{"id":265310,"date":"2026-07-09T20:09:20","date_gmt":"2026-07-09T20:09:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/265310\/"},"modified":"2026-07-09T20:09:20","modified_gmt":"2026-07-09T20:09:20","slug":"the-rolling-stones-foreign-tongues","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/265310\/","title":{"rendered":"The Rolling Stones &#8211; Foreign Tongues"},"content":{"rendered":"<p>1972. Nur etwas mehr als einen Monat, nachdem <a class=\"text-accent hover:underline\" href=\"https:\/\/www.morecore.de\/band\/deep-purple\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Deep Purple<\/a> mit \u201eMachine Head\u201c und einem gewissen \u201eSmoke On The Water\u201c Rockgeschichte geschrieben hatten, ver\u00f6ffentlichten die <a class=\"text-accent hover:underline\" href=\"https:\/\/www.morecore.de\/band\/the-rolling-stones\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Rolling Stones<\/a> \u201eExile On Main St.\u201c. Zwei Alben, die heute in jeder halbwegs ernst gemeinten Liste der gr\u00f6\u00dften Rockplatten aller Zeiten auftauchen.<\/p>\n<p>54 Jahre sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Wieder ver\u00f6ffentlichen Deep Purple und die Rolling Stones innerhalb weniger Wochen neue Alben. \u201e<a class=\"text-accent hover:underline\" href=\"https:\/\/www.morecore.de\/release\/deep-purple\/splat\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">SPLAT!<\/a>\u201c hier (<a class=\"text-accent hover:underline\" href=\"https:\/\/www.morecore.de\/review\/deep-purple\/splat-deep-purple\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">zu unserer Review<\/a>), \u201eForeign Tongues\u201c da.<\/p>\n<p>Und das eigentlich Verr\u00fcckte daran ist nicht, dass beide Bands \u00fcberhaupt noch existieren.<\/p>\n<p>Sondern wie verdammt gut sie immer noch sind.<\/p>\n<p>Dabei h\u00e4tte die Geschichte der Rolling Stones l\u00e4ngst vorbei sein k\u00f6nnen. Brian Jones&#8216; Tod 1969. Drogenexzesse. Jahrzehntelange Ger\u00fcchte \u00fcber das schwierige Verh\u00e4ltnis von Mick Jagger und Keith Richards. Und zuletzt der Tod von Charlie Watts.<\/p>\n<p>Als der Schlagzeuger 2021 starb, wirkte das zum ersten Mal nicht wie eine weitere Krise, die diese unzerst\u00f6rbar wirkende Band schon irgendwie \u00fcberstehen w\u00fcrde. Ohne Watts? Kaum vorstellbar. Schlie\u00dflich hielt der stoische Drummer die Rolling Stones \u00fcber die Dekaden hinweg musikalisch wie menschlich zusammen.<\/p>\n<p>Umso \u00fcberraschender kam zwei Jahre sp\u00e4ter \u201eHackney Diamonds\u201c. Statt einer routinierten Abschiedsplatte ver\u00f6ffentlichten die Stones eines ihrer st\u00e4rksten Alben seit Jahrzehnten. Mit gro\u00dfer Spielfreude, noch gr\u00f6\u00dferen Hooks und einer Energie, die man von den betagten Briten, die ihre letzte regul\u00e4re Platte 2005 ver\u00f6ffentlicht hatten, so eigentlich nicht mehr erwarten konnte.<\/p>\n<p>H\u00e4tten Jagger, Richards und Wood danach gesagt: &#8222;That&#8217;s it. We&#8217;re done.&#8220; Niemand h\u00e4tte es ihnen \u00fcbelnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dass sie trotzdem weitermachten, war aber die bessere Entscheidung.<\/p>\n<p>Denn \u201eForeign Tongues\u201c kn\u00fcpft nicht einfach an \u201eHackney Diamonds\u201c an. Es geht noch einen Schritt weiter.<\/p>\n<p>Mehr Stones als auf \u201eForeign Tongues\u201c geht nicht<\/p>\n<p>\u201eHackney Diamonds\u201c war das gro\u00dfe Comeback. Produzent Andrew Watt (Ozzy, Lady Gaga) orchestrierte den ersten Longplayer nach Charlie Watts&#8216; Tod mit jeder Menge Pomp, prominenten G\u00e4sten und stadiontauglichen Refrains. Auf \u201eForeign Tongues\u201c schl\u00e4gt das Gespann Watt\/Stones einen anderen Weg ein. Weniger Event. Weniger Spektakel. Die Rolling Stones d\u00fcrfen einfach die Rolling Stones sein.<\/p>\n<p>Die Gitarren r\u00fccken dabei wieder st\u00e4rker in den Mittelpunkt und vieles klingt, als h\u00e4tte die Band tats\u00e4chlich gemeinsam in einem Raum gestanden und einfach drauflos gespielt. Und genau darin liegt eine der gr\u00f6\u00dften St\u00e4rken der Platte: \u201eForeign Tongues\u201c versucht zu keinem Zeitpunkt, den Stones einen neuen Sound aufzuzwingen. Stattdessen machen Jagger, Richards und Wood einen gutgelaunten Streifzug durch ihre eigene Geschichte.<\/p>\n<p>\u2026 welches Jahr haben wir nochmal?<\/p>\n<p>\u201eRough And Twisted\u201c er\u00f6ffnet das Album, als h\u00e4tte es die 54 Jahre zwischen \u201eExile On Main St.\u201c und \u201eForeign Tongues\u201c nicht gegeben. Schmutzige Keith-Richards-<a class=\"text-accent hover:underline\" href=\"https:\/\/www.morecore.de\/glossar\/riff\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Riffs<\/a>, Mundharmonika, Honky-Tonk-Piano und Saxofon \u2013 die Stones der fr\u00fchen 70er destilliert auf viereinhalb Minuten.<\/p>\n<p>Aber schon \u201eIn The Stars\u201c schl\u00e4gt einen v\u00f6llig anderen Weg ein. Das Riff tr\u00e4gt zun\u00e4chst unverkennbar Richards&#8216; bluesige Handschrift, dann w\u00e4chst der Song aber schnell zu einer hymnischen Stadion-Nummer heran, wie sie die Stones Ende der 80er und in den 90ern am f\u00fcr die gr\u00f6\u00dften B\u00fchnen der Welt schrieben.<\/p>\n<p>Und dann kommt der ganz gro\u00dfe Auftritt von Mick Jagger.<\/p>\n<p>Mick Jagger: The Sexiest 82-Year-Old On Earth<\/p>\n<p>Wie viel Sexappeal darf ein 82-J\u00e4hriger eigentlich haben? Sp\u00e4testens nach \u201eJealous Lover\u201c steht diese Frage offensichtlich im Raum. Jagger performt die an \u201eEmotional Rescue\u201c erinnernde Soul-Nummer mit einer L\u00e4ssigkeit und Selbstverst\u00e4ndlichkeit im Falsett, wie nur er es kann. Da bleibt keine Hose trocken.<\/p>\n<p>Das Highlight unter den vier Vorabsingles folgt aber erst mit \u201eDivine Intervention\u201c. Federleicht t\u00e4nzelt der Song mit Bl\u00e4sern und Piano durch einen beschwingten Boogie-Rhythmus, w\u00e4hrend Robert Smith (<a class=\"text-accent hover:underline\" href=\"https:\/\/www.morecore.de\/band\/the-cure\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">The Cure<\/a>) vorsichtige Gitarrenakzente beisteuert und Jagger apokalyptische Bilder von Milliard\u00e4ren, Weltuntergang und gesellschaftlichem Zerfall zeichnet.<\/p>\n<p>Spaziergang durch sechs Jahrzehnte<\/p>\n<p>\u201eMr. Charm\u201c springt mit seinem herrlich eing\u00e4ngigen 80s-<a class=\"text-accent hover:underline\" href=\"https:\/\/www.morecore.de\/genre\/pop\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Pop<\/a>&#8211;<a class=\"text-accent hover:underline\" href=\"https:\/\/www.morecore.de\/genre\/rock\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Rock<\/a> direkt in die bunte MTV-\u00c4ra, irgendwo zwischen Stones, Huey Lewis And The News und The B-52&#8217;s. Kurz darauf huldigt die astreine <a class=\"text-accent hover:underline\" href=\"https:\/\/www.morecore.de\/genre\/country\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Country<\/a>-Nummer \u201eRinging Hollow\u201c die Americana-Wurzeln der Band und erinnert so zum Beispiel an \u201eLet It Bleed\u201c.<\/p>\n<p>\u201eNever Wanna Lose You?\u201c pumpt sich mit einer groovigen Disco-Bassline pulsierend in Richtung \u201eMiss You\u201c und <a class=\"text-accent hover:underline\" href=\"https:\/\/www.morecore.de\/band\/kiss\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">KISS<\/a>&#8218; \u201eDynasty\u201c.<\/p>\n<p>Dann: Erneuter Richtungswechsel mit \u201eHit Me In The Head\u201c. Jagger hatte den Song im Vorfeld als \u201ereal fast punk rocker\u201c angek\u00fcndigt \u2013 und liefert. Schnell, rifflastig und erstaunlich ruppig beschw\u00f6ren die Stones noch einmal den Geist der sp\u00e4ten 70er.<\/p>\n<p>Gleichzeitig bekommt der Titel eine zus\u00e4tzliche emotionale Ebene: Ausgerechnet auf dem aggressivsten Song des Albums sitzt Charlie Watts, die Ruhe in Person, ein letztes Mal hinter dem Schlagzeug.<\/p>\n<p>Is this how the story will end?<\/p>\n<p>Nach diesem Energieausbruch nehmen die Stones das Tempo bewusst wieder heraus. Das soulige \u201eYou Know I&#8217;m No Good\u201c geh\u00f6rt mit Jaggers leidenschaftlichem Gesang und der flimmernden Hammond-Orgel zu den sch\u00f6nsten Momenten der Platte. Kurz darauf \u00fcbernimmt Keith Richards auf \u201eSome Of Us\u201c selbst das Mikrofon und beschw\u00f6rt vernebelte Bilder von dunklen Kneipen, staubigen Highways und leeren Whiskyflaschen.<\/p>\n<p>Wie auch schon bei \u201eHackney Diamonds\u201c l\u00e4sst Paul McCartney sich einen Gastauftritt nicht nehmen. Auf \u201eCovered In You\u201c greift der Ex-Beatle zum Bass und veredelt die ohnehin schon erstklassige Midtempo-Nummer, die zudem noch eine der st\u00e4rksten Hooks des Albums mitbringt.<\/p>\n<p>Auch \u201eSide Effects\u201c h\u00e4lt das hohe Niveau m\u00fchelos, bevor \u201eBack In Your Life\u201c den perfekten Schlusspunkt setzt. Akustikgitarre, bluesige E-Gitarre und einer der sch\u00f6nsten Refrains der Platte machen den Song zu einer klassischen Stones-Ballade. Dann ruft Jagger pl\u00f6tzlich: \u201eCome on, Ronnie!\u201c Und Ronnie Wood antwortet mit dem mitrei\u00dfendsten Gitarrensolo des Albums \u2013 inspiriert vom Tod seiner Freunde Brian Wilson und Sly Stone.<\/p>\n<p>War das der Schlusspunkt unter die lange Karriere der Rolling Stones?<\/p>\n<p>Vielleicht.<\/p>\n<p>Vielleicht aber auch nicht.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re definitiv ein gro\u00dfartiger Schlusspunkt. Einfach ein rundes Ding. Aber wenn Jagger, Richards und Wood noch Kraft und Lust haben weiterzumachen, gibt es nach dieser Platte eigentlich nur eine vern\u00fcnftige Antwort:<\/p>\n<p>Bitte. Macht. Weiter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"1972. 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