{"id":258428,"date":"2026-07-06T11:16:10","date_gmt":"2026-07-06T11:16:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/258428\/"},"modified":"2026-07-06T11:16:10","modified_gmt":"2026-07-06T11:16:10","slug":"der-mensch-im-angesicht-des-mysteriums-philippe-jordan-und-das-bruckner-orchester-linz-mit-bruckners-8-symphonie-in-st-florian-das-opernmagazin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/258428\/","title":{"rendered":"Der Mensch im Angesicht des Mysteriums \u2013 Philippe Jordan und das Bruckner Orchester Linz mit Bruckners 8. Symphonie in St. Florian \u2013 DAS OPERNMAGAZIN"},"content":{"rendered":"<p>\t\t<a href=\"https:\/\/opernmagazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/01_jo-28.jpg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-33846\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/01_jo-28-300x213.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"213\"  \/><\/a>Philippe Jordan und das Bruckner Orchester Linz\/Konzert v. 4.7.2026\/ Foto: Reinhard Winkler<\/p>\n<p>Als einer der H\u00f6hepunkte der diesj\u00e4hrigen Ober\u00f6sterreichischen Stiftskonzerte widmete sich das Bruckner Orchester Linz in erstmaliger Zusammenarbeit mit Philippe Jordan, dem designierten Chefdirigenten des Orchestre National de France, Bruckners Achter Symphonie \u2013 seinem \u201eMysterium\u201c, wie der Komponist dieses Werk selbst nannte \u2013, und dies an jenem Ort, an dem Anton Bruckner nicht nur lange Zeit seines Lebens gewirkt hat, sondern auch begraben ist: der Basilika des Stiftes St. Florian. Das Bruckner Orchester Linz tr\u00e4gt nicht blo\u00df den Namen des in Ansfelden geborenen Komponisten, sondern ist auch ein bedeutender Interpret seiner Werke. Die Achte Symphonie nahm das Orchester zuletzt im Rahmen des bemerkenswerten Projekts, anl\u00e4sslich des Bruckner-Jahres 2024 s\u00e4mtliche Symphonien in allen Fassungen einzuspielen, mit seinem Chefdirigenten Markus Poschner auf, auch hier in beiden Fassungen, wobei die zweite auch an diesem Abend in St. Florian zu h\u00f6ren ist. (Rezension des Konzerts v. 4. Juli 2026\/Stiftsbasilika)<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Es ist eindr\u00fccklich zu merken, wie vertraut das Orchester mit Bruckners Werk ist, wobei sich dies nicht nur auf die Kenntnis der konkreten Komposition bezieht, sondern vielmehr noch in einem h\u00f6rbaren grundlegenden Zugang ausdr\u00fcckt, der Virtuosit\u00e4t mit Nat\u00fcrlichkeit in Einklang bringt. Umso erstaunlicher ist es, dass das Bruckner Orchester dennoch eine so gro\u00dfe Offenheit f\u00fcr die Interpretation des jeweiligen Dirigenten mitbringt, sodass unter jedem von ihnen eine eigen gef\u00e4rbte und gestaltete Auff\u00fchrung entsteht. Dies ist auch in der Zusammenarbeit mit Philippe Jordan zu merken, der bereits 2017\/18 mit den Wiener Symphonikern die letzten drei Bruckner-Symphonien zur Auff\u00fchrung brachte und dabei einen zugleich dramatischen wie h\u00f6chst innerlichen Zugang zu dieser Musik offenbarte. Diese Interpretation scheint sich im Laufe der Jahre noch intensiviert und weiter geformt zu haben, wodurch Bruckner auf sehr einf\u00fchlsame, spannungsgeladene und doch zugleich ruhige Weise erklingt, die weniger die eigene Auffassung, sondern vielmehr die Musik selbst zum Vorschein bringen zu wollen scheint. Der grundlegend musikdramatische Zugang, bei dem es nicht um Dramatik um ihrer selbst willen geht, sondern darum, die der Musik innewohnende Dramatik freizulegen und nachzuzeichnen, sodass ein (Nach-)Empfinden erm\u00f6glicht wird, ist das gesamte Werk \u00fcber h\u00f6r- und sp\u00fcrbar. Dabei legt Jordan gro\u00dfen Wert auf die Herausarbeitung der Strukturen, ohne aber das Strukturelle selbst zum Hauptfokus zu machen. Vielmehr wird das komplexe Werk in den Abschnitten und Details aller S\u00e4tze mit solcher Klarheit pr\u00e4sentiert, dass wiederum eine Losl\u00f6sung von allem Strukturellen m\u00f6glich wird, um ganz in die Erfahrung der Musik einzutauchen. Einzelne Abschnitte, auch die gewisserma\u00dfen von der Orgel her gedachten Registrierungen Bruckners, werden durch gef\u00fchlvoll gef\u00fchrte Abschl\u00fcsse, Z\u00e4suren, kurze Momente des Innehaltens strukturiert und in sich mit gro\u00dfer Sensibilit\u00e4t gestaltet, dennoch zerf\u00e4llt das Werk nie in Einzelteile. \u00dcber die gesamte, rund 80 Minuten dauernde Symphonie wird ein gro\u00dfer Bogen gespannt, der durch kleinere B\u00f6gen gestaltet, doch niemals unterbrochen wird. Zu dieser tiefen Kenntnis der Grundstruktur des Werks f\u00fcgt sich eine stilistisch differenzierte, stimmige Herausarbeitung der zahlreichen Ankl\u00e4nge an verschiedene musikalische Stile und Formen, sodass ein gro\u00dfer Reichtum an Facetten hervortritt, ohne den Eindruck von Disparit\u00e4t zu erwecken. All dies f\u00fchrt bei Jordan zu einer h\u00f6chst dramatischen Interpretation ohne alle Pathetik oder k\u00fcnstliche \u00dcberbetonung, vielmehr erklingt Bruckner in tief empfundener, nat\u00fcrlicher Weise. Es entstehen Farben, Bilder, sp\u00fcrbare Atmosph\u00e4ren, doch mit einer Freiheit, die diese stets assoziativ, tr\u00e4umerisch oder wie Erinnerungen auftreten l\u00e4sst.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/opernmagazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/04_jo-36.jpg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-33847\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/04_jo-36-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\"  \/><\/a>Philippe Jordan und das Bruckner Orchester Linz\/Konzert v. 4.7.2026\/ Foto: Reinhard Winkler<\/p>\n<p>Bereits mit den ersten Takten des ersten Satzes, in denen das Tremolo der Geigen wie aus dem Nichts hervortritt und die Grundlage f\u00fcr das sehr pr\u00e4zise punktierte Thema der Celli bereitet, entsteht eine einnehmende Stimmung, die in ihrer D\u00fcsternis bald von den flie\u00dfend phrasierten Geigen erhellt wird. Stets ist in diesem Satz eine gute Kommunikation zwischen den einzelnen Stimmen in Klang und Charakteristik zu merken, die den musikalischen Fluss weitertr\u00e4gt, ohne dabei auf Ruhepunkte zu verzichten. Schon in diesem ersten Satz zeigt sich das gro\u00dfe Verm\u00f6gen Jordans, s\u00e4mtliche Steigerungen auf sehr differenzierte, stimmige, immer nach vorne weisende, aber nie zu drastische Weise zu gestalten. Immer wieder nimmt er die Dynamik auf ein Minimum zur\u00fcck, um allm\u00e4hlich in gr\u00f6\u00dferen B\u00f6gen die Spannung zu erh\u00f6hen, die nie zu fr\u00fch ihr Ziel erreicht, sondern h\u00e4ufig durch erneutes Zur\u00fccktreten gef\u00fchlvoll gef\u00fchrt wird. Diese in den dennoch fortlaufenden Aufbau eingef\u00fcgten Momente der Ruhe verleihen dem Werk eine plastische Gestalt. Besonders eindr\u00fccklich tritt dabei der absolute Ruhepunkt vor der exponierten Melodie zuerst der Oboe, dann der Wagnertuba hervor, in dem das Tremolo beinahe ins Unh\u00f6rbare zur\u00fccktritt und dadurch eine stille, aber dennoch geladene Stimmung erweckt, die an die flirrend hei\u00dfe Sommerluft \u00fcber abendlichen Feldern erinnert. Diese starken dynamischen Unterschiede unterstreichen unmittelbar, aber nie zu aufdringlich die Dramatik des Werkes. Der H\u00f6hepunkt des ersten Satzes erklingt nach diesem mehrdimensionalen Spannungsaufbau wahrlich \u201efeierlich breit\u201c, wobei einzelne Einw\u00fcrfe pr\u00e4gnant hervorgehoben werden, ohne das Gesamtbild zu st\u00f6ren. Bis zum Ende des Satzes, an dem die letzten Pulsschl\u00e4ge trotz allm\u00e4hlichen Verklingens unerbittlich bleiben, kann die ergreifende Spannung aufrecht erhalten, sogar noch gesteigert werden, wozu vor allem das akzentuierte Tremolo der Streicher beitr\u00e4gt, dem hier besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird.<\/p>\n<p>Die Konzentration auch auf die vermeintliche Begleitung in Form der in dieser Symphonie h\u00e4ufigen Tremoli der Streicher, besonders der Geigen, setzt sich im Scherzo des zweiten Satzes fort, in dem diese sehr fokussiert die flirrenden Einw\u00fcrfe wie Blitze hervortreten lassen. Sp\u00e4ter ger\u00e4t das Tremolo im Verh\u00e4ltnis gelegentlich etwas zu laut, wenngleich nicht zu leugnen ist, dass Bruckner eben auch in jenem gezielt bis zum Forte-Fortissimo geht. Im Gesamt des Satzes zeigt Jordan eine tiefe Durchdringung des Werks auf s\u00e4mtlichen Ebenen, indem die musikalische Basis auf grundlegender Ebene, besonders in den harmonischen Entwicklungen, stets transparent wird. Eingebettet ist diese Gestaltung in eine nobel, ritterlich-h\u00f6fisch, in den Ausbr\u00fcchen gar milit\u00e4risch angelegte Interpretation, die diesem Scherzo \u00e4u\u00dferst gut entspricht, besonders angesichts der sp\u00e4ter erklingenden Fanfaren der Trompeten. Die, f\u00fcr Bruckners Verh\u00e4ltnisse, klare Struktur dieses Satzes tritt stringent und in sich stimmig hervor, dabei ger\u00e4t der Ausdruck aber nie in den Hintergrund. Der sehr direkte \u00dcbergang in die Reprise zeigt exemplarisch, wie innerhalb der klaren Struktur und geordneten Artikulation stets alles flie\u00dfend bleibt, wodurch eine gute Balance aus musikalischem Lauf und h\u00f6fischer Strenge entsteht. Besonders eindr\u00fccklich erklingt das sonst oft zur\u00fcckstehende Trio des zweiten Satzes. Auf flie\u00dfend-tr\u00e4umerische, fast tanzende Weise \u2013 als w\u00e4re es ein sanftes Bewegen in der bitters\u00fc\u00dfen Erinnerung an einen Tanz \u2013 werden die Melodien durch gef\u00fchlvolle Phrasierung sowohl in der Dynamik als auch der Linienf\u00fchrung gezogen, sogar in der Pizzicato-Begleitung ist eine hohe Aufmerksamkeit f\u00fcr die einzelnen Linien zu h\u00f6ren. Diese melodi\u00f6se Durchdringung wird noch bereichert durch den innigen Klang besonders der tiefen Streicher, die hier wie ein Choral hervortreten. Erneut zeigt sich im Trio zudem die empfindsame Gestaltung durch Z\u00e4suren und Zur\u00fccknehmen, zugleich aber an den zahlreichen Einw\u00fcrfen auch die hohe Aufmerksamkeit f\u00fcr Details, ohne sich darin zu verlieren.<\/p>\n<p>Besonders eindr\u00fccklich zeigt sich Jordans Interpretation im dritten Satz. Der pr\u00e4zise gesetzte, aber dennoch stets flie\u00dfende, gleichm\u00e4\u00dfige Rhythmus, der weiten Teilen des Satzes unterlegt ist, wird hier zu einem besonderen Klangerlebnis. In stetigem Pulsieren erweckt der Klang die Assoziation zu einem Schiff, das \u00fcber d\u00fcsteres Wasser mit leichtem Wellengang gleitet, dabei gibt es nichts Wildes oder Aufgeregtes, sondern gro\u00dfe Ruhe, die aber dennoch von einer leicht unheimlichen F\u00e4rbung gepr\u00e4gt ist. Unwillk\u00fcrlich tritt das Bild der Toteninsel auf \u2013 die letzte \u00dcberfahrt der Seele. Der gesamte Satz erklingt bei Jordan auf sehr innerliche Weise, die selbst in den glanzvollen Ausbr\u00fcchen nie nur effektvoll wird, sondern stets aus intensiver Emotion entsteht. Dieses Adagio rei\u00dft nicht durch \u00fcbertriebenes Pathos oder sich aufdr\u00e4ngende Emotionalit\u00e4t mit, sondern durch echtes Mitf\u00fchlen. \u00dcber den gesamten Satz ziehen sich erneut gro\u00dfe Linien mit sehr differenzierten kleineren Teilen, die vom Orchester auch dynamisch mit starken Kontrasten gestaltet werden. Insgesamt ist das Tempo ruhig und flie\u00dfend angelegt, nie ger\u00e4t der stete Fluss ins Stocken. Das exponierte Thema mit fallender Sext der Celli tritt in sich und auch im Verh\u00e4ltnis zu seiner Wiederkehr als besonders gut gestaltet hervor. Anfangs zeigt es sich noch zart, danach folgt ein intensiver, fast flehend wirkender Anstieg, der beim zweiten Mal noch st\u00e4rker fortgef\u00fchrt wird. Auch die Harmonien werden in diesem Satz stets aufmerksam herausgearbeitet, wodurch das Werk \u00e4u\u00dferst transparent wird, ohne dies aber durch zu durchsichtigen Klang zu erreichen. Neben den gezogen phrasierenden, schier unendliche Klangr\u00e4ume er\u00f6ffnenden H\u00f6rnern und Wagnertuben ist besonders jene exponierte Stelle der Celli vor der Reprise hervorzuheben. Diese wird hier zu einem beinahe mystischen, atemberaubenden Moment, bei dem tats\u00e4chlich der Atem wegzubleiben scheint. Die zahlreichen H\u00f6hepunkte des Adagios sind in einen gro\u00dfen Aufbau gebettet, der von immer neuen Versuchen gepr\u00e4gt ist. Dabei \u00fcberraschen manche z\u00fcgigen \u00dcberg\u00e4nge, doch f\u00fcgen sich diese durch die daf\u00fcr bewusst gesetzten Z\u00e4suren zu einem stimmigen, mitrei\u00dfenden Gesamtbild, in dem sich Ruhepunkte und immer weitergef\u00fchrtes K\u00e4mpfen und Ringen abwechseln. Nach dem packenden H\u00f6hepunkt, in dem die \u00fcberw\u00e4ltigende Klanggewalt dennoch nicht zu \u00fcberbordend wirkt, erscheint es nur passend, dass die Kirchenglocken der Basilika genau in diesem Moment 8 Uhr schlagen. Im Gesamten ist diese Interpretation des Adagios wohl eine der innerlichsten und emotionalsten, Schmerz, der Kampf der Seele und Verkl\u00e4rung gehen miteinander einher. Im Gespr\u00e4ch mit Philippe Jordan anl\u00e4sslich dieses Konzertes, das demn\u00e4chst in \u201eDAS OPERNMAGAZIN\u201c zu lesen sein wird, formulierte er, dieses Adagio sei die Musik, die man beim Sterben h\u00f6rt. Wenn man sie so wie hier h\u00f6rt, w\u00fcnscht man sich zwar keinesfalls, schon jetzt zu sterben, doch hofft man, sie einst auch in den letzten Momenten h\u00f6ren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/opernmagazin.de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/06_jo-41.jpg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-33848\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/06_jo-41-300x241.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"241\"  \/><\/a>Philippe Jordan und das Bruckner Orchester Linz\/Konzert v. 4.7.2026\/ Foto: Reinhard Winkler<\/p>\n<p>Nach diesem nicht nur die Seele beanspruchenden Satz folgt das fulminante Finale, in dem Bruckner gewisserma\u00dfen die Symphonie als solche auf die Spitze trieb. Der Beginn wird von Jordan und dem Bruckner Orchester \u00e4u\u00dferst fulminant und spannungsvoll geladen interpretiert, wobei die enorme Spannung und der Drang nach vorne, die die tats\u00e4chlich apokalyptisch anmutenden Kl\u00e4nge hier entfalten, nie gehetzt wirken. Vielmehr kann gerade in der Stabilit\u00e4t eine Energie freigesetzt werden, die auch durch die hohe und gerade in der Akustik dieser Kirche erforderliche artikulatorische Pr\u00e4zision gest\u00e4rkt wird. Nur gelegentlich sind leichte Ungenauigkeiten in den Streichern zu merken. Wiederum werden im Laufe des Satzes gro\u00dfe Kontraste er\u00f6ffnet, die auch in stets in Relation stimmig gesetzten Tempowechseln bestehen und so von rasenden Kl\u00e4ngen zu gespannter Ruhe \u00fcberleiten. Diese Ruhe erm\u00f6glicht auch die Er\u00f6ffnung zahlreicher atmosph\u00e4rischer Facetten, die von choral\u00e4hnlichen Momenten bis zu l\u00e4ndlich-urspr\u00fcnglich klingenden Takten reichen und vom innigen Streicherklang, aber auch von den sehr transparent aufleuchtenden Holzbl\u00e4sern getragen werden. Besonders hervorzuheben ist die eindringliche Pauke, die, h\u00f6chst energisch, gelegentlich bis ins Martialische reicht. W\u00e4hrend die Reprise etwas z\u00fcgiger und strenger gehalten ist, mit noch ungest\u00fcmeren Streichern, erklingt das sp\u00e4tere, aus dem Nichts einsetzende Fugato sehr zart und fein, allerdings dennoch lebendig. Darauf folgt ein weiterer extremer Spannungsaufbau, der einer allm\u00e4hlich ausbrechenden Verzweiflung gleicht, die in der Fl\u00f6te ihr letztes Nachbeben findet. Schlie\u00dflich f\u00fcgt sich wahrhaftig alles in der erst hoffnungslos scheinenden, dann jedoch fulminant ausbrechenden Coda, wobei die einzelnen Themen der Symphonie klar hervortreten und nur das verbreiterte Thema des Scherzos etwas zu sehr im Hintergrund bleibt. Bis zu den letzten, passend zur\u00fcckgehaltenen T\u00f6nen, und nach dar\u00fcber hinaus, wird eine hohe Intensit\u00e4t aufrecht erhalten, die gerade in ihrer wie von selbst auftretend erscheinenden Wirkung eine zutiefst emotionale H\u00f6rerfahrung erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Mit dieser Auff\u00fchrung von Bruckners Achter Symphonie wurde auch deutlich, dass es in der Akustik der Stiftsbasilika nicht zwingend rein auf das Tempo ankommt, sondern vielmehr auf wahrlich musikalisches Nachsp\u00fcren und Atmen, sodass Momente der Ruhe und des Innehaltens erm\u00f6glicht werden und der Klang Raum zur Entfaltung erf\u00e4hrt. Durch diese Transparenz kann eine hohe Energie freigelegt werden, auch oder gerade dann, wenn diese Energie an manchen Stellen in Energielosigkeit besteht. Philippe Jordan \u00fcberzeugt mit dem Bruckner Orchester mit seiner sehr erfahrungsbezogenen und -erm\u00f6glichenden Interpretation, welche bei aller genauesten Hervorhebung von Details weder zu intellektuell oder kleinteilig noch zu stark auf das Zelebrieren jedes einzelnen Klangs bedacht ist. Es entsteht der Eindruck, dass die Interpretation hier gerade nicht im Zentrum stehen oder gar vereinnahmen soll, sondern dass ihr h\u00f6chstes Ziel die Offenbarung der Musik in all ihrer Komplexit\u00e4t und Unfassbarkeit ist. Jordans Bruckner ist kein von au\u00dfen kommend \u00fcberw\u00e4ltigender, sondern ein innerlicher, tief empfundener, der dadurch einl\u00e4dt, auch selbst zu empfinden. Durch eine gewisse Nat\u00fcrlichkeit, die Freilegung der musikalischen Strukturen, ihre dramatische Gestaltung und Entfaltung kann die Musik so aber letztlich \u00fcberw\u00e4ltigender und einnehmender wirken, sie wird transparent f\u00fcr die Gesamtheit aller Dimensionen des Menschseins \u2013 zu einer existentiellen Erfahrung. In dieser Transparenz ist aber immer auch ein transzendentes Moment aufgehoben, das es erm\u00f6glicht, \u00fcber das Menschliche hinauszuschreiten und in Ber\u00fchrung zu kommen mit dem \u201eMysterium\u201c.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Rezension von Elena Deinhammer \/ Red. DAS OPERNMAGAZIN<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.bruckner-orchester.at\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bruckner Orchester Linz<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.stiftskonzerte.at\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stiftskonzerte<\/a><br \/>\nTitelfoto: Philippe Jordan und das Bruckner Orchester Linz\/Konzert v. 4.7.2026\/ Foto: Reinhard Winkler<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Philippe Jordan und das Bruckner Orchester Linz\/Konzert v. 4.7.2026\/ Foto: Reinhard Winkler Als einer der H\u00f6hepunkte der diesj\u00e4hrigen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":258429,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[30],"tags":[6938,46,42,9940,70767,43971,184,16753,70768,44,70769,70770,70771],"class_list":["post-258428","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-linz","tag-anton-bruckner","tag-at","tag-austria","tag-bruckner-orchester-linz","tag-das-opernmagazin-linz","tag-elena-deinhammer-das-opernmagazin","tag-linz","tag-markus-poschner","tag-orchestre-national-de-france","tag-oesterreich","tag-philippe-jordan","tag-stiftsbasilika","tag-stiftskonzerte"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116872753299193590","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/258428","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=258428"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/258428\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/258429"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=258428"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=258428"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=258428"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}