{"id":237182,"date":"2026-06-25T08:48:08","date_gmt":"2026-06-25T08:48:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/237182\/"},"modified":"2026-06-25T08:48:08","modified_gmt":"2026-06-25T08:48:08","slug":"ein-jahr-barrierefreiheits-gesetz-digitale-teilhabe-auf-dem-pruefstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/237182\/","title":{"rendered":"Ein Jahr Barrierefreiheits-Gesetz: Digitale Teilhabe auf dem Pr\u00fcfstand"},"content":{"rendered":"<p>Ein Jahr nach dem Inkrafttreten des Barrierefreiheits-Gesetzes (BaFG) zeigt ein gemeinsames Projekt der Wirtschafts-Universit\u00e4t Wien (WU) und der Lebenshilfe \u00d6sterreich: Digitale Barrierefreiheit ist essenziell f\u00fcr Teilhabe, in der Praxis bestehen jedoch weiterhin zahlreiche H\u00fcrden.<\/p>\n<p>Am 28. Juni 2025 trat das \u00f6sterreichische Barrierefreiheits-Gesetz (BaFG) in Kraft. Es verpflichtet Unternehmen, ihre digitalen Angebote barrierefrei zu gestalten und gibt Verbraucher*innen das Recht, Verst\u00f6\u00dfe zu melden. Ein Jahr sp\u00e4ter ist die Bilanz ern\u00fcchternd: \u00d6sterreichweit wurden weniger als 100 Verfahren er\u00f6ffnet. Das Gesetz existiert, wird aber wenig genutzt.<\/p>\n<p>Was hat das Projekt bezweckt?<\/p>\n<p>Die Lebenshilfe \u00d6sterreich hat gemeinsam mit sechs Studierenden der WU (Spezialisierung Public and Non Profit Management) untersucht, ob Menschen mit intellektueller Behinderung das BaFG praktisch nutzen k\u00f6nnen. Im April 2026 pr\u00fcften Selbstvertreter*innen \u2013 Menschen mit Behinderungen, die sich selbst f\u00fcr ihre Rechte einsetzen \u2013 gemeinsam mit Studierenden alltagsnahe Websites und reichten daraufhin konkrete Hinweise \u00fcber das Meldeformular des Sozialministeriumservice (SMS) ein.<\/p>\n<p>Was ist dabei herausgekommen?<\/p>\n<p>Die gepr\u00fcften Websites erf\u00fcllen die Anforderungen des BaFG in weiten Teilen nicht: die Schrift ist oft zu klein, die Zoomfunktion fehlt oder funktioniert im Warenkorb nicht. Eine Vorlesefunktion ist auf nahezu keiner Website vorhanden und das, obwohl es gesetzlich vorgeschrieben ist. Inhalte auf Englisch, unklare Fachbegriffe sowie unverst\u00e4ndliche AGB und Cookie-Hinweise erschweren die Nutzung zus\u00e4tzlich. Pflicht-Registrierungen machen Eink\u00e4ufe f\u00fcr viele faktisch unm\u00f6glich.<\/p>\n<p>Besonders gravierend: Auch das Meldeformular des SMS selbst ist nicht barrierefrei. Es ist schwer auffindbar und verwendet unklare Begriffe. Eine Analyse mit der capito.ai-Software ergab, dass das Formular das Kriterium Einfache Sprache (B1) nicht erf\u00fcllt. Kernbefund: Es ist f\u00fcr Selbstvertreter*innen derzeit nicht m\u00f6glich, das Formular eigenst\u00e4ndig auszuf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Julius Szebeni, Mitglied des Mitsprache-Teams der Lebenshilfe Wien, war Teil der Pr\u00fcfgruppe und hat mehrere Websites getestet, sein Res\u00fcmee: \u201eDie Beschwerdem\u00f6glichkeiten sind nicht optimal. Die Seite, wo man sich beschweren kann, ist z.B. ziemlich versteckt und klein geschrieben. Also da gibt es genug Nachholbedarf.\u201c<\/p>\n<p>Nicole Braunstein, Vorsitzende des Selbstvertretungs-Beirats der Lebenshilfe \u00d6sterreich betont:<br \/>\u201eIch w\u00fcrde es gut finden, wenn man wei\u00df, um was es bei den Websites geht und dass man sie selbst bedienen kann. Dann bin ich unabh\u00e4ngiger, weil ich im Internet schauen kann, was ich such, dadurch st\u00e4rkt man das Selbstbewusstsein und hat die Freiheit selbst zu schauen und nicht immer zu fragen kannst du das f\u00fcr mich machen.\u201c<\/p>\n<p>Das Projekt zeigt: Das Barrierefreiheits-Gesetz ist ein wichtiger Schritt, aber nur dann wirksam, wenn Betroffene es auch tats\u00e4chlich nutzen k\u00f6nnen. Die Lebenshilfe \u00d6sterreich empfiehlt daher konkrete Nachbesserungen und stellt folgende drei Forderungen:<\/p>\n<p>Meldeformular barrierefrei gestalten: Ein Gesetz, das Betroffene sch\u00fctzen soll, muss von Betroffenen auch genutzt werden k\u00f6nnen.Bekanntheit des BaFG erh\u00f6hen: Nur wer wei\u00df, wie das Gesetz genutzt werden kann, kann seine Rechte einfordern. Die Lebenshilfe \u00d6sterreich fordert gezielte \u00d6ffentlichkeitsarbeit der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden.Verst\u00e4ndlichkeit als Pflicht verankern: Einfache Sprache muss als verbindliche Anforderung des BaFG bei der Markt\u00fcberwachung aktiv gepr\u00fcft werden. Verst\u00e4ndlichkeit ist keine K\u00fcr, sie ist Voraussetzung f\u00fcr echte digitale Teilhabe.Link:<\/p>\n<p><a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" href=\"https:\/\/lebenshilfe.at\/aktuelles\/pressefotos\/bafg\/\">Fotos<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein Jahr nach dem Inkrafttreten des Barrierefreiheits-Gesetzes (BaFG) zeigt ein gemeinsames Projekt der Wirtschafts-Universit\u00e4t Wien (WU) und der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":237183,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[6],"tags":[26393,26395,46,42,51513,66800,3919,1032,13018,270,6745,44,26394,269,21744,43,45,93,66801],"class_list":["post-237182","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-oesterreich","tag-apa","tag-apa-ots","tag-at","tag-austria","tag-barriere","tag-barrierefreiheitsgesetz","tag-behinderung","tag-digital","tag-diskriminierung","tag-gesellschaft","tag-online-medien","tag-oesterreich","tag-ots","tag-politik","tag-recht","tag-republic-of-austria","tag-republik-oesterreich","tag-unternehmen","tag-wcag"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116809885700094660","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/237182","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=237182"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/237182\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/237183"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=237182"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=237182"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=237182"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}