{"id":2638,"date":"2026-02-20T10:50:06","date_gmt":"2026-02-20T10:50:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/2638\/"},"modified":"2026-02-20T10:50:06","modified_gmt":"2026-02-20T10:50:06","slug":"james-bond-in-west-berlin-verletzt-die-staatsgrenze-als-007-ins-visier-der-stasi-geriet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/2638\/","title":{"rendered":"James Bond in West-Berlin: \u201eVerletzt die Staatsgrenze\u201c \u2013\u00a0Als 007 ins Visier der Stasi geriet"},"content":{"rendered":"<p>An einem brisanten Ort des Kalten Krieges wurde Film-Agent James Bond 1982 von ganz realen Geheimdienstlern des Ostblocks observiert. Der Grund waren die Dreharbeiten zum 007-Abenteuer \u201eOctopussy\u201c \u2013 bei denen ein diplomatischer Fauxpas passierte.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">F\u00fcr James-Bond-Fans war 1983 ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Jahr \u2013 und f\u00fcr deutsche 007-Enthusiasten galt dies in gleich doppelter Hinsicht. Denn zum einen erschienen fast zeitgleich zwei Kino-Abenteuer des britischen Superspions: erstens \u201eOctopussy\u201c mit <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article253553420\/Connerys-langer-Schatten-verfolgte-ihn-aber-Roger-Moore-nahm-es-mit-Humor.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article253553420\/Connerys-langer-Schatten-verfolgte-ihn-aber-Roger-Moore-nahm-es-mit-Humor.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Roger Moore<\/a> in der Hauptrolle, als 13. Film in der von EON Productions seit 1962 realisierten Filmreihe; und au\u00dferdem ein \u201einoffizielles\u201c, rivalisierendes Bond-Werk namens \u201eSag niemals nie\u201c, produziert von Taliafilm, in dem Moores Vorg\u00e4nger <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article696a45ba6b40895ba7f7014c\/james-bond-der-mann-der-007-erfand-und-warum-keiner-ihn-je-ganz-ersetzte.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article696a45ba6b40895ba7f7014c\/james-bond-der-mann-der-007-erfand-und-warum-keiner-ihn-je-ganz-ersetzte.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sean Connery<\/a> ein Comeback machte. Hintergrund <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article244665560\/James-Bond-1983-Als-Sean-Connery-den-offiziellen-007-herausforderte.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article244665560\/James-Bond-1983-Als-Sean-Connery-den-offiziellen-007-herausforderte.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">dieser denkw\u00fcrdigen \u201eBond vs. Bond\u201c-Situation<\/a> war ein komplizierter, jahrelanger Rechtsstreit.<\/p>\n<p>Und zum anderen fanden zuvor f\u00fcr einen dieser beiden Filme erstmals Bond-Dreharbeiten im damals geteilten Deutschland statt, genauer: in West-Berlin. Denn in \u201eOctopussy\u201c reist James Bond nach einigen Ermittlungen in London und Indien in die DDR, um dort dem sinistren Plan des Sowjetgenerals Orlov (Steven Berkoff, der 1985 <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article253885890\/Rambo-Als-Rambo-wurde-Sylvester-Stallone-zum-Inbegriff-der-Ein-Mann-Armee.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article253885890\/Rambo-Als-Rambo-wurde-Sylvester-Stallone-zum-Inbegriff-der-Ein-Mann-Armee.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">auch in \u201eRambo II\u201c einen fiesen Sowjetoffizier spielte<\/a>) auf die Spur zu kommen. Bond findet heraus, dass Orlov eine Atombombe in einer westdeutschen US-Milit\u00e4rbasis z\u00fcnden will \u2013 was 007 knapp vereitelt.<\/p>\n<p>Bonds Einreise in die DDR findet im Film nicht irgendwo statt, sondern an einem geschichtstr\u00e4chtigen Ort mit hohem Wiedererkennungswert: am Checkpoint Charlie. Jener Grenz\u00fcbergang lag auf der Kreuzung Zimmer- und Friedrichstra\u00dfe und trennte den West-Berliner Bezirk Kreuzberg und den Ost-Berliner Bezirk Mitte. Hier standen sich 1961 in einem dramatischen Nervenkrieg <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article234674810\/Nervenkrieg-1961-in-Berlin-Panzer-am-Checkpoint-Charlie.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article234674810\/Nervenkrieg-1961-in-Berlin-Panzer-am-Checkpoint-Charlie.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">amerikanische und sowjetische Panzer direkt gegen\u00fcber<\/a>.<\/p>\n<p>Ein prominenter Schauplatz des Kalten Krieges also, den die \u201eOctopussy\u201c-Macher um Regisseur John Glen nicht etwa im Studio nachbauten, sondern an Ort und Stelle zum Drehort machten. Allerdings nur auf West-Berliner Seite, denn eine Drehgenehmigung jenseits des Eisernen Vorhangs zu bekommen war nat\u00fcrlich illusorisch.<\/p>\n<p>Am 10. August 1982 traf die Crew um 7.30 Uhr morgens am Checkpoint Charlie ein, und was darauf folgte, ist nicht nur aufgrund von Aufzeichnungen und Erinnerungen der Filmemacher detailreich belegt \u2013 sondern auch, weil der fiktive westliche Agent James Bond nun in das Visier ganz realer Geheimdienstler des Ostblocks geriet: Die Hauptabteilung (HA) VI des DDR-Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit \u00fcberwachte und protokollierte minutengenau alle Auff\u00e4lligkeiten, die sich am und um die Grenz\u00fcbergangsstelle abspielten. Den entsprechenden Bericht hat das Bundesarchiv unl\u00e4ngst <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.bundesarchiv.de\/themen-entdecken\/online-entdecken\/themenbeitraege\/james-bond-im-visier-der-stasi\/\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.bundesarchiv.de\/themen-entdecken\/online-entdecken\/themenbeitraege\/james-bond-im-visier-der-stasi\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">online gestellt<\/a>.<\/p>\n<p>So staffierten laut MfS-Protokoll gut zwei Dutzend Filmleute den Drehort mit Requisiten aus, um einen Grenz\u00fcbertritt nach Ost-Berlin auf West-Berliner Seite zu simulieren; dazu \u201ehandelten mehrere Personen mit Sprechfunkger\u00e4ten\u201c (ab 8.25 Uhr), und es wurde unter anderem \u201eein zweites Sektorenschild auf dem Fu\u00dfweg in H\u00f6he des Dienstgeb\u00e4udes des Westzolls ca. 30 m hinter dem Originalschild\u201c aufgestellt (ab 8.30 Uhr), zeitgleich wurden mehrere Kameras vorbereitet.<\/p>\n<p>Dass es sich bei all dem um \u201eDreharbeiten zu einem \u201aJames Bond-Film\u2018 im westlichen Vorfeld der Grenz\u00fcbergangsstelle Friedrich-\/Zimmerstra\u00dfe\u201c handelte, erfuhr die Stasi schlie\u00dflich um 9.20 Uhr von einer in den Osten einreisenden \u201ein der DDR akkreditierten Diplomatin\u201c. Auch eine zweite Quelle hatten die MfSler bald parat: \u201eDiesen Sachverhalt best\u00e4tigte ein italienischer Staatsb\u00fcrger\u201c.<\/p>\n<p>Akribisch hielt die Stasi fest, was von 9.34 Uhr bis 11.25 Uhr geschah: Es \u201eerfolgten von vier Standorten aus Filmaufnahmen\u201c. Bonds DDR-Einreise in einer schwarzen Limousine wurde mehrfach und aus verschiedenen Blickwinkeln gefilmt. Dabei versch\u00e4tzten sich die Filmemacher etwas: \u201eMercedes B-JH 375 verletzt beim Wenden die Staatsgrenze der DDR\u201c. <\/p>\n<p>Viermal sei dies geschehen, jeweils \u201eum ca. 4 bis 5 Meter\u201c, notierten die MfSler, lie\u00dfen den Fauxpas aber auf sich beruhen und schritten nicht ein. Nach einigen weiteren Filmaufnahmen endeten die Arbeiten schlie\u00dflich um 13.33 Uhr, und die Stasi befand abschlie\u00dfend: \u201eEs ergaben sich keine Auswirkungen auf den grenz\u00fcberschreitenden Reiseverkehr.\u201c<\/p>\n<p>Die 007-Crew drehte noch drei weitere Tage in West-Berlin, unter anderem Bonds Fahrt \u00fcber den Kurf\u00fcrstendamm sowie einige Actionszenen an der Avus. Letztere Sequenzen spielten im Film aber gar nicht in West-Berlin, sondern nahe der westdeutschen US-Basis, wo Bond schlie\u00dflich die Atombombe entsch\u00e4rft, was wiederum in den Pinewood Studios nahe London nachgestellt wurde. Eine halsbrecherische Zugfahrt, die im Film in der DDR nahe Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) spielt, entstand ebenfalls in England, auf Gleisen in Cambridgeshire.<\/p>\n<p>Es sollte anderthalb Jahrzehnte und bis zur Brosnan-\u00c4ra dauern, bis wieder Bond-Dreharbeiten in Deutschland stattfanden, diesmal in Hamburg. Doch das ist eine andere Geschichte, demn\u00e4chst auf WELTGeschichte.<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/martin-klemrath\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/martin-klemrath\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Martin Klemrath<\/a> blickt bei WELTGeschichte neben klassischen historischen Themen auch regelm\u00e4\u00dfig auf popkulturelle Ph\u00e4nomene vergangener Jahrzehnte zur\u00fcck. Darunter auch <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article245625738\/James-Bond-Nach-nur-einem-Agenten-Einsatz-warf-Lazenby-hin.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article245625738\/James-Bond-Nach-nur-einem-Agenten-Einsatz-warf-Lazenby-hin.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">George Lazenbys einmaliger Auftritt als James Bond<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"An einem brisanten Ort des Kalten Krieges wurde Film-Agent James Bond 1982 von ganz realen Geheimdienstlern des Ostblocks&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":2639,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[23],"tags":[46,42,2149,151,2151,147,2150,2154,152,2147,150,44,2148,2152,148,2153],"class_list":{"0":"post-2638","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kino","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-bond","11":"tag-cinema","12":"tag-drehorte-ks","13":"tag-entertainment","14":"tag-james-detektiv","15":"tag-kalter-krieg-ks","16":"tag-kino","17":"tag-moore","18":"tag-movie","19":"tag-oesterreich","20":"tag-roger-schauspieler","21":"tag-stasi","22":"tag-unterhaltung","23":"tag-west-berlin"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2638","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2638"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2638\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2638"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2638"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2638"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}