{"id":280151,"date":"2026-07-17T17:01:09","date_gmt":"2026-07-17T17:01:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/280151\/"},"modified":"2026-07-17T17:01:09","modified_gmt":"2026-07-17T17:01:09","slug":"aktionsplan-zur-elektrifizierung-soll-europa-zum-ersten-elektro-betriebenen-kontinent-der-welt-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/280151\/","title":{"rendered":"Aktionsplan zur Elektrifizierung soll Europa zum &#8222;ersten elektro-betriebenen Kontinent&#8220; der Welt machen"},"content":{"rendered":"<p>Die EU-Kommission hat am Freitag ihren Electrification Action Plan ver\u00f6ffentlicht. Der Aktionsplan zur Elektrifizierung soll die Abh\u00e4ngigkeit Europas von importierten fossilen Brennstoffen mindern, die in der j\u00fcngsten Vergangenheit wiederholt die Energiepreise f\u00fcr Haushalte und Industrie in die H\u00f6he getrieben haben. Zwar sei der Anteil erneuerbarem Stroms in der EU mittlerweile bei 70 Prozent, doch die Elektrifizierungsrate des Energiebedarfs sei in den vergangenen zehn Jahren hingegen bei 23 Prozent verharrt. \u201eDaher m\u00fcssen wir die Elektrifizierung energieverbrauchender Sektoren, insbesondere der Industrie, des Verkehrs und der Geb\u00e4ude, beschleunigen\u201c, hie\u00df es von der EU-Kommission. Dazu wolle sie im Rahmen des Pakets zur Energieunion f\u00fcr die Zeit nach 2030 ein indikatives Elektrifizierungsziel von 46 Prozent bis 2040 bewerten. Wenn dieses Ziel erreicht werde, k\u00f6nnten die Importkosten f\u00fcr fossile Brennstoffe bis 2040 um j\u00e4hrlich 240 Milliarden gesenkt werden.<\/p>\n<p>Doch die EU-Kommission muss zun\u00e4chst die Voraussetzungen schaffen. So kostet Strom derzeit oft dreimal soviel wie Gas. Zudem kann die Bewilligung von Netzanschl\u00fcssen Jahre dauern. Zugleich gibt es noch zu wenig Anreize f\u00fcr Unternehmen, von fossilen Brennstoffen auf strombasierte Technologien umzusteigen.<\/p>\n<p>All dies soll mit dem Aktionsplan ge\u00e4ndert werden. Er konzentriert sich der EU-Kommission zufolge darauf, dass das Preisgef\u00e4lle zwischen Strom und fossilen Energiekosten verringert werden soll. Dies w\u00fcrde automatisch Anreize f\u00fcr W\u00e4rmepumpen, Elektroautos und Batteriespeicher schaffen. \u201eMit dem Aktionsplan sollen gleiche Wettbewerbsbedingungen zwischen Strom und Gas geschaffen werden. Ihr Preisunterschied schreckt oft von der Umstellung auf sauberere Optionen wie W\u00e4rmepumpen, Elektrofahrzeuge und elektrische Industrieprozesse ab\u201c, erkl\u00e4rte die EU-Kommission.<\/p>\n<p>Ein wesentliches Element daf\u00fcr soll die M\u00f6glichkeit f\u00fcr Mitgliedsstaaten sein, die Netzentgelte f\u00fcr bestimmte Verbrauchergruppen und die Steuern f\u00fcr energieintensive Unternehmen zu senken, was auch einen schnelleren Smart-Meter-Rollout anreize. Mit ihrem Vorschlag will die EU-Kommission sicherstellen, dass Strom k\u00fcnftig nicht h\u00f6her als Gas besteuert wird. Im Aktionsplan werden zudem L\u00f6sungen zur\u00a0Senkung der Vorabkosten\u00a0von Elektrifizierungstechnologien in wichtigen Nachfragesektoren wie Geb\u00e4uden, Verkehr und Industrie vorgeschlagen.<\/p>\n<p>Ein weiterer zentraler Punkt ist der Netzbau oder besser dessen Beschleunigung. Die EU-Kommission stellt fest, dass es lange Wartelisten f\u00fcr Netzanschl\u00fcsse gibt und die vorhandenen Netze nicht so effizient genutzt werden, wie sie k\u00f6nnten. Bereits im vergangenen Jahr sei daf\u00fcr das Netzpaket vorgeschlagen worden. Dies soll nun bis Ende des Jahres durch die beiden gesetzgebenden Organe gebracht werden. Ein schnelles Handeln sei von zentraler Bedeutung, um die Elektrifizierung zu beschleunigen.<\/p>\n<p>Ferner soll mit dem Elektrifizierungsplan der langsamen Einf\u00fchrung innovativer L\u00f6sungen entgegengewirkt werden, indem die Entwicklung tragf\u00e4higer\u00a0Investitionsprojekte und von Produktionskapazit\u00e4ten f\u00fcr Technologien f\u00fcr saubere Energie gef\u00f6rdert wird. Dabei soll dieser Ansatz entlang der gesamten Wertsch\u00f6pfungskette verfolgt werden. In diesem Zuge sieht die EU-Kommission auch die M\u00f6glichkeit, hunderttausende hochwertige Arbeitspl\u00e4tze zu schaffen<\/p>\n<p>Reform beim Emissionshandel geplant<\/p>\n<p>Damit die Investitionen in die Elektrifizierung f\u00fcr die Industrie m\u00f6glich werden, soll der EU-Emissionshandel reformiert werden. Es ist unter anderem vorgesehen, den linearen Reduktionsfaktor bei den Zertifikaten anzupassen. Auch soll die kostenlose Zuteilung der Zertifikate f\u00fcr die Unternehmen ab 2030 st\u00e4rker an Investitionen in die Dekarbonisierung verkn\u00fcpft werden. Zugleich wird die Bank f\u00fcr industrielle Dekarbonisierung auch \u00fcber Mittel von 100 Milliarden Euro verf\u00fcgen, um Industrieprojekte in ganz Europa zu unterst\u00fctzen. Dies werde zudem \u00fcber den EU-EHS-Innovationsfonds erfolgen, der erste kommerzielle Anwendungen von innovativen sauberen Technologien in vielen Sektoren f\u00f6rdern soll.<\/p>\n<p>\u201eHeute schlagen wir vor, Europa zum ersten elektro-betriebenen Kontinent der Welt zu machen\u201c, erkl\u00e4rte EU-Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen anl\u00e4sslich der Vorstellung der Pl\u00e4ne. \u201eVon der Senkung der Strompreise bis hin zur Anpassung unseres CO2-Marktes an die sich ver\u00e4ndernden globalen Gegebenheiten ist dies auch ein Investitions- und Unabh\u00e4ngigkeitsplan.\u201c<\/p>\n<p>BDEW gegen Quote<\/p>\n<p>Beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) begegnete man den Pl\u00e4nen der EU-Kommission mit einiger Skepsis. \u201eWir halten ein eigenst\u00e4ndiges Elektrifizierungsziel nicht f\u00fcr erforderlich\u201c, erkl\u00e4rte Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Kerstin Andreae. \u201eEntscheidend f\u00fcr Europa ist ein ambitioniertes Ziel f\u00fcr erneuerbare Energien.\u201c F\u00fcr die Energiewirtschaft sei klar, dass Elektrifizierung ein zentraler Baustein ist, um Klimaschutz, Wettbewerbsf\u00e4higkeit und Resilienz zusammenzubringen. \u201eDoch gelingt Elektrifizierung nicht per Quote, sondern durch die richtigen Rahmenbedingungen und Ma\u00dfnahmen. Mit wieder neuen Zielen gehen auch Zieldiskussionen und B\u00fcrokratie einher, die Zeit und Ressourcen kosten, aber keinen einzigen Prozess transformieren\u201c, so Andreae weiter. Es sei wichtig, dass Strom wettwerbsf\u00e4hig werde. Zudem m\u00fcssten fossile Fehlanreize abgebaut werden und der Ausbau von Erneuerbaren, Netzen, Speichern, Flexibilit\u00e4t und Systemintegration schneller vorankommen. \u201eEine sinnvolle Ma\u00dfnahme auf nationaler Ebene w\u00e4re die Senkung der Stromsteuer, wie es der ebenfalls heute ver\u00f6ffentlichte EU-Gesetzgebungsvorschlag zu Netzentgelten und Energiebesteuerung vorschl\u00e4gt. Dadurch werden strombasierte Alternativen wie E-Autos und W\u00e4rmepumpen attraktiver\u201c, sagte Andreae.<\/p>\n<p>Solarpower Europe fordert F\u00f6rderung von Batteriespeichern<\/p>\n<p>\u201eDer heutige Aktionsplan zur Elektrifizierung r\u00fcckt die Elektrifizierung fest in den Mittelpunkt der europ\u00e4ischen Wirtschaftsstrategie, einschlie\u00dflich eines EU-weiten Elektrifizierungsziels von 46 Prozent f\u00fcr 2040, womit sich die heutigen Elektrifizierungsraten verdoppeln w\u00fcrden\u201c, sagte Walburga Hemetsberger, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin von Solarpower Europe. Nach Ansicht des europ\u00e4ischen Photovoltaik-Verbands braucht dieses Ziel jedoch klare Investitionen und finanzielle Unterst\u00fctzung. Daf\u00fcr sollten die die Mittel aus dem Emissionshandel und der Bank f\u00fcr industrielle Dekarbonisierung eindeutig auf die Elektrifizierung ausgerichtet sein. Daneben sollte es unverz\u00fcglich gezielte Ma\u00dfnahmen zur F\u00f6rderung der Installation von Batteriespeichern und anderen nicht-fossilen Flexibilit\u00e4tsl\u00f6sungen geben. Dies sei der schnellste Weg zu strukturell niedrigeren Strompreisen. \u201eDie auf dem Emissionshandelssystem (ETS) basierenden Investitionsinstrumente sollten sich daher auch auf die Risikominderung bei Investitionen in Batteriespeicher konzentrieren\u201c, forderte Hemetsberger. \u201eMit den richtigen Begleitma\u00dfnahmen zum Elektrifizierungsaktionsplan kann Europa zu einem wirklich elektrifizierten Kontinent werden, sich von volatilen fossilen Brennstoffen befreien und eine sicherere und widerstandsf\u00e4higere Wirtschaft aufbauen.\u201c<\/p>\n<p>Octopus Energy: Plan ist positiv, war aber l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig<\/p>\n<p>\u201eDie EU macht heute etwas l\u00e4ngst \u00dcberf\u00e4lliges: Sie erkennt Elektrifizierung als schnellste und g\u00fcnstigste Antwort auf fossile Preisschocks an\u201c, kommentierte Bastian Gierull, CEO von Octopus Energy Germany. Schon heute zeige sich an den Terminm\u00e4rkten, dass L\u00e4nder mit h\u00f6heren Elektrifizierungsraten wie Spanien, Frankreich oder Skandinavien seit Ausbruch des Nahostkonflikts stabilere Preise verzeichneten, w\u00e4hrend Italien oder Gro\u00dfbritannien Anstiege auf \u00fcber 120 Euro pro Megawattstunde verzeichneten. Auch in Deutschland stiegen die Terminpreise auf fast 100 Euro pro Megawattstunde.<\/p>\n<p>\u201eBesonders begr\u00fc\u00dfen wir, dass der Plan konkret wird statt Absichtserkl\u00e4rung zu bleiben: eine Senkung des Preisverh\u00e4ltnisses Strom zu Gas auf 2,5 f\u00fcr Haushalte und 2 f\u00fcr die Industrie, eine Verdopplung der W\u00e4rmepumpen-Installationsrate bis 2030 gegen\u00fcber 2025, und das Ende der steuerlichen Schlechterstellung von Strom gegen\u00fcber Gas. Das sind harte, \u00fcberpr\u00fcfbare Kennzahlen, kein Wunschkonzert\u201c, so Gierull weiter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die EU-Kommission hat am Freitag ihren Electrification Action Plan ver\u00f6ffentlicht. 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