{"id":254370,"date":"2026-07-04T02:15:13","date_gmt":"2026-07-04T02:15:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/254370\/"},"modified":"2026-07-04T02:15:13","modified_gmt":"2026-07-04T02:15:13","slug":"chatkontrolle-eu-rat-trickst-parlament-vor-pause-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/254370\/","title":{"rendered":"Chatkontrolle: EU-Rat trickst Parlament vor Pause aus"},"content":{"rendered":"<p>    close notice<\/p>\n<p class=\"notice-banner__text a-u-mb-0\">\n      This article is also available in<br \/>\n        <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/en\/news\/Chat-Control-1-0-EU-Council-forces-messenger-scans-via-fast-track-11353659.html\" class=\"notice-banner__link a-u-inline-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">English<\/a>.<\/p>\n<p>      It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.\n    <\/p>\n<p class=\"notice-banner__link a-u-mb-0\">\n    Don\u2019t show this again.\n<\/p>\n<p>Der Streit \u00fcber das digitale Briefgeheimnis in der EU erreicht kurz vor der Sommerpause eine neue Eskalationsstufe. Nachdem die Verhandlungen \u00fcber die <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Chatkontrolle-EU-Kommission-bringt-Verordnung-fuer-Kinderporno-Scans-auf-den-Weg-7081975.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Chatkontrolle 2.0<\/a> \u2013 also das verpflichtende, verdachtsunabh\u00e4ngige Scannen verschl\u00fcsselter Kommunikation \u2013 <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Etappensieg-mit-Beigeschmack-EU-Parlament-trotzt-vorerst-der-Chatkontrolle-11349737.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">wegen des anhaltenden Widerstands im EU-Parlament ins Stocken geraten sind<\/a>, prescht der Ministerrat nun mit einem juristischen Man\u00f6ver vor.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Die Mitgliedstaaten wollen die am 3. April ausgelaufene \u00dcbergangsregelung zur freiwilligen \u00dcberwachung von Nachrichten durch Technologiekonzerne im Eilverfahren reaktivieren. Einen <a href=\"https:\/\/www.consilium.europa.eu\/de\/press\/press-releases\/2026\/07\/02\/council-moves-to-reinstate-interim-measure-to-combat-child-sexual-abuse-online\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">entsprechenden Standpunkt f\u00fcr eine \u201eneue\u201c Verordnung<\/a> hat der Rat am Donnerstag im schriftlichen Umlaufverfahren angenommen, um eine drohende Rechtsl\u00fccke zu schlie\u00dfen und den Druck auf die Abgeordneten zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Anlass f\u00fcr den Trick: Seit Ende 2020 fallen internetbasierte, nummernunabh\u00e4ngige Kommunikationsdienste wie Messenger-Apps, Webmail und VoIP-Telefonie unter die strengen Vorgaben der europ\u00e4ischen E-Privacy-Richtlinie. Diese sch\u00fctzt das Grundrecht auf Vertraulichkeit der Kommunikation und verbietet das unbefugte Abfangen oder Auswerten von Inhalten und Verkehrsdaten. Um Technologieanbietern dennoch zu erlauben, private Chats auf freiwilliger Basis mithilfe von KI und Hash-Abgleichen nach bekanntem Missbrauchsmaterial oder Mustern von Cybergrooming zu durchsuchen, <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/EU-Kommission-wertet-freiwillige-Chatkontrolle-als-Erfolg-doch-Daten-fehlen-9579886.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">schufen die EU-Gesetzgeber 2021 eine tempor\u00e4re Ausnahmeregelung<\/a>. Diese als <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Chatkontrolle-Ausnahme-fuer-Suche-in-Privat-Chats-endet-11245620.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Chatkontrolle 1.0 bezeichnete Verordnung erlosch im Fr\u00fchjahr<\/a>, da sich Rat und Parlament nicht noch einmal auf eine Verl\u00e4ngerung einigen konnten.<\/p>\n<p>Kinderschutz und Briefgeheimnis<\/p>\n<p>F\u00fcr den Rat ist das Auslaufen der Frist ein unhaltbarer Zustand. Die freiwilligen Aufdeckungsma\u00dfnahmen der Anbieter seien ein unverzichtbares Instrument, um betroffene Kinder fr\u00fchzeitig zu identifizieren, Opfer aus Missbrauchssituationen zu retten und die unkontrollierte Weiterverbreitung von illegalem Bild- und Videomaterial im Netz einzud\u00e4mmen. Ferner leiste das Verfahren einen wichtigen Beitrag zur Strafverfolgung im Internet, auch wenn die Meldungen trotz der ausgelaufenen Norm weiter flie\u00dfen. Eine Fragmentierung durch nationale Alleing\u00e4nge soll durch die Neuregelung verhindert werden.<\/p>\n<p>Kritiker sehen in dem gew\u00e4hlten Verfahren dagegen den Versuch, demokratische Kontrollinstanzen zu umgehen und das Parlament zu \u00fcberrumpeln. Da eine bereits abgelaufene Verordnung rein formal nicht mehr einfach verl\u00e4ngert werden kann, greifen die EU-Regierungen zu einem Kniff: Statt einer Fristverl\u00e4ngerung legten sie einen inhaltlich weitgehend identischen, formal aber anderen Gesetzesentwurf auf den Tisch.<\/p>\n<p>Taktisches Timing vor der Sommerpause<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Der Entwurf soll im Rahmen eines Dringlichkeitsverfahrens <a href=\"https:\/\/eupolicy.social\/@pneutig\/116849481862916676\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">bereits am Dienstag auf die Tagesordnung des Parlaments gedr\u00fcckt werden<\/a> \u2013 unmittelbar vor Beginn der Sommerpause. Sollte das Plenum dem beschleunigten Verfahren zustimmen, droht eine Abstimmung am letzten Sitzungstag vor den Ferien, an dem erfahrungsgem\u00e4\u00df viele Abgeordnete bereits abgereist sind. Erschwerend kommt hinzu, dass sich das Verfahren schon in der 2. Lesung befindet. In diesem Stadium kann der Standpunkt des Rates nur noch gestoppt oder durch \u00c4nderungsantr\u00e4ge modifiziert werden, wenn eine absolute Mehrheit der Volksvertreter dagegen stimmt. Eine H\u00fcrde, die in der Praxis kurz vor der Sommerpause als kaum \u00fcberwindbar gilt.<\/p>\n<p>Obwohl der Rat betont, dass die Scans auf das unbedingt erforderliche Ma\u00df beschr\u00e4nkt blieben und keine allgemeine, unterschiedslose \u00dcberwachung erfolgen solle, bleibt der Eingriff in die Privatsph\u00e4re aller Nutzer gro\u00df. Die Verordnung sieht vor, dass die verarbeiteten Inhalts- und Verkehrsdaten erst sp\u00e4testens zw\u00f6lf Monate nach einer Aufdeckung unwiderruflich gel\u00f6scht werden m\u00fcssen, sofern sich kein konkreter Verdacht erh\u00e4rtet. Ein dauerhafter, langfristiger Rechtsrahmen zur Missbrauchspr\u00e4vention r\u00fcckt derweil in weite Ferne.<\/p>\n<p>        Lesen Sie auchMehr anzeigenWeniger anzeigen<\/p>\n<p>(<a class=\"redakteurskuerzel__link\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/mailto:nen@heise.de\" title=\"Niklas Engelking\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">nen<\/a>)<\/p>\n<p>\n      Dieser Link ist leider nicht mehr g\u00fcltig.\n    <\/p>\n<p>Links zu verschenkten Artikeln werden ung\u00fcltig,<br \/>\n      wenn diese \u00e4lter als 7\u00a0Tage sind oder zu oft aufgerufen wurden.\n    <\/p>\n<p>Sie ben\u00f6tigen ein heise+ Paket, um diesen Artikel zu lesen. Jetzt eine Woche unverbindlich testen \u2013 ohne Verpflichtung!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"close notice This article is also available in English. 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