{"id":272241,"date":"2026-07-13T19:11:26","date_gmt":"2026-07-13T19:11:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/272241\/"},"modified":"2026-07-13T19:11:26","modified_gmt":"2026-07-13T19:11:26","slug":"schon-eine-schlaflose-nacht-veraendert-das-gehirn-staerker-als-gedacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/272241\/","title":{"rendered":"Schon eine schlaflose Nacht ver\u00e4ndert das Gehirn st\u00e4rker als gedacht"},"content":{"rendered":"<p>T\u00e4glich bildet das Gehirn neue Verbindungen zwischen seinen Neuronen. Doch was passiert, wenn diese immer weiter wuchern? Forscher haben neue Erkenntnisse \u00fcber die Folgen von Schlaflosigkeit gesammelt.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Schlafmangel kann sich einer Studie zufolge wohl direkt auf die Struktur des Gehirns auswirken. Eine schlaflose Nacht f\u00fchre offenbar zu verst\u00e4rkten Verbindungen zwischen Gehirnzellen, berichtet ein Forschungsteam im Fachjournal \u201e<a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/doi.org\/10.1371\/journal.pbio.3003816\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/doi.org\/10.1371\/journal.pbio.3003816&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">PLOS Biology\u201c<\/a>. Darauf weise eine steigende Menge entsprechender Marker hin.<\/p>\n<p>Viel im Kopf haben \u2013 das gilt allgemein als erstrebenswert. Verst\u00e4rkte Verbindungen zwischen Neuronen im Gehirn machen aber nicht automatisch leistungsf\u00e4higer, ein besonders dichtes Netzwerk kann sogar ung\u00fcnstig sein: Mit mehr Verbindungsstellen zwischen Gehirnzellen \u2013 Synapsen genannt \u2013 steige der Energiebedarf des Gehirns und es sammelten sich mehr Proteine an, erkl\u00e4rt das Team um David Elmenhorst vom Institut f\u00fcr Neurowissenschaften und Medizin des Forschungszentrums J\u00fclich (FZJ).<\/p>\n<p>Etwa ein Drittel seines Lebens verbringt der Mensch mit Schlafen. Dauerhaft zu wenig Nachtruhe tr\u00fcbt nicht nur die Stimmung, sondern kann auch ernsthafte Folgen f\u00fcr die Gesundheit haben. Chronische Schlafprobleme werden unter anderem mit Depressionen, \u00dcbergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einem geschw\u00e4chten Immunsystem in Verbindung gebracht.<\/p>\n<p>Unser Gehirn besteht aus etwa 86 Milliarden Nervenzellen. Sie sind nicht gerade dicht vernetzt, im Gegenteil: Weniger als ein Prozent der m\u00f6glichen Verbindungen zwischen Neuronen werden Forschern zufolge tats\u00e4chlich ausgebildet. <\/p>\n<p>Bei Tests an k\u00fcnstlichen neuronalen Netzwerken zeigten Forscher, dass die sp\u00e4rliche Konnektivit\u00e4t die Verarbeitung von Signalen nicht verlangsamt, sondern die Effizienz sogar steigert. Solche Systeme waren zudem robuster und anpassungsf\u00e4higer, wie ein Team bereits im Jahr 2025 im Fachmagazin \u201e<a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.frontiersin.org\/journals\/neural-circuits\/articles\/10.3389\/fncir.2025.1528309\/full\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.frontiersin.org\/journals\/neural-circuits\/articles\/10.3389\/fncir.2025.1528309\/full&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Frontiers in Neural Circuits<\/a>\u201c berichtete.<\/p>\n<p>Die Wissenschaftler um Elmenhorst suchten nun bei 40 Menschen mittels sogenannter Positronen-Emissions-Tomografie (PET) an zwei aufeinanderfolgenden Tagen nach dem Protein SV2A, einem Marker f\u00fcr Synapsen im Gehirn. Die H\u00e4lfte der Teilnehmer hatte zuvor eine Nacht lang nicht geschlafen.<\/p>\n<p>Im Schlaf werden Synapsen reduziert<\/p>\n<p>Nach rund 28 Stunden ununterbrochener Wachheit war in mehreren Hirnregionen wie Thalamus und Hippocampus etwas mehr von dem Marker zu finden als zuvor. In der Kontrollgruppe wurde keine Ver\u00e4nderung beobachtet. <\/p>\n<p>Das st\u00fctze die Annahme, dass Schlaf wichtig daf\u00fcr ist, die Balance im Hirnnetzwerk wiederherzustellen. Demnach hie\u00df es: Synapsen werden im Wachzustand verst\u00e4rkt und im Schlaf wieder reduziert. Nur wichtige Synapsen bleiben bestehen oder werden gest\u00e4rkt. Solche Wartungsarbeiten passieren Experten zufolge nachts, um \u2013 \u00e4hnlich wie bei in Randzeiten gewarteten und reparierten U-Bahnen \u2013 die Abl\u00e4ufe im Wachzustand nicht zu behindern.<\/p>\n<p>\u201eSchlaf erm\u00f6glicht eine synaptische Herunterregulierung, erh\u00e4lt Energie und steigert die Effizienz neuronaler Netzwerke\u201c, schlie\u00dfen die Forscher um Elmenhorst. Die Aussagekraft der Daten habe allerdings Grenzen. <\/p>\n<p>SV2A sei nur ein indirekter Marker, vorerst bleibe darum unklar, ob die beobachteten Ver\u00e4nderungen tats\u00e4chlich auf neue Synapsen oder andere Prozesse zur\u00fcckgehen. Zudem seien die Effekte mit rund zwei bis sechs Prozent relativ klein. Die Annahme werde aber durch anatomische und molekulare Studien an Tieren gest\u00fctzt.<\/p>\n<p>Wissenschaftler fragen sich seit Langem, warum Menschen und Tiere \u00fcberhaupt schlafen m\u00fcssen. Selbst Quallen und Seeanemonen \u2013 einfache Tiere ohne Gehirn \u2013 schlummern. M\u00e4use schlafen f\u00fcnfmal l\u00e4nger als Elefanten, bei Delfinen und Zugv\u00f6geln schl\u00e4ft abwechselnd immer nur eine Hirnh\u00e4lfte, w\u00e4hrend die andere wacht. <\/p>\n<p>Klar ist inzwischen, dass sich das Nervensystem anders als einst angenommen im Schlaf nicht einfach nur ausruht und weitgehend inaktiv ist. Im Gegenteil, gibt es dort ein sehr umtriebiges Nachtleben.<\/p>\n<p>Als zentral gilt die Festigung von Erinnerungen und Erlerntem. Zudem m\u00fcssen wahre Berge an Stoffwechselabf\u00e4llen beseitigt werden, die sich beim \u00dcberlegen, Rechnen, Entscheiden und Sonstigem angeh\u00e4uft haben. \u00dcber l\u00e4ngere Zeit angeh\u00e4ufte Abf\u00e4lle wie bestimmte Proteine k\u00f6nnen zu neurodegenerativen Erkrankungen beitragen.<\/p>\n<p>Vor einigen Jahren wurde bekannt, dass es im Gehirn sogar eine Art Abwassersystem gibt: Neuronen erzeugen elektrische Impulse, die sich zu rhythmischen Wellen verdichten und Liquorfl\u00fcssigkeit durch das dichte Hirngewebe treiben. Die mit Abfallstoffen angereicherte Fl\u00fcssigkeit flie\u00dft dann in die Lymphgef\u00e4\u00dfe in der Dura mater ab, der \u00e4u\u00dferen Gewebeschicht, die das Gehirn unter dem Sch\u00e4del umh\u00fcllt.<\/p>\n<p>Annett Stein, dpa\/lpi<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"T\u00e4glich bildet das Gehirn neue Verbindungen zwischen seinen Neuronen. Doch was passiert, wenn diese immer weiter wuchern? 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