{"id":26794,"date":"2026-03-05T08:01:11","date_gmt":"2026-03-05T08:01:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/26794\/"},"modified":"2026-03-05T08:01:11","modified_gmt":"2026-03-05T08:01:11","slug":"wohin-gehst-du-menschheit-ein-kollegengespraech","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/26794\/","title":{"rendered":"\u201eWohin gehst du, Menschheit?\u201c Ein Kollegengespr\u00e4ch"},"content":{"rendered":"<p>\u201eQuo vadis, humanitas? \u2013 Wohin gehst du, Menschheit?\u201c So hei\u00dft ein neues Dokument der Internationalen Theologischen Kommission. Es wurde an diesem Mittwoch vom Vatikan ver\u00f6ffentlicht. <\/p>\n<p>     <a href=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/de\/vatikan\/news\/2026-03\/theologie-kommission-vatikan-technologie-ki-menschheit-dokument.html\" title=\"\u201eZukunft der Menschheit liegt nicht in Technologie\u201c\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\" data-original=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/content\/dam\/vaticannews\/agenzie\/images\/reuters\/2026\/03\/02\/18\/1772471164066.JPG\/_jcr_content\/renditions\/cq5dam.thumbnail.cropped.500.281.jpeg\" alt=\"\u201eZukunft der Menschheit liegt nicht in Technologie\u201c\"\/><\/p>\n<p>      <\/a><\/p>\n<p>\n      \u201eQuo vadis, humanitas? \u2013 Wohin gehst du, Menschheit?\u201c So hei\u00dft ein neues Dokument der Internationalen Theologischen Kommission. Es wurde an diesem Mittwoch vom Vatikan &#8230;\n     <\/p>\n<p>Unser Kollege Stefan von Kempis hat f\u00fcr uns schon mal darin gebl\u00e4ttert. Frage an ihn: Was ist das f\u00fcr ein Papier?<\/p>\n<p>Es ist, um es gleich zu sagen, ganz sch\u00f6n schwere Kost. 55 Seiten dichte theologische \u00dcberlegungen zur technologischen Beschleunigung, die wir in unserer Zeit erleben, zu K\u00fcnstlicher Intelligenz, Transhumanismus, Posthumanismus. Das ist f\u00fcr einen \u201eLaien\u201c nicht ganz leicht zu lesen und zu verdauen. Aber nat\u00fcrlich ein wichtiges Thema, mit dem wir uns alle auseinandersetzen sollten. Es gibt das Dokument bisher nur auf Italienisch und Spanisch, aber in absehbarer Zeit wird das schon ins Deutsche \u00fcbersetzt und dann im Internet ver\u00f6ffentlicht werden \u2013 ein theologisches Vademecum f\u00fcrs digitale Zeitalter.<\/p>\n<p>\u201eEin theologisches Vademecum f\u00fcrs digitale Zeitalter\u201c<\/p>\n<p>Wer genau hat denn das neue Dokument verfasst?<\/p>\n<p>Das war ein eigenes Untergremium aus neun Personen, darunter auch zwei mit deutschem Hintergrund: der Theologe Reinhard H\u00fctter und die Sch\u00f6nst\u00e4tter Marienschwester Isabell Naumann. Die Internationale Theologische Kommission gibt es seit den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts, sie ist sozusagen ein Kind des Konzils und ist beim vatikanischen Dikasterium f\u00fcr Glaubenslehre angesiedelt; wer sich mal die M\u00fche macht nachzuschlagen, wer alles zu diesem Gremium geh\u00f6rt hat, der st\u00f6\u00dft \u2013 allein schon f\u00fcr den deutschsprachigen Raum \u2013 auf Namen wie Rahner, Ratzinger, von Balthasar, Lehmann, Sch\u00f6nborn, Kasper, S\u00f6ding. Mit der christlichen Anthropologie, also der christlichen Lehre vom Menschen, angesichts der Herausforderungen in der digitalen \u00c4ra hat die Kommission sich seit 2022 vertieft besch\u00e4ftigt. Das bisher letzte gro\u00dfe Dokument der Kommission drehte sich letztes Jahr um den 1700. Jahrestag des Konzils von Niz\u00e4a.<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\" data-original=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/content\/dam\/vaticannews\/agenzie\/images\/afp\/2026\/03\/02\/12\/1772450170040.jpg\/_jcr_content\/renditions\/cq5dam.thumbnail.cropped.750.422.jpeg\" alt=\"Elon Musk, oder: Darf\/kann sich der Mensch selbst perfektionieren?\" title=\"Elon Musk, oder: Darf\/kann sich der Mensch selbst perfektionieren?\"\/><\/p>\n<p>\n   Elon Musk, oder: Darf\/kann sich der Mensch selbst perfektionieren? \u00a0 (AFP or licensors)\n  <\/p>\n<p>Was ist nun der Ausgangspunkt des neuen Dokuments?<\/p>\n<p>Das ist die uralte Frage aus Psalm 8: \u201eWas ist der Mensch, dass du an ihn denkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?\u201c Es geht also um den Menschen, seine Gr\u00f6\u00dfe, seine Schw\u00e4che\u2026 seine Identit\u00e4t. Das alles aus der Sicht des Glaubens, und ganz spezifisch angesichts der Herausforderungen unseres digitalen Zeitalters. Dabei st\u00fctzt sich der Text, der nat\u00fcrlich auch von Papst Leo gebilligt worden ist, namentlich auf die Konstitution \u201eGaudium et spes\u201c des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65). Es geht also um einen offenen Dialog zwischen Kirche und Welt sowie zweitens um eine ganzheitliche Sicht des Menschen: als \u201eEinheit von K\u00f6rper und Seele, Herz und Gewissen, Verstand und Willen\u201c. Trotz aller Ambivalenzen.<\/p>\n<p>\u201eWas ist der Mensch, dass du an ihn denkst? (Ps 8)\u201c<\/p>\n<p>Das l\u00e4sst nat\u00fcrlich gleich an Personen wie Elon Musk denken, die glauben, dass sich der Mensch durch Technologie perfektionieren l\u00e4sst. Oder dass sich das, was einen Menschen ausmacht, irgendwann sogar auf einen Computer downloaden l\u00e4sst\u2026<\/p>\n<p>Ja, das sind die Stichworte Trans\u2013 und Posthumanismus. Darauf geht das Theologendokument aus dem Vatikan gleich im ersten Kapitel ein. Tenor: Beide Str\u00f6mungen sind mit dem Christentum nicht zu vereinbaren. Weil sie beide die Widerspr\u00fcche und Begrenztheiten, die zur menschlichen Existenz zwingend dazugeh\u00f6ren, nicht akzeptieren. Anders als der christliche Glaube: Er zielt auf die Synthese der tiefen Spannungen und Gegens\u00e4tze, die das Menschsein ausmachen; sie werden in Jesus Christus, seinem Leiden und seiner Auferstehung, aufgehoben und zu einer Einheit gebracht. Die \u201eF\u00fclle des auferstandenen Lebens\u201c in Christus, das sei der \u201eHorizont jeder Ver\u00e4nderung und Verwandlung, die der Mensch f\u00fcr sich und f\u00fcr andere w\u00fcnschen kann\u201c, hei\u00dft es in dem Dokument.<\/p>\n<p>H\u00f6rt sich an wie eine Breitseite gegen jeden Versuch, sich physisch zu perfektionieren\u2026<\/p>\n<p>Ja \u2013 das Dokument verwirft in dieser Hinsicht auch einen \u201eK\u00f6rperkult\u201c im Westen oder den Wunsch, ewig \u201ejung und sch\u00f6n\u201c zu bleiben. Der K\u00f6rper sei nun mal aus christlicher Sicht kein \u201ebiologisches Material, das man potenzieren, transformieren und nach Belieben umbauen kann\u201c; denn auch Schmerz, Altern, Behinderung, Tod geh\u00f6ren zum Leben dazu und lassen sich nicht ausmerzen. Damit ist nat\u00fcrlich nicht gesagt, dass man nicht jeden Tag zehn Minuten auf dem Fitnessrad trampeln darf. Aber man sollte eben seinen K\u00f6rper als Geschenk auf Zeit verstehen, nicht als etwas, \u00fcber das man uneingeschr\u00e4nkt verf\u00fcgen kann. \u00dcbrigens h\u00e4lt das Theologenpapier dementsprechend nichts von der Vorstellung, dass die Identit\u00e4t als Mann oder Frau frei ver\u00e4ndert werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>\u201eDamit ist nat\u00fcrlich nicht gesagt, dass man nicht jeden Tag zehn Minuten auf dem Fitnessrad trampeln darf\u201c<\/p>\n<p>Das zielt ja bisher vor allem aufs einzelne Individuum. Aber nimmt das Theologendokument nicht auch ganze Gesellschaften in den Blick?<\/p>\n<p>Ja. Es spricht zum Beispiel von der Krise der westlichen Demokratien. Die hat, so finden die Theologen, etwas mit der heutigen \u201eInfosph\u00e4re\u201c zu tun, in der die Wirklichkeit verf\u00e4lscht und die Polemik hochgefahren wird. Daraus entstehen soziale Konflikte, die oft zu Identit\u00e4tskonflikten werden. Und daraus ergibt sich nicht zuletzt die aktuelle Krise der westlichen Demokratien: Es wird n\u00e4mlich immer anstrengender, sich dessen zu versichern, \u201ewas uns alle als Menschen untereinander verbindet\u201c. Das neue Dokument aus dem Vatikan warnt vor einer \u201eTribalisierung\u201c der politischen Debatte, vor einer Fragmentierung in stark polarisierte Gruppen.<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\" data-original=\"https:\/\/www.vaticannews.va\/content\/dam\/vaticannews\/agenzie\/images\/afp\/2026\/03\/03\/10\/1772531767203.jpg\/_jcr_content\/renditions\/cq5dam.thumbnail.cropped.750.422.jpeg\" alt=\" \" title=\" \"\/><\/p>\n<p>\n    \u00a0 (AFP or licensors)\n  <\/p>\n<p>Wie ordnet das neue Dokument denn das Verh\u00e4ltnis von digitaler Welt und Religion ein?<\/p>\n<p>Ziemlich kritisch. Da entsteht, so schreiben die Autoren, ein \u201eriesiger religi\u00f6ser Markt\u201c im Internet, der eine Auswahl \u00e0 la carte nach individuellen Interessen bietet. Da entsteht auch \u2013 leider \u2013eine bestimmte christliche Kommunikation, die in sozialen Netzwerken \u201eKontroversen sch\u00fcrt und sogar versucht, den guten Ruf anderer Menschen zu zerst\u00f6ren\u201c. Es geht noch schlimmer, wenn man dem neuen Dokument folgt: In einer \u201eMetamorphose des Glaubens\u201c wirft sich die Technologie letztendlich zum \u201espirituellen F\u00fchrer und Vermittler des Heiligen\u201cauf. Dazu nennt das Theologenpapier extreme Beispiele, etwa \u201evirtuelle Segnungen und Exorzismen\u201c.<\/p>\n<p>\u201eJeder darf sein, wie er ist &#8211; und darf anders sein als andere\u201c<\/p>\n<p>Das sind ja ziemlich d\u00fcstere T\u00f6ne. Gibt es nicht auch positive Akzente in dem neuen Dokument?<\/p>\n<p>Ja, durchaus. Vor allem die Art und Weise, wie \u00fcber menschliche Beziehungen geschrieben wird \u2013 als wie wichtig und entscheidend sie dargestellt werden. Je authentischer der Mensch Beziehungen lebt, desto mehr reift seine pers\u00f6nliche Identit\u00e4t, betont das Theologenpapier. Und desto besser geht es auch der Gesellschaft, und der Umwelt. Sehr positiv wirkt auch der Appell, die \u201epolaren Spannungen der menschlichen Identit\u00e4t\u201c anzunehmen. Spannungen zwischen Materie und Geist, m\u00e4nnlich und weiblich, Individuum und Gemeinschaft, Endlich\u2013 und Unendlichkeit. Diese Spannungen geh\u00f6rten zum Menschsein dazu, und die Differenz habe ihren Wert. Hier darf nat\u00fcrlich ein Verweis auf die g\u00f6ttliche Dreifaltigkeit nicht fehlen: \u201eTrinitarisches Leben\u201c meint, dass sich die Beziehung zwischen zweien nicht in sich selbst verschlie\u00dft oder den jeweils anderen aufhebt, sondern \u201esich der Erf\u00fcllung im Dritten \u00f6ffnet\u201c. Menschen haben dementsprechend ein Recht darauf, sie selbst und anders als andere zu sein! Und eine Gesellschaft ist nicht dann gut, wenn alles \u00fcber einen Kamm geschoren wird, sondern wenn die Menschen in ihren Verschiedenheiten gut zusammenleben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>(vatican news)<br \/>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eQuo vadis, humanitas? \u2013 Wohin gehst du, Menschheit?\u201c So hei\u00dft ein neues Dokument der Internationalen Theologischen Kommission. 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