{"id":255818,"date":"2026-07-04T21:01:11","date_gmt":"2026-07-04T21:01:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/255818\/"},"modified":"2026-07-04T21:01:11","modified_gmt":"2026-07-04T21:01:11","slug":"umgang-mit-flugzeug-crash-in-china-augenblickliche-stille","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/255818\/","title":{"rendered":"Umgang mit Flugzeug-Crash in China: Augenblickliche Stille"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/citic-tower-104.jpg\" alt=\"Ein Loch in der Fassade des Citic Towers in Peking\" title=\"Ein Loch in der Fassade des Citic Towers in Peking | REUTERS\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 03.07.2026 \u2022 10:26 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        Zu sehen ist nur ein kleineres Loch, doch die Kollision eines Kleinflugzeugs mit dem h\u00f6chsten Geb\u00e4ude Pekings zeigt, wie Chinas F\u00fchrung mit Ungl\u00fccken umgeht. Die Zensur reagiert immer schneller &#8211; und rigider.\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/mallinckrodt-103.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Marie von Mallinckrodt\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/mallinckrodt-ts-100.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das h\u00f6chste Geb\u00e4ude von Peking bietet einen direkten Blick auf die Zentrale der Kommunistischen Partei (KP), auf Zhongnanhai. Angeblich haben die Sicherheitsbeh\u00f6rden aus diesem Grund die oberen Stockwerke des CITIC Towers beschlagnahmt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Wolkenkratzer, auch bekannt als China Zun, liegt mitten im Gesch\u00e4ftsviertel der chinesischen Hauptstadt, und dort wirkt diese Woche alles so normal wie immer. An das Leichtflugzeug, das vergangenen Freitag in den Tower flog, erinnern nur auffallend viele Polizeiwagen, die Wache halten. Und die Stelle des Einschlags ist noch zu erkennen, klein und dunkel.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die meisten Passanten, die man hier anspricht, wenden sich schnell wieder ab. Einer erz\u00e4hlt, er habe alles beobachten k\u00f6nnen, den Aufprall, die herunterfliegenden Flugzeugteile. Doch im Internet wurde alles kurz danach gel\u00f6scht. Es sei daher besser, nicht weiter dar\u00fcber zu reden.<\/p>\n<p>    Viele Fragen bleiben<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das ist genau das, was die autorit\u00e4r regierende Kommunistische Partei will &#8211; Stillschweigen und kein Thematisieren. Die Internetzensoren und die KI waren nach dem Crash sehr schnell, tilgten und sperrten Inhalte, Videos und Fotos zum Vorfall. In den Staatsmedien tauchte tagelang nichts auf. Dabei hat das chinesische Staatsfernsehen CCTV seinen Sitz gegen\u00fcber des CITIC Towers auf der anderen Stra\u00dfenseite.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der zust\u00e4ndige Stadtbezirk ver\u00f6ffentlichte erst nach fast 22 Stunden eine sehr d\u00fcrre Meldung und gab dann erst beinahe eine Woche sp\u00e4ter Details zum Piloten, zur Maschine und zum Abflugort bekannt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch danach herrschte weitestgehend Stille in den Medien. Eine Frage der ARD zum Thema bei der t\u00e4glichen Pressekonferenz des Au\u00dfenministeriums taucht danach im Protokoll nicht auf. Es ist der Versuch, das \u00f6ffentliche Ged\u00e4chtnis in Echtzeit zu l\u00f6schen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das Schweigen in China steht symbolisch f\u00fcr Vieles: f\u00fcr die stets zunehmende Kontrolle, die Angst im Kadersystem und das Versprechen der Partei, China sei ein sicheres Land.<\/p>\n<p>    Strenge Kontrolle noch einmal strenger<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">David Bandurski vom China Media Project, ein unabh\u00e4ngiges Forschungsinstitut mit Sitz in Taiwans Hauptstadt Taipeh, beobachtet seit Jahren die \u00d6ffentlichkeitsarbeit der KP. Er spricht in diesem Fall von einer augenblicklichen Stille. Diese zeige, wie sehr die ohnehin schon sehr strenge Kontrolle \u00fcber das abgeschottete Internet, die Social-Media-Plattformen und die Staatsmedien zugenommen habe.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Diese Stille jetzt sei selbst f\u00fcr chinesische Verh\u00e4ltnisse au\u00dfergew\u00f6hnlich: &#8222;In der Vergangenheit war es bei solchen Geschichten so, dass es im Internet einen regelrechten Kampf gegen die Kontrolle gab. Viele Spekulationen und Infos drangen nach au\u00dfen. Es hat in der Regel ein paar Tage angehalten.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Seit 2012, als Xi Jinping zum Generalsekret\u00e4r und sp\u00e4ter zum Staatspr\u00e4sidenten aufstieg, hat die ideologische Kontrolle sehr zugenommen. 2016 hatte Xi die ber\u00fchmte Parole ausgesprochen, dass alle Staatsmedien den Nachnamen &#8222;Partei&#8220; tragen m\u00fcssen &#8211; will hei\u00dfen, sie m\u00fcssten unbedingte Loyalit\u00e4t zeigen. Und die Richtlinien seien mittlerweile strenger, so Bandurski. Die Steuerung der \u00f6ffentlichen Meinung ist die Maxime der Medienkontrolle.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Der CITIC Tower ist mehr als nur irgendein Hochhaus &#8211; er ist weithin \u00fcber Peking zu sehen.\n                    <\/p>\n<p>    Image der Unfehlbarkeit gef\u00e4hrdet?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dieser Vorfall, so schreibt der im Exil lebende ehemalige chinesische Journalist und Analyst Yuwen Deng, habe L\u00fccken im Sicherheitssystem offengelegt. In einem Artikel vom vergangenen Montag fragt er: &#8222;Selbst wenn ein Suizid geplant war &#8211; warum haben die Flugsicherung, die Betreibergesellschaft und das Milit\u00e4r beziehungsweise die lokale Luftverteidigung den Anschlag nicht erkannt und reagiert, bevor das Flugzeug den China Zun erreichte?&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es geht um das Image der Unfehlbarkeit der KP. Ohnehin will bei Fehlern und Missst\u00e4nden in der Partei in der Regel niemand verantwortlich gemacht werden.<\/p>\n<p>    Schon an der Quelle ansetzen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">China-Forscher Bandurski meint, dieser Vorfall zeige eine klare Tendenz: &#8222;Im Grunde legt man die Verantwortung f\u00fcr die Nachrichten-Ver\u00f6ffentlichung in die H\u00e4nde der lokalen Amtstr\u00e4ger&#8220;, denn sie h\u00e4tten &#8222;das gr\u00f6\u00dfte Interesse daran, die Informationen unter Kontrolle zu halten&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Bandurski spricht von einer Zuspitzung im doppelten Sinne. Es gebe eine versch\u00e4rfte Kontrolle \u00fcber das Internet und Social Media &#8211; und gleichzeitig aber auch direkt bei der Nachrichtenquelle auf lokaler Ebene. Und das k\u00f6nne dazu f\u00fchren, dass Fehler im System fortbestehen und nicht behoben werden.<\/p>\n<p>    Sicherheit ersetzt das Wohlstandsversprechen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wer auf chinesischen Social-Media-Plattformen, etwa auf Weibo, den Namen des Towers mit dem Zusatz &#8222;wurde getroffen&#8220; eintippt, der erf\u00e4hrt, dass es keine relevanten Inhalte dazu gebe. Vielmehr wird auf Gefahren im Ausland hingewiesen. Etwa seien im Winter in Japan zwei chinesische Staatsb\u00fcrger ernsthaft verletzt worden. Die Botschaft, die hier ganz offenbar gesetzt werden soll: In China ist es sicher, im Ausland nicht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch das ist ein bekanntes Muster. Und f\u00fchrt zu dem dritten Aspekt: das Sicherheitsversprechen in China. Die von der KP forcierte stillschweigende Abmachung ist heute weniger &#8222;Wohlstand gegen Gehorsam&#8220;, sondern &#8222;Sicherheit gegen \u00dcberwachung und Kontrolle&#8220;. Die KP stelle das chinesische Volk vor eine falsche Wahl und suggeriere, dass Kontrolle Sicherheit bringe, so Bandurski.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch soll zumindest nichts am Image des sicheren Landes kratzen. Daher lieber nicht \u00fcber den Vorfall reden und alles in eine scheinbare Normalit\u00e4t tauchen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Vor dem CITIC Tower gibt es gerade eine Werbe-Ausstellung im Park. Da sind Figuren des Labubu-Herstellers Pop-Mart aufgestellt und sehen energisch und erz\u00fcrnt aus. &#8222;Angry Energy&#8220; hei\u00dft es auf einem Schild &#8211; \u00fcbersetzt hei\u00dft das so etwas wie aufgeladene Wut. Das mutet schon fast ironisch an, wenn man bedenkt, dass solche Wut dann entstehen kann, wenn Realit\u00e4ten und Meinungen unterdr\u00fcckt werden. Doch so soll die Werbeaktion sicher nicht verstanden werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 03.07.2026 \u2022 10:26 Uhr Zu sehen ist nur ein kleineres Loch, doch die Kollision eines Kleinflugzeugs mit&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":255819,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[12],"tags":[249,40,41,39,66,65,64,2128],"class_list":["post-255818","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-welt","tag-china","tag-nachrichten","tag-news","tag-schlagzeilen","tag-welt","tag-world","tag-world-news","tag-zensur"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116863729088675192","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/255818","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=255818"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/255818\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/255819"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=255818"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=255818"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=255818"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}