{"id":296089,"date":"2026-07-26T13:42:12","date_gmt":"2026-07-26T13:42:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/296089\/"},"modified":"2026-07-26T13:42:12","modified_gmt":"2026-07-26T13:42:12","slug":"stadtspaziergang-mit-lilly-von-der-kolonialimportgesellschaft-ueber-tankstellen-zu-omas-teekanne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/296089\/","title":{"rendered":"Stadtspaziergang mit Lilly: Von der Kolonialimportgesellschaft \u00fcber Tankstellen zu Omas Teekanne"},"content":{"rendered":"<p>Wenn der Sommer ins Schwitzen kommt, sucht man gerne Fleckchen in der N\u00e4he von Wasser auf. Wir spazieren mit Lilly dorthin, wo einst die Mur-Fl\u00f6\u00dfer an Land gingen, zum Nikolaiplatz.<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-paragraph klz-text-copy\" data-testid=\"article-paragraph\">Besuchten wir zuletzt <a href=\"https:\/\/www.kleinezeitung.at\/artikel\/35424236\/tegetthoffplatz-als-die-kaiserin-elisabeth-dem-admiral-platz-machen\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\">das Denkmal von Wilhelm Tegetthoff<\/a>, so wechseln wir diesmal die Seite. Also \u00fcber die Mur. Geneigte Leserinnen und Leser wissen schon, was jetzt kommt \u2013 die Lilly und die Br\u00fccke. Ja, nat\u00fcrlich bleibt sie wieder auf der Radetzkybr\u00fccke in der Mitte stehen und starrt fasziniert hinunter auf das dahingleitende Wasser. Derweilen erwartet uns schon Stadthistoriker Karl Kubinzky mit Fotografen Stefan Pajman beim Denkmal des Heiligen Nikolaus. \u201eWas machen wir denn im Sommer beim Nikolaus, der kommt doch erst am 6. Dezember\u201c, lacht der Stadthistoriker. <\/p>\n<p class=\"klz-story-element-paragraph klz-text-copy\" data-testid=\"article-paragraph\">Die Antwort liefert er selbst, beim Erz\u00e4hlen, wie denn dieser Platz zu seinem Namen kam. \u201eDer heilige Nikolaus ist der Schutzpatron der Reisenden, wie auch der Seefahrer, der Binnenschiffer, daher auch der Fl\u00f6\u00dfer. Und hier war in Graz eine der Anlegestellen der Fl\u00f6\u00dfer auf der Mur. Die Fl\u00f6\u00dfe damals bestanden zumeist nur aus zusammengebundenen Holzst\u00e4mmen.\u201c Da die Fl\u00f6\u00dfer aber vor allem im Fr\u00fchjahr und Sommer unterwegs waren, passt auch der Spaziergang \u00fcber den Nikolaiplatz und die gleichnamige Gasse auch im Juli recht gut. Wobei der Platz zwischen Grieskai und Entenplatz erst 1995 wieder diesen Namen erhielt infolge der Neugestaltung. Vorher galt er einfach als Teil des Grieskais. \u201eAllerdings\u201c, flicht der Stadthistoriker ein, \u201egab es schon von 1813 bis 1870 einen Nikolaiplatz, auch im 19. Jahrhundert fand sich f\u00fcr neun H\u00e4user die Bezeichnung Nikolauskai.\u201c<\/p>\n<p>Der Nikolaiplatz und der falsche Namenspatron Otto Nicolai<\/p>\n<p>1 \/ 6<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/1785073331_189_kein Titel.webp\" alt=\"Christian Weniger mit Lilly und Stadthistoriker Karl Kubinzky beim Nikolaus-Denkmal\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\" class=\"image-swiper-img\"\/>Christian Weniger mit Lilly und Stadthistoriker Karl Kubinzky beim Nikolaus-Denkmal \u00a9 Klz \/ Stefan Pajman<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-paragraph klz-text-copy\" data-testid=\"article-paragraph\">Verweilen wir noch einen Moment bei der Geschichte, f\u00fcr die es auch einmal den Versuch der Deutung einer anderen Herkunft gab, wie uns Kubinzky mit breitem L\u00e4cheln verr\u00e4t. \u201eWeil das Konservatorium mit seinem Haupteingang die Adresse Nikolaigasse hat, wurde behauptet, der Nikolaiplatz sei eigentlich nach dem Komponisten Otto Nicolai benannt, aber diese Deutung hielt nicht.\u201c Otto Nicolai, geboren in K\u00f6nigsberg, der heutigen russischen Enklave Kaliningrad, hielt sich Jahre in Wien auf. Mit seinen philharmonischen\u00a0Konzerten (die erste \u201ePhilharmonische Academie\u201c dirigierte er 1842) gilt er als Gr\u00fcnder der Wiener Philharmoniker. Alles wunderbar \u2013 nur mit dem Nikolaiplatz hat Otto Nicolai nichts zu tun. <\/p>\n<p class=\"klz-story-element-paragraph klz-text-copy\" data-testid=\"article-paragraph\">Noch ein kurzer Blick auf das so modern aussehende Konservatorium: Urspr\u00fcnglich stammte dessen Geb\u00e4ude aus den Jahren um 1840, beheimatete vor dem Konservatorium das Staatsgymnasium, wurde jedoch im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerst\u00f6rt und schlie\u00dflich wieder aufgebaut. Der Nordwesttrakt zeigt noch die Fassade von einst und steht unter Denkmalschutz.<\/p>\n<p>Das Nikolaus-Denkmal wurde 1995 aufgestellt<\/p>\n<p>1 \/ 3<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Graz historisch Nikolaiplatz.webp\" alt=\"Das Zentral-Geb\u00e4ude der Kolonialimportgesellschaft, historische Adresse Grieskai 22 (heute Nikolaiplatz)\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\" class=\"image-swiper-img\"\/>Das Zentral-Geb\u00e4ude der Kolonialimportgesellschaft, historische Adresse Grieskai 22 (heute Nikolaiplatz) \u00a9 Sammlung Kubinzky<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-paragraph klz-text-copy\" data-testid=\"article-paragraph\">Nicht unter Denkmalschutz hingegen steht das Nikolaus-Denkmal. Das stammt aus j\u00fcngerer Zeit, geschaffen vom Grazer Bildhauer und Objektk\u00fcnstler Bernt Preisegger. \u201eDie Statue wurde am 6. Dezember 1995 eingeweiht, ich war dabei, es war ein verregneter, kalter Dezembernachmittag, etliche Nikol\u00e4use versammelten sich um das Standbild\u201c, erinnert sich Kubinzky und erinnert daran, dass es schon vorher eine alte S\u00e4ule mit dem heiligen Nikolaus gab: \u201eDiese wurde durch eine Bombe im Krieg besch\u00e4digt. Die Reste dieser Heiligens\u00e4ule liegen im Keller des Graz Museums.\u201c Im \u201eKeller\u201c des Nikolaisplatzes gibt es eine Tiefgarage, die in j\u00fcngerer Zeit errichtet wurde. <\/p>\n<p class=\"klz-story-element-paragraph klz-text-copy\" data-testid=\"article-paragraph\">Der Nikolaiplatz bietet nicht nur einen feinen Ausblick auf Schlo\u00dfberg und Altstadt, sondern hat auch selbst\u00a0etwas f\u00fcr Blicke zu bieten. Wie das barocke H\u00e4uschen auf Nummer 1, das mit 1740 datiert wird. Der Kern des renovierten Baus daneben reicht gleichfalls in das 18. Jahrhundert zur\u00fcck. Eine besondere Adresse stellt der Nikolaiplatz 3 dar. Es ist quasi ein Regierungssitz. Das B\u00fcrohaus mit sichtbaren Spuren der Wiener Werkst\u00e4tten auf der Fassade wurde zwischen 1921 und 1923 in Stahlkonstruktion errichtet. \u201eSeinerzeit mit Adresse Grieskai 22 war es das Zentral-Geb\u00e4ude der Kolonial-Import-Gesellschaft\u201c, wei\u00df der Stadthistoriker. Heute amtiert hier das Wirtschaftsressort des Landes mit zust\u00e4ndigem Landesregierungsmitglied. <\/p>\n<p>Wo sich Alt und Neu harmonisch die H\u00e4nde reichen<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-paragraph klz-text-copy\" data-testid=\"article-paragraph\">Der Altstadt-Experte Peter Laukhardt erinnert an den Schuppen, der beim Bau der Tiefgarage einst\u00fcrzte. Heute steht auf dieser Fl\u00e4che ein moderner B\u00fcrobau. Fotos von einst zeigen auch, dass sich bei diesem Platz auch eine Tankstelle befand. Sp\u00e4tbiedermeier bietet das Haus auf Nummer 6 und wo auf Nummer 4 das ehemalige Gasthaus \u201eSandwirt\u201c seine G\u00e4ste mit Speis und Trank versorgte, wurde ein langgestreckter Bau mit Fassade, die nicht an einst erinnert.<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-paragraph klz-text-copy\" data-testid=\"article-paragraph\">Auf dem Nikolaiplatz und der Nikolaigasse reichen sich Alt und Neu harmonisch die H\u00e4nde, das nette Caf\u00e9 \u201eOmas Teekanne\u201c l\u00e4dt zum Verweilen ein und man kann sich gewiss sein \u2013 t\u00e4glich gr\u00fc\u00dft hier der Nikolaus. Auch wenn Lilly den steinernen Heiligen misstrauisch be\u00e4ugt, schlie\u00dflich scheint sie doch Gefallen an ihm zu finden und l\u00e4sst sich gem\u00fctlich nieder.<\/p>\n<p>Das Buch zur Serie<\/p>\n<p class=\"klz-story-element-paragraph klz-text-copy\" data-testid=\"article-paragraph\">Christian Wenigers historische Erkundungstouren mit Lillys Vorg\u00e4ngerin Paula sind in zwei B\u00fcchern erschienen. Zuletzt: \u201eNeue Grazer Spazierg\u00e4nge mit Paula\u201c, Kleine Zeitung Edition, 160 Seiten, 18,90 Euro. Auf <a href=\"https:\/\/shop.kleinezeitung.at\/produkt\/neue-grazer-spaziergaenge-mit-paula\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">shop.kleinezeitung.at<\/a> und im Buchhandel.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/neue-grazer-spaziergaenge-mit-paula.jpg\" alt=\"\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"  class=\"inline-block max-h-[600px] max-w-full h-auto w-auto object-contain\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wenn der Sommer ins Schwitzen kommt, sucht man gerne Fleckchen in der N\u00e4he von Wasser auf. 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