{"id":292382,"date":"2026-07-24T10:54:09","date_gmt":"2026-07-24T10:54:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/292382\/"},"modified":"2026-07-24T10:54:09","modified_gmt":"2026-07-24T10:54:09","slug":"boeckl-josephsohn-spannungsreicher-kunstdialog-im-leopold-museum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/292382\/","title":{"rendered":"BOECKL \/ JOSEPHSOHN: SPANNUNGSREICHER KUNSTDIALOG IM LEOPOLD MUSEUM"},"content":{"rendered":"<p>In der dialogisch konzipierten Ausstellung Herbert Boeckl \/ Hans Josephsohn. Archetypen des Figuralen werden erstmals Werke von zwei bedeutenden Vertretern der Moderne, dem \u00f6sterreichischen Maler Herbert Boeckl (1894\u20131966) und dem Schweizer Bildhauer Hans Josephsohn (1920\u20132012), gegen\u00fcbergestellt. Anhand von mehr als 80 Objekten aus den Bereichen Malerei, Skulptur und Grafik pr\u00e4sentiert die Schau eine spannungsreiche Auseinandersetzung \u00fcber Form, Figur, Material und Fragen der menschlichen Existenz.<\/p>\n<p>\u201eDas Aufeinandertreffen zweier in so unterschiedlichen Kategorien arbeitender K\u00fcnstler bedeutet, einen experimentellen Vorgang einzuleiten, mit der Intention, neue Erkenntnisse der jeweils anderen k\u00fcnstlerischen Position zu gewinnen. Dieser wahlverwandtschaftliche Dialog er\u00f6ffnet assoziative Interpretationsr\u00e4ume und erm\u00f6glicht ein Einlassen auf neue formale wie inhaltliche Perspektiven, vor allem aber auch die Auseinandersetzung mit dem Bestreben das fl\u00fcchtige menschliche Dasein in eine bleibende, universelle und zeitlose Form zu transformieren.\u201c<br \/>Hans-Peter Wipplinger, Direktor des Leopold Museum und Kurator der Ausstellung<\/p>\n<p>Diese au\u00dfergew\u00f6hnliche Gegen\u00fcberstellung, am Schnittpunkt von Malerei und Bildhauerkunst, er\u00f6ffnet die M\u00f6glichkeit das Oeuvre von zwei herausragenden Kunstschaffenden aus einem v\u00f6llig neuen Blickwinkel zu betrachten. Das zeitlebens von Gegenst\u00e4ndlichkeit bestimmte Werk beider K\u00fcnstler befruchtet sich gegenseitig, trotz historischer, r\u00e4umlicher und kultureller Unterschiede. F\u00fcr Boeckl wie Josephsohn bildete das pers\u00f6nliche Umfeld und das konkrete Gegen\u00fcber die Basis ihres k\u00fcnstlerischen Wirkens. Boeckls wichtigste Muse war seine Frau Maria, die ihm h\u00e4ufig auch als Modell zur Verf\u00fcgung stand. Josephsohn bevorzugte ebenfalls ihm nahestehende Menschen als inspirierende Modelle, so etwa seine erste Frau Mirjam Abeles, seine Partnerin Ruth Jacob und seine zweite Frau Verena Wunderlin. Dar\u00fcber hinaus besch\u00e4ftigte er sich mit der Darstellung von Freund*innen oder von Menschen, die sein Interesse weckten, wie etwa der Arbeiter Ernst Baumann. Beide K\u00fcnstler lie\u00dfen sich nicht von Trends und Moden des Kunstbetriebs beeinflussen. W\u00e4hrend Boeckl Teil des Kunstnetzwerkes seiner Zeit war, blieb Josephsohn als K\u00fcnstler ein Einzelg\u00e4nger. Erst im Jahr 2000 nahm eine Galerie den zu dieser Zeit bereits 80-j\u00e4hrigen K\u00fcnstler ins Programm auf. Heute gilt Hans Josephsohn neben Alberto Giacometti als zweiter bedeutender Plastiker der Schweiz.<\/p>\n<p>Archaik als Referenz<br \/>Die Ausstellungsobjekte \u2013 Gem\u00e4lde und Arbeiten auf Papier von Boeckl und mit diesen in Beziehung gesetzte Skulpturen in Gips und Messing von Josephsohn \u2013 ergeben einen Zusammenklang von Werken, der voller \u00fcberraschender formal\u00e4sthetischer Analogien ist. Beide K\u00fcnstler bedienen sich einer Rezeptions\u00e4sthetik, die von vormodernen, antiken und mittelalterlichen Bildprogrammen inspiriert ist. Josephsohn besch\u00e4ftigte sich in den sp\u00e4ten 1940er- und fr\u00fchen 1950er-Jahren intensiv mit der Reduktion der menschlichen Figur. Ausgehend vom Modell vereinfachte er den K\u00f6rper zu einer kompakten, blockhaften Form. Die archaisch anmutenden, stelenhaft reduzierten Figuren rufen Assoziationen zu \u00e4gyptischen, griechischen und etruskischen Skulpturen hervor.<\/p>\n<p>Wirkung von Farbe und Form<br \/>Obwohl formale Bez\u00fcge zu Schiele und Kokoschka erkennbar sind, emanzipierte sich Boeckl ab 1920 zunehmend durch eine ausgepr\u00e4gte \u201eElementarwirkung der Farbe\u201c, wie es der Kunsthistoriker Fritz Novotny formulierte. Sowohl Boeckl als auch Josephsohn sch\u00e4tzten die Werke von Cezanne und die Skulpturen des Bildhauers Aristide Maillol, insbesondere die Reduktion auf die formale Geschlossenheit des menschlichen K\u00f6rpers. So wie sich bei Boeckl die Konturen verfl\u00fcchtigten, l\u00f6ste sich auch bei Josephsohns Skulpturen die Form nach und nach auf. Zwischen beiden K\u00fcnstlern zeigen sich immer wieder faszinierende Analogien: W\u00e4hrend Boeckls Landschaften wie K\u00f6rper wirken, erscheinen Josephsohns liegende Skulpturen wie monumentale Bergformationen.<\/p>\n<p>Farbmassen und \u00dcberformungen<br \/>Ein radikaler Sp\u00e4t-Expressionismus manifestiert sich in Boeckls Schl\u00fcsselwerk Gruppe am Waldrand (1920) aus der Sammlung des Leopold Museum, in dem sich der K\u00fcnstler zusammen mit seiner jungen Frau Maria darstellte. Seine Gem\u00e4lde dieser Zeit muten durch den extrem dicken Farbauftrag reliefartig an. W\u00e4hrend Boeckl in seinen Bildern Farbmassen aufschichtete, \u00fcberformte Josephsohn die menschliche Anatomie in seinen Skulpturen. Boeckl begriff die Farbpaste wie eine plastische Masse, brachte sie teils direkt aus der Tube auf den Bildtr\u00e4ger auf und modellierte die Figuren. Josephsohn agierte \u00e4hnlich beim Aufbau seiner dreidimensionalen Kompositionen, die er als Gipsmodelle in seinem Atelier in Z\u00fcrich kreierte. Im Portr\u00e4t Josef von Wertheimstein (1921), seinem vielleicht radikalsten Bildnis, reduzierte Boeckl den Dargestellten auf wenige bildgebende Elemente. Die Figur tritt aus dem Dunkel des pastosen Bildgrundes hervor als w\u00e4re sie der z\u00e4hen Grundsubstanz des Urschlamms entstiegen. Auch Josephsohn konzentriert sich nicht auf die reale Wiedergabe einer Person, sondern auf das ganzheitliche Erfassen eines Gegen\u00fcbers.<\/p>\n<p>Suche nach neuer visueller Sprache<br \/>Nach den uns\u00e4glichen Schrecken des Zweiten Weltkriegs stand auch die Kunstwelt vor einem Tr\u00fcmmerfeld, das traditionelle Darstellungsformen verunm\u00f6glichte. Boeckl begann nach dieser Menschheitskatastrophe mit seinen \u201eMetamorphosen\u201c eine neue Schaffensphase. Unter dem Eindruck abstrakter Experimente sucht er nach einer neuen visuellen Sprache und zerlegte die Bildgegenst\u00e4nde systematisch in farbige Fl\u00e4chen und Flecken. Josephsohn schuf zwischen 1951 und 1953, ausgel\u00f6st durch den Koreakrieg, stark abstrahierte und geometrisch reduzierte Flachreliefs, die pers\u00f6nliche Traumatisierungen aus dem Zweiten Weltkrieg wachrufen. In seinem Sp\u00e4twerk begann Josephsohn erneut einen Abstraktionsprozess. Statt seine Figuren zu reduzieren, \u00fcberformte er sie durch den gezielten Aufbau von Material. Anatomische Details, individuelle Merkmale und nat\u00fcrliche Proportionen treten zugunsten einer archetypischen Formensprache zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Zeitlose Form<br \/>Erinnerung, Begegnung und fl\u00fcchtige Momente tiefen Erkennens verdichten sich im Werk beider K\u00fcnstler zu einer zeitlosen Form. Die Lebenswege Boeckls und Josephsohns wurden von den tiefgreifenden Umbr\u00fcchen des 20. Jahrhunderts gepr\u00e4gt. Boeckl erlebte als junger Mann die Schrecken des Ersten Weltkriegs, Josephsohn musste als Sohn j\u00fcdischer Eltern, die im Konzentrationslager ermordet wurden, vor der nationalsozialistischen Verfolgung \u00fcber Italien in die Schweiz fliehen. Auch wenn Josephsohn eine biografische Deutung seines Werks im Kontext der Shoa stets ablehnte, hinterlie\u00dfen Krieg, Verlust und existenzbedrohende Erlebnisse bei ihm wie auch bei Boeckl tiefe Spuren.<\/p>\n<p>Katalog zur Ausstellung<br \/>Zu der von Leopold Museum-Direktor Hans-Peter Wipplinger kuratierten Ausstellung ist im Verlag der Buchhandlung Walther und Franz K\u00f6nig, K\u00f6ln ein umfangreicher Katalog in deutscher und englischer Sprache erschienen, mit Beitr\u00e4gen von Matthias Boeckl, Lili-Vienne Debus, Ulrich Meinherz und Hans-Peter Wipplinger. <\/p>\n<p>Kurator: Hans-Peter Wipplinger<\/p>\n<p>STIMMUNGSVOLLE ER\u00d6FFNUNGSFEIERLICHKEITEN<\/p>\n<p>Der Einladung von Direktor Hans-Peter Wipplinger zu den stimmungsvollen Er\u00f6ffnungsfeierlichkeiten folgten rund 700 Personen, darunter die Leopold Museum-Vorst\u00e4nde Josef Ostermayer und Danielle Spera, die Katalogautor*innen Matthias Boeckl, Ulrich Meinherz (Kesselhaus Josephsohn) und Lili-Vienne Debus (Leopold Museum), zahlreiche Vertreter*innen der Familie Boeckl \u2013 aus \u00d6sterreich, Deutschland und den USA \u2013 und der Familie Josephsohn aus der Schweiz, Felix Lehner (Galerie Felix Lehner, Kesselhaus Josephsohn, St. Gallen), Ernst Ploil als GF im Kinsky und Sponsor der Ausstellung, Bernd Ernsting (Vorstand, LETTER Stiftung), die K\u00fcnstler*innen Martha Jungwirth, Peter Kogler, Gerda Leopold, Robert Comploij, Rudi Molacek, Peter Baldinger und Walter Vopava, Stella Rollig (Generaldirektorin Belvedere) und K\u00fcnstler Peter Hauenschild, Florian Steininger (Dir. Kunsthalle Krems), Angela Baillou (GF Christie\u2019s Wien), Christoph Thun-Hohenstein (ehem. Dir. MAK), Susanna Tabaka-Pillhofer und Jan Tabaka, Karl und Johanna Arco, Katharina Husslein, Waltraud Leopold, die Architekt*innen Andrea Frank und Alexander Serda, die Galerist*innen Hella Pohl (Senior Int. Dir. Thaddaeus Ropac), Julius Hummel (Galerie Hummel), Maximilian Thomann (Galerie Thomann) und Andrea J\u00fcnger (Galerie J\u00fcnger), Barbara Potisk-Eibensteiner (Finanzvorst\u00e4ndin, Post AG), Harald Friedrich (LLB \u00d6sterreich), Barbara Friedrich (Raiffeisen), die Unternehmer Gallus Pesendorfer und Georg Stradiot, RA Thomas Angermair (DORDA), RA Niklas Schmidt (Wolf Theiss), RA Kathrin Weber und RA Axel Anderl, RA Christian Dorda, Peter Kriemler und Albert Kriemler (AKRIS), die Kunsthistoriker*innen Birgitte Borchhardt-Birbaumer, Christoph Becker (ehem. Dir. Kunsthaus Z\u00fcrich), Dieter Ronte (ehem. Dir. Mumok) und Thomas Zaunschirm, Claudia M\u00f6rth-Gasser (Expertin Auktionshaus im Kinsky), die Belvedere Kurator*innen Katharina Lovecky und Franz Smola, Sylvia Eisenburger, RA Sascha Solomonowitz und Sammlerin Mimi Eisenberger, Sammlerpaar Elisabeth und Christian Burghardt, Sammler Harald Spengler (Kunstparterre M\u00fcnchen), Lothar Trierenberg (Unternehmer, Eigent\u00fcmer Villa Beer), Philipp Breicha, Jakob Jelinek und J\u00fcrgen P\u00f6lzl (Komitee Salon Leopold), Elisabeth Vogl-Pillhofer, Britt Schnecker (Kunsttrans), Mark Alexander Gr\u00fcbbeling (Salon Leopold), die Diplomatinnen Helene von Damm und Wolfgang Petritsch, Sammlerin Edith Raidl, Grafikerin Nele Steinborn, Coiffeur Erich Joham, Peter Grundmann (Hearonymous), Autor und Journalist Hans-Peter Schwanke u.v.m.<\/p>\n<p>HERBERT BOECKL \/ HANS JOSEPHSOHN<br \/>ARCHETYPEN DES FIGURALEN<br \/>24.07.2026\u201310.01.2027 I EBENE -1<\/p>\n<p>LINK ZUR WEBSITE DER AUSSTELLUNG:<\/p>\n<p><a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" href=\"https:\/\/www.leopoldmuseum.org\/de\/ausstellungen\/digitale-ausstellungen\/boeckl-josephsohn\/de\">leopoldmuseum.org\/boeckl-josephsohn<\/a><\/p>\n<p><a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" href=\"https:\/\/www.leopoldmuseum.org\/de\/presse\/presseunterlagen\/1455\/HERBERT-BOECKL--HANS-JOSEPHSOHN\">Presseunterlagen und Bildmaterial<\/a><\/p>\n<p><a target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" href=\"https:\/\/www.apa-fotoservice.at\/galerie\/39707 \">Fotogalerie der Ausstellungser\u00f6ffnung<\/a><\/p>\n<p>Weitere Bilder in der <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.apa-fotoservice.at\/galerie\/39707\" rel=\"nofollow noopener\">APA-Fotogalerie<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In der dialogisch konzipierten Ausstellung Herbert Boeckl \/ Hans Josephsohn. 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