{"id":248094,"date":"2026-07-01T04:01:11","date_gmt":"2026-07-01T04:01:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/248094\/"},"modified":"2026-07-01T04:01:11","modified_gmt":"2026-07-01T04:01:11","slug":"frueher-todesurteil-heute-vermeidbar-hausarzt-bietet-schutz-vor-hiv-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/248094\/","title":{"rendered":"Fr\u00fcher Todesurteil, heute vermeidbar: Hausarzt bietet Schutz vor HIV an"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Ein Angebot wie dieses vermuten viele eher in Hamburg, Berlin oder M\u00fcnchen: In Tettnang bietet eine Hausarztpraxis Beratung und Versorgung zur sogenannten PrEP an \u2013 einer medikament\u00f6sen Vorsorge, die Menschen mit erh\u00f6htem HIV-Risiko vor einer Infektion sch\u00fctzen kann. F\u00fcr Dr. Daniel Sch\u00f6n, Hausarzt in Tettnang, ist das keine exotische Spezialleistung, sondern moderne Pr\u00e4ventionsmedizin.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">\u201eIch erkl\u00e4re es meist ganz einfach: PrEP ist eine Vorsorge gegen HIV\u201c, sagt Sch\u00f6n. Menschen, die ein erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr eine HIV-Infektion haben, k\u00f6nnten durch die Einnahme eines Medikaments verhindern, dass es \u00fcberhaupt zu einer Ansteckung kommt. Die Schutzwirkung sei sehr hoch. \u201eIm Grunde ist PrEP moderne Pr\u00e4ventionsmedizin \u2013 \u00e4hnlich wie eine Impfung oder andere vorbeugende Ma\u00dfnahmen, die wir aus der Medizin kennen.\u201c<\/p>\n<p class=\"tw-text-neutral-10 tw-py-2 tw-border-t tw-mb-0 tw-text-title-md tw-font-medium tw-border-solid tw-border-b-neutral-10 tw-font-primary\">Empfohlene Artikel<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">PrEP steht f\u00fcr Pr\u00e4expositionsprophylaxe. Gemeint ist: HIV-negative Menschen nehmen vorbeugend ein Medikament ein, das sie vor einer Infektion mit HIV sch\u00fctzen soll. In <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Deutschland\" data-rtr-id=\"6c48d7d5b099c64b41367070a52ae27833560fd5\" data-rtr-score=\"13.29693574205351\" data-rtr-etype=\"location\" data-rtr-index=\"10\" href=\"https:\/\/www.schwaebische.de\/thema\/deutschland\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Deutschland<\/a> wird daf\u00fcr vor allem die Wirkstoffkombination Tenofovir\/Emtricitabin eingesetzt, fr\u00fcher bekannt unter dem Handelsnamen Truvada, heute meist als Generikum. Seit 2019 ist PrEP f\u00fcr Menschen mit erh\u00f6htem HIV-Risiko eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. \u00dcbernommen werden dann nicht nur die Medikamente, sondern auch Beratung und Begleituntersuchungen. Die Tabletten allein reichen allerdings nicht aus. Zur PrEP geh\u00f6ren regelm\u00e4\u00dfige HIV-Tests, Kontrollen der Nierenwerte und Untersuchungen auf weitere sexuell \u00fcbertragbare Infektionen.<\/p>\n<p>Medikament sch\u00fctzt nur vor HIV, nicht vor anderen Krankheiten<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Denn PrEP sch\u00fctzt zwar sehr zuverl\u00e4ssig vor HIV, aber nicht vor anderen sexuell \u00fcbertragbaren Infektionen wie Chlamydien, Gonorrhoe oder Syphilis. Was nicht alle Patienten wissen. \u201eJa, gelegentlich\u201c begegne ihm dieses Missverst\u00e4ndnis, sagt Sch\u00f6n. Deshalb geh\u00f6re dieser Punkt zu jeder Beratung dazu. Die regelm\u00e4\u00dfigen Kontrollen h\u00e4tten aber auch einen positiven Effekt: Andere Infektionen w\u00fcrden oft fr\u00fch erkannt und behandelt. \u201ePrEP ist deshalb nicht nur HIV-Pr\u00e4vention, sondern h\u00e4ufig auch ein T\u00fcr\u00f6ffner f\u00fcr eine insgesamt bessere sexuelle Gesundheitsvorsorge.\u201c<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">F\u00fcr wen PrEP infrage kommt, h\u00e4ngt nach Sch\u00f6ns Worten weniger von der sexuellen Orientierung ab als von der individuellen Lebenssituation. Manche Menschen h\u00e4tten wechselnde Partner, andere lebten in offenen Beziehungen oder wollten einfach ein zus\u00e4tzliches Ma\u00df an Sicherheit. \u201eIn der Beratung sprechen wir offen dar\u00fcber, wie das pers\u00f6nliche Risiko aussieht\u201c, sagt der Arzt. \u201eDabei geht es nicht um Wertungen, sondern um medizinische Fakten.\u201c Wer ehrlich \u00fcber seine Situation sprechen k\u00f6nne, bekomme am Ende die beste Beratung.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Denn darin liegt ein sensibler Punkt. \u00dcber Blutdruck, R\u00fcckenschmerzen oder Impfungen sprechen viele Menschen ohne gr\u00f6\u00dfere Hemmungen. Bei Sexualit\u00e4t, HIV-Risiken oder Tests auf sexuell \u00fcbertragbare Krankheiten sieht das oft anders aus. Das gilt nicht nur vor Reisen oder in bestimmten Lebensphasen, sondern grunds\u00e4tzlich. Sch\u00f6n erlebt in seiner Praxis aber auch, dass viele Patienten offener sind, als Au\u00dfenstehende vielleicht vermuten w\u00fcrden. Manchmal brauche es etwas Zeit, bis Vertrauen entstehe. Wenn Patienten merkten, dass sie ohne Vorurteile und ohne erhobenen Zeigefinger beraten w\u00fcrden, entst\u00fcnden sehr ehrliche Gespr\u00e4che.<\/p>\n<p>PrEP in Oberschwaben: wenige Anbieter, hohe H\u00fcrden <\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Der Tettnanger Arzt sieht sexuelle Gesundheit als normalen Teil der haus\u00e4rztlichen Versorgung, obschon es in Oberschwaben nur wenige Allgemeinmediziner gibt, die PrEP anbieten. Die Leistung darf zulasten der gesetzlichen Krankenkassen nur von \u00c4rzten erbracht werden, die daf\u00fcr eine Genehmigung der Kassen\u00e4rztlichen Vereinigung haben und bestimmte fachliche Voraussetzungen erf\u00fcllen. \u201eSexualit\u00e4t geh\u00f6rt zum Leben und damit auch zur Medizin\u201c, sagt Sch\u00f6n. Dar\u00fcber sollte man genauso selbstverst\u00e4ndlich sprechen k\u00f6nnen wie \u00fcber R\u00fcckenschmerzen oder Bluthochdruck.<\/p>\n<p class=\"tw-text-secondary tw-mb-0 tw-text-base sm:tw-text-base\">Niemand muss sich daf\u00fcr rechtfertigen, Verantwortung f\u00fcr die eigene Gesundheit zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Daniel Sch\u00f6n<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Das ist in einer oberschw\u00e4bischen Kleinstadt wom\u00f6glich leichter gesagt als getan. Sch\u00f6n wei\u00df, dass es noch immer Scham und Ber\u00fchrungs\u00e4ngste gibt. Gerade in einer kleineren Stadt wie Tettnang machten sich manche Menschen Gedanken dar\u00fcber, was andere \u00fcber sie denken k\u00f6nnten. In der Praxis erlebten sie dann meistens schnell, dass diese Sorgen unbegr\u00fcndet seien. F\u00fcr ihn und sein Team seien HIV-Tests, Untersuchungen auf sexuell \u00fcbertragbare Infektionen oder PrEP normale medizinische Leistungen. \u201eNiemand muss sich daf\u00fcr rechtfertigen, Verantwortung f\u00fcr die eigene Gesundheit zu \u00fcbernehmen.\u201c<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Viele Menschen verbinden HIV noch immer mit Bildern aus den 1980er- und 90er-Jahren: mit Aids, schwerer Krankheit, Ausgrenzung und dem Gef\u00fchl, dass eine Diagnose einem Todesurteil gleichkommt. Filme wie \u201ePhiladelphia\u201c, in dem Tom Hanks einen an Aids erkrankten Anwalt spielt, haben dieses Bild tief ins kollektive Ged\u00e4chtnis eingebrannt. Medizinisch aber hat sich die Lage grundlegend ver\u00e4ndert. HIV bezeichnet die Infektion mit dem Virus; Aids ist das sp\u00e4te Krankheitsstadium, zu dem es nach einer unbehandelten HIV-Infektion kommen kann. Heute in westlichen L\u00e4ndern eher eine Seltenheit.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">\u201eEigentlich fast alles\u201c sei heute anders, sagt Sch\u00f6n auf die Frage nach dem medizinischen Fortschritt. In den Achtzigern sei HIV f\u00fcr viele Menschen eine lebensbedrohliche Diagnose gewesen. Heute k\u00f6nnten Menschen mit HIV dank moderner Therapien ein langes und weitgehend normales Leben f\u00fchren. Wird die Therapie erfolgreich durchgef\u00fchrt, l\u00e4sst sich zudem verhindern, dass das Virus beim Sex weitergegeben wird. Gleichzeitig gebe es mit der PrEP die M\u00f6glichkeit, HIV-Infektionen sehr effektiv zu verhindern. Sch\u00f6n nennt das \u201eeinen der gr\u00f6\u00dften Erfolge der modernen Infektionsmedizin\u201c.<\/p>\n<p>HIV-Zahlen 2024: Neuinfektionen leicht gestiegen <\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Trotzdem ist HIV nicht verschwunden. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) lebten Ende 2024 gesch\u00e4tzt rund 97.700 Menschen mit HIV in Deutschland. Die Zahl der HIV-Neuinfektionen lag 2024 nach RKI-Sch\u00e4tzung bei etwa 2300 und damit etwas h\u00f6her als im Vorjahr. Rund 1300 dieser Neuinfektionen entfielen auf M\u00e4nner, die Sex mit M\u00e4nnern haben. Etwa 590 wurden heterosexuellen Kontakten zugerechnet. Die Zahlen zeigen: HIV-Pr\u00e4vention bleibt ein Thema \u2013 auch wenn die Krankheit heute medizinisch eine v\u00f6llig andere Bedeutung hat als fr\u00fcher.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Die Wahrnehmung, dass PrEP h\u00e4ufig zuerst mit schwulen und bisexuellen M\u00e4nnern verbunden wird, h\u00e4lt Sch\u00f6n einerseits f\u00fcr nachvollziehbar, andererseits aber f\u00fcr zu eng, wenn daraus eine Schublade wird. Schwule und bisexuelle M\u00e4nner seien weiterhin eine wichtige Zielgruppe, das entspreche auch der epidemiologischen Realit\u00e4t. Zugleich sehe er zunehmend Menschen mit unterschiedlichen Lebensentw\u00fcrfen, die sich f\u00fcr PrEP interessierten. Entscheidend sei nicht die Frage, zu welcher Gruppe jemand geh\u00f6re, sondern ob diese Vorsorge einen sinnvollen Schutz bieten k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Betreuung vor Ort statt stundenlanger Anfahrt<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Warum aber braucht es ein solches Angebot in Tettnang? Gerade darin sieht Sch\u00f6n einen wichtigen Teil seiner Arbeit. \u201eVorher mussten viele Patienten aus der Region teilweise eine Stunde oder l\u00e4nger fahren, um eine PrEP-Beratung oder die notwendigen Kontrollen zu erhalten\u201c, sagt er. Das sei eine unn\u00f6tige H\u00fcrde. \u201ePr\u00e4vention sollte dort stattfinden k\u00f6nnen, wo die Menschen leben.\u201c Eine Hausarztpraxis k\u00f6nne dabei Vertrauen schaffen und den Zugang deutlich erleichtern.<\/p>\n<p class=\"tw-text-neutral-10 tw-py-2 tw-border-t tw-mb-0 tw-text-title-md tw-font-medium tw-border-solid tw-border-b-neutral-10 tw-font-primary\">Empfohlene Artikel<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Eine PrEP-Beratung beginnt nach Sch\u00f6ns Worten nicht mit einem Rezept, sondern mit einem Gespr\u00e4ch. Zun\u00e4chst gehe es darum, die pers\u00f6nliche Situation kennenzulernen. Viele Patienten seien \u00fcberrascht, wie unkompliziert und entspannt diese Gespr\u00e4che abliefen. Vor Beginn einer PrEP werde eine bestehende HIV-Infektion ausgeschlossen, au\u00dferdem w\u00fcrden die Nierenwerte kontrolliert und Tests auf weitere sexuell \u00fcbertragbare Infektionen gemacht. Danach finden in der Regel alle drei Monate Kontrolltermine statt. Sie dienen nicht nur der medizinischen Sicherheit, sondern bieten auch Raum f\u00fcr Fragen oder Ver\u00e4nderungen in der Lebenssituation.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Sch\u00f6n betont, dass eine Beratung keine Vorentscheidung ist. Wer sich informiert, muss sich anschlie\u00dfend nicht automatisch f\u00fcr PrEP entscheiden. Manchmal helfe schon ein offenes Gespr\u00e4ch, um Unsicherheiten auszur\u00e4umen. \u201eNiemand wird bewertet oder in eine Schublade gesteckt\u201c, sagt der Arzt. Sein Ziel sei es, dass Menschen fundierte Entscheidungen f\u00fcr ihre Gesundheit treffen k\u00f6nnen. Daf\u00fcr brauche es vor allem Informationen und Vertrauen.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">F\u00fcr Sch\u00f6n ist schon viel gewonnen, wenn Menschen mit ihren Fragen nicht allein bleiben \u2013 und f\u00fcr eine erste Beratung nicht erst nach Hamburg, Berlin oder M\u00fcnchen fahren m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein Angebot wie dieses vermuten viele eher in Hamburg, Berlin oder M\u00fcnchen: In Tettnang bietet eine Hausarztpraxis Beratung&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":248095,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[20],"tags":[29202,46,42,68809,68808,68813,124,8364,123,2156,67502,68806,44,62213,27169,68810,53269,68812,68807,68811],"class_list":["post-248094","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-gesundheit","tag-aids","tag-at","tag-austria","tag-bodenseekreis","tag-dr-daniel-schoen","tag-emtricitabin","tag-gesundheit","tag-hausarzt","tag-health","tag-hiv","tag-hiv-praevention","tag-hiv-vorsorge","tag-oesterreich","tag-prep","tag-robert-koch-institut","tag-sexuell-uebertragbare-infektionen","tag-sexuelle-gesundheit","tag-tenofovir","tag-tettnang","tag-truvada"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116842730854929436","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/248094","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=248094"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/248094\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/248095"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=248094"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=248094"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=248094"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}