{"id":277670,"date":"2026-07-16T12:14:14","date_gmt":"2026-07-16T12:14:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/277670\/"},"modified":"2026-07-16T12:14:14","modified_gmt":"2026-07-16T12:14:14","slug":"meteorit-kracht-durch-hausdach-und-bringt-schaetze-aus-fremder-welt-mit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/277670\/","title":{"rendered":"Meteorit kracht durch Hausdach und bringt Sch\u00e4tze aus fremder Welt mit"},"content":{"rendered":"<p>Ein Meteorit kracht in ein Haus in New Jersey. Die Analyse zeigt seltene Salzchemie und organische Molek\u00fcle aus der Fr\u00fchzeit des Sonnensystems.<\/p>\n<p>        <img width=\"1200\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Fragment-1-1200x600.jpg\" class=\"single__post-image wp-post-image\" alt=\"Fragment des Hillsborough-Meteoriten\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\"  \/><\/p>\n<p>Fragment des Hillsborough-Meteoriten, das beim Aufprall zerbrochen ist und eine Schmelzkruste aufweist, die durch den Hochgeschwindigkeitsdurchflug durch die Erdatmosph\u00e4re entstanden ist. <\/p>\n<p class=\"wp-caption-source\">Foto: SETI Institute<\/p>\n<p>Ein Knall, ein Loch in der Decke und schwarze Tr\u00fcmmer auf dem Bett: Als am 16. Juli 2024 ein Meteorit durch das Dach eines Hauses in Hillsborough im US-Bundesstaat New Jersey schlug, ahnte der Eigent\u00fcmer noch nicht, welchen wissenschaftlichen Schatz er vor sich hatte. Untersuchungen zeigen nun: Das Gestein enth\u00e4lt ungew\u00f6hnlich gut erhaltene Spuren salzhaltiger Fl\u00fcssigkeiten und organischer Chemie aus der Fr\u00fchzeit des Sonnensystems.<\/p>\n<p>Ein internationales Forschungsteam hat den Meteoriten in der <a href=\"https:\/\/www.seti.org\/news\/alien-world-chemistry-found-inside-meteorite\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Fachzeitschrift \u201eScience Advances\u201c beschrieben<\/a>. Demnach handelt es sich um einen \u00e4u\u00dferst seltenen kohlenstoffhaltigen Chondriten der Klasse CM1\/2. Der Hillsborough-Meteorit ist erst der zweite beobachtete Fall dieser Zwischenklasse. Zudem sind seine Fragmente ungew\u00f6hnlich wenig durch irdische Stoffe verunreinigt.<\/p>\n<p>Meteorit kam mit 52.000 km\/h<\/p>\n<p>Der kosmische Gesteinsbrocken drang mit rund 14,4 km\/s in die Erdatmosph\u00e4re ein. Das entspricht etwa 52.000 km\/h. Seine urspr\u00fcngliche Gr\u00f6\u00dfe vergleichen die Forschenden mit einem schweren Reisekoffer.<\/p>\n<p>Zahlreiche Menschen in New York, New Jersey und angrenzenden Bundesstaaten beobachteten den Meteor am helllichten Tag. Einige h\u00f6rten oder sp\u00fcrten zudem eine Druckwelle. Kameras in Connecticut, Pennsylvania und New Jersey zeichneten den Flug auf. Anhand der Aufnahmen lie\u00df sich die Flugbahn bis in den inneren Bereich des Asteroideng\u00fcrtels zur\u00fcckverfolgen.<\/p>\n<p>Das Gestein zerbrach bereits in gro\u00dfer H\u00f6he. In rund 35 km H\u00f6he verschwand die Leuchterscheinung. Wetterradar am Flughafen Newark registrierte anschlie\u00dfend eine langgestreckte Wolke aus herabfallenden Fragmenten, die sich von Staten Island bis nach New Jersey erstreckte.<\/p>\n<p>Hillsborough lag am Ende dieses Streufeldes. Dort gingen vermutlich die gr\u00f6\u00dften Bruchst\u00fccke nieder. Geborgen wurde jedoch nur der Meteorit, der das Haus getroffen hatte.<\/p>\n<p>Schwarzer Staub im Schlafzimmer<\/p>\n<p>Der Hausbesitzer befand sich w\u00e4hrend des Einschlags im Geb\u00e4ude. Nach eigenen Angaben h\u00f6rte er einen lauten Knall und entdeckte anschlie\u00dfend ein Loch in der Decke des Hauptschlafzimmers. Auf dem Bett, dem Teppich und in der Umgebung lagen schwarze Fragmente und feiner Staub. Zudem nahm er einen starken schwefelartigen Geruch wahr.<\/p>\n<p>Entscheidend f\u00fcr die sp\u00e4tere Forschung war seine schnelle und sorgf\u00e4ltige Reaktion. Der Eigent\u00fcmer dokumentierte den Fundort, trug Einweghandschuhe und verpackte die Fragmente mithilfe von Aluminiumfolie in Gl\u00e4ser. Dadurch kamen die St\u00fccke kaum mit Hautfetten, Kunststoffen, Bodenmaterial oder anderen irdischen Verunreinigungen in Kontakt.<\/p>\n<p>\u201eDank der schnellen Reaktion des Hausbesitzers sind dies die unversehrtesten CM1\/2-Meteoriten, die wir kennen\u201c, sagt Studienleiter Peter Jenniskens vom SETI Institute und vom Ames Research Center der NASA.<\/p>\n<p>Wasser ver\u00e4nderte das Gestein<\/p>\n<p>Kohlenstoffhaltige Chondrite geh\u00f6ren zu den urspr\u00fcnglichsten bekannten Gesteinen des Sonnensystems. Sie entstanden vor mehr als 4,5 Mrd. Jahren und wurden seitdem vergleichsweise wenig durch hohe Temperaturen oder vollst\u00e4ndiges Aufschmelzen ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Der Buchstabe C steht f\u00fcr den hohen Kohlenstoffanteil, das M verweist auf den Mighei-Meteoriten, der 1889 in der heutigen Ukraine niederging. Die Zahlen beschreiben den Grad der Ver\u00e4nderung durch Wasser auf dem Mutterasteroiden.<\/p>\n<p>CM2-Meteoriten zeigen deutliche Spuren solcher Prozesse. CM1-Material wurde noch st\u00e4rker durch Wasser umgewandelt. Der Hillsborough-Meteorit liegt zwischen beiden Klassen und wird deshalb als CM1\/2 eingestuft.<\/p>\n<p>Bislang sind lediglich 22 beobachtete F\u00e4lle von CM-Meteoriten bekannt. Fast alle geh\u00f6ren zur Klasse CM2. Einen beobachteten Fall eines reinen CM1-Meteoriten gibt es bisher nicht. Neben Hillsborough wurde lediglich der 2020 auf Sumatra niedergegangene Kolang-Meteorit als CM1\/2 klassifiziert.<\/p>\n<p>Salzlauge nahe der Asteroidenoberfl\u00e4che<\/p>\n<p>Besonders bemerkenswert sind winzige salzreiche Fragmente im Gestein. Nach Einsch\u00e4tzung der Forschenden stammen sie aus einem oberfl\u00e4chennahen Bereich des Mutterasteroiden. Dort k\u00f6nnte fl\u00fcssiges Wasser verdunstet sein, wodurch sich die gel\u00f6sten Salze in der verbleibenden Fl\u00fcssigkeit anreicherten.<\/p>\n<p>Eine derart ausgepr\u00e4gte Salzlaugenchemie war bei einem Asteroiden, der CM-Meteoriten liefert, bislang nicht bekannt. \u00c4hnliche Mineralphasen wurden jedoch in Proben der Asteroiden Ryugu und Bennu entdeckt. Material von Ryugu brachte die japanische Raumsonde Hayabusa2 zur Erde, Proben von Bennu stammen von der NASA-Mission OSIRIS-REx.<\/p>\n<p>Die Forschenden wollen nun die Salzminerale des Hillsborough-Meteoriten genauer identifizieren und mit den Asteroidenproben vergleichen.<\/p>\n<p>Aminos\u00e4uren und organische Molek\u00fcle<\/p>\n<p>Der Meteorit enthielt etwa 1,8 Gewichts-% Kohlenstoff und 0,07 Gewichts-% Stickstoff. Dar\u00fcber hinaus fanden die Forschenden zahlreiche l\u00f6sliche organische Verbindungen, darunter Aminos\u00e4uren und Carbons\u00e4uren.<\/p>\n<p>Aminos\u00e4uren sind Grundbausteine von Proteinen. Ihr Nachweis bedeutet allerdings nicht, dass auf dem Asteroiden Leben existierte. Die Molek\u00fcle k\u00f6nnen auch durch nichtbiologische chemische Prozesse entstehen.<\/p>\n<p>Nach Einsch\u00e4tzung des Forschungsteams bildete sich die komplexe Mischung organischer Stoffe wahrscheinlich innerhalb des Mutterasteroiden. Dabei k\u00f6nnten Wasser, gel\u00f6ste Salze, Mineralien und organische Ausgangsstoffe miteinander reagiert haben.<\/p>\n<p>Solche Asteroiden k\u00f6nnten der fr\u00fchen Erde organische Molek\u00fcle geliefert haben, die sp\u00e4ter f\u00fcr die Entstehung des Lebens zur Verf\u00fcgung standen. Salzhaltige Fl\u00fcssigkeiten sind dabei besonders interessant: Sie k\u00f6nnen Phosphate in L\u00f6sung halten und chemische Reaktionen zwischen organischen Stoffen und Mineralien beg\u00fcnstigen.<\/p>\n<p>Ein Teil der geborgenen Fragmente wird heute im American Museum of Natural History in New York aufbewahrt. F\u00fcr die Forschung war der Hauseinschlag damit ein seltener Gl\u00fccksfall: Anders als bei vielen Meteoritenfunden war bekannt, wann und wo das Material fiel \u2013 und es wurde unmittelbar nach dem Einschlag fachgerecht gesichert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein Meteorit kracht in ein Haus in New Jersey. 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