{"id":295331,"date":"2026-07-26T04:50:09","date_gmt":"2026-07-26T04:50:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/295331\/"},"modified":"2026-07-26T04:50:09","modified_gmt":"2026-07-26T04:50:09","slug":"friedrichs-skizzenbuch-als-tagebuch-der-bilder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/295331\/","title":{"rendered":"Friedrichs Skizzenbuch als Tagebuch der Bilder"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/coverfriedrich-100.webp\" alt=\"Cover:  Bildband Caspar David Friedrich. Karlsruher Skizzenbuch\" title=\"Cover:  Bildband Caspar David Friedrich. Karlsruher Skizzenbuch | Hatje Cantz\" class=\"responsive\"\/><\/p>\n<p>AUDIO: Caspar David Friedrichs &#8222;Karlsruher Skizzenbuch&#8220; (4 Min)<\/p>\n<p>\n                Stand: 26.07.2026 06:00 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">Was heute das Smartphone ist, war fr\u00fcher das Skizzenbuch, ein handliches B\u00fcchlein voller halbfertiger Bilder fl\u00fcchtiger Gedanken und stiller Beobachtungen. Der Hatje Cantz Verlag hat gerade das so genannte &#8222;Karlsruher Skizzenbuch&#8220; von Caspar David Friedrich ver\u00f6ffentlicht. <\/p>\n<p class=\"textauthor\">von Martina Kothe<\/p>\n<p class=\"\">Es war das letzte bekannte Skizzenbuch des Malers in Privatbesitz. Vor zwei Jahren konnte es in einer gemeinsamen Anstrengung von mehreren staatlichen Kunstsammlungen, der Ernst von Siemens Kunststiftung und privaten F\u00f6rderern erworben werden.<\/p>\n<p>    Friedrichs Skizzenbuch im dunkelroten K\u00e4stchen Handlich klein und gebraucht<\/p>\n<p class=\"\">Ein dunkelrotes K\u00e4stchen. Darauf steht in wei\u00dfen und gr\u00fcngrau schimmernden Lettern: &#8222;Caspar David Friedrich Karlsruher Skizzenbuch&#8220;. Und dann liegt es vor einem: Es ist handlich klein, 13 mal 20 Zentimeter, hat abgerundete Ecken, Vorder- und R\u00fcckseite zeigen deutliche Gebrauchsspuren, hier und da fehlt ein St\u00fcckchen vom braunen Wurzelmarmorpapier des Einbands.<\/p>\n<p class=\"\">Es f\u00fchlt sich beinahe so an, als hielte man das Original in H\u00e4nden, als wollte man nur mal kurz bl\u00e4ttern, um es dann dem Maler Friedrich zur\u00fcckzugeben. Zumindest mit der kostspieligen Schmuckausgabe, die mit Fadenheftung und jedem Kratzer auf dem Einband ganz echt und historisch wirkt und bei der die Texte in einem separaten Heftchen untergebracht sind. Die deutlich g\u00fcnstigere Studienausgabe dagegen ist ein schmaler Hardcover-Band mit Skizzen und Begleittexten in einem Buch.<\/p>\n<p>    Sepia und Bleistift<\/p>\n<p class=\"\">&#8222;Am 27.April 1804&#8220; hei\u00dft es links unten. Die Doppelseite ist zum Teil mit verd\u00fcnnter Sepia gef\u00e4rbt, was die Bleistiftlinien der beiden Zeichnungen verst\u00e4rkt. Links steht der umrisshaft angelegte, untere Teil des Baumstammes, der auf der rechten Seite \u00fcber das ganze Blatt in die H\u00f6he w\u00e4chst. Von dem hohen, knorrigen Stamm sind schon einige \u00c4ste abges\u00e4gt worden, die \u00fcbrigen verzweigen sich in kleine und kleinste entschlossen gezogene Linien.<\/p>\n<p class=\"\">Diese Ver\u00e4stelungen scheinen Friedrich besondere Freude zu machen. Er zeichnet akribisch. Genau so, wie Akademien es damals lehrten, auch die k\u00f6niglich d\u00e4nische Kunstakademie in Kopenhagen, an der er studierte. Was er aber zeichnet, ist seine Entscheidung. Durch diesen Gedanken entsteht eine seltsame N\u00e4he zu dem Maler, der sich hier &#8211; abseits seiner ber\u00fchmt gewordenen Gem\u00e4lde &#8211; zart, suchend und detailverliebt zeigt.<\/p>\n<p>    B\u00e4ume Schiffe und verworfene Linien<\/p>\n<p class=\"\">So bl\u00e4ttert man durch das kleine Faksimile-B\u00fcchlein und entdeckt B\u00e4ume, Schiffe und weite Landschaften in der Umgebung von Dresden. Die belaubten B\u00e4ume, umrissen und mit schraffierten Schatten, verschmelzen miteinander. St\u00e4mme, die aus dem wuseligen Laub herausragen, erinnern fast an die Beinchen von Schafen vor der Schur. Schmal und dunkel unter bauschiger Wolle.<\/p>\n<p class=\"\">Spannend wird es, wenn ein Motiv in den Augen des Zeichners scheinbar nicht gut, oder noch nicht gut genug war, oder er es einfach so verwarf. Einmal finden sich zwei B\u00e4ume, schraffiert, ausgearbeitet, aber mit schwungvollen Linien durchgestrichen. Bl\u00e4tter, die daneben in einer Ecke wachsen, sind \u00fcberschraffiert.<\/p>\n<p>    Das pers\u00f6nlichste Heft eines Malers<\/p>\n<p class=\"\">&#8222;Skizzenb\u00fccher gelten nicht von ungef\u00e4hr als die pers\u00f6nlichsten Zeugnisse von K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern. Bei Friedrich, der stets ein Heft mit sich f\u00fchrte, trifft dies in besonderem Ma\u00dfe zu, geben die einzelnen Kladden doch nicht nur Aufschluss \u00fcber seine Aufenthalte und seine Arbeitsweise, sondern bieten in vielen Details Ankn\u00fcpfungspunkte, Referenzen und Verweise auf seine wichtigsten Werke&#8220;, hei\u00dft es im Begleittext der Herausgeber.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/romantik-104.webp\" alt=\"Eine Frau blickt durch ein Fernglas auf ein Gem\u00e4lde von Caspar David Friedrich.\" title=\"Eine Frau blickt durch ein Fernglas auf ein Gem\u00e4lde von Caspar David Friedrich. | Pommersches Landesmuseum\/Asja Caspari\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald k\u00f6nnen Besucher in der neuen Galerie der Romantik erleben, wie der Maler seine Gem\u00e4lde aufgebaut hat. <\/p>\n<p>    Halbfertige Bl\u00fcten, offene R\u00e4tsel<\/p>\n<p class=\"\">Gegen Ende des Hefts, nach schwungvollen Studien von V\u00f6geln im Flug, wachsen einige Zweige aus dem Nichts in die H\u00f6he. Darunter: Sechs umrisshaft angelegte Bl\u00fcten, der Form nach k\u00f6nnten es Malven sein, nur eine ist ein wenig ausgearbeitet, die anderen verharren in der Linie. Der Rest der Seite ist leer. Hier versteht man, warum Skizzen so pers\u00f6nlich sein k\u00f6nnen, wie ein Tagebuch, allerdings auch voller R\u00e4tsel. Wollte er an diesem Tag nicht weitermachen? Hatte er keine Lust mehr, das Motiv zu vervollst\u00e4ndigen? War er unzufrieden mit den beiden Anf\u00e4ngen und hat die Seite dann einfach so gelassen?<\/p>\n<p>    Ber\u00fchrendes St\u00fcck Kunstgeschichte<\/p>\n<p class=\"\">F\u00fcr Caspar David Friedrich waren diese Zeichnungen Gedankenst\u00fctzen f\u00fcr sp\u00e4tere Gem\u00e4lde. So findet man den eingangs beschriebenen Baum im &#8222;H\u00fcnengrab am Meer&#8220;, im &#8222;H\u00fcnengrab im Schnee&#8220;, sowie im Bild &#8222;Abtei im Eichwald&#8220;. Dieses B\u00fcchlein, ob als aufw\u00e4ndige Schmuckausgabe oder als ganz normales Taschenbuch, macht gro\u00dfe Freude und bringt einem den K\u00fcnstler unerwartet nah. Ein ber\u00fchrendes St\u00fcck Kunstgeschichte.<\/p>\n<p>        <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/coverfriedrich-100.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/coverfriedrich-100.webp\" alt=\"Cover:  Bildband Caspar David Friedrich. Karlsruher Skizzenbuch\" title=\"Cover:  Bildband Caspar David Friedrich. Karlsruher Skizzenbuch | Hatje Cantz\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>        <\/a><\/p>\n<p>      Caspar David Friedrich. Karlsruher Skizzenbuch<\/p>\n<p>von <\/p>\n<p>            Seitenzahl:<br \/>\n            40 Seiten<\/p>\n<p>            Genre:<br \/>\n            Bildband<\/p>\n<p>            Zusatzinfo:<br \/>\n            Herausgeber: Stephanie Buck, Dagmar Korbacher, Petra Kuhlmann-Hodick, Annette Ludwig, Christoph Orth<\/p>\n<p>            Verlag:<br \/>\n            Hatje Cantz Verlag<\/p>\n<p>            ISBN:<br \/>\n            978-3-7757-6090-4<\/p>\n<p>            Preis:<br \/>\n            138 \u20ac<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"AUDIO: Caspar David Friedrichs &#8222;Karlsruher Skizzenbuch&#8220; (4 Min) Stand: 26.07.2026 06:00 Uhr Was heute das Smartphone ist, war&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":295332,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[26],"tags":[158,157,46,42,77711,11503,77712,159,147,161,160,73531,44,148],"class_list":["post-295331","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-kunst-und-design","tag-art","tag-art-and-design","tag-at","tag-austria","tag-bildschoenes-buch","tag-buch","tag-caspar-david-friedrich-karlsruher-skizzenbuch","tag-design","tag-entertainment","tag-kunst","tag-kunst-und-design","tag-neue-buecher","tag-oesterreich","tag-unterhaltung"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116984482028970084","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/295331","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=295331"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/295331\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/295332"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=295331"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=295331"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=295331"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}