{"id":24092,"date":"2026-03-03T22:32:26","date_gmt":"2026-03-03T22:32:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/24092\/"},"modified":"2026-03-03T22:32:26","modified_gmt":"2026-03-03T22:32:26","slug":"ur-landschaft-europas-offene-flaechen-statt-dichter-waelder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/24092\/","title":{"rendered":"Ur-Landschaft Europas: Offene Fl\u00e4chen statt dichter W\u00e4lder"},"content":{"rendered":"\n<p>Dichte, dunkle W\u00e4lder galten lange als die urspr\u00fcngliche Landschaft Europas. Viele Naturschutzprojekte haben bis heute zum Ziel, diesen scheinbar nat\u00fcrlichen Zustand wiederherzustellen. Doch neue Forschungen zeigen, dass dichte W\u00e4lder ein modernes Ph\u00e4nomen sind. Analysen von Pollen, Fossilien und Sedimenten belegen, dass unser Kontinent \u00fcber Millionen Jahre von einem vielf\u00e4ltigen Mosaik aus Grasland, B\u00fcschen und B\u00e4umen gepr\u00e4gt war, aufrechterhalten durch gro\u00dfe Pflanzenfresser. An diese offene Landschaft sind die meisten hierzulande heimischen Arten angepasst. Um die Artenvielfalt zu erhalten und f\u00fcr Europa typische \u00d6kosysteme zu f\u00f6rdern, sind demnach neue Strategien erforderlich.<\/p>\n<p>Wie sah die \u201enat\u00fcrliche\u201c Landschaft Europas aus, bevor Menschen den Kontinent pr\u00e4gten? Bis heute h\u00e4lt sich das Bild von dichten Urw\u00e4ldern, deren geschlossene Baumkronen kaum Licht bis zum Boden durchlassen. Aufforstungsprojekte versuchen deshalb, nach diesem Vorbild wieder mehr intakte Waldfl\u00e4chen zu schaffen, in der Annahme, damit der Natur und der Artenvielfalt einen Dienst zu erweisen. Doch Studien zeigen zunehmend, dass dieses vermeintliche Ideal eher modernen Forsten gleicht und wenig mit der urspr\u00fcnglichen Natur Europas gemeinsam hat.<\/p>\n<p>Hinweise auf die Vegetation der Vergangenheit<\/p>\n<p>Ein Team um Szymon Czy\u017cewski von der Universit\u00e4t Aarhus in D\u00e4nemark hat nun umfangreiche Belege zusammengetragen, die ein ganz anderes Bild von der europ\u00e4ischen Landschaft der letzten 23 Millionen Jahre zeichnen: \u201e\u00dcbereinstimmende Beweise deuten darauf hin, dass eine mosaikartige Vegetation vorherrschte \u2013 Landschaften, die offenes Grasland, locker bewaldete und geschlossene Waldst\u00fccke kombinieren und die wahrscheinlich zum gro\u00dfen Teil durch reichlich vorhandene wilde gro\u00dfe Pflanzenfresser erhalten blieben\u201c, berichten die Forschenden.<\/p>\n<p>F\u00fcr ihre Studie kombinierten Czy\u017cewski und seine Kollegen zahlreiche pal\u00e4o\u00f6kologische Hinweise, darunter fossile Pollen, Pflanzenmakrofossilien, Holzkohlepartikel alter Br\u00e4nde, Isotopenanalysen aus Z\u00e4hnen und Knochen von Pflanzenfressern, fossile Insekten und S\u00e4ugetiere sowie Umwelt-DNA, die in Sedimenten erhalten geblieben ist. \u201eJede Art von Proxy bietet ihre eigene Perspektive, aber zusammen lassen sie uns erkennen, ob die Landschaften von dichten W\u00e4ldern, offenem Grasland oder einer Mischung aus beidem bedeckt waren\u201c, erkl\u00e4rt Czy\u017cewski. \u201eDurch die Kombination dieser Datens\u00e4tze \u00fcber einen langen Zeitraum hinweg \u2013 vom Mioz\u00e4n bis zur vorindustriellen Zeit \u2013 konnten wir langfristige Ver\u00e4nderungen in der Vegetation und die Rolle gro\u00dfer Pflanzenfresser mit viel gr\u00f6\u00dferer Sicherheit nachverfolgen als fr\u00fchere Studien, die nur eine Methode verwendeten.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wissenschaft.de\/wp-content\/uploads\/2\/6\/26-03-03-waldland2.jpg\" rel=\"attachment wp-att-341337 nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-341337\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/26-03-03-waldland2-275x300.jpg\" alt=\"Landschafts-Rekonstruktion\" width=\"275\" height=\"300\"  \/><\/a>Rekonstruierte Vegetation in verschiedenen Epochen der letzten 23 Millionen Jahre. \u00a9 M\u00e1rton ZsoldosNeue Wege f\u00fcr modernen Naturschutz<\/p>\n<p>Im Europa vor der Zeit der Menschen trampelten demnach Mammuts, Auerochsen und Co. breite Schneisen zwischen die B\u00e4ume und schufen damit lichte Fl\u00e4chen, auf denen eine Vielfalt an Wildblumen gedieh. Als die Menschen nach und nach die wildlebenden gro\u00dfen Pflanzenfresser ausrotteten, nahmen domestizierte Weidetiere zun\u00e4chst ihre \u00f6kologische Rolle ein. Doch mit zunehmender Industrialisierung der Landwirtschaft wurden K\u00fche, Schafe, Schweine und Ziegen mehr und mehr in St\u00e4llen und eng umz\u00e4unten Weiden gehalten. Erst dadurch ergab sich die heutige strikte Trennung zwischen lichten Wiesen und Feldern und dichten, dunklen W\u00e4ldern.<\/p>\n<p>\u201eIn den \u00d6kosystemen, die wir heute in Europa sehen, fehlen die gro\u00dfen wildlebenden Pflanzenfresser, die nicht nur die Landschaften gepr\u00e4gt, sondern auch ihre Artenvielfalt \u00fcber Millionen von Jahren hinweg erhalten haben\u201c, sagt Czy\u017cewski. \u201eDie dramatischste Ver\u00e4nderung hat sich gr\u00f6\u00dftenteils in den letzten hundert Jahren vollzogen, als die traditionelle extensive Beweidung aus weiten Teilen der Landschaft verschwand.\u201c<\/p>\n<p>Bis heute sind die meisten in Europa heimischen Tiere und Pflanzen eher an offene Landschaften als an W\u00e4lder angepasst. Die moderne Naturschutzpraxis, die vor allem W\u00e4lder als nat\u00fcrliche Biotope f\u00f6rdert, l\u00e4uft dem zuwider. \u201eDas ist nicht nur sch\u00e4dlich f\u00fcr die Artenvielfalt, sondern steht auch in direktem Widerspruch zu den \u00d6kosystemen, in denen sich die europ\u00e4ischen Arten \u00fcber Millionen von Jahren entwickelt haben\u201c, sagt Czy\u017cewskis Kollege Jens-Christian Svenning. \u201eStattdessen sollten Wiederherstellungsbem\u00fchungen einen gr\u00f6\u00dferen Schwerpunkt auf die Schaffung und Erhaltung von Mosaiken aus Wald- und offenen Lebensr\u00e4umen legen \u2013 nicht zuletzt durch die Wiederansiedlung nat\u00fcrlich lebender gro\u00dfer Pflanzenfresser.\u201c<\/p>\n<p>Quelle: Szymon Czy\u017cewski (Universit\u00e4t Aarhus, D\u00e4nemark) et al., Biological Conservation, <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0006320726000571\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">doi: 10.1016\/j.biocon.2026.111749<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-meta meta-small\"> \u00a9 wissenschaft.de &#8211; Elena Bernard<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Dichte, dunkle W\u00e4lder galten lange als die urspr\u00fcngliche Landschaft Europas. 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