausstellung:<\/p>\n<p>Terminal Piece, 20. Juni 2026 bis 7. Februar 2027, mumok, Museumsplatz 1, 1070 Wien, www.mumok.at. Eingangsebene (Prolog von Anna Viebrock): freier Eintritt bis 30. September 2026.<\/p>\n<p>Die Ausstellung Terminal Piece wird von einem umfangreichen Programm sowie einer Publikation begleitet, die von Camilla Wills (Divided Publishing, London) mitherausgegeben wird. Sie versammelt den Wiederabdruck eines Originaltexts von Kate Millett sowie neue Essays von Gregg Bordowitz, Rachel Cusk, Amanda Holmes und Ariana Reines.<\/p>\n<p>K\u00fcnstler*innen: Magdalena Abakanowicz, Kobby Adi, Art &amp; Language, Lutz Bacher, Heimrad B\u00e4cker, Peter Baum, Herbert Baumann, Joseph Beuys, Anna &amp; Bernhard Blume, Boyle Family, Marcel Broodthaers, Michael Buthe, Alexander Calder, Sophie Calle, Nina Canell, Prunella Clough, Bruce Conner, Melanie Counsell, Moyra Davey, Carla Degenhardt, Sara Deraedt, Erik Dietman, Annie Ernaux &amp; Marc Marie, Jean Fautrier, Robert Filliou, Lucio Fontana, Adolf Frohner, Bruno Gironcoli, Christine Gironcoli, Hermann Gl\u00f6ckner, Louis Goodman, Robert Graham, Hans Haacke, Raymond Hains, Richard Hamilton, Hans Hollein, Rebecca Horn, Joe Jones, Birgit J\u00fcrgenssen, Allan Kaprow, Wilfried Klanjsek-Bratke, J\u00fcrgen Klauke, Marc Kokopeli, Kurt Kren, Oliver Laric, Louise Lawler, Zoe Leonard, Bettye Lane, Sol LeWitt, Friederike Mayr\u00f6cker, Kate Millett, Yukio Nakagawa, Bruce Nauman, Chie Nishio, Anna Oppermann, Verena Paravel &amp; Lucien Castaing-Taylor, Michelangelo Pistoletto, Megan Plunkett, Sigmar Polke, Cora Pongracz, Nina Porter, Arnulf Rainer, Robert Rauschenberg, Rudolf Richly, Dieter Roth, Susan Rothenberg, Paul Rotterdam, Thomas Ruff, Gerhard R\u00fchm, Constanze Ruhm, Peter Sandbichler, Kurt Schl\u00f6gl, Leander Sch\u00f6nweger, Rudolf Schwarzkogler, Daniel Spoerri, Haim Steinbach, Takako Saito, Elisabeth Subrin, Paul Thek, Miroslav Tich\u00fd, Octavian Trauttmansdorff, Rosemarie Trockel, Richard Tuttle, Cy Twombly, Anna Viebrock, Wolf Vostell, Yoshi Wada, Franz West, Stefan Wewerka, Karl Anton Wolf, Heimo Zobernig.<\/p>\n<p>Kuratiert von Fatima Hellberg und Lukas Flygare<\/p>\n<p>Ein besonderer Dank gilt unseren Sponsoren Peter und Irene Ludwig Stiftung, Stephen Cheng, UNIQA und The Jenni Crain Foundation<\/p>\n<p>Pressefotos und weiter Presseunterlagen zum Download: <a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" href=\"https:\/\/www.mumok.at\/presse\/kuenftige-ausstellungen\/terminal-piece\"><a href=\"https:\/\/www.mumok.at\/presse\/kuenftige-ausstellungen\/terminal-piece\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">https:\/\/www.mumok.at\/presse\/kuenftige-ausstellungen\/terminal-piece<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am 20. 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