{"id":2448,"date":"2026-02-20T09:02:04","date_gmt":"2026-02-20T09:02:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/2448\/"},"modified":"2026-02-20T09:02:04","modified_gmt":"2026-02-20T09:02:04","slug":"warum-europa-unterschaetzt-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/2448\/","title":{"rendered":"Warum Europa untersch\u00e4tzt wird"},"content":{"rendered":"<p>Es ist zur Zeit sehr einfach, in den Kanon rund um Europas Untergang einzustimmen. Nicht nur KulturpessimistInnen sehen den einst glorreichen Kontinent mit nicht bew\u00e4ltigbaren Problemen konfrontiert. Man hat den Anschluss an die Zukunft verloren, ja wahrscheinlich sogar den an die Gegenwart.<\/p>\n<p>Die rund 450\u00a0Millionen EU-B\u00fcrgerInnen seien vor allem ein wokes, selbstoptimiertes und mitleidiges Volk geworden. Sie besch\u00e4ftigten sich viel mit Life und wenig mit Work, widmeten sich im Rahmen ihrer Viertagewoche am liebsten Nebenschaupl\u00e4tzen wie dem Gendern, und das vorzugsweise aus dem Homeoffice. Verwaltet sei der Kontinent in dieser Dystopie von einem korrupten Apparat an PolitikerInnen und Lobbyisten, die vor allem auf den eigenen Vorteil bedacht seien und den gr\u00f6\u00dften Binnenmarkt der Welt am liebsten \u00fcberregulierten, um st\u00e4ndig mit ebenso neuen wie sinnlosen Vorschriften eine wirtschaftliche Konkurrenzf\u00e4higkeit auf der weltweiten B\u00fchne zu verhindern. Ein Kontinent als gr\u00f6\u00dftes Freiluftmuseum der Welt, in dem sich die EinwohnerInnen um ein paar schaulustige TouristInnen k\u00fcmmern und sich gegenseitig nur noch die Haare schneiden\u00a0\u2013 so lautet das letzte Kapitel im Buch zum Untergang, der f\u00fcr viele kurz bevorsteht.<\/p>\n<p>Nicht mit mir! Da ich mit dem\u00a0pl\u00f6tzlichen Wegfall von lukullischen Gen\u00fcssen und Alkohol in der Fastenzeit historisch betrachtet keine allzu beeindruckende Erfolgsbilanz vorweisen kann, verzichte ich heuer 40\u00a0Tage auf diesen Pessimismus\u00a0und blende\u00a0die europ\u00e4ischen Probleme, die es auch in neutraler Betrachtungsweise nat\u00fcrlich gibt, nicht nur aus, sondern konzentriere mich voll und ganz auf ein positives Zukunftsbild unseres Kontinents \u2013 auf eines, das von einem neuen Selbstbewusstsein gepr\u00e4gt sein wird, das uns nicht kleiner macht, als uns manche ohnehin sehen wollen.\u00a0<\/p>\n<p>Europa darf n\u00e4mlich nicht nur stolz auf seine Geschichte sein, sondern auch auf seine Gegenwart.\u00a0<\/p>\n<p>Wenn auch unter erschwerten Bedingungen, so wird doch immer noch viel erfunden und geschaffen. Und es wird auch gearbeitet.\u00a0<\/p>\n<p>Bei genauerer Betrachtung ist Europas zwar abnehmende, aber immer noch pr\u00e4sente Unterw\u00fcrfigkeit gegen\u00fcber Amerika auch ein Charakterzug der \u00dcberlegenheit. Wir sind kultivierter, zur\u00fcckhaltender und vielleicht manchmal zu h\u00f6flich. Aber auch das macht unsere europ\u00e4ische Identit\u00e4t aus. Oder glauben Sie wirklich, dass Europas schlauste Hirne keine Druckmittel gegen den willk\u00fcrlichen Wahnsinn aus der ehemals \u00e4ltesten Demokratie der Welt parat h\u00e4tten? Wie schnell w\u00fcrde sich der Wind drehen, wenn wir androhten, internationale Bankgesch\u00e4fte k\u00fcnftighin in Euro statt in Dollar abzuwickeln? Wie viele Zollfantasien w\u00fcrden zerplatzen, wenn wir keine Waffen mehr in Amerika bestellten oder endlich auf Fracking-Gas verzichteten? Nur weil wir nicht jedes Druckmittel sofort einsetzen, bedeutet das nicht, dass wir es nicht irgendwann tun werden. Nicht auf die gleiche Art zu reagieren, wie ein Trump agiert, muss nicht Schw\u00e4che, sondern kann auch Haltung bedeuten.\u00a0<\/p>\n<p>Es ist jedenfalls Zeit f\u00fcr ein neues europ\u00e4isches Selbstbewusstsein, basierend auf einer ganz eigenen Daseinsberechtigung, die mit Amerika so viel zu tun hat wie Island mit Gr\u00f6nland oder Ex-Prinz Andrew mit der Unschuldsvermutung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es ist zur Zeit sehr einfach, in den Kanon rund um Europas Untergang einzustimmen. 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