{"id":291158,"date":"2026-07-23T18:26:16","date_gmt":"2026-07-23T18:26:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/291158\/"},"modified":"2026-07-23T18:26:16","modified_gmt":"2026-07-23T18:26:16","slug":"auftritt-in-johannesburg-das-kann-in-niemandes-interesse-sein-wie-sich-wadephul-in-suedafrika-mit-trump-anlegt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/291158\/","title":{"rendered":"Auftritt in Johannesburg: \u201eDas kann in niemandes Interesse sein\u201c \u2013 Wie sich Wadephul in S\u00fcdafrika mit Trump anlegt"},"content":{"rendered":"<p>Au\u00dfenminister Johann Wadephul schlug bisher einen eher vorsichtigen Ton gegen\u00fcber der US-Regierung an. Jetzt \u00e4u\u00dfert er sich bei seinem S\u00fcdafrika-Besuch zu einem brisanten Konflikt mit US-Pr\u00e4sident Donald Trump.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Mit einer Rede an der Witwatersrand-Universit\u00e4t in Johannesburg hat der deutsche Au\u00dfenminister Johann Wadephul (CDU) f\u00fcr Aufmerksamkeit gesorgt. Zun\u00e4chst spricht er vor jungen Studenten \u00fcber engere Zusammenarbeit und wirtschaftliche Chancen zwischen Deutschland und S\u00fcdafrika sowie Herausforderungen wie Russlands Krieg in der Ukraine und die Schw\u00e4chen des UN-Systems.<\/p>\n<p>Doch dann kommt er auf den G-20-Gipfel zu sprechen, den S\u00fcdafrika vergangenes Jahr veranstaltet hat und der im Dezember unter der Schirmherrschaft Trumps in Miami stattfindet.<\/p>\n<p>Das trifft in S\u00fcdafrika einen wunden Punkt. Denn Trump hat sich auf besonders harsche Art mit Pr\u00e4sident Cyril Ramaphosa angelegt. Er wirft dem Land vor, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article256106786\/Migration-USA-nehmen-weisse-Suedafrikaner-als-Fluechtlinge-auf-Trump-spricht-von-Genozid.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article256106786\/Migration-USA-nehmen-weisse-Suedafrikaner-als-Fluechtlinge-auf-Trump-spricht-von-Genozid.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">einen \u201eGenozid\u201c an wei\u00dfen Farmern<\/a> zu ver\u00fcben. Sie w\u00fcrden systematisch verfolgt und \u201ehingerichtet\u201c, ihr Land beschlagnahmt.<\/p>\n<p>Das ist eine harte Anschuldigung, die S\u00fcdafrika strikt zur\u00fcckweist. Auch politische Beobachter sch\u00fctteln nur den Kopf. Dennoch h\u00e4lt der US-Pr\u00e4sident an seinen Vorw\u00fcrfen fest und nutzt sie als Grundlage f\u00fcr eine internationale Isolierung von S\u00fcdafrika. Das G-20-Treffen in Johannesburg boykottierte er. Zum n\u00e4chsten Gipfel in Miami verweigerte er Ramaphosa die Einladung\u00a0\u2013 obwohl S\u00fcdafrika ein Gr\u00fcndungsmitglied des Staatenverbundes ist.<\/p>\n<p class=\"c-inline-teaser-list__headline\">Lesen Sie auch<\/p>\n<p>Weltplus ArtikelS\u00fcdafrika-Kritik<\/p>\n<p>Genau hier setzt Wadephul in seiner Rede an. Der \u201e\u00e4u\u00dferst erfolgreiche G-20-Gipfel\u201c im vergangenen Jahr habe doch gerade gezeigt, \u201edass S\u00fcdafrika ein unverzichtbares Mitglied der G 20 ist\u201c, betont der Au\u00dfenminister. Dann wird er deutlich. \u201eS\u00fcdafrika auszuschlie\u00dfen bedeutet, eine wichtige afrikanische Stimme und eine regionale wirtschaftliche und politische Macht zu marginalisieren. Das kann in niemandes Interesse sein.\u201c <\/p>\n<p>Auch wenn er Trump und die USA nicht direkt erw\u00e4hnt, ist jedem im Raum klar, an wen sich diese Mahnung richtet. Wadephuls Worte sind nur minimal diplomatisch verklausuliert. \u201eGerade in Zeiten wachsender globaler wirtschaftlicher Unsicherheit brauchen wir mehr Zusammenarbeit, nicht weniger\u201c, schiebt er hinterher.<\/p>\n<p>Mit seinen kritischen Worten positioniert sich der Au\u00dfenminister in einer Frage, welche die Bundesregierung schon l\u00e4nger umtreibt. Kurz nachdem Trump den s\u00fcdafrikanischen Pr\u00e4sidenten zur Persona non grata in Miami erkl\u00e4rt hatte, sprach sich Bundeskanzler Friedrich Merz dagegen aus, damals noch sehr vorsichtig. Er wolle \u201eversuchen\u201c, Trump in Gespr\u00e4chen \u201ezu \u00fcberzeugen, dass es gut w\u00e4re, alle Mitglieder der G 20 nach Amerika einzuladen\u201c, sagte Merz. Diese \u00dcberredungsversuche haben aber offenbar wenig bewirkt. Deshalb wurde Wadephul deutlicher.<\/p>\n<p>Berlin setzt auf S\u00fcdafrika<\/p>\n<p>Der Au\u00dfenminister leistet damit auch Sch\u00fctzenhilfe f\u00fcr ein Land, das Berlin gern enger an sich binden w\u00fcrde. Vergangenes Jahr wurden die Beziehungen zur \u201estrategischen Partnerschaft\u201c aufgewertet. F\u00fcr die deutsche Wirtschaft ist das Land der wichtigste Partner auf dem afrikanischen Kontinent, mit vielen Vertretungen deutscher Firmen. <\/p>\n<p>In zentralen au\u00dfenpolitischen Fragen ist S\u00fcdafrika zugleich ein komplizierter Verb\u00fcndeter. Dies offenbart sich haupts\u00e4chlich bei zwei Themen. Das eine ist der Krieg im <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/gaza-streifen\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/gaza-streifen\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gaza-Streifen<\/a>, wo S\u00fcdafrika <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/israel-politik\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/israel-politik\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Israel<\/a> einen V\u00f6lkermord vorwirft und eine Klage beim <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/internationaler-strafgerichtshof\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/internationaler-strafgerichtshof\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Internationalen Gerichtshof<\/a> in Den Haag eingereicht hat. Dieser Sichtweise kann sich die Bundesregierung \u00fcberhaupt nicht anschlie\u00dfen, auch wenn Wadephul in Johannesburg pflichtschuldig betont, dass man wie S\u00fcdafrika f\u00fcr eine Zweistaaten-L\u00f6sung eintrete.<\/p>\n<p>Der andere gro\u00dfe Konfliktpunkt ist Russland. Auch im f\u00fcnften Jahr von <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/wladimir-putin\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/wladimir-putin\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wladimir Putins<\/a> Angriffskrieg kann sich S\u00fcdafrika nicht dazu durchringen, die Invasion zu verurteilen. Als Gr\u00fcndungsmitglied der BRICS-Allianz pflegt S\u00fcdafrika traditionell enge Verbindungen nach Moskau und Peking. <\/p>\n<p>Wadephul versucht trotzdem, in seiner Rede f\u00fcr einen anderen Umgang zu werben. \u201eWir sehen nur allzu deutlich, dass Russland uns viele Jahre lang get\u00e4uscht hat und weiterhin eine existenzielle Sicherheitsbedrohung f\u00fcr uns darstellt\u201c, sagt der Au\u00dfenminister und will die Berliner Perspektive vermitteln. \u201eDie Iskander-Raketen, die Russland in Kaliningrad stationiert hat, w\u00fcrden nur wenige Minuten ben\u00f6tigen, um Berlin zu erreichen. Das ist Teil der heutigen strategischen Realit\u00e4t in Europa.\u201c<\/p>\n<p>China ist auch ein heikles Thema<\/p>\n<p>Eine weitere Klippe, die Wadephul bei seinem Besuch umschiffen muss, ist das Verh\u00e4ltnis zu China. W\u00e4hrend sich Deutschland kritischer gegen\u00fcber Pekings marktverzerrender Subventionspolitik positioniert und Bundeskanzler Friedrich Merz die k\u00fcnstliche Abwertung der chinesischen W\u00e4hrung beklagt, sieht der Au\u00dfenminister auf seiner Afrikareise, wie die chinesischen Hersteller immer st\u00e4rker zur Konkurrenz f\u00fcr deutsche Hersteller werden.<\/p>\n<p>Wadephul streckt auch in diesem Fall die Hand aus: \u201eWir brauchen Euch nicht nur, um die internationale Ordnung zu verteidigen, sondern auch, um unsere wirtschaftlichen Beziehungen zu st\u00e4rken und unsere Abh\u00e4ngigkeit von China zu verringern\u201c, betont er im anschlie\u00dfenden Gespr\u00e4ch mit Studenten. \u201eWir sind zu stark von Lieferketten abh\u00e4ngig, die aus einem einzigen Land stammen. Wir sind zu stark von einem einzigen Land als wichtigstem Markt abh\u00e4ngig.\u201c Dies sei ein \u201ewirklich guter Grund\u201c f\u00fcr Deutschland und S\u00fcdafrika, im wirtschaftlichen Bereich enger zusammenzuarbeiten.<\/p>\n<p>Ein diplomatischer Br\u00fcckenschlag <\/p>\n<p>Wadephul fordert auch einen permanenten afrikanischen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Das ist eine Standardforderung aus Berlin. Deutschland hat als nicht vertretenes Land, das zudem k\u00fcrzlich mit seiner Wahl f\u00fcr einen nicht-st\u00e4ndigen Sicherheitsratssitz scheiterte, allerdings herzlich wenig Einfluss.<\/p>\n<p>Was die au\u00dfenpolitischen Grunddifferenzen angeht, versucht es der Au\u00dfenminister mit einem diplomatischen Br\u00fcckenschlag des \u201eagree to disagree\u201c: \u201eIn einigen strittigen Fragen k\u00f6nnen wir uns darauf einigen, unterschiedlicher Meinung zu sein. Und gleichzeitig weiterhin zusammenarbeiten. Entscheidend ist, dass wir uns zu denselben internationalen Grunds\u00e4tzen bekennen.\u201c<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/hans-von-der-burchard\/\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"noopener nofollow\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/hans-von-der-burchard\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Hans von der Burchard<\/a> ist Senior Playbook Author bei \u201ePolitico\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Au\u00dfenminister Johann Wadephul schlug bisher einen eher vorsichtigen Ton gegen\u00fcber der US-Regierung an. 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