{"id":262131,"date":"2026-07-08T07:26:40","date_gmt":"2026-07-08T07:26:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/262131\/"},"modified":"2026-07-08T07:26:40","modified_gmt":"2026-07-08T07:26:40","slug":"belgien-schlimmste-pfas-belastung-europas-menschenrechte-verletzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/262131\/","title":{"rendered":"Belgien: schlimmste PFAS-Belastung Europas \u2013 Menschenrechte verletzt?"},"content":{"rendered":"<p>Juristinnen und Juristen haben Beschwerde gegen Belgien eingelegt, weil der Staat seine B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger nicht ausreichend vor den erheblichen Gesundheitsrisiken sogenannter Ewigkeitschemikalien sch\u00fctzt. <\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>Die Umweltorganisation ClientEarth hat deshalb eine Menschenrechtsbeschwerde beim Europ\u00e4ischen Ausschuss f\u00fcr Soziale Rechte (ECSR) eingereicht. Belgien weist laut Daten die h\u00f6chsten Werte von <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/04\/09\/pinguine-helfen-forschenden-ewige-chemikalien-selbst-in-entlegener-region-entdeckt\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ewigkeitschemikalien<\/a> (PFAS) in Europa auf. <\/p>\n<p>\u201eWir sehen nicht nur eine lang anhaltende Belastung. Wir haben auch festgestellt, dass die Beh\u00f6rden seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, \u00fcber diese Verschmutzung informiert sind und kaum etwas unternommen haben\u201c, sagt H\u00e9l\u00e8ne Duguy, Umweltjuristin bei ClientEarth.<\/p>\n<p>ClientEarth ist bekannt daf\u00fcr, Regierungen und Unternehmen wegen Umweltverst\u00f6\u00dfen vor Gericht zu bringen. Erstmals wendet sich die Organisation nun an den ECSR, das Kontrollgremium des Europarats, das pr\u00fcft, ob die Mitgliedstaaten die Europ\u00e4ische Sozialcharta einhalten. \u201eWir haben dieses Gremium gew\u00e4hlt, weil es \u00fcber starke Durchsetzungsm\u00f6glichkeiten verf\u00fcgt\u201c, erkl\u00e4rt Duguy gegen\u00fcber Euronews Earth. <\/p>\n<p>Belgien: Gr\u00f6\u00dfter PFAS-Hotspot Europas<\/p>\n<p>PFAS, auch als Ewigkeitschemikalien bekannt, sind eine Gruppe von mehr als 10.000 k\u00fcnstlich hergestellten Stoffen. Die Industrie nutzt sie breit wegen ihrer wasser-, schmutz- und fettabweisenden Eigenschaften. Sie stecken etwa in Pizzakartons, beschichteten Pfannen, Menstruationsprodukten und Outdoor-Kleidung.<\/p>\n<p>Die Stoffe stehen mit einer Reihe von Gesundheitsrisiken in Verbindung, darunter bestimmte Krebsarten, Stoffwechselerkrankungen und Probleme mit der <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/07\/07\/studie-bis-2036-trifft-unfruchtbarkeit-80-mio-frauen-starkster-anstieg-ab-35\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fruchtbarkeit<\/a>. <\/p>\n<p>Belgien ist laut dem <a href=\"https:\/\/foreverpollution.eu\/map\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Forever Pollution Project (Quelle auf Englisch)<\/a>, das Daten gesammelt und PFAS-Verschmutzung in Europa kartiert hat, das am st\u00e4rksten belastete Land des Kontinents. <\/p>\n<p>Besonders betroffen sind belgische Orte wie Zwijndrecht nahe Antwerpen. Dort wirkt sich die N\u00e4he zum Werk des Multikonzerns 3M massiv aus. In Chi\u00e8vres an der franz\u00f6sischen Grenze wird die Belastung mit einem nahe gelegenen Luftwaffenst\u00fctzpunkt in Verbindung gebracht. Die Karte zeigt au\u00dferdem, dass Br\u00fcssel deutlich von PFAS betroffen ist, insbesondere die Stadtteile rund um Anderlecht und Uccle.<\/p>\n<p>Die Beschwerde von ClientEarth st\u00fctzt sich auf F\u00e4lle wie Zwijndrecht, wo \u00f6ffentliche Stellen schon Jahre vor dem Skandal im Jahr 2021 von den PFAS-Problemen wussten. <\/p>\n<p>Mitglieder der fl\u00e4mischen Regierung, darunter Bart De Wever, damals B\u00fcrgermeister von Antwerpen und heute Belgiens Premierminister, erhielten bereits 2017 Informationen \u00fcber die <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/01\/13\/eu-geht-gegen-ewigkeitschemikalien-vor-und-starkt-den-trinkwasserschutz-was-andert-sich\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kontamination<\/a>, reagierten jedoch nicht. <\/p>\n<p>Schon Anfang der 2000er-Jahre sprachen 3M und fl\u00e4mische Beh\u00f6rden \u00fcber die PFAS-Verschmutzung rund um das Werk, untersch\u00e4tzten aber das Ausma\u00df des Problems. <\/p>\n<p>Welche Gesundheitsrisiken bergen Ewigkeitschemikalien?<\/p>\n<p>PFAS stehen mit verschiedenen Erkrankungen in Verbindung. 2023 stufte die <a href=\"https:\/\/www.iarc.who.int\/news-events\/iarc-monographs-evaluate-the-carcinogenicity-of-perfluorooctanoic-acid-pfoa-and-perfluorooctanesulfonic-acid-pfos\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Weltgesundheitsorganisation (Quelle auf Englisch)<\/a> Perfluoroktans\u00e4ure (PFOA) als f\u00fcr Menschen krebserregend ein und Perfluoroktansulfons\u00e4ure (PFOS) als m\u00f6glicherweise krebserregend. <\/p>\n<p>Diese beiden PFAS sind in der EU verboten. Weil sie sich jedoch erst nach Hunderten Jahren abbauen, finden sich die Stoffe weiterhin im Boden, im Wasser und im Blut von Menschen in vielen belasteten Regionen Europas. <\/p>\n<p>Krebs ist nicht die einzige Gefahr. \u201eDiese Verbindungen stehen auch mit verschiedenen Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, verringerter Fruchtbarkeit und Fettleibigkeit in Zusammenhang\u201c, sagt Philippe Grandjean, Professor f\u00fcr Umweltmedizin am Nationalen Institut f\u00fcr \u00f6ffentliche Gesundheit in Kopenhagen, gegen\u00fcber Euronews Earth. <\/p>\n<p>Grandjean betont, dass <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/01\/27\/ewigkeitschemikalien-in-walen-deutlich-gesunken-kein-grund-zur-freude\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">PFAS<\/a> nicht nur Erwachsene gef\u00e4hrden, die derzeit belastet sind, sondern auch kommende Generationen. <\/p>\n<p>\u201ePFAS beeinflussen die Gesundheit des Spermas des Vaters, also dessen Qualit\u00e4t. Sie erh\u00f6hen das Risiko von Unfruchtbarkeit oder Fehlgeburten\u201c, erl\u00e4utert er. \u201ePFAS passieren die Plazenta. Die Mutter teilt ihre PFAS-Belastung mit dem F\u00f6tus. Und drittens werden PFAS \u00fcber die Muttermilch ausgeschieden\u201c, f\u00fcgt er hinzu. <\/p>\n<p>All diese Risiken sollten nach Ansicht Grandjeans ein starker Anreiz f\u00fcr Regierungen sein, mehr in Vorbeugung zu investieren. <\/p>\n<p>Wie Ewigkeitschemikalien zur Menschenrechtsfrage werden<\/p>\n<p>PFAS-Verschmutzung steht nicht zum ersten Mal im Zusammenhang mit Menschenrechtsverletzungen. 2024 erkl\u00e4rten Expertinnen und Experten der Vereinten Nationen die Belastung durch PFAS, die DuPont und Chemours im US-Bundesstaat North Carolina verursacht haben, zu einem Menschenrechtsproblem. <\/p>\n<p>Rechtsverfahren wegen <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2025\/10\/08\/eu-minister-positiv-auf-pfas-getestet-trotz-chemikalienverzicht\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">PFAS<\/a>-Verschmutzung laufen in ganz Europa. Umweltorganisationen und Anwohner klagen seit Mai 2026 gegen Frankreich, weil das Land die Belastung nicht wirksam bek\u00e4mpft. Eine Entscheidung wird 2027 erwartet.<\/p>\n<p>\u201eUnsere Beschwerde soll diese europ\u00e4ischen Verfahren st\u00fctzen und erg\u00e4nzen\u201c, erkl\u00e4rt Duguy. <\/p>\n<p>\u201ePFAS sind nicht nur ein Umweltproblem. Es geht sehr direkt um Menschen. Regierungen und Beh\u00f6rden haben die Pflicht, ihre Rechte zu sch\u00fctzen\u201c, sagt sie weiter. <\/p>\n<p>Laut einer Mitteilung von ClientEarth soll der ECSR 2027 zun\u00e4chst \u00fcber die Zul\u00e4ssigkeit der Beschwerde entscheiden. Mit einem endg\u00fcltigen Urteil wird in zwei bis drei Jahren gerechnet. <\/p>\n<p>Mit der Beschwerde hofft ClientEarth, konkrete \u00c4nderungen in Belgiens <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2025\/09\/13\/elterninitiative-chemieskandal-italien\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">PFAS<\/a>-Regulierung anzusto\u00dfen. <\/p>\n<p>Die Organisation fordert, dass Belgien alle Ewigkeitschemikalien verbietet und betroffene Gemeinden wirksam unterst\u00fctzt. \u201eZu den Ma\u00dfnahmen geh\u00f6rt zum Beispiel ein systemisches Biomonitoring der Bev\u00f6lkerung, vor allem von besonders gef\u00e4hrdeten Gruppen wie Kindern und schwangeren Frauen. Wichtig ist auch, endlich mit Sanierung und Dekontamination zu beginnen \u2013 beides l\u00e4uft in Belgien bislang sehr schleppend\u201c, sagt Duguy gegen\u00fcber Euronews Earth. <\/p>\n<p>Die Beseitigung von PFAS ist allerdings \u00e4u\u00dferst schwierig. Einer <a href=\"https:\/\/pubs.rsc.org\/em\/article\/doi\/10.1039\/d5em00870k\/1273706\/PFAS-remediation-across-Europe-costs-and-limited?searchresult=1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Studie (Quelle auf Englisch)<\/a>, die am Montag (6. Juli) in der Fachzeitschrift \u201eEnvironmental Science: Processes and Impacts\u201c erschienen ist, zufolge w\u00fcrden selbst j\u00e4hrliche Investitionen von 100 Milliarden Euro in die Sanierung nur einen kleinen Teil der Ewigkeitschemikalien aus der Umwelt entfernen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Juristinnen und Juristen haben Beschwerde gegen Belgien eingelegt, weil der Staat seine B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger nicht ausreichend vor&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":262132,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[3],"tags":[6800,76,75,74,206,71445,18303],"class_list":["post-262131","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-europa","tag-bruessel","tag-eu","tag-europa","tag-europe","tag-krebs","tag-rechtsinstitutionen","tag-umweltverschmutzung"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116883173711659062","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/262131","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=262131"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/262131\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/262132"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=262131"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=262131"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=262131"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}