{"id":255083,"date":"2026-07-04T11:26:10","date_gmt":"2026-07-04T11:26:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/255083\/"},"modified":"2026-07-04T11:26:10","modified_gmt":"2026-07-04T11:26:10","slug":"exklusiv-kampf-gegen-billigdrohnen-nato-setzt-auf-europas-industrie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/255083\/","title":{"rendered":"Exklusiv: Kampf gegen Billigdrohnen \u2013NATO setzt auf Europas Industrie"},"content":{"rendered":"<p>Um kosteng\u00fcnstigere L\u00f6sungen zur Drohnenabwehr zu finden und die Zusammenarbeit mit der Industrie zu st\u00e4rken, lud das Allied Air Command (AIRCOM) der NATO zum zweiten AIRCOM Industry Day auf die US-Luftwaffenbasis <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/03\/10\/iran-ramstein\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ramstein<\/a>. <\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>Vertreter europ\u00e4ischer R\u00fcstungsunternehmen und des Milit\u00e4rs kommen dort zusammen, um \u00fcber neue Ans\u00e4tze zur Abwehr unbemannter Systeme zu beraten. <\/p>\n<p>Der Handlungsdruck w\u00e4chst: Eine Drohne st\u00fcrzte in ein Wohnhaus in <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/my-europe\/2026\/04\/25\/drohnenabsturz-rumanien-evakuierungen-nato\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Rum\u00e4nien<\/a>, eine weitere verletzte den litauischen Luftraum und der Flughafen M\u00fcnchen musste nach einer mutma\u00dflichen Drohnensichtung mehrere Stunden den Betrieb <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/my-europe\/2026\/05\/30\/flughafen-muenchen-drohne\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">einstellen<\/a>. Unbemannte Systeme \u2013 und die Frage, wie sie abgewehrt werden k\u00f6nnen \u2013 entwickeln sich f\u00fcr die NATO zu einer immer gr\u00f6\u00dferen Bedrohung. <\/p>\n<p>Wird eine Drohne im NATO-Luftraum entdeckt, greift &#8222;<a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/my-europe\/2025\/09\/12\/nato-generalsekretar-eastern-sentry-initiative\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Eastern Sentry<\/a>&#8222;. Dabei steigen mehrere Kampfflugzeuge auf, um die Drohne zu verfolgen oder sie \u2013 falls erforderlich \u2013 abzuschie\u00dfen. Doch dieser Einsatz gilt als teuer: Drohnen sind vergleichsweise <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/my-europe\/2026\/05\/31\/geran-drohne-rumaenien-russland-ukraine\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">g\u00fcnstig<\/a> und werden teilweise f\u00fcr weniger als 100.000 Euro produziert. Der Alarmstart von NATO-Kampfjets zur Abwehr einer einzelnen Drohne kostet hingegen mehrere Zehntausend Euro pro Stunde. Ein typischer Abfangeinsatz mit zwei Jets schl\u00e4gt bereits mit mehr als 85.000 Euro zu Buche \u2013 noch bevor \u00fcberhaupt eine Rakete abgefeuert wird. <\/p>\n<p>In seiner Er\u00f6ffnungsrede betont Generalleutnant Guillaume Thomas, stellvertretender Kommandeur des Allied Air Command, dass der Drohnenkrieg die NATO vor &#8222;gemeinsame Herausforderungen&#8220; stelle. Dabei verwies er auf den massenhaften Einsatz unbemannter Systeme durch Russland im Krieg gegen die Ukraine. Entscheidend sei es nun, bei drei Entwicklungen im Voraus zu sein: den Kosten, der Produktion und der Innovation. Daf\u00fcr, so Thomas, sei eine enge Zusammenarbeit zwischen Industrie und Streitkr\u00e4ften unerl\u00e4sslich.<\/p>\n<p>Zusammenarbeit mit der Ukraine eine &#8222;Voraussetzung&#8220;<\/p>\n<p>F\u00fcr die Sicherheitsexpertin Dr. Ulrike Franke vom European Council on Foreign Relations (ECFR), die zu den Hauptrednerinnen der Veranstaltung geh\u00f6rt, haben Drohnen &#8222;Masse auf das Gefechtsfeld gebracht&#8220;. Die NATO m\u00fcsse deshalb st\u00e4rker in Kategorien von St\u00fcckzahlen und Kosten denken, anstatt teure Waffensysteme gegen vergleichsweise g\u00fcnstige Drohnen einzusetzen. Ebenso wichtig sei die Zusammenarbeit mit der Ukraine \u2013 sie sei eine &#8222;Voraussetzung&#8220;, um der wachsenden Drohnenbedrohung wirksam begegnen zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Auch Oberleutnant Oleksandr Worobjow, Kampfname &#8222;Zhan&#8220;, stellvertretender Leiter der Luftverteidigung des 3. Armeekorps der Ukraine, sieht vor allem ein Problem: die zuverl\u00e4ssige Radarerfassung. Nach seinen Angaben verhindert die l\u00fcckenhafte Zielverfolgung bislang die Entwicklung vollst\u00e4ndig autonomer Abfangdrohnen. Bestehende Radarsysteme verlieren kleine Drohnen h\u00e4ufig f\u00fcr mehrere Sekunden aus dem Blick. <\/p>\n<p>&#8222;Das ist der eine Punkt, der uns in der Ukraine bislang davon abgehalten hat, das System vollst\u00e4ndig autonom zu machen. Die Radare, die wir \u00fcberwiegend einsetzen, wurden nicht f\u00fcr die Erkennung dieser Drohnen entwickelt. Es handelt sich um Wetterradare, Radare f\u00fcr Flugzeuge \u2013 im Grunde um alle m\u00f6glichen Radartypen, nur nicht um solche, die speziell f\u00fcr diese Drohnen ausgelegt sind. Dadurch verschwindet das Ziel manchmal vom Radarschirm. Wenn die Drohne das Ziel dann ebenfalls nicht mehr sieht und das Radar es zehn Sekunden lang verliert, muss sie in dieser Zeit manuell gesteuert werden. Das ist unsere gr\u00f6\u00dfte L\u00fccke: eine zuverl\u00e4ssige Erfassung dieser Ziele. Vielleicht verf\u00fcgt Europa bereits \u00fcber diese F\u00e4higkeit, vielleicht die USA \u2013 ich wei\u00df es nicht&#8220;, sagt er im Gespr\u00e4ch mit Euronews.<\/p>\n<p>Milit\u00e4r und Industrie suchen gemeinsam nach Antworten auf die Drohnenbedrohung<\/p>\n<p>Beim diesj\u00e4hrigen AIRCOM Industry Day geht es vor allem darum, neue Technologien schneller in die Streitkr\u00e4fte zu bringen. &#8222;Im Kern geht es um Innovation&#8220;, sagt Oberstleutnant Steffen Bott, Projektleiter der Veranstaltung, im Gespr\u00e4ch mit Euronews. Die Rolle des Milit\u00e4rs bleibe dabei jedoch unver\u00e4ndert. <\/p>\n<p>&#8222;Weder wir als Milit\u00e4r noch die NATO schlie\u00dfen Vertr\u00e4ge mit R\u00fcstungsunternehmen ab. Der Grund, warum Counter-UAS derzeit so stark im Fokus steht, ist vielmehr, dass das Milit\u00e4r konkrete operative Anforderungen identifiziert hat. Gleichzeitig entwickeln sich die Technologien zur Drohnenabwehr rasant weiter. Vor allem Start-ups, aber auch etablierte R\u00fcstungsunternehmen treiben diese Innovationen voran. Hinzu kommt, dass sich die milit\u00e4rischen Anforderungen \u2013 insbesondere durch die Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine \u2013 deutlich schneller ver\u00e4ndern als die Beschaffungsprozesse, mit denen neue Systeme eingef\u00fchrt werden&#8220;, erkl\u00e4rt Bott. <\/p>\n<p>Wie gro\u00df das Interesse an neuen L\u00f6sungen zur Drohnenabwehr ist, zeigt sich auch auf der Ausstellung: Fast 40 Unternehmen pr\u00e4sentieren ihre neuesten Entwicklungen. Zu den Ausstellern z\u00e4hlen unter anderem MBDA, Alta Ares, Hensoldt und Aselsan. Gezeigt werden Radarsysteme, Abfangdrohnen und Lenkflugk\u00f6rper \u2013 darunter auch die speziell zur Drohnenabwehr entwickelte Rakete von Matra BAe Dynamics Alenia (MBDA). <\/p>\n<p>Ein Unternehmensvertreter erkl\u00e4rt gegen\u00fcber Euronews, das System sei daf\u00fcr ausgelegt, Massenangriffe mit Drohnen &#8222;wie wir sie in der Ukraine und im Nahen Osten gesehen haben \u2013 typischerweise mit Shahed- oder Geran-Drohnen \u2013 kosteneffizient und wirksam abzuwehren.&#8220;<\/p>\n<p>Die Rakete soll in das Flugabwehrsystem Skyranger 30 von <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/business\/2026\/06\/24\/pistorius-fregatte-rheinmetall-aktie-tkms\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Rheinmetall<\/a> integriert werden. Die ersten Systeme sind f\u00fcr die deutsche <a href=\"https:\/\/www.euronews.com\/tag\/lithuania-brigade\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Brigade 45<\/a> in Litauen vorgesehen und sollen voraussichtlich zwischen 2027 und 2028 ausgeliefert werden. <\/p>\n<p>Jeder Skyranger 30 ist mit neun Lenkflugk\u00f6rpern ausgestattet. Eine Batterie aus sechs Fahrzeugen verf\u00fcgt damit \u00fcber insgesamt 54 einsatzbereite Abfangraketen. Kleinere Drohnen der Klasse 1, etwa handels\u00fcbliche Quadrokopter, werden mit der 30-Millimeter-Maschinenkanone des Systems bek\u00e4mpft. Die DefendAir-Rakete ist hingegen f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Ziele vorgesehen \u2013 darunter auch Drohnen vom Typ Shahed, erkl\u00e4rt der Unternehmensvertreter gegen\u00fcber Euronews.<\/p>\n<p>Lehren aus Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine<\/p>\n<p>Beim Rundgang durch die Ausstellung f\u00e4llt eines sofort auf: Ukrainische Unternehmen sind nicht vertreten. Nach Angaben gegen\u00fcber Euronews ist die Veranstaltung ausschlie\u00dflich Firmen aus NATO-Mitgliedstaaten vorbehalten. Dennoch spielt die Ukraine bei nahezu allen Gespr\u00e4chen eine zentrale Rolle. <\/p>\n<p>Sowohl Vertreter der NATO als auch der Industrie betonen immer wieder die enge Zusammenarbeit mit ukrainischen Partnern. Der t\u00fcrkische R\u00fcstungskonzern Aselsan erkl\u00e4rt gegen\u00fcber Euronews, die wichtigste Lehre aus Russlands Angriffskrieg sei die Zuverl\u00e4ssigkeit der Systeme. &#8222;Ein System muss zuverl\u00e4ssig funktionieren. Wenn sich ein Ziel n\u00e4hert, bleiben nur wenige Sekunden, um zu entscheiden und zu reagieren. K\u00fcnstliche Intelligenz sollte dabei helfen, diese Entscheidungszeit zu verk\u00fcrzen.&#8220;<\/p>\n<p>Auch das franz\u00f6sische Unternehmen Alta Ares, das KI-gest\u00fctzte Software und Systeme f\u00fcr Aufkl\u00e4rung, \u00dcberwachung sowie Drohnenabwehr entwickelt, arbeitet eng mit der Ukraine zusammen. Das Land werde dabei jedoch nicht als &#8222;Labor&#8220; betrachtet, betont ein Vertreter des Unternehmens gegen\u00fcber Euronews. Auf dem AIRCOM Industry Day pr\u00e4sentierte Alta Ares zwei verschiedene Abfangdrohnen: die X-Block f\u00fcr Kurz- und Mittelstrecken mit einer Reichweite von bis zu 15 Kilometern sowie ein weiteres Modell f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Distanzen von bis zu 40 Kilometern. <\/p>\n<p>&#8222;Unsere beiden Mitgr\u00fcnder waren zu Beginn des Krieges in der Ukraine. Dort haben sie eng mit ukrainischen Einheiten zusammengearbeitet, um ihre Bed\u00fcrfnisse zu verstehen und nachzuvollziehen, wie sich das Gefechtsfeld ver\u00e4ndert. Ziel war es, L\u00f6sungen zu entwickeln, die genau auf diese Anforderungen zugeschnitten sind. Deshalb haben wir KI-L\u00f6sungen entwickelt, die direkt in Drohnen integriert werden k\u00f6nnen&#8220;, erkl\u00e4rt der Unternehmensvertreter. <\/p>\n<p>Bei mehr als 30 Ausstellern ist der Wettbewerb allgegenw\u00e4rtig. Konkurrenz sehe man dennoch nicht als das gr\u00f6\u00dfte Thema. &#8222;Wenn man die ukrainische Denkweise \u00fcbernimmt, dann sind wir vor allem Partner, weil Europa solche L\u00f6sungen dringend braucht&#8220;, sagt der Vertreter. &#8222;Es gibt nicht gen\u00fcgend Angebote \u2013 die Nachfrage wird deutlich gr\u00f6\u00dfer sein.&#8220; <\/p>\n<p>Erst vor Kurzem habe Alta Ares zudem eine Absichtserkl\u00e4rung (Memorandum of Understanding, MoU) mit dem deutschen Drohnenhersteller <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2025\/10\/02\/drohnenwall-russland\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Quantum Systems<\/a> unterzeichnet. <\/p>\n<p>Auch Oberleutnant Oleksandr Worobjow begr\u00fc\u00dft diese Entwicklung. Es sei &#8222;gut, dass die Unternehmen vor Ort sind&#8220;, sagt er. Ohne die direkte Zusammenarbeit mit der Ukraine fehle vielen Herstellern das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das moderne Gefechtsfeld. <\/p>\n<p>Ob die bisherigen Bem\u00fchungen ausreichten, k\u00f6nne er zwar nicht beurteilen. Dass europ\u00e4ische Unternehmen inzwischen in der Ukraine pr\u00e4sent seien und Erfahrungen direkt an der Front sammelten, sei jedoch der richtige Ansatz \u2013 auch wenn dieser aus seiner Sicht etwas sp\u00e4t komme.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Um kosteng\u00fcnstigere L\u00f6sungen zur Drohnenabwehr zu finden und die Zusammenarbeit mit der Industrie zu st\u00e4rken, lud das Allied&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":255084,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[3],"tags":[11345,2984,76,75,74,5728,1700],"class_list":["post-255083","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-europa","tag-bundeswehr","tag-drohnen","tag-eu","tag-europa","tag-europe","tag-krieg-in-der-ukraine","tag-nato"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116861468049306082","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/255083","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=255083"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/255083\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/255084"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=255083"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=255083"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=255083"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}