{"id":273166,"date":"2026-07-14T07:38:16","date_gmt":"2026-07-14T07:38:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/273166\/"},"modified":"2026-07-14T07:38:16","modified_gmt":"2026-07-14T07:38:16","slug":"carigiet-wandgemaelde-mit-bernecker-motiv-gerettet-so-gelang-die-aufwendige-restaurierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/273166\/","title":{"rendered":"Carigiet-Wandgem\u00e4lde mit Bernecker Motiv gerettet: So gelang die aufwendige Restaurierung"},"content":{"rendered":"<p>Es war eine aussergew\u00f6hnliche Rettungsaktion. Mit dem Abbruch einer Liegenschaft der Weinkellerei Schiess in St.\u2005Margrethen w\u00e4re auch ein originales Wandgem\u00e4lde des B\u00fcndner \u00abSchellen-Ursli\u00bb-Illustrators Alois Carigiet unwiederbringlich zerst\u00f6rt worden. Der Verein Uniun Trun Cultura erteilte den Auftrag, das Bild aus der Wand zu l\u00f6sen, zu reinigen und zu erhalten. Die beiden Restauratoren Beat Fischer aus Dalin GR und Michael Hauser aus St.\u2005Gallen hielten ihre Arbeitsschritte in einem Bericht fest, den sie nun ver\u00f6ffentlichten.<\/p>\n<p>Ein Bild, das direkt Teil der Mauer war<\/p>\n<p>Die Herausforderung begann bereits beim Aufbau des Kunstwerks. Carigiet hatte die Landschaft mit dem F\u00fcrstenhaus Berneck, den Weinbergen und dem ehemaligen Schloss Rosenburg nicht auf Leinwand gemalt, sondern direkt auf den Verputz der Ziegelwand. Die grobe, lebendig strukturierte Oberfl\u00e4che geh\u00f6rte dabei bewusst zum k\u00fcnstlerischen Ausdruck. Eine einfache Abl\u00f6sung der Farbschicht kam deshalb nicht infrage.<\/p>\n<p>Arbeitsschritte der Restaurierung<\/p>\n<p>                       <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/ac_20241118_1019.jpeg\" class=\"img-fluid\" alt=\"Das Bild befand sich im ehemaligen Degustationsraum der Weinkellerei Schiess in St.\u2009Margrethen. Alois Carigiet hatte es 1941 als Auftragsarbeit f\u00fcr die damaligen Besitzer gemalt.\" title=\"Das Bild befand sich im ehemaligen Degustationsraum der Weinkellerei Schiess in St.\u2009Margrethen. Alois Carigiet hatte es 1941 als Auftragsarbeit f\u00fcr die damaligen Besitzer gemalt.\"\/><\/p>\n<p>\n                                               Das Bild befand sich im ehemaligen Degustationsraum der Weinkellerei Schiess in St.\u2009Margrethen. Alois Carigiet hatte es 1941 als Auftragsarbeit f\u00fcr die damaligen Besitzer gemalt.\n                                           <\/p>\n<p>                       <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/ac_20250820_1248.jpeg\" class=\"img-fluid\" alt=\"Um die empfindliche Oberfl\u00e4che zu sch\u00fctzen, wurde das Bild mit Japanpapier beklebt.\" title=\"Um die empfindliche Oberfl\u00e4che zu sch\u00fctzen, wurde das Bild mit Japanpapier beklebt.\"\/><\/p>\n<p>\n                                               Um die empfindliche Oberfl\u00e4che zu sch\u00fctzen, wurde das Bild mit Japanpapier beklebt.\n                                           <\/p>\n<p>                       <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/ac_20250901_1262.jpeg\" class=\"img-fluid\" alt=\"Das Hauptmotiv fr\u00e4sten die Fachleute in einem St\u00fcck aus der Wand.\" title=\"Das Hauptmotiv fr\u00e4sten die Fachleute in einem St\u00fcck aus der Wand.\"\/><\/p>\n<p>\n                                               Das Hauptmotiv fr\u00e4sten die Fachleute in einem St\u00fcck aus der Wand.\n                                           <\/p>\n<p>                       <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/ac_20250905_1295.jpeg\" class=\"img-fluid\" alt=\"Ein Querschnitt der Mauer.\" title=\"Ein Querschnitt der Mauer.\"\/><\/p>\n<p>\n                                               Ein Querschnitt der Mauer.\n                                           <\/p>\n<p>                       <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/ac_20250905_1519.jpeg\" class=\"img-fluid\" alt=\"Das Abtragen des Grundputzes.\" title=\"Das Abtragen des Grundputzes.\"\/><\/p>\n<p>\n                                               Das Abtragen des Grundputzes.\n                                           <\/p>\n<p>                       <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/ac_20250905_1293.jpeg\" class=\"img-fluid\" alt=\"Das Bild wurde mitsamt der Mauer aus der Fassade geklappt.\" title=\"Das Bild wurde mitsamt der Mauer aus der Fassade geklappt.\"\/><\/p>\n<p>\n                                               Das Bild wurde mitsamt der Mauer aus der Fassade geklappt.\n                                           <\/p>\n<p>                       <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/ac_20250905_1296.jpeg\" class=\"img-fluid\" alt=\"In der Waagrechten konnten die Schichten besser abgetragen werden.\" title=\"In der Waagrechten konnten die Schichten besser abgetragen werden.\"\/><\/p>\n<p>\n                                               In der Waagrechten konnten die Schichten besser abgetragen werden.\n                                           <\/p>\n<p>                       <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/ac_20250901_1330.jpeg\" class=\"img-fluid\" alt=\"Der geh\u00e4rtete Schaum bildete nicht zuletzt f\u00fcr den Transport eine weitere Schutzschicht f\u00fcr das Gem\u00e4lde.\" title=\"Der geh\u00e4rtete Schaum bildete nicht zuletzt f\u00fcr den Transport eine weitere Schutzschicht f\u00fcr das Gem\u00e4lde.\"\/><\/p>\n<p>\n                                               Der geh\u00e4rtete Schaum bildete nicht zuletzt f\u00fcr den Transport eine weitere Schutzschicht f\u00fcr das Gem\u00e4lde.\n                                           <\/p>\n<p>                       <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/ac_20251006_1427.jpeg\" class=\"img-fluid\" alt=\"Der Schaum wurde wieder abgetragen. Darunter befand sich das Japanpapier.\" title=\"Der Schaum wurde wieder abgetragen. Darunter befand sich das Japanpapier.\"\/><\/p>\n<p>\n                                               Der Schaum wurde wieder abgetragen. Darunter befand sich das Japanpapier.\n                                           <\/p>\n<p>                       <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/ac_20251007_1433.jpeg\" class=\"img-fluid\" alt=\"Mit dem Entfernen des Japanpapiers begann die eigentliche Restauration.\" title=\"Mit dem Entfernen des Japanpapiers begann die eigentliche Restauration.\"\/><\/p>\n<p>\n                                               Mit dem Entfernen des Japanpapiers begann die eigentliche Restauration.\n                                           <\/p>\n<p>                       <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/ac_20251015_0018.jpg\" class=\"img-fluid\" alt=\"Das fertig restaurierte Gem\u00e4lde im Atelier in Dalin GR.\" title=\"Das fertig restaurierte Gem\u00e4lde im Atelier in Dalin GR.\"\/><\/p>\n<p>\n                                               Das fertig restaurierte Gem\u00e4lde im Atelier in Dalin GR.\n                                           <\/p>\n<p>                       <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/061a7028.jpg\" class=\"img-fluid\" alt=\"So pr\u00e4sentiert sich das Bild bis 2028 im Haus des Weins in Berneck. \" title=\"So pr\u00e4sentiert sich das Bild bis 2028 im Haus des Weins in Berneck. \"\/><\/p>\n<p>\n                                               So pr\u00e4sentiert sich das Bild bis 2028 im Haus des Weins in Berneck.\n                                           <\/p>\n<p>            Previous<\/p>\n<p>            Next<\/p>\n<p>Hinzu kam, dass sich hinter der Mauer verschiedene R\u00e4ume befanden. Je nach Abschnitt war das Mauerwerk unterschiedlich dick, verliefen Leitungen oder ein Kamin dahinter oder stiessen Querw\u00e4nde an die Bildwand. Vor Beginn der Arbeiten musste deshalb zun\u00e4chst die Statik untersucht werden. Angrenzende Balkone wurden vorsorglich abgest\u00fctzt, damit die Mauer sp\u00e4ter von hinten zur\u00fcckgebaut werden konnte.<\/p>\n<p>Jahrzehnte hinterliessen ihre Spuren<\/p>\n<p>Auch der Zustand des Wandbilds machte die Arbeiten anspruchsvoll. Die Oberfl\u00e4che war stark verschmutzt, wies gelbliche und dunkle Verf\u00e4rbungen auf und zeigte zahlreiche Laufspuren fr\u00fcherer Feuchtigkeit. Feine Risse durchzogen den Putz. Besonders auff\u00e4llig war ein langer Riss, der mitten durch die gemalte Sonne verlief \u2013 genau dort, wo sich fr\u00fcher auf der R\u00fcckseite eine Querwand befunden hatte. Zudem fanden die Restauratoren \u00e4ltere Ausbesserungen und Retuschen, was darauf hindeutet, dass das Werk bereits fr\u00fcher besch\u00e4digt worden war.<\/p>\n<p>Stabilisiert, ausgesch\u00e4umt und freigelegt<\/p>\n<p>Bevor am Original gearbeitet wurde, probierte das Restauratorenteam verschiedene Methoden aus. An eigens angefertigten Probest\u00fccken testeten sie Materialien und Arbeitsschritte. Erst danach konnte die eigentliche Bergung beginnen. Dabei kam die sogenannte Stacco-Technik zum Einsatz, ein Verfahren, das vor allem bei wertvollen Wandmalereien verwendet wird. Um die empfindliche Oberfl\u00e4che zu sch\u00fctzen, beklebten die Restauratoren das Gem\u00e4lde mit hauchd\u00fcnnem Japanpapier, das mithilfe eines Methylcellulose-Weizenst\u00e4rkekleisters aufgebracht wurde. Anschliessend markierten sie den gew\u00fcnschten Bildausschnitt auf der R\u00fcckseite der Wand und schnitten ihn sorgf\u00e4ltig aus.<\/p>\n<p>Danach entstand eine ungew\u00f6hnliche Konstruktion: Vor das Bild wurde ein klappbarer Lattenrost montiert, der mit Polyurethan-Schaum mit der gesch\u00fctzten Bildoberfl\u00e4che verbunden wurde. So erhielt das fragile Kunstwerk w\u00e4hrend der Arbeiten die n\u00f6tige Stabilit\u00e4t. Erst jetzt konnte die eigentliche Mauer von hinten Schicht f\u00fcr Schicht abgetragen werden. Stein um Stein arbeiteten sich die Restauratoren bis auf den Verputz vor. Anschliessend kippten sie das gesamte Schichtpaket vorsichtig in die Waagrechte. Damit war die Rettung noch l\u00e4ngst nicht abgeschlossen.<\/p>\n<p>Millimeterarbeit auf der R\u00fcckseite des Gem\u00e4ldes<\/p>\n<p>Im Atelier entfernten die Konservatoren mit Trennscheiben und pneumatischen Mikromeisseln zun\u00e4chst den mehrere Zentimeter dicken Zementunterputz. Ziel war es, nur die wenige Millimeter starke Deckschicht mit der eigentlichen Malerei zu erhalten. Danach erhielt das Wandbild einen neuen Tr\u00e4ger. Die Experten f\u00fcllten Vertiefungen mit Kalkm\u00f6rtel aus, verst\u00e4rkten die R\u00fcckseite und fixierten das \u00d6lgem\u00e4lde auf einem Streckmetalltr\u00e4ger. Erst danach konnten sie den provisorischen Holzrost und den Schaum entfernen. Zum Schluss l\u00f6sten die Restauratoren das sch\u00fctzende Japanpapier vorsichtig mit Feuchtigkeit ab, reinigten die Oberfl\u00e4che, besserten die Schnittkanten nach und nahmen mit Pulverpigmenten feine Retuschen vor.<\/p>\n<p>Jeder Arbeitsschritt musste stimmen<\/p>\n<p>\u00dcber Wochen hinweg arbeiteten die Spezialisten daran, das historische Kunstwerk m\u00f6glichst unver\u00e4ndert zu erhalten. Jeder Arbeitsschritt baute auf dem vorherigen auf \u2013 ein Fehler h\u00e4tte irreparable Sch\u00e4den verursachen k\u00f6nnen. Gerade weil Carigiet die Struktur des Verputzes bewusst in seine Malerei einbezogen hatte, gen\u00fcgte es nicht, nur die Farbschicht zu sichern. Erhalten werden musste die gesamte Oberfl\u00e4che mit ihrer charakteristischen Textur. Erst dadurch bleibt das Werk nachhaltig und authentisch gesch\u00fctzt. Das Resultat kann voraussichtlich bis im Jahr 2028 als Leihgabe im Haus des Weins in Berneck zu den regul\u00e4ren \u00d6ffnungszeiten betrachtet werden.<\/p>\n<p>Der Verein Uniun Trun Cultura baut zurzeit das Geburtshaus von Alois Carigiet in Trun GR zu einem Museum aus. Nach dessen Fertigstellung soll das Gem\u00e4lde dort einen Ehrenplatz erhalten.<\/p>\n<p>    Hintergr\u00fcnde<\/p>\n<p>Die Arbeiten f\u00fchrte die Arbeitsgemeinschaft Beat Fischer und Michael Hauser im Auftrag des Vereins Uniun Trun Cultura aus. Zur Restauration des Bildes verwendeten sie folgende Werkstoffe:\u00a0<\/p>\n<p>&#8211; Japanpapier<br \/>&#8211; Methylcellulose<br \/>&#8211; Weizenst\u00e4rkekleister<br \/>&#8211; Proteinleim<br \/>&#8211; Polyurethanschaum<br \/>&#8211; Epoxidharzkleber<br \/>&#8211; Sand<br \/>&#8211; Hydraulischer Kalk<br \/>&#8211; Weisszement<br \/>&#8211; Polypropylenfasern<br \/>&#8211; Polymerdispersion<br \/>&#8211; Diverse Pulverpigmente<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es war eine aussergew\u00f6hnliche Rettungsaktion. 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