{"id":260691,"date":"2026-07-07T13:27:09","date_gmt":"2026-07-07T13:27:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/260691\/"},"modified":"2026-07-07T13:27:09","modified_gmt":"2026-07-07T13:27:09","slug":"michael-schaefer-fotokuenstler-zwischen-fragment-und-unschaerfe-zweibruecken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/260691\/","title":{"rendered":"Michael Sch\u00e4fer: Fotok\u00fcnstler zwischen Fragment und Unsch\u00e4rfe &#8211; Zweibr\u00fccken"},"content":{"rendered":"<p class=\"rhp-dpa-teaser\">Portr\u00e4t: Mit Michael Sch\u00e4fer stellt einer der bekanntesten deutschen Fotografen beim Kunstverein in Zweibr\u00fccken aus. Mit seinen Arbeiten bringt er die Besucher zum Nachdenken.<\/p>\n<p>Michael Sch\u00e4fer fotografiert. Er montiert. Er inszeniert. Er bearbeitet Aufnahmen von anderen aus dem Internet und kombiniert sie mit eigenen. Er schafft eine neue Form von Bilderwelt, die zum Nachdenken anregt, denn seine Themen erz\u00e4hlen von unserer Gesellschaft. <\/p>\n<p>Auf den ersten Blick h\u00e4lt man seine Ausstellung im Zweibr\u00fccker Stadtmuseum nicht f\u00fcr eine Fotografie-Ausstellung, denn er arbeitet mit seltsamen selbstgebauten Holzgestellen, mit wurstartig geformten Objekten, die an St\u00e4ben auf einem Sockel stehen \u2013 oder die auf einer Platte angebracht an der Wand h\u00e4ngen. Man erkennt Fotos von Demonstrationen, Menschen mit Masken, aber auch Pflanzen, die alles \u00fcberwuchern. Man muss also genau hinschauen, um etwas zu sehen. <\/p>\n<p>Als die Kunst der Feind war<\/p>\n<p>\u201eRevolte und andere Pflanzen\u201c hei\u00dft das Projekt, das Michael Sch\u00e4fer vorstellt und das den Betrachter auf einen \u00e4hnlichen Weg bringen soll wie ihn Sch\u00e4fer seit mehr als 25 Jahren beschreitet, denn angefangen hat er als klassischer Fotograf. \u201eWenn man Ende der Achtziger oder in den neunziger Jahren in dem Lager der Journalisten ist, schaut man mit einem kritischen Blick. Auch auf die Kunst, sie war der Feind. Also hat man Fotos gemacht, um etwas zu bewegen. Aber dann hat sich alles verschoben, einfach dadurch, dass es f\u00fcr den Journalismus, den Bildjournalismus, immer weniger Platz gab\u201c, erl\u00e4utert Sch\u00e4fer. Er hatte fr\u00fcher auch Reportagen f\u00fcr Stern und Co. fotografiert. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/7051681_2_articledetail_img_3244.webp\" alt=\"Foto-Objekt von Michael Sch\u00e4fer im Zweibr\u00fccker Stadtmuseum. \" title=\"Foto-Objekt von Michael Sch\u00e4fer im Zweibr\u00fccker Stadtmuseum. \" width=\"753\" height=\"502\" class=\"nfy-mobile-first\"\/> Foto-Objekt von Michael Sch\u00e4fer im Zweibr\u00fccker Stadtmuseum.Foto: Dittgen<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich entstanden und entstehen auch Arbeiten in seinem Fotostudio in <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Berlin\" data-rtr-id=\"d0f8ca37195d12bf55f612c03cb5ae6e0ea21dfa\" data-rtr-score=\"5.17148554336989\" data-rtr-etype=\"location\" data-rtr-index=\"16\" href=\"https:\/\/www.rheinpfalz.de\/themen\/berlin\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Berlin<\/a>. Etwa eine Portr\u00e4tserie \u201eLes acteurs\u201c (die Schauspieler, 2007), was auch mit Kunst zu tun hat. Denn da sieht man keine Schauspieler, sondern  Sch\u00fcler eines deutschen Eliteinternats im  Business-Outfit. Im Spannungsfeld von fotografischer In- und Selbstinszenierung nehmen sie eine Klassenrolle vorweg, in die sie hineinwachsen werden. In der Portr\u00e4tserie \u201eDie Redner\u201c (2009) sind Sprecher in  Posen zu sehen, aber die Besetzungen erscheinen seltsam, unwirklich. Sie sind zusammen mit Fotos der Serie \u201eVorbilder \/ Models\u201c (2008-2011) in einem Buch zu sehen, das mit anderen Fotob\u00fcchern Sch\u00e4fers in <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Zweibr\u00fccken\" data-rtr-id=\"759410f706795b3cb5fcb8210831ec1e65ee2191\" data-rtr-score=\"72.55932203389831\" data-rtr-etype=\"location\" data-rtr-index=\"4\" href=\"http:\/\/rheinpfalz.de\/lokal\/zweibruecken.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zweibr\u00fccken<\/a> auf einem Tisch liegt. <\/p>\n<p>Die Fotos der Macht<\/p>\n<p>Hier  rekonstruiert er mediale Bilder der Macht (etwa von Politikern oder Prominenten) originalgetreu mit anonymen Statisten und macht durch bewusste kleine Fehler die K\u00fcnstlichkeit der Inszenierung deutlich. Auch die Portr\u00e4tserie von Mao, Musk &amp; Co., die  er in Zweibr\u00fccken zeigt, geht in Richtung Machtmenschen \u2013 nicht als Fotos an der Wand, sondern als bewusst unscharfe Vergr\u00f6\u00dferungen aufgeklebt auf Holzplatten an zwei d\u00fcnnen Stangen, die an der Wand lehnen. <\/p>\n<p>Es sind vergleichsweise einfache Denk\u00fcbungen f\u00fcr die Betrachter, es geht um eine medienkritische Haltung \u2013 wie immer bei Sch\u00e4fer. Er nennt es \u201eHereingehen in die Bilder\u201c. \u201eIch will  mich fragen: Was sehe ich denn jetzt? Und je mehr man in die Bilder hineingeht,  umso mehr l\u00f6st sich das Bild auf \u2013 und dann sieht man nichts mehr. Das finde ich schon sehr spannend\u201c, meint er. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/7051682_2_articledetail_img_3246.webp\" alt=\"Das Foto-Objekt von der R\u00fcckseite: Man sieht, wie die F otos zusammegef\u00fcgt wurden. \" title=\"Das Foto-Objekt von der R\u00fcckseite: Man sieht, wie die F otos zusammegef\u00fcgt wurden. \" width=\"753\" height=\"502\" class=\"nfy-mobile-first\"\/> Das Foto-Objekt von der R\u00fcckseite: Man sieht, wie die F otos zusammegef\u00fcgt wurden.Foto: Andrea DittgenAuf wichtige Themen aufmerksam machen<\/p>\n<p>Ein Beispiel sind Fotos vom Syrienkrieg. Da sieht man eine Stra\u00dfenszene mit Mord und Totschlag und daneben steht ein Mann, der europ\u00e4isch aussieht, mit einem Baby auf dem Arm \u2013 als w\u00e4re er mitten im Geschehen. Sch\u00e4fer hat ihn in das vorgefundene Bild einkopiert,  quasi als Illustration des Fragenkomplexes: Was geht uns das an? Solche  fotografischen Montagen aus medialen Fundst\u00fccken und eigenen Fotografien macht Sch\u00e4fer oft, er will damit auf wichtige Themen unserer Gesellschaft aufmerksam machen. <\/p>\n<p>F\u00fcr das Projekt \u201eInvasive Links\u201c (2016-2019) arbeitete er  mit Bildmaterial von Liveleak.com, einer Plattform, auf der unzensiert Handyvideos und Standbilder aus Krisensituationen ver\u00f6ffentlicht wurden.  Sch\u00e4fer zeigt damit, was sich durch mediale Bilder in unsere Vorstellungswelt eingeschlichen hat.  \u201eWir sind so nah dran durch die Bilder, und doch bleibt die Frage, wie wir uns dazu verhalten k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>2021 entstanden aus diesen Montagen  53 Bilderw\u00fcrfel, einer pro Woche.  Jede Seite der W\u00fcrfel zeigt unterschiedliche Screenshots von weltweiten Krisensituationen. Die W\u00fcrfel hat er dann aufgefaltet und  auf Meeresansichten montiert. Wie sich dann die Internetbilder mit der Natur und der Pressefreiheit und dem k\u00fcnstlerischen Denken zusammenbringen lassen, soll jeder selbst entscheiden. Als politischer K\u00fcnstler versteht sich Michael  Sch\u00e4fer jedoch nicht, eher als gesellschaftskritischer, wenn er fragt: \u201eErreicht uns die Realit\u00e4t hinter den konsumierten Bildern? Inwieweit erfahren wir Bilder im Netz als abstrahiert? Welche Rolle spielen Gef\u00fchle und Generalisierungen? Und die Natur?\u201c<\/p>\n<p class=\"rhp-closing-headline\">Info<\/p>\n<p class=\"rhp-closing-credits\">Michael Sch\u00e4fer: \u201eGeh\u00e4use\u201c, Fotografien und Objekte, Stadtmuseum Zweibr\u00fccken, Herzogstra\u00dfe 9, bis 12. Juli, Mittwoch bis Sonntag 14-18 Uhr,  Katalogbuch: 76 Seiten, 20 Euro.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Portr\u00e4t: Mit Michael Sch\u00e4fer stellt einer der bekanntesten deutschen Fotografen beim Kunstverein in Zweibr\u00fccken aus. 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