{"id":285081,"date":"2026-07-20T16:35:15","date_gmt":"2026-07-20T16:35:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/285081\/"},"modified":"2026-07-20T16:35:15","modified_gmt":"2026-07-20T16:35:15","slug":"hermann-gmeiner-strasse-in-innsbruck-offiziell-umbenannt-jetzt-wird-engagierte-tirolerin-geehrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/285081\/","title":{"rendered":"Hermann-Gmeiner-Stra\u00dfe in Innsbruck offiziell umbenannt: Jetzt wird engagierte Tirolerin geehrt"},"content":{"rendered":"<p _ngcontent-tt-com-www-c3219541002=\"\" data-cy=\"preamble\">Die ehemalige Hermann-Gmeiner-Stra\u00dfe tr\u00e4gt ab sofort den Namen Josefine-S\u00f6lder-Stra\u00dfe. S\u00f6lder hat sich jahrzehntelang f\u00fcr Bildung und Frauenrechte eingesetzt. Damit distanziert sich die Stadt vom Gr\u00fcnder der SOS-Kinderd\u00f6rfer. Ihm wird posthum Missbrauch und Gewalt vorgeworfen.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Innsbruck \u2013 Mit der Umbenennung der Hermann-Gmeiner-Stra\u00dfe in Josefine-S\u00f6lder- Stra\u00dfe will die Stadt Innsbruck das Lebenswerk der Tiroler Lehrerin, P\u00e4dagogin und Landtagsabgeordneten, die sich \u00fcber Jahrzehnte f\u00fcr Bildung, Frauenrechte und gesellschaftliches Engagement eingesetzt hat, w\u00fcrdigen.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">\u201eDer Weg von Josefine S\u00f6lder war gepr\u00e4gt von Neuanf\u00e4ngen. Als Pionierin in zahlreicher Hinsicht hat sie viele Fu\u00dfspuren hinterlassen, in die nachfolgende Generationen wie selbstverst\u00e4ndlich treten konnten. Aber selbstverst\u00e4ndlich war an ihrem Lebensweg nichts \u2013 und auch nicht ohne Widerst\u00e4nde. Von ihrem Pfad lie\u00df sie sich dadurch nicht abbringen, und hat ihn so f\u00fcr alle vorbereitet, die ihr nachfolgen sollten. Und nicht nur, wenn wir \u00fcber die nach ihr benannte Stra\u00dfe gehen, wollen wir uns heute so an sie erinnern: Als Wegbereiterin\u201c, betont der f\u00fcr Erinnerungskultur ressortzust\u00e4ndige Vizeb\u00fcrgermeister Georg Willi.<\/p>\n<p>Engagement durchzieht ihr Leben<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">\u201eMit dieser Stra\u00dfe benennen wir zum ersten Mal bewusst nach einer verdienten Frau um: Josefine von S\u00f6lder war eine mutige Frau, die sich ihr Leben lang mit vollem Engagement f\u00fcr das eingesetzt hat, was sie f\u00fcr richtig hielt: Verbesserungen im Bildungsbereich. Das hat sie auf jeder Ebene gemacht: Ob als Lehrerin, Professorin, Schulheimleiterin, Politikerin oder als Ehrenamtliche \u2013 jede Facette ihres Wirkens war von diesem Engagement gepr\u00e4gt. Dabei hat sie nicht das gro\u00dfe Licht der \u00d6ffentlichkeit gesucht, wurde nicht international mit Ehrungen \u00fcberh\u00e4uft. Ihr Name ist vielen nicht mehr bekannt, Statuen oder Denkm\u00e4ler von ihr gibt es keine. Mit dieser Benennung \u00e4ndert sich das, ihre Verdienste und ihr Andenken werden damit \u00f6ffentlich erinnert\u201c, freut sich die f\u00fcr Frauen ressortzust\u00e4ndige Vizeb\u00fcrgermeisterin Elisabeth Mayr.<\/p>\n<p>Korrektur der Vergangenheit<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">\u201eEs ist eine Eigenheit der Vergangenheit, dass sie sich nicht \u00e4ndern l\u00e4sst. Auch nicht durch die Umbenennung von Stra\u00dfen. Auf die Gegenwart trifft dies aber nicht zu: Heute wissen wir, dass mit Hermann Gmeiner jahrzehntelang ein mutma\u00dflicher Missbrauchst\u00e4ter geehrt wurde. Deshalb setzen wir heute den Schritt, dies zu korrigieren \u2013 und daf\u00fcr einzustehen, was richtig ist. So, wie es Josefine S\u00f6lder Zeit ihres Lebens getan hat\u201c, so der Leiter des Innsbrucker Stadtarchivs, Lukas Morscher.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">\u201eStra\u00dfennamen pr\u00e4gen unser t\u00e4gliches Stadtbild und zeigen, welche Pers\u00f6nlichkeiten wir ehren. Mit der Josefine-S\u00f6lder-Stra\u00dfe machen wir das Wirken einer herausragenden Pionierin f\u00fcr alle Innsbruckerinnen und Innsbrucker sichtbar. Es ist ein wichtiger Schritt zu mehr geschlechtlicher Gerechtigkeit im \u00f6ffentlichen Raum und f\u00fcr eine lebendige Erinnerungskultur\u201c, betont Kulturausschuss-Vorsitzende Karoline Obitzhofer.<\/p>\n<p><img _ngcontent-tt-com-www-c861555957=\"\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"NaN\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"auto\" decoding=\"auto\" ng-img=\"true\" src=\"https:\/\/processing.tt.com\/image\/assets.tt.com\/im-content\/images\/20167cb0-d8fa-5249-b870-cd7be288e52a?p=eyJyZXNpemUiOnsid2lkdGgiOjYyMCwiZml0IjoiaW5zaWRlIn0sImZvcm1hdCI6ImF2aWYifQ%3D%3D\"\/><\/p>\n<p>Das Sterbebild der Josefine S\u00f6lder.<\/p>\n<p>\u00a9 Sterbebilder Schwemberger<\/p>\n<p>Familie freut sich<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Die feierliche Umbenennung ist auch f\u00fcr die Familie ein bewegender Moment. Christian S\u00f6lder, Gro\u00dfneffe von Josefine S\u00f6lder, und seine Gattin Dagmar, betonen die Bedeutung dieser Ehrung: \u201eF\u00fcr unsere Familie ist es eine gro\u00dfe Freude und Ehre, dass das au\u00dfergew\u00f6hnliche Wirken von Josefine S\u00f6lder auf diese Weise gew\u00fcrdigt wird. Sie war eine mutige Wegbereiterin, die zeitlebens mit Tatkraft und Herz f\u00fcr die Rechte und die Bildung von Frauen eingetreten ist. Dass ihr Name nun im Innsbrucker Stadtbild sichtbar bleibt, h\u00e4lt ihr wichtiges Erbe f\u00fcr kommende Generationen lebendig.\u201c<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Josefine (von) S\u00f6lder wurde am 17. Dezember 1864 in Venedig, das damals zum \u00f6sterreichischen Kaiserreich geh\u00f6rte, geboren. Nach ihrer Ausbildung zur Lehrerin an der Lehrerinnenbildungsanstalt der Barmherzigen Schwestern trat sie 1883 ihre erste Stelle in Dietenheim (Pustertal) an. Nach Stationen an der deutschen Schule in Trient kehrte sie 1895 als Professorin zur\u00fcck an die Innsbrucker Lehrerinnenbildungsanstalt und bildete dort angehende Lehrerinnen aus. F\u00fcr ihre p\u00e4dagogische Arbeit wurde ihr als eine der ersten Tiroler Frauen der Titel \u201eSchulrat\u201c verliehen. 1923 wurde S\u00f6lder pensioniert, die Lehrerinnenbildungsanstalt bestand noch bis 1963 am heutigen Standort des KORG Kettenbr\u00fccke.<\/p>\n<p><img _ngcontent-tt-com-www-c861555957=\"\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"465\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"auto\" decoding=\"auto\" ng-img=\"true\" src=\"https:\/\/processing.tt.com\/image\/assets.tt.com\/im-content\/images\/efcff66c-30d7-5c94-9e8e-3f0e222dd409?p=eyJyZXNpemUiOnsid2lkdGgiOjYyMCwiaGVpZ2h0Ijo0NjUsImZpdCI6ImNvdmVyIn0sImNyb3AiOnsidHlwZSI6InBlcmNlbnQiLCJsZWZ0IjowLjA1NjI1LCJ0b3AiOjAsIndpZHRoIjowLjg4ODc1LCJoZWlnaHQiOjF9LCJmb3JtYXQiOiJhdmlmIn0%3D\"\/><\/p>\n<p>(v.l.) Vizeb\u00fcrgermeister Georg Willi, Kulturausschuss-Vorsitzende Karoline Obitzhofer, das  Ehepaar Dagmar und Gro\u00dfneffe Christian S\u00f6lder, Vizeb\u00fcrgermeisterin Elisabeth Mayr sowie der Leiter des Stadtarchivs Lukas Morscher.<\/p>\n<p>\u00a9 Stadt Innsbruck\/J\u00e4ger<\/p>\n<p>S\u00f6lder auch politisch aktiv<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">1909 gr\u00fcndete Josefine S\u00f6lder gemeinsam mit mehreren Mitstreiterinnen die Katholische Frauenorganisation f\u00fcr Tirol (KFO), f\u00fcr die sie auch als langj\u00e4hrige Generalsekret\u00e4rin im Vorstand t\u00e4tig war. 1921 gr\u00fcndete S\u00f6lder zudem den Tiroler M\u00e4dchenverband, der 1927 bereits 190 Gruppen von engagierten Mitgliedern z\u00e4hlte. Die KFO wurde 1938 wie alle katholischen Vereine von den Nationalsozialisten aufgel\u00f6st, die Aufzeichnungen der Organisation wurden vernichtet.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">\u00dcber die KFO f\u00fchrte Josefine S\u00f6lders Weg in die Politik: Zwischen 1921 und 1929 war sie f\u00fcr die Tiroler Volkspartei eine der ersten weiblichen Abgeordneten im Tiroler Landtag, wo sie \u201enicht nur die Sympathie der eigenen Leute, sondern auch die Achtung des Gegners\u201c gewann, wie es ein Nachruf im \u201eTiroler Anzeiger\u201c formuliert.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Der Gro\u00dfteil ihres politischen Wirkens galt schon fr\u00fch der Verbesserung von Arbeitsbedingungen f\u00fcr Frauen im Tiroler Bildungswesen: So setzte sich S\u00f6lder bereits kurz nach ihrer Angelobung unter anderem f\u00fcr die faire Bezahlung von Handarbeitslehrerinnen ein, kritisierte Stellenabbau auf Kosten von \u00fcberwiegend weiblichen Lehrkr\u00e4ften, sowie die ungerechte Behandlung von Lehrerinnen, etwa durch deren Entsendung an entlegene Dienstorte. In die j\u00e4hrliche Budgetdebatte im Landtag brachte sie sich stets fachkundig zum Schulwesen ein.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Die 2025 verstorbene Tiroler Historikerin Gretl K\u00f6fler beschreibt einen \u201eDauerclinch\u201c S\u00f6lders mit der sozialdemokratischen Abgeordneten Maria Ducia, nach der mit der Maria-Ducia-Gasse ebenfalls eine Innsbrucker Stra\u00dfe benannt ist. Inhaltliche Differenzen zwischen beiden fanden sich etwa in der Frage, ob Lehrerinnen ihren Beruf nach einer Heirat weiterf\u00fchren sollten. Politische Auseinandersetzungen lie\u00df Josefine S\u00f6lder allerdings in der Politik: \u201eIch bin so froh, dass ich mit gar niemand einen Unfrieden hab\u201c, sagte sie wenige Wochen vor ihrem Tod.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Zus\u00e4tzlich zu ihren p\u00e4dagogischen, politischen und ehrenamtlichen T\u00e4tigkeiten leitete Josefine S\u00f6lder \u00fcber drei Jahrzehnte die katholischen Sch\u00fcler:innenheime Marien- und Josefsheim in der Maximilianstra\u00dfe, in denen Sch\u00fcler:innen aus l\u00e4ndlichen Gebieten Unterkunft fanden. Das Marienheim bestand \u2013 mit einer Unterbrechung w\u00e4hrend der NS-Zeit \u2013 bis 1991, die Stiftung Marienheim ist bis heute in Innsbruck sozial aktiv. Josefine S\u00f6lders Nachfolgerin als Heimleiterin, Maria Domanig, schrieb 1930 in einem pers\u00f6nlichen Nachruf \u00fcber \u201ehunderte und hunderte von Kindern, Sch\u00fclerinnen, Freunde und Bekannte aus allen Kreisen\u201c, die S\u00f6lder positiv in Erinnerung hatten.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Bis zu ihrem Ableben galt: \u201eNichts und niemand konnte sie an dem hindern, was sie als gut und recht zu tun erkannte\u201c, wie auf ihrem Sterbebild zu lesen ist. Das Grab von Josefine S\u00f6lder befindet sich in ihrem Sterbeort M\u00f6dling, wo sie ihren Bruder besucht hatte und am 22. August 1930 einen Schlaganfall erlitt, dem sie am 2. September 1930 erlag.<\/p>\n<p>Missbrauchsvorw\u00fcrfe gegen Gmeiner<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Der Gr\u00fcnder von SOS-Kinderdorf, Hermann Gmeiner, wurde zu seinen Lebzeiten und dar\u00fcber hinaus auf zahlreiche Weisen von der Stadt Innsbruck geehrt: Bereits im Juli 1957 trug er sich als \u201eDirektor Hermann Gmeiner\u201c in das st\u00e4dtische Ehrenbuch ein, 1993 wurde ein Abschnitt der Luigenstra\u00dfe \u2013 die heutige Josefine-S\u00f6lder-Stra\u00dfe \u2013 nach ihm benannt.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Nach Bekanntwerden von Missbrauchsvorw\u00fcrfen gegen Gmeiner und seinen Nachfolger Helmut Kutin (der 1999 im Zuge der Verleihung des Innsbrucker Sozialehrenzeichens an SOS-Kinderdorf auch mit dem st\u00e4dtischen Verdienstkreuz bedacht wurde) wurden \u00f6sterreichweit vormals nach Gmeiner benannte Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze umbenannt, so auch in Innsbruck.<\/p>\n<p>Immer noch viel zu wenige Frauennamen im Stadtbild<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Mit der Josefine-S\u00f6lder-Stra\u00dfe sind nun insgesamt 23 Innsbrucker Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze nach Frauen benannt. Dem gegen\u00fcber stehen 284 Stra\u00dfen- und vier Br\u00fcckennamen, die sich auf M\u00e4nner beziehen, eine Stra\u00dfe ist nach einem gemischtgeschlechtlichen Ehepaar benannt.<\/p>\n<p _ngcontent-tt-com-www-c3071245697=\"\" data-cy=\"body\">Die Mehrheit der insgesamt 640 Stra\u00dfen und 19 Br\u00fccken im Innsbrucker Stadtgebiet ist allerdings nicht nach spezifischen Personen benannt\u00a0\u2013 namensgebend f\u00fcr 332 Stra\u00dfen und 15 Br\u00fccken sind etwa Flurnamen, andere Gemeinden, historisch bedeutende Orte, Familiennamen, Pflanzen oder Tiere. (TT)<\/p>\n<p>shareArtikel teilenhomeZur Startseite<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die ehemalige Hermann-Gmeiner-Stra\u00dfe tr\u00e4gt ab sofort den Namen Josefine-S\u00f6lder-Stra\u00dfe. 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