{"id":28504,"date":"2026-03-06T04:31:09","date_gmt":"2026-03-06T04:31:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/28504\/"},"modified":"2026-03-06T04:31:09","modified_gmt":"2026-03-06T04:31:09","slug":"causa-wusste-dass-ich-unerwuenscht-bin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/28504\/","title":{"rendered":"Causa &#8211; &#8222;Wusste, dass ich unerw\u00fcnscht bin&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Sie k\u00f6nne sich noch &#8222;sehr gut&#8220; an das Besetzungsverfahren erinnern, schilderte Scharf. Vom Erstangeklagten &#8211; dem Vorsitzenden der Begutachtungskommission &#8211; habe sie sich vor dem Hearing nie ungerecht behandelt gef\u00fchlt. Aber im Mitarbeitergespr\u00e4ch habe er sie gefragt, ob sie sich als Vorst\u00e4ndin bewerben werde. Als sie bejaht habe, habe er gesagt: &#8222;Ach so, wer soll denn dann Deine Funktion \u00fcbernehmen?&#8220; Ihr Fazit: &#8222;In dem Moment wusste ich, dass ich nicht erw\u00fcnscht bin&#8220; und es sei ihr klar geworden, &#8222;dass da was l\u00e4uft&#8220;. Sp\u00e4ter habe sie auch \u00fcber den &#8222;Flurfunk&#8220; geh\u00f6rt, dass es jemand anderen gebe, der offenbar den Job bekommen solle.<\/p>\n<p>Scharf hatte das Finanzamt Braunau zum Zeitpunkt des Hearings bereits l\u00e4ngere Zeit interimistisch gef\u00fchrt &#8211; zur Zufriedenheit, wie sie betonte. In der Hearingkommission sei der Erstangeklagte ihr gegen\u00fcber dann aber sehr &#8222;forsch und angriffig&#8220; aufgetreten. Sie habe das Gef\u00fchl gehabt, dass er sie mit seinen Fragen &#8222;rauspr\u00fcfen&#8220; wollte. &#8222;Er musste mich schlecht aussehen lassen&#8220;, sagte sie, weil ja offenbar jemand anderer vorgesehen gewesen sei als sie &#8211; wer das war, habe sie zu diesem Zeitpunkt nicht gewusst. Ihre Pr\u00e4sentation im Hearing sei aus ihrer Sicht jedenfalls perfekt&#8220; gewesen. Sie hat letztlich alle Kommissionsmitglieder wegen Amtsmissbrauchs angezeigt.<\/p>\n<p>Den Posten bekam schlie\u00dflich ein \u00d6VP-B\u00fcrgermeister. Laut W\u00f6ginger habe ihn der Ortschef in seiner Abgeordneten-Sprechstunde aufgesucht und um Unterst\u00fctzung bei seiner Bewerbung gebeten. Er will aber nur die Bewerbungsunterlagen des Mannes an den damaligen Generalsekret\u00e4r im Finanzministerium, Thomas Schmid, &#8222;zur Pr\u00fcfung&#8220; weitergeleitet haben. Ein Chatverlauf zeigt, dass Schmid zumindest versucht hat, auf ein ebenfalls angeklagtes Mitglied der Hearingkommission Einfluss zu nehmen. Die unterlegene Bewerberin Scharf wurde sp\u00e4ter gem\u00e4\u00df einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts wegen Diskriminierung entsch\u00e4digt.<\/p>\n<p>Am Nachmittag wurde der B\u00fcrgermeister als Zeuge einvernommen. W\u00f6ginger kenne er seit ca. 2014 oder 2015 vom \u00d6AAB, sagte er. Das Verh\u00e4ltnis sei &#8222;mittel bis gut&#8220; gewesen, aber &#8222;ich habe ihn nicht so oft getroffen, dass ich ihn so gut gekannt h\u00e4tte&#8220;. 2016 habe er ihm bei einem Sommerfest von seinem Interesse an einem Finanzamts-Vorstandsposten erz\u00e4hlt. &#8222;Es war vermutlich die schlechteste Idee, die ich jemals gehabt habe&#8220;, sagte er. &#8222;Es besch\u00e4ftigt mich, warum ich das getan habe, und ich finde keine L\u00f6sung. Es tut mir leid f\u00fcr alle, die da involviert sind, auch f\u00fcr Christa Scharf, die ich immer sehr gesch\u00e4tzt habe.&#8220; Er w\u00fcrde sich gerne bei einem Kaffee mit ihr aussprechen, sagte er.<\/p>\n<p>In W\u00f6gingers Sprechstunde sei er &#8222;wegen dem Fl\u00fcchtlingsthema&#8220; gewesen, schilderte er, und &#8222;ich habe ihm dort gesagt, dass ich mich f\u00fcr Braunau-Ried Sch\u00e4rding bewerben m\u00f6chte.&#8220; Er habe W\u00f6ginger auch gefragt, &#8222;ob er mich unterst\u00fctzen, ein gutes Wort einlegen kann.&#8220; Die Richterin hinterfragte die parteipolitische Motivation dieser Bitte um Hilfe: &#8222;Haben Sie sich an Herrn W\u00f6ginger gewandt, weil das ein Parteifreund war?&#8220; Im Ermittlungsverfahren hatte der B\u00fcrgermeister gesagt: &#8222;Als Roter w\u00e4re ich nicht zu ihm gegangen&#8220;. Das sei in dem Sinn gemeint gewesen, &#8222;als Roter w\u00e4re ich nicht zu ihm gegangen, weil ihn gar nicht gekannt habe&#8220;, versuchte der Zeuge zurechtzur\u00fccken. &#8222;Kennen Sie keine Menschen, die SP\u00d6-nahe sind?&#8220;, wunderte sich die Ersatzrichterin. &#8222;Doch sicher&#8220;, er sei sogar mit welchen befreundet.<\/p>\n<p>Die Richterin wollte vom Zeugen wissen, wie ihn W\u00f6ginger seiner Ansicht nach bei einem \u00f6ffentlichen Bewerbungsverfahren unterst\u00fctzen k\u00f6nne. &#8222;Mein Gedanke war: Es kann nicht schaden.&#8220; Die Richterin stie\u00df nach: &#8222;Wissen Sie nicht, wo man die Bewerbungsunterlagen einbringt?&#8220;, fragte sie. &#8222;Doch, nat\u00fcrlich&#8220;, er habe nur gehofft, &#8222;dass er mich unterst\u00fctzt&#8220;. Ob er glaube, dass W\u00f6ginger Einfluss im Ministerium nehmen k\u00f6nne? &#8222;Ja, vielleicht.&#8220; Er habe sich gedacht, &#8222;er wird schon wissen, wo er es hintr\u00e4gt&#8220;, schlie\u00dflich habe er gute Kontakte. Dennoch will er nicht damit gerechnet haben, dass die Sache am Tisch von Thomas Schmid landet. Als er dessen Chats dazu dann in den Medien gesehen habe, habe er nur gedacht: &#8222;Oh, Gott.&#8220; Thomas Schmid ist f\u00fcr Montag geladen und d\u00fcrfte dann in aller Ausf\u00fchrlichkeit dazu befragt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Sie k\u00f6nne sich noch &#8222;sehr gut&#8220; an das Besetzungsverfahren erinnern, schilderte Scharf. 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