{"id":244448,"date":"2026-06-29T06:44:19","date_gmt":"2026-06-29T06:44:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/244448\/"},"modified":"2026-06-29T06:44:19","modified_gmt":"2026-06-29T06:44:19","slug":"clive-davis-pre-grammy-gala-die-letzte-grosse-musikbiz-party","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/244448\/","title":{"rendered":"Clive Davis&#8216; Pre-Grammy-Gala: Die letzte gro\u00dfe Musikbiz-Party"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/716b490adb3f43e1922fad6d99f451b4.gif\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\"\/>Es gibt einen Moment zu Beginn der allj\u00e4hrlichen Pre-Grammy-Gala von <a href=\"https:\/\/www.rollingstone.de\/clive-davis-beerdigung-alicia-keys-bruce-springsteen-3162017\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Clive Davis<\/a>, die traditionell am Vorabend der gro\u00dfen Show stattfindet, in dem einem geladenen Gast klar wird: So besonders bist du gar nicht. Klar, dein Name steht auf der G\u00e4steliste f\u00fcr das Dinner im Beverly Hilton Hotel in Beverly Hills \u2013 dem Ort der Veranstaltung seit nunmehr zwei Jahrzehnten \u2013, aber dein Stellenwert in der Musikbranche reduziert sich auf einen kleinen Papierzettel mit einer Tischnummer, hingekritzelt mit einem Filzstift. Alles im zweistelligen Bereich, und du sitzt im goldenen Kreis; die 100er bedeuten: sehr, sehr wichtig; die 200er, du hast dein Leben der Musik gewidmet; die 300er \u2013 <a href=\"https:\/\/www.rollingstone.com\/music\/music-features\/clive-davis-pre-grammy-gala-last-great-music-industry-party-1235585594\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">du bist im Gesch\u00e4ft, vielleicht am Rande, aber immerhin weit genug oben, um eine Einladung zu ergattern. Ohne Begleitung. (Hand hoch.)<\/a><\/p>\n<p>Davis, der letzte Woche im Alter von 94 Jahren starb, war bei der Gala, die er vor rund 50 Jahren ins Leben rief, nicht einfach nur pr\u00e4sent \u2013 die Branchenlegende mit einer Erfolgsgeschichte, die sechs Jahrzehnte umspannte, war das Ereignis selbst. Am Podium stehend hielt Davis buchst\u00e4blich stundenlange, detailreiche Laudationes, wies auf Pers\u00f6nlichkeiten im Saal hin und z\u00e4hlte deren j\u00fcngste Erfolge auf. Jeder dieser Momente baute sich mit wachsender Spannung auf. Davis sagte dann so etwas wie: \u201eDieser K\u00fcnstler hat Platz eins der \u201eBillboard\u201c-Charts erreicht; die j\u00fcngste Welttournee war in Minuten ausverkauft; die neue TV-Show\/Doku\/das neue Projekt ist bereits ein riesiger Erfolg; das ist ein K\u00fcnstler f\u00fcr K\u00fcnstler\u201c \u2013 oder vielmehr: \u201eein K\u00fcnstlah fah K\u00fcnstlah\u201c, immer mit dem unverkennbaren New Yorker Akzent. Wer k\u00f6nnte es sein? Man setzt die Puzzleteile zusammen. Miley Cyrus? Post Malone? Jay-Z? Niemand w\u00e4re in diesem Rahmen fehl am Platz gewesen.<\/p>\n<p>Dass die Clive-Davis-Gala den Untertitel \u201eSalute to Industry Icons\u201c tr\u00e4gt, ist treffend \u2013 denn so sehr der Abend ein Fest der Erfolge der Musikwelt ist, geh\u00f6ren viele der Anwesenden selbst zu dem Apparat, der diese Erfolge erst m\u00f6glich macht. Daher auch die Genugtuung, wenn die Einladung ins Haus flattert. Zugegeben, die eigentliche Einladung ist l\u00e4ngst nicht mehr so aufwendig gestaltet wie in den Neunzigern und den Nullerjahren \u2013 als eine handgelieferte Box ankam, gepr\u00e4gt mit den Worten \u201ethe tradition continues\u201c \u2013, aber ihr Gewicht ist auch im digitalen Format ungebrochen.<\/p>\n<p>Ein Abend ohne Absperrungen<\/p>\n<p>Ironischerweise gibt es drinnen keine Samtseile. Promi-Gaffen \u2013 Taylor Swift, Rihanna, Barbra Streisand oder eine Kardashian aus sicherer Entfernung be\u00e4ugen \u2013 ist f\u00fcr einen Moment neu, aber das eigentliche Geschehen spielt sich beim Netzwerken ab: an den vorderen Tischen, drau\u00dfen auf dem Balkon, hinten im Saal. Ich habe einmal beobachtet, wie Billie Eilish wild entschlossen auf Lana Del Rey zust\u00fcrmte; habe gesehen, wie Joni Mitchell zu Latto tanzte; und entdeckt, wie alle m\u00f6glichen Leute \u2013 von Max Martin \u00fcber Nancy Pelosi bis Don Lemon \u2013 von F\u00f6rderern und Schmeichlern in die Enge getrieben wurden. Ich habe P\u00e4rchen beim Knutschen gesehen (Cardi B und Offset, Damiano David und Dove Cameron) und Konkurrenten beim Sticheln geh\u00f6rt (Jimmy Iovine, 2014 in Vertretung von Beats, lobte seinen gerade gestarteten Musikdienst als den Ort, \u201ewo du f\u00fcr jeden Stream bezahlt wirst\u201c). Selbst die Gro\u00dfen blieben nicht verschont: Sir Lucian Grainge musste 2018 erleben, wie Shania Twain seinen Namen in den Text ihres Hits \u201eThat Don\u2019t Impress Me Much\u201c einbaute.<\/p>\n<p>Und dann waren da die au\u00dfergew\u00f6hnlichen Performances. Es sind zu viele, um sie alle zu nennen, aber einige brennen sich besonders tief ins Ged\u00e4chtnis: Beck und die \u00fcberlebenden Nirvana-Mitglieder, die 2017 David Bowies \u201eThe Man Who Sold the World\u201c coverten; The Time (mit Originalmitgliedern Morris Day, Jerome Benton, Jimmy Jam und Terry Lewis), die 2019 zu Ehren des Wegbereiters Clarence Avant \u201eJungle Love\u201c spielten; Elvis Costello und Juanes, die 2023 gemeinsam \u201e(What\u2019s So Funny \u201aBout) Peace, Love and Understanding\u201c darboten.<\/p>\n<p>Was die schiere Anzahl an Live-Performances betrifft, ist das Programm des Abends durchaus mit dem der Grammy Awards selbst vergleichbar \u2013 ganz zu schweigen von den Kollaborationen, etwa als John Fogerty 2014 zu Foo-Fighters-Schlagzeuger Dave Grohl und Jennifer Hudson stie\u00df, um die Creedence-Klassiker \u201eFortunate Son\u201c und \u201eProud Mary\u201c zu spielen. Unvergesslich bleibt auch der Moment, als Jamie Foxx 2006 das Publikum verbl\u00fcffte, indem er Fantasia Barrino spontan f\u00fcr ein Duett von \u201eDo What It Do\u201c auf die B\u00fchne holte.<\/p>\n<p>Entdecker neuer Talente<\/p>\n<p>Davis war auch ein verl\u00e4sslicher F\u00f6rderer neuer Talente. Die diesj\u00e4hrige Gala stellte Olivia Dean und Sombr vor, fr\u00fchere Ausgaben machten die Anwesenden mit Lorde, Doechii und Benson Boone bekannt. Wie bei der Zeremonie der Rock &amp; Roll Hall of Fame gipfelte der Abend h\u00e4ufig in einem All-Star-Jam mit den K\u00fcnstlern des Abends. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Saal meist schon merklich geleert. Ausdauertechnisch konnte niemand mit Clive mithalten \u2013 er veranstaltete traditionell eine After-Afterparty in der Polo Lounge des Beverly Hills Hotel, wo Freunde (wie die Stammg\u00e4ste Ari Melber und Jeff Ross), Familie und Gratulanten zusammenkamen.<\/p>\n<p>Als Clive Davis 90 wurde, kursierten bereits Fragen, was aus der Gala wird, wenn er einmal nicht mehr da ist. Sohn Doug Davis, ein angesehener Musikanwalt, hatte die Produktion der Veranstaltung mit Bravour gestemmt, den Sitzplan penibel ausgearbeitet und die zahlreichen Teilnahmeanfragen koordiniert. Doug erz\u00e4hlte \u201eVariety\u201c 2018, sein Vater habe ihm und seinen Geschwistern erst ab 16 Jahren gestattet, die Gala zu besuchen. Als Erwachsener steckte er 20 Jahre in die Veranstaltung, w\u00e4hrend er gleichzeitig seine eigene Anwaltskanzlei f\u00fchrte \u2013 zwei Vollzeitjobs, wenn man so will.<\/p>\n<p>Naheliegend w\u00e4re, dass die Recording Academy, die die j\u00e4hrlichen Grammy Awards ausrichtet, das Ruder \u00fcbernimmt. Die von Harvey Mason Jr. gef\u00fchrte Organisation ist seit 15 Jahren offizieller Partner der Gala. Ihr CEO, selbst ein renommierter Produzent (zu seinen Credits z\u00e4hlen Aufnahmen mit Whitney Houston, die in der Nacht von Clive Davis\u2018 Pre-Grammy-Gala 2012 tragisch ums Leben kam \u2013 die Show ging, nicht ohne Kontroversen, weiter), hat sich als Freund der Branche und engagierter F\u00fcrsprecher der Musikschaffenden erwiesen.<\/p>\n<p>Wer \u00fcbernimmt das Erbe?<\/p>\n<p>Andere verweisen auf Davis-Z\u00f6gling Larry Jackson. Der einstige Schalttechniker, der zum Music Director bei San Franciscos KMEL aufstieg, bekleidete danach A&amp;R-Positionen bei RCA und J Records, wo er unter Davis\u2018 Mentorship mit Hudson und Leona Lewis arbeitete. Zu seinen Verdiensten z\u00e4hlen auch die Verpflichtungen von Lana Del Rey und Chief Keef zu Interscope, bevor er zu Label-Chef Iovine bei Beats by Dr. Dre wechselte. 2014 zog Jackson zu Apple Music weiter, wo er sich auf Talent Relations konzentrierte und Partnerschaften mit Nicki Minaj, Frank Ocean und Taylor Swift, unter anderem, schloss. 2023 gr\u00fcndete er gamma., mit einem gemeldeten Investitionsvolumen von einer Milliarde Dollar von Geldgebern wie Todd Boehley und Apple. Zum aktuellen Roster geh\u00f6ren Usher, Ye, Rick Ross, Snoop Dogg, North West und Sexyy Red. Das bislang eindr\u00fccklichste Beispiel f\u00fcr Jacksons Einfluss war seine von gamma. veranstaltete Grammy-Afterparty im Februar \u2013 ausgerechnet in der Polo Lounge. Unter den G\u00e4sten: Justin Bieber, Jamie Foxx und Lauryn Hill, die spontan das Mikrofon ergriff und eine Medley-Einlage zum Entz\u00fccken der Menge hinlegte.<\/p>\n<p>Gibt es einen anderen Manager mit Clive Davis\u2018 Renommee und Zugkraft? Wer vergleichbares Gewicht beanspruchen k\u00f6nnte \u2013 wie Jimmy Iovine oder David Geffen \u2013, hat die Branche l\u00e4ngst gegen andere Gefilde eingetauscht. Und Davis\u2018 Tod f\u00fchlt sich wirklich wie das Ende einer \u00c4ra an. Schlie\u00dflich l\u00e4sst sich das Musikgesch\u00e4ft schwer feiern, wenn Songwriter kaum noch \u00fcber die Runden kommen, wenn die Werke von Musikern zur Trainingsgrundlage f\u00fcr KI werden oder wenn Bots und digital hochgepushte Clips als Hype durchgehen, ohne jede echte Kuratierung. Ob Clive Davis\u2018 Geschichten von \u201eGeh\u00f6r haben\u201c oder von mutigen Wetten \u2013 gegen den Strom oder mit ihm \u2013 in der heutigen kennzahlengetriebenen Branche noch verfangen w\u00fcrden, bezweifle ich. Aber es hat verdammt viel Spa\u00df gemacht, solange es dauerte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es gibt einen Moment zu Beginn der allj\u00e4hrlichen Pre-Grammy-Gala von Clive Davis, die traditionell am Vorabend der gro\u00dfen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":244449,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[24],"tags":[46,42,65925,147,50044,68092,68091,153,154,44,148,28855],"class_list":["post-244448","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-musik","tag-at","tag-austria","tag-clive-davis","tag-entertainment","tag-grammy-awards","tag-jimmy-iovine","tag-larry-jackson","tag-music","tag-musik","tag-oesterreich","tag-unterhaltung","tag-whitney-houston"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116832047392802047","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/244448","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=244448"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/244448\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/244449"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=244448"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=244448"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=244448"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}