{"id":245015,"date":"2026-06-29T12:34:11","date_gmt":"2026-06-29T12:34:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/245015\/"},"modified":"2026-06-29T12:34:11","modified_gmt":"2026-06-29T12:34:11","slug":"ingeborg-bachmann-zum-100-geburtstag-die-5-besten-texte-und-zitate","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/245015\/","title":{"rendered":"Ingeborg Bachmann zum 100. Geburtstag: Die 5 besten Texte und Zitate"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Bei dieser Schriftstellerin muss man vorsichtig sein. So viele Mythen ranken sich um ihre Person, so viele Zuschreibungen verstellen den Blick auf ihr Werk. Das Beste, was man tun kann: einfach lesen. Denn Bachmann (1926 bis 1973) war nicht nur ihrer Zeit voraus, was ihre Themen betrifft, und sie war nicht nur ziemlich mutig in Bezug auf die Form ihrer Texte. Vor allem schrieb sie S\u00e4tze, die man auf H\u00e4userw\u00e4nde pinseln oder auf T-Shirts drucken lassen m\u00f6chte. \u201eDie Wahrheit ist dem Menschen zumutbar\u201c ist der ber\u00fchmteste. Und damit man die sch\u00f6nsten nicht lange suchen muss, soll die folgende Liste eine Handreichung zur (Wieder-)Begegnung mit dem Kosmos von Ingeborg Bachmann erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>\u201eHerzzeit: Der Briefwechsel mit Paul Celan\u201c.      <\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Es mag eigenartig anmuten, diese Liste mit Briefen zu beginnen. Aber die Korrespondenzen etwa mit Max Frisch (Lebenspartner f\u00fcr mehrere Jahre), Hans Magnus Enzensberger (kurze Aff\u00e4re, lange Freundschaft) oder Heinrich B\u00f6ll (Ratgeber und Vertrauter) machen den gr\u00f6\u00dften Teil von Bachmanns Werk aus. Der ergreifendste ist der mit der (ungl\u00fccklichen) Liebe ihres Lebens, dem Dichter Paul Celan. Die beiden lernen einander 1948 kennen, er schickt ihr Mohnblumen \u2013 und heiratet 1952 doch eine andere.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Sp\u00e4ter tanzen sie wieder umeinander herum, es ist so etwas wie eine On\/Off-Beziehung. Als die Briefe als Buch erscheinen, vergleichen Rezensenten sie mit Kafkas Briefen an Felice, dem tragischsten postalischen Sturmlauf der Weltliteratur. Bevor Bachmann Celan in Paris besucht, schreibt sie: \u201eF\u00fchr mich an die Seine, wir wollen so lange hineinschauen, bis wir kleine Fische geworden sind und uns wieder erkennen.\u201c Und: \u201eEs ist eine sch\u00f6ne Liebe, in der ich mit Dir lebe, und nur weil ich Angst habe, zu viel zu sagen, sage ich nicht, dass sie die sch\u00f6nste ist.\u201c<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Sch\u00f6nster Satz: \u201eF\u00fcr mich bist Du Du.\u201c<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Als Lyrikerin wurde Ingeborg Bachmann ber\u00fchmt, der \u201eSpiegel\u201c nahm sie 1954 aufs Cover. Ein wiederkehrendes Motiv im Werk Bachmanns ist der Krieg. Besonders deutlich wird das in \u201eAlle Tage\u201c: \u201eDer Krieg wird nicht mehr erkl\u00e4rt, sondern fortgesetzt. Das Unerh\u00f6rte ist allt\u00e4glich geworden.\u201c In dem Band \u201eAnrufung des Gro\u00dfen B\u00e4ren\u201c (1956) springen einem auf jeder Seite gl\u00e4nzende Verse entgegen. R\u00e4tselhafte wie \u201eZur Silbersandmusik tanzt scheu der Skorpion\u201c. Oder wahnsinnig traurige wie \u201eDein Herz hat anderswo zu tun\u201c aus \u201eErkl\u00e4r mir, Liebe\u201c. Ihr gr\u00f6\u00dftes Gedicht ist \u201eB\u00f6hmen liegt am Meer\u201c aus dem Jahr 1964. Sie entwirft darin mit Bezug auf Shakespeares \u201eWinterm\u00e4rchen\u201c einen utopischen Ort der Sehnsucht und Zuflucht.<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Sch\u00f6nster Satz: \u201eNichts Sch\u00f6neres unter der Sonne, als unter der Sonne zu sein.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIhr gl\u00fccklichen Augen\u201c      <\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Es sagt viel aus \u00fcber die m\u00e4nnlich dominierte Literaturkritik jener Zeit, dass man Ingeborg Bachmann den Wechsel von der Lyrik zur Prosa \u00fcbel nahm. Als \u201egefallene Lyrikerin\u201c wurde sie bezeichnet. Dass das gro\u00dfer Quatsch ist, zeigt diese Erz\u00e4hlung. Es geht um die kurzsichtige Miranda, die ihre Sehschw\u00e4che nicht als Einschr\u00e4nkung, sondern als Geschenk des Himmels wertet. Warum? Weil sie sie davor bewahrt, das H\u00e4ssliche in der Welt sehen zu m\u00fcssen. Sie hat selten eine Brille dabei, so kann sie die Wirklichkeit ausblenden, was einerseits gut, f\u00fcr die Liebe zu Josef jedoch schlecht ist. Jedenfalls schlie\u00dft man Miranda sehr ins Herz.<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Sch\u00f6nster Satz: \u201eEs erstaunt sie, wie die anderen Menschen das jeden Tag aushalten, was sie sehen und mit ansehen m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEin Schritt nach Gomorrha\u201c      <\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Diese Erz\u00e4hlung wird heute als eines der ersten feministischen Statements der Nachkriegszeit gelesen. Bachmann spielt darin mit der M\u00f6glichkeit einer lesbischen Beziehung als Alternative zur Ehe zwischen Mann und Frau. Die Hoffnung auf eine emanzipierte, befreite Liebe zwischen Charlotte und Mara scheitert jedoch.<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Sch\u00f6nste S\u00e4tze: \u201eNun war einen Augenblick lang alles so, wie es nie wieder sein konnte. Ein einziges Mal war die Welt in Rot.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNeapolitanisches Tagebuch\u201c      <\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In ihren, unter dem Titel \u201eSenza casa\u201c versammelten Aufzeichnungen dokumentiert Bachmann ihre Unsicherheiten. Die finanziellen N\u00f6te, der Kampf mit dem Schreiben. Und der Status als unverheiratete Frau in einer Zeit, als die Ehe als angemessene Lebensform gilt. Von Februar bis September 1956 lebte sie bei dem homosexuellen Komponisten Hans Werner Henze in <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/neapel\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Neapel<\/a>.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Beziehung zwischen den beiden ist komplex, sie treiben einander an und gehen doch nicht ineinander auf. \u201eIch will kein Opfer sein, und ich halte ein Opfer sein f\u00fcr eine schreckliche Sache\u201c, notiert Bachmann. Und: \u201eIch bin es nicht. Ich bin\u2019s.\u201c In ihren Notizen reflektiert sie die Unbedingtheit, mit der sie nach Unabh\u00e4ngigkeit von den Geschlechterrollen strebt.<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Sch\u00f6nster Satz: \u201eIch werde baden gehen und mich nicht f\u00fcrchten, wenn der Mond abst\u00fcrzt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas drei\u00dfigste Jahr\u201c      <\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Kurz mal den Begriff \u201esch\u00f6n\u201c f\u00fcr das Werk Bachmann definieren. Sch\u00f6n bedeutet meistens melancholisch. Es gibt eine Hoffnung, sie wird umrissen, die Verwirklichung scheint m\u00f6glich, doch die Verh\u00e4ltnisse lassen es nicht zu. All das wird genau und pr\u00e4zise, aber nie mathematisch oder k\u00fchl beschrieben. So auch in dieser Geschichte. Sie handelt davon, wie ein Mann merkt, dass die Zeit rennt. Pl\u00f6tzlich kann er nicht mehr von jetzt auf gleich etwas anderes sein und werden. Seine Erinnerung wird fl\u00e4chiger, die Gegenwart schmaler, die Zukunft unsicher.<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Sch\u00f6nster Satz: \u201eEr f\u00fchlte sich als Mitwisser eines Geheimnisses der Leichtigkeit.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Wer \u00fcber diese Texte Zugang gefunden hat zu diesem Werk, ist bereit f\u00fcr die gewagteren und experimentelleren Arbeiten. F\u00fcr den Roman \u201eMalina\u201c etwa, der f\u00fcr die Nobelpreistr\u00e4gerin <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/elfriede-jelinek\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Elfriede Jelinek<\/a> ein Erweckungserlebnis war. Oder f\u00fcr \u201eEin Ort f\u00fcr Zuf\u00e4lle\u201c, ein \u201eessayistisch-lyrisches Prosagewebe\u201c (Silvia Bovenschen), das West-Berlin als eine Stadt des Wahnsinns beschreibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bei dieser Schriftstellerin muss man vorsichtig sein. 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