{"id":234234,"date":"2026-06-23T20:15:14","date_gmt":"2026-06-23T20:15:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/234234\/"},"modified":"2026-06-23T20:15:14","modified_gmt":"2026-06-23T20:15:14","slug":"zwischen-technologie-gesellschaft-und-verantwortung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/234234\/","title":{"rendered":"Zwischen Technologie, Gesellschaft und Verantwortung"},"content":{"rendered":"<p> LINZ. 4.329 Einreichungen aus 106 L\u00e4ndern gab es f\u00fcr den Prix Ars Electronica 2026 \u2013 die Goldene Nica-Preistr\u00e4ger stehen fest. Der Preis bleibt dabei ein Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen. \u201eWillkommen in der Welt der unaufl\u00f6sbaren Konflikte\u201c, so Gerfried Stocker, K\u00fcnstlerischer Leiter Ars Electronica. <\/p>\n<p>Unter dem Festivalmotto \u201eNegotiating Humanity\u201c r\u00fcckt das Ars Electronica Festival heuer jene Fragen in den Mittelpunkt, die weltweit f\u00fcr Spannungen sorgen: geopolitische Konflikte, die Folgen des Klimawandels und die Auswirkungen von KI auf das menschliche Selbstverst\u00e4ndnis. Nicht einzelne Krisen stehen im Zentrum sondern eine Gegenwart, in der vieles von dem ersch\u00fcttert wird, was lange als gegeben betrachtet wurde.<\/p>\n<p>Auch die ausgezeichneten Projekte seien ein Ausdruck einer ver\u00e4nderten k\u00fcnstlerischen Praxis. Kunst werde zunehmend nicht nur als Reflexion verstanden, sondern auch als aktive gesellschaftliche Intervention.<\/p>\n<p>Goldene Nica f\u00fcr interaktive Dokumentation zu Gaza<\/p>\n<p>Die Goldene Nica in der Kategorie \u201eInteractive Art +\u201c polarisiert. Ausgezeichnet wurde das britische Kollektiv Forensic Architecture f\u00fcr das Projekt \u201eA Cartography of Genocide: Israel&#8217;s Conduct in Gaza Since October 2023\u201c.<\/p>\n<p>Die Arbeit dokumentiert mithilfe einer interaktiven Online-Karte und eines 827-seitigen Berichts Angriffe auf die Zivilbev\u00f6lkerung und zivile Infrastruktur im Gazastreifen seit Oktober 2023. Tausende Datens\u00e4tze machen Entwicklungen und Zusammenh\u00e4nge sichtbar.<\/p>\n<p>Die Jury, bestehend aus f\u00fcnf internationalen Experten, begr\u00fcndete ihre Entscheidung damit, dass das Projekt Beweismaterial in eine \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche und interaktive Ressource verwandle. Es zeige, \u201ewie K\u00fcnstler, Architekten, Forscher und Designer fortschrittliche Technologien im Dienst von \u00f6ffentlichem Wissen, historischer Dokumentation und gesellschaftlicher Verantwortung einsetzen k\u00f6nnen\u201c.<\/p>\n<p>Ars Electronica weist auf die Kontroversen hin, die mit dem Titel und der Thematik des Projekts verbunden sind. Stocker betont dazu: \u201eUns ist bewusst, dass die Pr\u00e4sentation eines Projekts, das den Begriff \u201eGenozid\u201c explizit im Titel f\u00fchrt, bei vielen Menschen tiefe und gegens\u00e4tzliche Reaktionen ausl\u00f6st: Emp\u00f6rung \u00fcber das massive Leid der Zivilbev\u00f6lkerung in Gaza ebenso wie Schmerz und Widerspruch bei jenen, die in dieser Begriffswahl eine Relativierung der historischen Singularit\u00e4t des Holocaust sehen\u201c, hei\u00dft es seitens Ars Electronica. \u201eZugleich halten wir es gerade aus einer \u00f6sterreichischen Perspektive f\u00fcr notwendig, diese Entscheidung nicht unwidersprochen zu lassen und die historischen, politischen und gesellschaftlichen Implikationen dieser Entscheidung offen zu diskutieren.\u201c<\/p>\n<p>Auch B\u00fcrgermeister Dietmar Prammer (SP\u00d6) stellt sich hinter die Entscheidung der unabh\u00e4ngigen Jury: \u201eDie Arbeit ist hochrelevant und nat\u00fcrlich auch hochaktuell und wird Unterst\u00fctzer und Kritiker gleicherma\u00dfen auf den Plan rufen. Unsere Aufgabe ist es, bei diesem \u201aVerhandeln der Menschlichkeit\u2018 daf\u00fcr zu sorgen, dass der Dialog wertsch\u00e4tzend und auf Augenh\u00f6he erfolgt. In diesem Sinne lade ich alle herzlich dazu ein, das Gespr\u00e4ch \u00fcber das Siegerprojekt respektvoll zu f\u00fchren.\u201d<\/p>\n<p>Im Rahmen des Ars Electronica Festivals wird es am 12. September auch eine Konferenz zum Thema \u201eAntisemitismus im digitalen Zeitalter\u201c geben. Im Fokus stehen dabei die Rolle sozialer Medien, algorithmische Verst\u00e4rkungsmechanismen und KI-generierte Des-information.<\/p>\n<p>Goldene Nicas f\u00fcr Erinnerung, Kulturerbe und digitale Wahrnehmung<\/p>\n<p>In der Kategorie \u201eNew Animation Art\u201c wird der US-K\u00fcnstler Andrew Herzog mit \u201eDeer Hunter\u201c ausgezeichnet. Die filmische Arbeit verbindet Archivmaterial, Familienvideos und generative KI und besch\u00e4ftigt sich mit M\u00e4nnlichkeit, Migration und famili\u00e4ren Pr\u00e4gungen \u00fcber mehrere Generationen hinweg.<\/p>\n<p>Die Goldene Nica in der Kategorie \u201eDigital Humanity\u201c geht an das Projekt \u201eOpen Digital Infrastructure for Shared Histories Cultural Heritage\u201c des SummitShare and Shared Histories Teams aus Schweden und Sambia. Die digitale Plattform verbindet sambische Kulturg\u00fcter in schwedischen Sammlungen mit historischem und m\u00fcndlich \u00fcberliefertem Wissen ihrer Herkunftsgemeinschaften und schafft neue M\u00f6glichkeiten der Mitbestimmung und Zusammenarbeit.<\/p>\n<p>\u201ecreate your world\u201c<\/p>\n<p>In der Jugendkategorie \u201eu19 \u2013 create your world\u201c \u00fcberzeugte der Wiener Jannis Berner mit \u201eReverse Rendering\u201c. Er untersucht darin, wie Fehler und Unsch\u00e4rfen aus digitalen 3D-Scans in den analogen Raum \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen. Ausgangspunkt ist ein Schulsessel, dessen fragmentierte Gestaltung Fragen nach Erinnerung, Wahrnehmung und Realit\u00e4t aufwirft.<\/p>\n<p>Festival im September in Linz<\/p>\n<p>Die ausgezeichneten Projekte werden beim Ars Electronica Festival von 9. bis 13. September 2026 in Linz pr\u00e4sentiert. Gezeigt werden die Gewinnerarbeiten des Prix Ars Electronica und auch des STARTS Prize im Lentos Kunstmuseum.<\/p>\n<p>Kultur-Stadtr\u00e4tin Doris Lang-Mayerhofer (\u00d6VP), Beiratsvorsitzende von Ars Electronica: \u201eDer Prix Ars Electronica ist der traditionsreichste Medienkunstwettbewerb der Welt und zugleich ein wichtiges Trendbarometer f\u00fcr Entwicklungen an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft. Die von einer Jury ausgezeichneten Projekte zeigen, wie Kunst gesellschaftliche Fragen sichtbar machen, Diskussionen ansto\u00dfen und neue Perspektiven er\u00f6ffnen kann. Damit \u00fcbernimmt der Prix eine wichtige gesellschaftliche Verantwortung: Er schafft Raum f\u00fcr Dialog, Meinungsfreiheit und demokratische Auseinandersetzung.\u201c<\/p>\n<p>Auch lesen: <a data-mce-href=\"https:\/\/www.tips.at\/nachrichten\/linz\/kultur\/715095-ars-electronica-2026-verhandelt-zum-30-jahr-jubilaeum-die-zukunft-des-menschseins\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.tips.at\/nachrichten\/linz\/kultur\/715095-ars-electronica-2026-verhandelt-zum-30-jahr-jubilaeum-die-zukunft-des-menschseins\" title=\"Tips\">Ars Electronica 2026 verhandelt zum 30-Jahr-Jubil\u00e4um die Zukunft des Menschseins<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"LINZ. 4.329 Einreichungen aus 106 L\u00e4ndern gab es f\u00fcr den Prix Ars Electronica 2026 \u2013 die Goldene Nica-Preistr\u00e4ger&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":234235,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[30],"tags":[317,46,42,66179,184,44,57636,66178,2227],"class_list":["post-234234","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-linz","tag-317","tag-at","tag-austria","tag-genozid","tag-linz","tag-oesterreich","tag-preistraeger","tag-prix-ars-electronica","tag-stocker"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116801262440653888","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/234234","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=234234"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/234234\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/234235"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=234234"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=234234"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=234234"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}