{"id":248336,"date":"2026-07-01T06:57:08","date_gmt":"2026-07-01T06:57:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/248336\/"},"modified":"2026-07-01T06:57:08","modified_gmt":"2026-07-01T06:57:08","slug":"sommerprognose-iran-krieg-daempft-osteuropas-wachstum-kaum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/248336\/","title":{"rendered":"Sommerprognose: Iran-Krieg d\u00e4mpft Osteuropas Wachstum kaum"},"content":{"rendered":"<p>Auch wenn der Energiepreisschock durch den vorl\u00e4ufig beendeten Krieg im Nahen Osten die Inflation in die H\u00f6he getrieben hat und das internationale Umfeld schwierig bleibt, ist das Wachstum in Mittel-, Ost- und S\u00fcdosteuropa weiterhin robust. Das gilt auch f\u00fcr die meisten \u00f6stlichen EU-Mitglieder. Die Energiepreise und damit auch die Teuerung d\u00fcrften zwar f\u00fcr absehbare Zeit h\u00f6her als vor dem Krieg bleiben, ein Inflationsschock wie nach der russischen Invasion in der Ukraine zeichnet sich jedoch nicht ab. Das zeigt die neue Sommerprognose des Wiener Instituts f\u00fcr Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) f\u00fcr 23 L\u00e4nder der Region.<\/p>\n<p>\u201eVoraussetzung daf\u00fcr ist allerdings, dass der Konflikt mit dem Iran nicht neuerlich eskaliert, die Stra\u00dfe von Hormus offen bleibt und sich die Energiem\u00e4rkte normalisieren\u201c, sagt Richard Grieveson, stellvertretender Direktor des wiiw und Hauptautor der Sommerprognose. Zu den geopolitischen Herausforderungen kommen in den CEE-Staaten strukturelle Probleme wie der Verlust von Wettbewerbsf\u00e4higkeit in der Industrie, zunehmende Konkurrenz aus China und r\u00fcckl\u00e4ufige ausl\u00e4ndische Direktinvestitionen.<\/p>\n<p>\u201eGetragen wird das Wachstum dort in erster Linie vom privaten Konsum, der sich durch die starken Reallohnsteigerungen der letzten Jahre sehr positiv entwickelt hat, auch wenn sich diese Dynamik nun abschw\u00e4cht\u201c, erkl\u00e4rt Grieveson. Auch der Zufluss von EU-Geldern und Investitionen in die Verteidigungsindustrie spielen eine positive Rolle. \u201eDie stark mit Deutschland verflochtene Industrie in Ostmitteleuropa k\u00e4mpft aber nach wie vor mit der Krise des produzierenden Sektors in der Bundesrepublik und ihren hausgemachten Problemen\u201c, so Grieveson.<\/p>\n<p>F\u00fcr 2026 prognostiziert das wiiw den \u00f6stlichen EU-Mitgliedern ein Wachstum von durchschnittlich 2,2%, eine minimale Revision nach unten um 0,1 Prozentpunkte gegen\u00fcber dem Fr\u00fchjahr. 2027 sollte es mit 2,4% leicht anziehen und damit um 0,1 Prozentpunkte h\u00f6her liegen, als in der Fr\u00fchjahrsprognose erwartet. Insgesamt d\u00fcrften die EU-Mitglieder der Region heuer rund dreimal so stark wachsen wie die Eurozone (0,7%) und 2027 mit 2,4% immerhin mehr als doppelt so stark wie diese (1%).<\/p>\n<p>Einen Ausrei\u00dfer nach unten stellt Rum\u00e4nien dar, das heuer wohl eine leichte Rezession (-0,1%) sehen wird. Diese erkl\u00e4rt sich aus dem harten Sparkurs der Regierung nach den hohen Budgetdefiziten der Vorjahre und der politischen Krise im Land. Auch die Slowakei wird 2026 mit 0,5% nur ganz leicht wachsen, 2027 mit 1,6% aber bereits wieder st\u00e4rker. Ungarn sollte nach dem Wahlsieg von P\u00e9ter Magyar mit seiner Partei Tisza heuer dagegen um 1,7% expandieren und 2027 um 2,6%. Damit d\u00fcrfte das Land die bleiernen Orb\u00e1n-Jahre hinter sich lassen. Spitzenreiter beim Wachstum unter den \u00f6stlichen EU-Mitgliedern ist wieder einmal Polen mit 3,7% im heurigen und 2,9% im n\u00e4chsten Jahr.<\/p>\n<p>Die sechs Staaten am Westbalkan werden 2026 um durchschnittlich 2,5% wachsen und 2027 dann um 3%, die T\u00fcrkei 2026 um 3,3% und 2027 um 3,9%.<\/p>\n<p>Ukraine leidet unter russischen Luftangriffen und Iran-Krieg<\/p>\n<p>Viel schwieriger ist die Wirtschaftslage dagegen in der Ukraine. F\u00fcr das Gesamtjahr rechnet das wiiw \u2013 wie im Fr\u00fchjahr erwartet \u2013 noch mit einem Wachstum von 1%, das 2027 dann auf 2,5% anziehen sollte. Als Ergebnis der schweren russischen Luftangriffe auf die Energieinfrastruktur des Landes und der daraus resultierenden Stromausf\u00e4lle schrumpfte die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2026 im Jahresvergleich um 0,5%. Dazu kamen die negativen Auswirkungen h\u00f6herer Preise f\u00fcr Treibstoffe und D\u00fcngemittel durch die Blockade der Stra\u00dfe von Hormus, auf deren Import Kiew in hohem Ma\u00dfe angewiesen ist.<\/p>\n<p>\u201eEine bessere Performance der Landwirtschaft, mehr Exporte sowie staatliche Investitionen in den Wiederaufbau und die Verteidigungsindustrie k\u00f6nnten das heurige Jahr noch einigerma\u00dfen retten\u201c, sagt Olga Pindyuk, Ukraine-Expertin des wiiw. \u201eIn den kommenden Jahren wird das Wachstum aber nur dann zulegen k\u00f6nnen, wenn der Krieg mit Russland deeskaliert und schlie\u00dflich zu f\u00fcr die Ukraine g\u00fcnstigen Bedingungen beendet werden kann\u201c, so Pindyuk.<\/p>\n<p>Stabilisierend wirkt sich der im April bewilligte EU-Kredit \u00fcber 90 Milliarden Euro aus. 30 Milliarden Euro flie\u00dfen davon direkt in den Staatshaushalt der Ukraine, w\u00e4hrend die restlichen 60 Milliarden Euro zur Finanzierung der Milit\u00e4rausgaben verwendet werden. Mit den 30 Milliarden Euro f\u00fcr das Budget kann die Ukraine rund zwei Drittel ihres Finanzbedarfs in den Jahren 2026 und 2027 abdecken.<\/p>\n<p>Die Inflation im Land d\u00fcrfte hoch bleiben und heuer bei rund 10% liegen, ab dem Jahr 2027 aber langsam abflachen und sich 2028 bei 6% einpendeln. \u201eSchwierig k\u00f6nnte es f\u00fcr die Ukraine werden, sollte der Iran-Krieg nochmals aufflammen und die Energiepreise wieder in die H\u00f6he treiben. Dann werden die wirtschaftlichen Sch\u00e4den wesentlich gr\u00f6\u00dfer ausfallen\u201c, so Pindyuk.<\/p>\n<p>Russlands Wirtschaft in der Krise<\/p>\n<p>Mit wirtschaftlichen Problemen k\u00e4mpft auch Aggressor Russland. F\u00fcr 2026 prognostiziert das wiiw dem Land noch ein minimales Wachstum von 0,6%, eine Revision nach unten um 0,3 Prozentpunkte gegen\u00fcber dem Fr\u00fchjahr. 2027 sollte es dann auf 1,3% anziehen, was ebenfalls eine Berichtigung nach unten um 0,2 Prozentpunkte darstellt. Trotz vor\u00fcbergehend h\u00f6herer Einnahmen aus dem Energiegesch\u00e4ft durch den Iran-Krieg steckt Russland in einer veritablen Stagnation fest.<\/p>\n<p>\u201eDer wichtigste Grund daf\u00fcr ist die immer noch zu restriktive Geldpolitik der Notenbank, die die Wirtschaft abw\u00fcrgt, weil sie die Kreditaufnahme vor allem f\u00fcr K\u00e4ufe langlebiger Konsumg\u00fcter sowie Investitionen prohibitiv teuer macht\u201c, analysiert Vasily Astrov, Russland-Experte des wiiw. So sank die Investitionst\u00e4tigkeit im ersten Quartal 2026 \u2013 auch aufgrund der tr\u00fcben Wirtschaftsaussichten und der ausgesch\u00f6pften M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Importsubstitution \u2013 um rund 14%.<\/p>\n<p>In letzter Zeit kamen dazu aber auch die von den russischen Beh\u00f6rden aufgrund angeblicher Sicherheitsbedenken immer wieder verh\u00e4ngten Internetsperren, welche die stark digitalisierte russische Wirtschaft beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n<p>Noch sch\u00e4dlicher d\u00fcrften aber die massiven ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Energieanlagen sein. Kiew scheint im Drohnenkrieg zunehmend die Oberhand zu gewinnen und schl\u00e4gt oft weit im russischen Hinterland zu. Sch\u00e4tzungen zufolge wurde bereits ein Drittel der russischen Raffineriekapazit\u00e4ten durch ukrainische Drohnen lahmgelegt.<\/p>\n<p>\u201eVielerorts gibt es Versorgungsengp\u00e4sse bei Treibstoff. Das wird nat\u00fcrlich negative Auswirkungen auf die Wirtschaftst\u00e4tigkeit im Land haben und war neben den Internetsperren, der Kriegsm\u00fcdigkeit und der Konjunkturflaute ein Mitgrund daf\u00fcr, dass die Popularit\u00e4t von Pr\u00e4sident Putin zuletzt deutlich nachgelassen hat\u201c, so Astrov. \u201eDennoch wird Russland weiterhin dazu in der Lage bleiben, seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine fortzusetzen und zu finanzieren\u201c, meint Astrov.<\/p>\n<p>Osteuropa wichtige St\u00fctze f\u00fcr \u00d6sterreich mit viel Potenzial<\/p>\n<p>\u00d6sterreich kann weiterhin optimistisch auf die Wirtschaftsentwicklung in Osteuropa blicken. Die Region trug im ersten Quartal 2026 ma\u00dfgeblich dazu bei, die \u00f6sterreichische Exportleistung trotz eines schwierigen globalen Umfelds aufrechtzuerhalten. W\u00e4hrend die Ausfuhren in die USA in diesem Zeitraum um 14,6% sanken und auch nach Rum\u00e4nien (-3,9%) r\u00fcckl\u00e4ufig waren, wuchsen andere osteurop\u00e4ische M\u00e4rkte wie Ungarn (+2,7%) oder Polen (+2,8%) nur moderat. Die heimischen Exporte nach Tschechien (+4,4%), Kroatien (+10,6%) und Serbien (+16,5%) zogen dagegen stark an.<\/p>\n<p>\u201eDie guten Konjunkturaussichten in den f\u00fcr \u00d6sterreich wichtigen L\u00e4ndern Polen, Tschechien, Ungarn, Kroatien und den sechs Staaten am Westbalkan werden die \u00f6sterreichische Wirtschaft weiterhin st\u00fctzen\u201c, sagt Richard Grieveson. Gro\u00dfes Potenzial birgt mittelfristig auch der Wiederaufbau in der Ukraine. Bereits heute z\u00e4hlen etwa heimische Baufirmen zu den gr\u00f6\u00dften Playern in der Region und verf\u00fcgen \u00fcber viel Know-how bei Wohnbau und Stra\u00dfenbau. Bei der Energieinfrastruktur oder der Wasseraufbereitung z\u00e4hlt \u00d6sterreich zu den Weltmarktf\u00fchrern.<\/p>\n<p>\u201eDurch den in der Region stattfindenden Strukturwandel weg vom Modell \u201averl\u00e4ngerte Werkbank\u2019, das auf niedrigen Lohnkosten basierte, hin zu einem Wachstum, das mehr auf Investitionen und privatem Konsum beruht, gibt es besonders gro\u00dfe Chancen f\u00fcr \u00f6sterreichische Unternehmen. \u00d6sterreich ist hier gut positioniert\u201c, so Grieveson.<\/p>\n<p>M\u00f6glichkeiten tun sich f\u00fcr die heimische Wirtschaft auch in L\u00e4ndern der Region auf, die in den n\u00e4chsten Jahren stark wachsen werden, in denen \u00f6sterreichische Unternehmen bisher aber noch nicht sehr pr\u00e4sent sind. Dazu z\u00e4hlen etwa Kasachstan, die T\u00fcrkei, Bulgarien oder Serbien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Auch wenn der Energiepreisschock durch den vorl\u00e4ufig beendeten Krieg im Nahen Osten die Inflation in die H\u00f6he getrieben&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":248337,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[12],"tags":[732,51147,26393,26395,1232,25140,2764,11212,1871,40,41,26394,269,1963,39,2066,1230,66,877,65,64],"class_list":["post-248336","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-welt","tag-ukraine","tag-anhang","tag-apa","tag-apa-ots","tag-aussenhandel","tag-cee","tag-int-beziehungen","tag-irankrieg","tag-konjunktur","tag-nachrichten","tag-news","tag-ots","tag-politik","tag-russland","tag-schlagzeilen","tag-ungarn","tag-volkswirtschaft","tag-welt","tag-wirtschaft-und-finanzen","tag-world","tag-world-news"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116843423187175943","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/248336","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=248336"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/248336\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/248337"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=248336"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=248336"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=248336"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}