{"id":232909,"date":"2026-06-23T06:33:10","date_gmt":"2026-06-23T06:33:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/232909\/"},"modified":"2026-06-23T06:33:10","modified_gmt":"2026-06-23T06:33:10","slug":"brexit-zehn-jahre-spaeter-wie-hat-sich-europa-veraendert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/232909\/","title":{"rendered":"Brexit zehn Jahre sp\u00e4ter: Wie hat sich Europa ver\u00e4ndert?"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Drei Briten wanderten k\u00fcrzlich von London nach Br\u00fcssel. Zwei Wochen, 320 Kilometer und alles f\u00fcr ein Anliegen: Sie wollten f\u00fcr den Wiedereintritt des Vereinigten K\u00f6nigreichs in die EU werben. Am 5. Juni erreichte das Trio \u2013 begleitet von ein paar Dutzend sp\u00e4ter dazugesto\u00dfenen Mitstreitern in blau-gelber Montur \u2013 im typisch belgischen Regen den Place du Luxembourg. Sie schwenkten EU-Flaggen und den Union Jack, tanzten \u00fcber den Platz vor dem Sitz des EU-Parlaments und \u00fcbergaben ein Buch mit Hunderten von Botschaften \u201eechter\u201c Briten von der Insel. Es waren Szenen wie aus einer anderen Zeit. Eine schwache Erinnerung an die aufw\u00fchlenden Jahre, als im Br\u00fcsseler Europaviertel Pro-EUler demonstrierten, als Mannekin Pis, das Br\u00fcsseler Wahrzeichen, als britischer Dandy verkleidet dahinpinkelte.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Mit dem Vereinigten K\u00f6nigreich ist zum <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/politik\/10-jahre-brexit-referendum-grossbritannien-streitet-noch-immer-ueber-migration-114487650\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">ersten Mal in ihrer Geschichte ein Staat aus der Europ\u00e4ischen Union ausgeschieden<\/a>.  David McAllister erlebte den Volksentscheid am 23. Juni 2016 als Europaabgeordneter mit, ein Datum, das sich nun zum zehnten Mal j\u00e4hrt und das sich ihm \u201eins Ged\u00e4chtnis eingebrannt hat\u201c, wie es der nieders\u00e4chsische CDU-Politiker nennt. \u201eDas war schon eine echte Z\u00e4sur \u2013 f\u00fcr das Vereinigte K\u00f6nigreich, aber auch f\u00fcr die EU.\u201c Die Gemeinschaft verlor nicht nur ihr widerspenstigstes Mitglied, sondern auch eine ihrer gr\u00f6\u00dften Volkswirtschaften,<a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/politik\/das-comeback-der-atomwaffen-welt-ruestet-sich-wieder-auf-09-06-114391047\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\"> eine bedeutende Atommacht<\/a>, ein st\u00e4ndiges Mitglied im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Sie verlor eine treibende Kraft in der Handelspolitik und ein Land, das den gemeinsamen Binnenmarkt ma\u00dfgeblich erfand.\n  <\/p>\n<p>            Gro\u00dfbritannien leidet wirtschaftlich unter dem Brexit<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Der britische Handelsexperte David Henig reist seit Jahren als Direktor des UK Trade Policy Project regelm\u00e4\u00dfig nach Br\u00fcssel und vergleicht die Folgen des Austritts des K\u00f6nigreichs f\u00fcr die EU mit dem Verlust eines Zahns. \u201eSie konnte zwar mit einigen Anpassungen wie bisher weitermachen, doch sie wird st\u00e4ndig daran erinnert, was verloren gegangen ist \u2013 sei es durch die andauernden Verhandlungen mit Gro\u00dfbritannien oder durch die neuen Herausforderungen, insbesondere im Hinblick auf die europ\u00e4ische Sicherheit.\u201c Europa als Ganzes verliere an globalem Einfluss und der Brexit sei ein Faktor daf\u00fcr: \u201eEin weniger geeinter Kontinent, der sich nach innen wendet\u201c, so Henig. Seiner Ansicht nach mag das K\u00f6nigreich wirtschaftlich gesehen \u201eder gro\u00dfe Verlierer\u201c gewesen sein, \u201edoch die EU hat emotional st\u00e4rker gelitten\u201c. Hoffen aber wirklich weiterhin viele, dass diese Entscheidung eines Tages r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden k\u00f6nnte, wie Henig andeutet? Der j\u00fcngsten Ipsos-Umfrage zufolge finden 52 Prozent der Briten, dass das K\u00f6nigreich wieder der EU beitreten sollte. Die Treiber sind Entt\u00e4uschung, Unsicherheit und <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/politik\/warum-es-massive-zweifel-an-donald-trumps-mentaler-fitness-gibt-113984026\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">ein wankendes Washington<\/a>.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    In Br\u00fcssel winken sie \u00fcber die \u201ehypothetischen\u201c Diskussionen ab. W\u00e4hrend in London die aufgeregten und oft unrealistischen Debatten darum andauern, wie weit man der EU entgegenkommen darf oder wie fern man ihr bleiben sollte, spielt das K\u00f6nigreich in Br\u00fcssel nur noch eine untergeordnete Rolle. Sollte es eines Tages doch eine R\u00fcckkehr w\u00fcnschen, m\u00fcssten die Briten ohne Sonderbehandlung alle strikten Kriterien f\u00fcr das aufw\u00e4ndige Beitrittsverfahren erf\u00fcllen, hei\u00dft es.\n  <\/p>\n<p>            Breixt hatte eine abschreckende Wirkung auf Polen und Niederlande<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Und tats\u00e4chlich hatte das Drama auf der Insel eine abschreckende Wirkung. Frexit, Nexit, Polexit und Dexit &#8211; w\u00e4hrend damals zahlreiche Rechtspopulisten in der Union mit der Idee eines m\u00f6glichen Austritts Frankreichs, der Niederlande, Polens oder Deutschlands flirteten, spricht heute kaum noch jemand davon, die Gemeinschaft verlassen zu wollen. \u201eDer Brexit ist ein solcher Flop und der Prozess war so m\u00fchselig und die Ergebnisse sind aus britischer Sicht so entt\u00e4uschend, dass kein anderes Land den Austritt vorhat und manche Rechtspopulisten auch ihre Rhetorik gewandelt haben\u201c, sagt McAllister.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Nach einem Jahrzehnt der Entfremdung, nach Jahren voller Streitigkeiten \u00fcber Fischfangquoten, Sonderregelungen f\u00fcr Nordirland und faire Wettbewerbsbedingungen, nach schwierigen Verhandlungen \u00fcber das Austrittsabkommen auf der einen und \u00fcber das Handels- und Kooperationsabkommen auf der anderen Seite n\u00e4hern sich die beiden Seiten seit einiger Zeit wieder an. So wird das K\u00f6nigreich etwa 2027 vollst\u00e4ndig an Erasmus+ teilnehmen, dem EU-Austauschprogramm f\u00fcr Studierende. Vorschl\u00e4ge zu Erleichterungen bei den Zollformalit\u00e4ten, zur Zusammenarbeit in der Energiepolitik und zur Jugendmobilit\u00e4t liegen auf dem Tisch.\n  <\/p>\n<p>            EU und Gro\u00dfbritannien versuchen Wiederann\u00e4herung in Teilbereichen<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    EU-Parlamentspr\u00e4sidentin Roberta Metsola warb vor einigen Wochen bei einem Besuch in London f\u00fcr einen Neustart und daf\u00fcr, \u201edie Geister der Vergangenheit\u201c hinter sich zu lassen. Premierminister Keir Starmer strebt seit seinem Einzug in die Downing Street 2024 ebenfalls einen \u201eReset\u201c in den Handels- und Wirtschaftsbeziehungen des K\u00f6nigreichs mit der EU an. In den vergangenen Jahren erhielt aus der Not heraus auch <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/politik\/krieg-gegen-die-ukraine-aerger-bei-eu-gipfel-um-russland-initiative-costas-114490145\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">das E3-Format eine neue Bedeutung<\/a>, die informelle au\u00dfen- und sicherheitspolitische Allianz aus Deutschland, Frankreich und Gro\u00dfbritannien. Gleichwohl machte die EU in der gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik seit dem Abschied der Briten deutliche Fortschritte, wie sie zumindest bis zur Vollinvasion Russlands in die Ukraine Anfang 2022 so nicht denkbar gewesen w\u00e4ren. \u201eDa sind wir seit 2009 so gut wie gar nicht vorangekommen, weil die Briten immer Stopp gesagt haben\u201c, erinnert sich McAllister. Auch bei anderen Integrationsschritten blockierte oder verz\u00f6gerte das K\u00f6nigreich.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Zehn Jahre, nachdem das Referendum zumindest f\u00fcr kurze Zeit die Grundfeste der EU ersch\u00fcttert hatte, ist in Br\u00fcssel kaum noch Wehmut zu sp\u00fcren. Wie auch? Im Europaparlament sitzen mittlerweile nur wenige Abgeordnete, die sich \u00fcberhaupt noch an die britischen Kollegen und eine Zeit als Gemeinschaft aus 28 Mitgliedern erinnern k\u00f6nnen.\n  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Drei Briten wanderten k\u00fcrzlich von London nach Br\u00fcssel. 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