{"id":24293,"date":"2026-03-04T02:15:32","date_gmt":"2026-03-04T02:15:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/24293\/"},"modified":"2026-03-04T02:15:32","modified_gmt":"2026-03-04T02:15:32","slug":"in-wien-lebende-kuenstlerin-vasilyeva-harrt-nahe-tel-aviv-aus-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/24293\/","title":{"rendered":"In Wien lebende K\u00fcnstlerin Vasilyeva harrt nahe Tel Aviv aus"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Ich glaube, ich stehe noch unter Schock und kann es noch nicht ganz reflektieren&#8220;, erz\u00e4hlt die K\u00fcnstlerin, die Medienkunst in M\u00fcnchen und danach Transmediale Kunst an der Angewandten in Wien studiert hat, im Telefonat mit der APA. &#8222;F\u00fcr mich ist es mein erster Krieg.&#8220; Ihr Umfeld reagiere auf die zahlreichen Bombenalarme hingegen &#8222;erstaunlich routiniert&#8220;, sie selbst sei gestresst, f\u00fchle sich aber &#8222;sehr gut versorgt, was die Sicherheit angeht&#8220;. &#8222;Wenn man den Anweisungen der Armee folgt und in den Bunker geht, wenn die Sirene kommt, f\u00fchlt man sich irgendwie ein bisschen in Sicherheit.&#8220; Der n\u00e4chste Luftschutzbunker sei eine Minute von ihrer Unterkunft entfernt, nachts schl\u00e4ft sie dort. &#8222;Wenn man das nicht kennt, kann man es sich gar nicht vorstellen.&#8220;<\/p>\n<p>In der Performance, die sie seit November erarbeitet, will sie sexualisierte Gewalt gegen Frauen in Kriegssituationen thematisieren, Ende M\u00e4rz h\u00e4tte ihre Residency geendet. Wie es nun weitergeht, und wann sie das Land verlassen kann, wei\u00df sie derzeit nicht. Dass sie der Krieg nun selbst eingeholt hat, seit der Iran Vergeltung f\u00fcr den US-israelischen Angriff sucht, sei eine existenzielle Erfahrung, in der man anfange, das Leben anders zu sehen. &#8222;In Friedenszeiten hat man Privilegien, die man nicht sch\u00e4tzen kann. Man versteht es erst, wenn man sie verliert, wenn man einfach Angst hat um sein Leben.&#8220;<\/p>\n<p>Gewisserma\u00dfen habe Krieg ihren Blick auf die Realit\u00e4t aber schon fr\u00fcher ver\u00e4ndert, schlie\u00dflich sei ein Teil ihrer Familie in Kiew gewesen, als vor vier Jahren der russische Angriffskrieg begann. Schon damals habe der Krieg ihre k\u00fcnstlerische Perspektive verschoben. Ihre Arbeiten in den vergangenen Jahren h\u00e4tten sich jedoch auf eine abstrakte, universelle Art und Weise mit dem Krieg auseinandergesetzt. Unter Verwendung ihres eigenen K\u00f6rpers als &#8222;Ort der Transformation&#8220; zeigt sie in ihren digital manipulierten und performativ inszenierten Arbeiten auf, &#8222;wie patriarchale Strukturen, sexualisierte Gewalt und gesellschaftliche Normen die weibliche K\u00f6rperlichkeit pr\u00e4gen&#8220;. Darunter finden sich etwa die Multikanal-Installation &#8222;War Chronicles&#8220; oder die Videoarbeit &#8222;The Last Supper&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Und jetzt, wo ich den Krieg pers\u00f6nlich erfahre, ist es nat\u00fcrlich noch viel intensiver und einfach unvorstellbar. Man kann sich das wirklich nicht vorstellen.&#8220; Sie habe vor Antritt ihres Stipendiums zwar um eine gewisse Kriegsgefahr gewusst, die sich in den vergangenen Wochen verdichtet habe, aber das reale Erleben sei &#8222;einfach komplett anders&#8220;. Viele der Menschen, mit denen sie in den vergangenen Monaten zusammengearbeitet hat, wohnen in Tel Aviv und h\u00e4tten sich entschieden, bei Verwandten zu wohnen, die \u00fcber eigene Bunker verf\u00fcgen. &#8222;Das ist jetzt die erste Priorit\u00e4t, nach der man sich orientiert.&#8220;<\/p>\n<p>Was sie besonders ber\u00fchrt, ist die Erfahrung des unglaublichen Zusammenhalts zwischen den Menschen. Auch sei sie \u00fcberrascht, dass nach wie vor alle Superm\u00e4rkte ge\u00f6ffnet seien und man sogar Essen bestellen k\u00f6nne. &#8222;Das Leben hier geht weiter. Mit st\u00fcndlichen Unterbrechungen.&#8220;<\/p>\n<p>(Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte Sonja Harter\/APA)<\/p>\n<p>ZUR PERSON: Mariya Vasilyeva wurde 1993 in Kiew (Ukraine) geboren und migrierte im Alter von zw\u00f6lf Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland. Von 2013 bis 2019 studierte sie Medienkunst in M\u00fcnchen, von 2017 bis 2024 absolvierte sie ein Studium der Transmedialen Kunst an der Universit\u00e4t f\u00fcr Angewandte Kunst in Wien. Ihre Arbeiten waren in zahlreichen Ausstellungen in u.a. London, Warschau, Gent und Moskau zu sehen, in Wien stellte sie u.a. auf der Parallel Vienna, in der Kunsthalle Wien oder im weissen haus aus. Sie erhielt zahlreiche Stipendien, 2019 gewann sie den \u00d61 Talente Award, 2023 war sie Finalistin des Erste Bank Art Awards. Zuletzt erhielt sie die Dialogue Residency des \u00d6sterreichischen Kulturforums in Tel Aviv.<\/p>\n<p>(S E R V I C E &#8211; <a href=\"https:\/\/www.mariyavasilyeva.com\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">www.mariyavasilyeva.com<\/a> )<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#8222;Ich glaube, ich stehe noch unter Schock und kann es noch nicht ganz reflektieren&#8220;, erz\u00e4hlt die K\u00fcnstlerin, die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":24294,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[28],"tags":[2338,46,1769,42,12280,75,2764,1423,1010,750,4363,4211,679,5696,435,2340,922,44,1787,439,12281,12282,181,1236,182],"class_list":{"0":"post-24293","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wien","8":"tag-asien","9":"tag-at","10":"tag-atompolitik","11":"tag-austria","12":"tag-bildende-kunst","13":"tag-europa","14":"tag-int-beziehungen","15":"tag-interview","16":"tag-iran","17":"tag-israel","18":"tag-jerusalem","19":"tag-kaempfe","20":"tag-konflikte","21":"tag-kultur-oesterreich","22":"tag-militaer","23":"tag-mittel","24":"tag-nord-und-mittelamerika","25":"tag-oesterreich","26":"tag-teheran","27":"tag-usa","28":"tag-usa-iran-israel","29":"tag-verstehen-give-me-perspective","30":"tag-vienna","31":"tag-washington","32":"tag-wien"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116168499103196327","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24293","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24293"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24293\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/24294"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24293"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24293"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24293"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}