{"id":269148,"date":"2026-07-12T02:18:13","date_gmt":"2026-07-12T02:18:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/269148\/"},"modified":"2026-07-12T02:18:13","modified_gmt":"2026-07-12T02:18:13","slug":"gen-z-altert-biologisch-schneller-als-die-nachkriegsgeneration","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/269148\/","title":{"rendered":"Gen Z altert biologisch schneller als die Nachkriegsgeneration"},"content":{"rendered":"<p>Krebs gilt noch immer als Krankheit des Alters. Doch weltweit erkranken immer mehr Menschen bereits vor dem 55. Lebensjahr. Forscher richten ihren Blick auf einen bislang wenig beachteten Faktor, der Hinweise auf das pers\u00f6nliche Krebsrisiko liefert.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Wer mit Anfang 40 eine Krebsdiagnose bekommt, m\u00f6chte Antworten. Hat man etwas falsch gemacht? Waren es zu viele Zigaretten, zu wenig Schlaf, die falsche Ern\u00e4hrung oder doch die Gene? Der Wunsch nach einer Erkl\u00e4rung ist ebenso menschlich wie qu\u00e4lend.<\/p>\n<p>Forscher der Washington University School of Medicine in St. Louis stellen die Frage anders: nicht, warum es den Einzelnen trifft, sondern warum es immer mehr J\u00fcngere trifft. Zwischen 1990 und 2019 stiegen Krebsdiagnosen bei unter 50-J\u00e4hrigen weltweit um 24 Prozent.<\/p>\n<p>F\u00fcr ihre Untersuchung analysierten die Forscher Daten von mehr als 154.000 Teilnehmern der britischen UK Biobank, die zu Studienbeginn j\u00fcnger als 55 Jahre waren, sowie einer unabh\u00e4ngigen US-amerikanischen Gesundheitsdatenbank. Zus\u00e4tzlich \u00fcberpr\u00fcften sie ihre Ergebnisse in der US-Kohorte \u201eAll of Us\u201c mit mehr als 10.000 Teilnehmern. Statt auf einzelne Risikofaktoren wie Ern\u00e4hrung, Rauchen oder \u00dcbergewicht konzentrierten sie sich auf eine \u00fcbergeordnete Gr\u00f6\u00dfe: das biologische Alter. Also darauf, wie stark der K\u00f6rper bereits von Alterungsprozessen gezeichnet ist. <\/p>\n<p>Zwei Menschen k\u00f6nnen 45 Jahre alt sein, der eine gleicht biologisch eher einem 35-J\u00e4hrigen, der andere hat den K\u00f6rper eines 60-J\u00e4hrigen. Um diesen Unterschied zu messen, nutzten die Wissenschaftler einen etablierten Biomarker namens \u201ePhenoAge\u201c. Dieser berechnet anhand verschiedener Blutwerte, darunter Entz\u00fcndungsmarker, Blutzucker- und Nierenwerte, wie alt ein Organismus biologisch ist. Die Differenz zwischen biologischem und tats\u00e4chlichem Alter ergibt den \u201eAge Gap\u201c.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse, die im <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41591-026-04448-w\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41591-026-04448-w&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Fachmagazin \u201eNature Medicine\u201c<\/a> erschienen sind, zeigen einen auff\u00e4lligen Generationeneffekt. Menschen, die zwischen 1965 und 1974 geboren wurden, waren biologisch \u00e4lter als Menschen fr\u00fcherer Jahrg\u00e4nge. Im Vergleich zu den zwischen 1950 und 1954 Geborenen lag ihr biologisches Alter im Durchschnitt um 23 Prozent h\u00f6her.<\/p>\n<p>Und der Trend setzt sich in den Generationen fort: Menschen, die in den Neunzigern geboren wurden, hatten sogar ein um 92 Prozent erh\u00f6htes biologisches Alter im Vergleich zu den Geburtenjahrg\u00e4ngen von 1965 bis 1969. <\/p>\n<p>Noch interessanter wurde es beim Blick auf das Krebsrisiko. Teilnehmer mit einem h\u00f6heren biologischen Alter entwickelten h\u00e4ufiger Krebs vor dem 55. Lebensjahr. Die Forscher teilten die Teilnehmer daf\u00fcr in drei gleich gro\u00dfe Gruppen ein \u2013 von biologisch j\u00fcngsten bis biologisch \u00e4ltesten. Das biologisch \u00e4lteste Drittel hatte ein um 15 Prozent h\u00f6heres Risiko f\u00fcr fr\u00fche solide Tumoren als das j\u00fcngste Drittel. <\/p>\n<p>Besonders deutlich war der Zusammenhang bei Lungenkrebs: Wer biologisch \u00e4lter war als sein tats\u00e4chliches Alter erwarten lie\u00df, hatte ein um 57 Prozent h\u00f6heres Risiko. Auch bei Darmkrebs zeigte sich ein Zusammenhang: Hier lag das Risiko um 14 Prozent h\u00f6her. Bei anderen Tumoren des Verdauungstrakts betrug der Anstieg 25 Prozent.<\/p>\n<p>Die Forscher \u00fcberpr\u00fcften zudem, ob genetische Faktoren die Ergebnisse erkl\u00e4ren k\u00f6nnten. Doch selbst nachdem bekannte Krebs- und Alterungsrisiken ber\u00fccksichtigt wurden, blieb der Zusammenhang bestehen. Das biologische Alter k\u00f6nnte damit Informationen erfassen, die \u00fcber klassische genetische Risikomodelle hinausgehen.<\/p>\n<p>Blick auf die Organe<\/p>\n<p>Im zweiten Teil der Studie richteten die Forscher ihren Blick auf einzelne Organe. Dazu analysierten sie mithilfe sogenannter Proteomanalysen Tausende Eiwei\u00dfe im Blut, die R\u00fcckschl\u00fcsse auf das biologische Alter verschiedener Gewebe geben. Dabei zeigte sich: Menschen mit einem biologisch \u00e4lteren Immunsystem erkrankten h\u00e4ufiger an Lungenkrebs, w\u00e4hrend ein biologisch gealtertes Fettgewebe mit einem h\u00f6heren Darmkrebsrisiko verbunden war. Verschiedene Krebsarten k\u00f6nnten also mit unterschiedlichen Alterungsprozessen in einzelnen Organen und Geweben zusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Warum genau j\u00fcngere Generationen biologisch schneller altern, kann die Studie nicht beantworten. Die Autoren verweisen jedoch auf Entwicklungen, die in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen haben: \u00dcbergewicht in jungen Jahren, Bewegungsmangel, schlechtere Ern\u00e4hrungsgewohnheiten, chronischer Stress, Schlafst\u00f6rungen sowie Umweltbelastungen k\u00f6nnten den Alterungsprozess bereits fr\u00fch im Leben beschleunigen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Krebspr\u00e4vention ist die Studie dennoch interessant. Wenn sich biologische Alterung k\u00fcnftig zuverl\u00e4ssig messen l\u00e4sst, k\u00f6nnten \u00c4rzte Menschen mit besonders hohem Krebsrisiko fr\u00fcher erkennen. Pr\u00e4vention k\u00f6nnte sich so nicht mehr nur an Alter, Familiengeschichte oder Lebensstil orientieren, sondern an den tats\u00e4chlichen biologischen Ver\u00e4nderungen im K\u00f6rper.<\/p>\n<p>Bis dahin braucht es weitere Untersuchungen, denn die Studie zeigt vor allem Zusammenh\u00e4nge, keinen direkten Ursache-Wirkungs-Nachweis. Au\u00dferdem erfassten die Forscher die Biomarker f\u00fcr das biologische Alter nur zu einem Zeitpunkt. <\/p>\n<p>Ob die schnellere Alterung dem Krebs tats\u00e4chlich vorausging oder beides von anderen Faktoren beeinflusst wurde, l\u00e4sst sich daraus nicht sicher ableiten. Dennoch liefern die Ergebnisse einen wichtigen Hinweis darauf, dass die zunehmende Zahl von Krebsf\u00e4llen bei j\u00fcngeren Erwachsenen m\u00f6glicherweise nicht nur ein Problem einzelner Risikofaktoren ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Krebs gilt noch immer als Krankheit des Alters. 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