{"id":239708,"date":"2026-06-26T13:14:11","date_gmt":"2026-06-26T13:14:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/239708\/"},"modified":"2026-06-26T13:14:11","modified_gmt":"2026-06-26T13:14:11","slug":"hitzegefaehrdete-jobs-warum-extreme-temperaturen-europas-wirtschaft-treffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/239708\/","title":{"rendered":"Hitzegef\u00e4hrdete Jobs: warum extreme Temperaturen Europas Wirtschaft treffen"},"content":{"rendered":"<p>In der Europ\u00e4ischen Union ist jede f\u00fcnfte erwerbst\u00e4tige Person bei der Arbeit hohen Temperaturen ausgesetzt. Nach Angaben der Europ\u00e4ischen Agentur f\u00fcr Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) geh\u00f6rt extreme Hitze damit zu den am schnellsten wachsenden arbeitsbedingten Risiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel.<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>Am st\u00e4rksten gef\u00e4hrdet sind Menschen, die im Freien oder in ohnehin hei\u00dfen Innenr\u00e4umen arbeiten. Landwirtschaft, Bauwirtschaft, Verkehr, Industrie, Rettungsdienste und Tourismus geh\u00f6ren zu den Branchen, in denen sich Hitzewellen immer h\u00e4ufiger massiv auf Gesundheit und Produktivit\u00e4t auswirken.<\/p>\n<p>Landwirtschaft und Baugewerbe besonders betroffen<\/p>\n<p>Die Landwirtschaft gilt durchg\u00e4ngig als der Bereich, der extremen Temperaturen am st\u00e4rksten ausgesetzt ist.<\/p>\n<p>Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sind Landarbeiterinnen und Landarbeiter \u00fcber l\u00e4ngere Zeit direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt und verrichten zudem k\u00f6rperlich schwere Arbeit, die die K\u00f6rpertemperatur weiter in die H\u00f6he treibt. Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter sind \u00e4hnlichen Risiken ausgesetzt. Sie arbeiten oft viele Stunden im Freien, verrichten schwere k\u00f6rperliche Arbeit und tragen Schutzkleidung, die die k\u00f6rpereigene K\u00fchlung behindert.<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Erhebung zu den Arbeitsbedingungen 2024 von Eurofound zeigt: 68 % der Besch\u00e4ftigten in der Landwirtschaft und 52 % der Besch\u00e4ftigten im Baugewerbe sind mindestens ein Viertel ihrer Arbeitszeit hohen Temperaturen ausgesetzt. Auch in der Industrie (33 %) und im Verkehr (33 %) ist die Belastung weit verbreitet.<\/p>\n<p>Die Erhebung zeigt zudem, dass der Anteil der Besch\u00e4ftigten in Europa, die zwischen einem Viertel und drei Vierteln ihrer Arbeitszeit gro\u00dfer Hitze ausgesetzt sind, von 13 % im Jahr 1995 auf 21 % im Jahr 2024 gestiegen ist. Hitze am Arbeitsplatz ist damit in vielen Berufen zur Normalit\u00e4t geworden.<\/p>\n<p>Welche Berufe sind am st\u00e4rksten betroffen?<\/p>\n<p>Entscheidend ist weniger der Wirtschaftszweig als der konkrete Beruf.<\/p>\n<p>Nach Angaben von Eurofound sind qualifizierte Besch\u00e4ftigte in der Landwirtschaft mit Abstand am st\u00e4rksten betroffen: 72 % geben an, mindestens ein Viertel ihrer Arbeitszeit bei gro\u00dfer Hitze zu arbeiten.<\/p>\n<p>Es folgen Handwerksberufe mit 53 %. Auch Anlagen- und Maschinenbedienerinnen und \u2011bediener (42 %) sowie einfache T\u00e4tigkeiten (40 %) melden hohe Belastungen. Andere Berufsgruppen, etwa Besch\u00e4ftigte im Dienstleistungs- und Verkaufsbereich, sind deutlich seltener betroffen, wie die untenstehende Grafik zeigt.<\/p>\n<p>Leitende Angestellte, akademische Fachkr\u00e4fte und B\u00fcrokr\u00e4fte berichten von deutlich geringerer Hitzebelastung.<\/p>\n<p>M\u00e4nner deutlich h\u00e4ufiger betroffen<\/p>\n<p>Die Hitzebelastung unterscheidet sich zudem stark nach Geschlecht, denn viele Hochrisikoberufe sind weiterhin m\u00e4nnlich gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Eurofound kommt zu dem Ergebnis: 34 % der M\u00e4nner sind mindestens ein Viertel ihrer Arbeitszeit hohen Temperaturen ausgesetzt, bei Frauen sind es 18 %.<\/p>\n<p>Viele der besonders betroffenen Branchen besch\u00e4ftigen zudem zahlreiche Saisonkr\u00e4fte, Migrantinnen und Migranten sowie Selbstst\u00e4ndige. Diese Gruppen verf\u00fcgen oft \u00fcber einen schw\u00e4cheren arbeitsrechtlichen Schutz und sind seltener gewerkschaftlich organisiert.<\/p>\n<p>Hitze entwickelt sich zum zentralen Gesundheitsrisiko am Arbeitsplatz<\/p>\n<p>Extreme Hitze ist weit mehr als ein blo\u00dfes Unbehagen.<\/p>\n<p>Nach Angaben von EU-OSHA kann l\u00e4ngere Hitzebelastung zu Dehydrierung, Ersch\u00f6pfung und Hitzschlag f\u00fchren und Herz\u2011Kreislauf- sowie Atemwegserkrankungen verschlimmern. Hohe Temperaturen mindern zudem Konzentration und Reaktionsf\u00e4higkeit und erh\u00f6hen damit das Unfallrisiko.<\/p>\n<p>Die konkreten Risiken unterscheiden sich je nach Berufsgruppe.<\/p>\n<p>Landwirtinnen, Landwirte und Besch\u00e4ftigte in der Forstwirtschaft sind zunehmend Zeckenkrankheiten, Allergenen und Luftverschmutzung ausgesetzt. Im Baugewerbe verst\u00e4rken st\u00e4dtische W\u00e4rmeinseln die Belastung und treiben die Temperaturen deutlich \u00fcber das Umland hinaus. Einsatzkr\u00e4fte wie Feuerwehrleute, Polizistinnen, Polizisten und Notfallsanit\u00e4terinnen und \u2011sanit\u00e4ter arbeiten oft unter besonders gef\u00e4hrlichen Bedingungen, wenn sie auf hitzebedingte Notf\u00e4lle reagieren.<\/p>\n<p>Einbu\u00dfen bei der Produktivit\u00e4t<\/p>\n<p>Ein aktueller Bericht von Allianz Trade kommt zu dem Schluss: Steigen die Temperaturen \u00fcber etwa 30 \u00b0C, nehmen Produktivit\u00e4tsverluste sprunghaft zu und bremsen das Wirtschaftswachstum dauerhaft, statt nur vor\u00fcbergehend wetterbedingt zu st\u00f6ren.<\/p>\n<p>Besonders betroffen sind Bauwirtschaft und Landwirtschaft, da die Arbeit in den hei\u00dfesten Stunden des Tages h\u00e4ufig gedrosselt oder ganz unterbrochen werden muss.<\/p>\n<p>Hitze sorgt zudem f\u00fcr St\u00f6rungen in der gesamten Wirtschaft. Die Industrie k\u00e4mpft mit h\u00f6heren K\u00fchlkosten und sinkender Produktivit\u00e4t der Besch\u00e4ftigten. Verkehrsnetze geraten ins Stocken, weil Stra\u00dfen weich werden und sich Schienen ausdehnen oder verformen. Die Stromversorgung steht unter wachsendem Druck: Der Bedarf an K\u00fchlung steigt, zugleich arbeiten Gas\u2011, Kohle\u2011 und Atomkraftwerke weniger effizient, weil w\u00e4rmere Fl\u00fcsse ihre K\u00fchlleistung mindern.<\/p>\n<p>Die Landwirtschaft bleibt besonders verwundbar. Felder und Viehbest\u00e4nde sind direkter, anhaltender Hitze und D\u00fcrre ausgesetzt, das erh\u00f6ht das Risiko schlechterer Ernten und steigender Lebensmittelpreise.<\/p>\n<p>Laut Eurostat stand die Landwirtschaft 2024 f\u00fcr 1,2 % des Bruttoinlandsprodukts der EU. Ihre Bedeutung unterscheidet sich jedoch stark zwischen den Mitgliedstaaten: In Griechenland liegt ihr Anteil bei mehr als 3 % des BIP, in Rum\u00e4nien bei 2,5 %.<\/p>\n<p>Das Baugewerbe tr\u00e4gt dagegen laut Europ\u00e4ischer Kommission rund neun Prozent zum BIP der EU bei und besch\u00e4ftigt etwa 18 Millionen Menschen. Es z\u00e4hlt damit zu den gr\u00f6\u00dften Branchen Europas \u2013 und zu den Bereichen, die durch steigende Temperaturen am st\u00e4rksten aus dem Takt geraten.<\/p>\n<p>Wie lassen sich Besch\u00e4ftigte sch\u00fctzen?<\/p>\n<p>Die j\u00fcngste Hitzewelle erh\u00f6ht auch den Druck, den Arbeitsschutz in Europa zu versch\u00e4rfen.<\/p>\n<p>In mehreren L\u00e4ndern wurden Ma\u00dfnahmen gegen Hitze am Arbeitsplatz versch\u00e4rft oder reaktiviert. Dazu geh\u00f6ren Beschr\u00e4nkungen f\u00fcr Arbeiten im Freien in den hei\u00dfesten Stunden, k\u00fcrzere Schichten und Vorgaben, dass Arbeitgeber Wasser, Schatten und zus\u00e4tzliche Pausen bereitstellen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Der Europ\u00e4ische Gewerkschaftsbund (EGB\/ETUC) forderte die Europ\u00e4ische Kommission in dieser Woche zudem auf, verbindliche EU-weit geltende Regeln zum Schutz vor Hitze am Arbeitsplatz einzuf\u00fchren. Gefordert werden unter anderem eine maximale Arbeitstemperatur, bezahlte Pflichtpausen zur Abk\u00fchlung und ein gesicherter Zugang zu Trinkwasser. Nach Ansicht der Gewerkschaften l\u00e4sst das bisherige Flickwerk nationaler Vorschriften viele Besch\u00e4ftigte unzureichend gesch\u00fctzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In der Europ\u00e4ischen Union ist jede f\u00fcnfte erwerbst\u00e4tige Person bei der Arbeit hohen Temperaturen ausgesetzt. 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