{"id":25060,"date":"2026-03-04T12:04:09","date_gmt":"2026-03-04T12:04:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/25060\/"},"modified":"2026-03-04T12:04:09","modified_gmt":"2026-03-04T12:04:09","slug":"hoffnung-auf-neues-medikament-gegen-coronaviren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/25060\/","title":{"rendered":"Hoffnung auf neues Medikament gegen Coronaviren"},"content":{"rendered":"<p>Seit der Corona-Pandemie treibt eine Frage die Forschung um: Wie l\u00e4sst sich ein Virus bremsen, das sich st\u00e4ndig ver\u00e4ndert? Impfstoffe sch\u00fctzen vor schweren Verl\u00e4ufen. Spezifische Therapien gibt es ebenfalls. Doch ein breit wirksames Medikament gegen das Coronavirus fehlt bislang. Eine neue <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41467-026-69700-w\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Studie<\/a> zeigt nun einen m\u00f6glichen Ausweg \u2013 und der liegt \u00fcberraschend in unseren eigenen Zellen.<\/p>\n<p>Ver\u00f6ffentlicht wurde die Arbeit im Fachjournal Nature Communications. Federf\u00fchrend war die <a href=\"https:\/\/www.upf.edu\/web\/focus\/w\/therapeutic-target-control-coronavirus\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Universit\u00e4t Pompeu Fabra<\/a> in Barcelona unter der Leitung der Molekularvirologin <a href=\"https:\/\/www.upf.edu\/web\/biomed\/pdi\/-\/asset_publisher\/vDntl1i7QlGn\/content\/d%C3%ADez-ant%C3%B3n-juana-mar%C3%ADa\/maximized\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Juana D\u00edez<\/a>. \u201eCoronaviren sind sehr gef\u00e4hrlich wegen ihrer F\u00e4higkeit, neue Varianten zu erzeugen, die nach Zirkulation in tierischen Reservoiren den Menschen infizieren k\u00f6nnen\u201c, sagt D\u00edez. \u201eDerzeit verf\u00fcgen wir \u00fcber keine breit wirksamen antiviralen Medikamente gegen Coronaviren.\u201c Ihr Team untersuchte daher, wie die Viren die Eiwei\u00dfproduktion infizierter Zellen steuern \u2013 und wie sich dieser Mechanismus gezielt st\u00f6ren l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Viren programmieren Zellen gezielt um<\/p>\n<p>Coronaviren bringen ihre eigene Bauanleitung mit. Daraus entstehen bis zu 32 Virusproteine. F\u00fcr ihre Herstellung sind sie vollst\u00e4ndig auf die Zellmaschinerie des Menschen angewiesen. Ohne diese \u201eProduktionshallen\u201c k\u00f6nnten sie sich nicht vermehren.<\/p>\n<p>Eigentlich m\u00fcsste das Virus bei der Herstellung seiner Proteine ausgebremst werden. Denn viele seiner genetischen Bausteine gelten als schwerer lesbar f\u00fcr menschliche Zellen. Trotzdem l\u00e4uft die Produktion erstaunlich schnell. An diesem Punkt setzte die Studie an.<\/p>\n<p>Stress wird zum Vorteil des Virus<\/p>\n<p>Am Anfang steht eine Stressreaktion. Wenn Coronaviren eine Zelle infizieren, ger\u00e4t sie unter Druck. Das konnten die Forschenden in Lungenzellen beobachten: Bestimmte Warnsignale nahmen deutlich zu. Diese Stresslage ver\u00e4ndert wiederum Enzyme in der Zelle.<\/p>\n<p>Und hier wird es entscheidend. Diese Enzyme steuern winzige Helfer namens tRNAs. Sie bringen die Bausteine f\u00fcr neue Eiwei\u00dfe an den richtigen Ort \u2013 \u00e4hnlich wie Zulieferer in einer Produktionskette.<\/p>\n<p>\u201eInteressanterweise ben\u00f6tigen Coronaviren tRNAs, die in Zellen nur in geringen Mengen vorhanden sind. Deshalb haben wir uns gefragt, wie sich ein Virus so schnell in einer Zelle ausbreiten kann, in der die ben\u00f6tigten tRNAs nicht reichlich vorhanden sind\u201c, erkl\u00e4rt Erstautorin <a href=\"https:\/\/www.upf.edu\/web\/virology-unit\/lab-members\/-\/asset_publisher\/KlIYME1mZGL2\/content\/muscolino-elena\/maximized\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Elena Muscolino<\/a>.<\/p>\n<p>Die Antwort fiel \u00fcberraschend einfach aus: Das Virus produziert nicht mehr dieser Helfer. Es ver\u00e4ndert ihre Eigenschaften. Dadurch werden genau die Bauanleitungen bevorzugt umgesetzt, die das <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/gesundheit\/hiv-fast-verschwunden-antikoerper-aus-koeln-sorgt-fuer-aufsehen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Virus<\/a> braucht. Die Zelle arbeitet also nicht schneller \u2013 sie arbeitet anders. Das Virus stellt die Feinabstimmung der Produktion so um, dass seine eigenen Bestandteile rascher entstehen.<\/p>\n<p>Perspektive f\u00fcr ein neues Coronavirus-Medikament<\/p>\n<p>Besonders deutlich wurde der Effekt bei gezielten Eingriffen. Die Wissenschaftler schalteten einzelne zellul\u00e4re Helfer ab oder ver\u00e4nderten deren Aktivit\u00e4t. Sobald diese Prozesse gebremst wurden, sank die Menge der gebildeten Virusbestandteile sp\u00fcrbar. Das Virus verlor an Schwung. <\/p>\n<p>Diesen Mechanismus k\u00f6nnte sich ein k\u00fcnftiger Wirkstoff zunutze machen: \u201eEin tRNA-modifizierendes Enzym ist ein vielversprechender Kandidat f\u00fcr die Entwicklung breit wirksamer antiviraler Medikamente, die die Ausbreitung von Coronaviren eind\u00e4mmen k\u00f6nnen\u201c, so D\u00edez.<\/p>\n<p>Der Gedanke dahinter ist einfach, aber wirkungsvoll: Statt das Virus direkt anzugreifen, k\u00f6nnte ein Medikament jene zellul\u00e4ren Prozesse blockieren, die das Virus f\u00fcr seine Vermehrung nutzt. Das w\u00e4re strategisch interessant. Denn verschiedene <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/wissen\/flughunde-verbreiten-coronaviren-risiko-neuer-varianten-steigt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Coronaviren<\/a> scheinen denselben Mechanismus zu verwenden. Ein solcher Ansatz k\u00f6nnte daher breiter wirken als viele bisherige Therapien.<\/p>\n<p>\u201eEin Medikament dieser Art w\u00fcrde es erm\u00f6glichen, Infektionen durch neue Coronaviren bereits in fr\u00fchen Phasen einzud\u00e4mmen und ihre schnelle Ausbreitung zu verhindern\u201c, erkl\u00e4rt die Leiterin der Studie weiter.<\/p>\n<p>Best\u00e4tigung im Tiermodell<\/p>\n<p>Die Forschenden \u00fcberpr\u00fcften ihre Ergebnisse zus\u00e4tzlich bei infizierten Goldhamstern. Zwei Tage nach der Ansteckung untersuchten sie das Lungengewebe. Bestimmte chemische Ver\u00e4nderungen waren deutlich erh\u00f6ht, vor allem bei hoher Virusmenge.<\/p>\n<p>Der Mechanismus wirkt also nicht nur in Zellkulturen im Labor, sondern auch im lebenden Organismus. Noch gibt es kein fertiges Pr\u00e4parat. Doch die Studie beschreibt einen klaren Angriffspunkt in unseren eigenen Zellen \u2013 und damit eine realistische Grundlage f\u00fcr ein breit wirksames Medikament gegen Coronaviren.<\/p>\n<p>Kurz zusammengefasst:<\/p>\n<p>Coronaviren nutzen nicht nur die Zellmaschinerie, sondern stellen sie gezielt um, damit ihre eigenen Virusbestandteile schneller produziert werden.<\/p>\n<p>Sie ver\u00e4ndern daf\u00fcr kleine Helfer in der Zelle, statt neue Strukturen aufzubauen \u2013 wird dieser Prozess blockiert, sinkt die Virusproduktion deutlich.<\/p>\n<p>Ein k\u00fcnftiges Medikament k\u00f6nnte genau diese zellul\u00e4ren Helfer hemmen und damit verschiedene Coronaviren bremsen, noch bevor sie sich massenhaft ausbreiten.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: W\u00e4hrend Virologen nach einem neuen Medikament gegen das Coronavirus suchen, zeigt eine weitere Studie, dass Grippe- und Corona-Infektionen schlafende Krebszellen reaktivieren und das Risiko f\u00fcr Metastasen deutlich erh\u00f6hen k\u00f6nnen. Wie Viren \u00fcber Entz\u00fcndungsreaktionen alte Tumorzellen wieder \u201eaufwecken\u201c, mehr dazu in unserem <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/gesundheit\/grippe-und-corona-viren-koennen-schlafende-krebszellen-wecken\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Artikel<\/a>.<\/p>\n<p>Bild: \u00a9 Frederic Camallonga \/ Universitat Pompeu Fabra<\/p>\n<p>\t\tBeitragsnavigation<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit der Corona-Pandemie treibt eine Frage die Forschung um: Wie l\u00e4sst sich ein Virus bremsen, das sich st\u00e4ndig&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":25061,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[12562,46,42,12563,12564,124,123,11734,44,3357,12565],"class_list":{"0":"post-25060","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-antivirale-therapie","9":"tag-at","10":"tag-austria","11":"tag-corona","12":"tag-coronaviren","13":"tag-gesundheit","14":"tag-health","15":"tag-medikament","16":"tag-oesterreich","17":"tag-viren","18":"tag-zellen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116170815526248562","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25060","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=25060"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25060\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/25061"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=25060"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=25060"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=25060"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}