{"id":298145,"date":"2026-07-27T16:52:09","date_gmt":"2026-07-27T16:52:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/298145\/"},"modified":"2026-07-27T16:52:09","modified_gmt":"2026-07-27T16:52:09","slug":"entscheidung-gegen-fachgremium-unesco-streicht-wien-nach-neun-jahren-von-der-roten-liste-leadersnet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/298145\/","title":{"rendered":"Entscheidung gegen Fachgremium &#8211; UNESCO streicht Wien nach neun Jahren von der Roten Liste \u00bb Leadersnet"},"content":{"rendered":"<p>Der Beschluss des Welterbekomitees beendet eine seit 2017 andauernde Zitterpartie rund um die Wiener Innenstadt. M\u00f6glich wurde die Streichung trotz gegenteiliger Empfehlung der UNESCO-Fachgremien und nach jahrelangem Streit um das Heumarkt-Projekt.<\/p>\n<p>Die rote Liste der UNESCO gilt als eine Art Warnsignal. Auf ihr landen jene Welterbest\u00e4tten, deren Substanz oder deren bauliches Umfeld nach Einsch\u00e4tzung der Organisation so stark bedroht sind, dass im \u00e4u\u00dfersten Fall der Welterbe-Status selbst auf dem Spiel steht. Das Historische Zentrum von Wien war bereits seit 2017 \u2013 und damit neun Jahre lang \u2013 dort verzeichnet. Ausschlaggebend daf\u00fcr waren die Hochhauspl\u00e4ne am Heumarkt, in denen die Welterbesch\u00fctzer:innen eine Beeintr\u00e4chtigung des historischen Stadtbildes sahen.<\/p>\n<p>Seit Montag ist die Wiener Innenstadt nun von dieser Liste gestrichen. Beschlossen hat das das Welterbekomitee im Zuge seiner 48. Tagung im s\u00fcdkoreanischen Busan nach rund eineinhalbst\u00fcndiger Debatte \u2013 und zwar entgegen dem Votum der eigenen Fachebene.<\/p>\n<p>Komitee entschied gegen das eigene Fachgremium<\/p>\n<p>Der Internationale Rat f\u00fcr Denkmalpflege (ICOMOS), der die UNESCO fachlich ber\u00e4t, hatte im Vorfeld der Sitzung per &#8222;Draft Decision&#8220; empfohlen, Wien weiterhin als gef\u00e4hrdet einzustufen. Zu entscheiden hatten dar\u00fcber allerdings nicht die Fachgremien, sondern die 21 Mitgliedsstaaten im Welterbekomitee. Um deren Stimmen hatten Bund und Stadt Wien hinter den Kulissen diplomatisch geworben, und in Busan ging die Rechnung auf: Unterst\u00fctzung kam unter anderem aus der Ukraine und aus Bangladesch, die Schweiz und Grenada gingen dagegen auf Distanz.<\/p>\n<p>Kritik kam von der UNESCO selbst. Es sei das erste Mal in der Geschichte der Konvention, dass sich das Komitee bei einer Streichung \u00fcber das Sekretariat und die beratenden Gremien hinwegsetze, erkl\u00e4rte Welterbedirektor Lazare Eloundou Assomo. Die Umsetzung der Entscheidung bezeichnete er als &#8222;sehr, sehr schwierig, ja fast unm\u00f6glich&#8220;, Unterst\u00fctzung sagte die Organisation dennoch zu.<\/p>\n<p>Beim Heumarkt bleibt die UVP offen<\/p>\n<p>Das Bauvorhaben von Michael Tojner (das LEADERSNET-Interview lesen Sie <a href=\"https:\/\/www.leadersnet.at\/news\/100512,grosse-technologien-entstehen-nicht-ohne-risiko.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">hier<\/a>) und seiner WertInvest am Wiener Heumarkt hat seit dem ersten Entwurf mehrere Anl\u00e4ufe hinter sich: Urspr\u00fcnglich waren maximal 73 Meter H\u00f6he vorgesehen, nach mehrfacher Redimensionierung sind es in der 2023 pr\u00e4sentierten Fassung noch 49,95 Meter. Bevor gebaut werden darf, steht f\u00fcr diese Fassung noch die Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung an. Eine dagegen eingebrachte au\u00dferordentliche Revision blieb beim Verwaltungsgerichtshof (VwGH) zuletzt erfolglos.<\/p>\n<p>Bei WertInvest wertet man den Beschluss aus Busan als R\u00fcckenwind f\u00fcr das weitere Verfahren. M\u00f6glich geworden sei die Streichung durch das gemeinsame Vorgehen von Au\u00dfen- und Kulturministerium sowie der Stadt Wien, hei\u00dft es aus dem Unternehmen. &#8222;Ich bin sehr stolz, dass die UNESCO Mitgliedsstaaten nach neun Jahren und mehreren Adaptierungen heute einstimmig f\u00fcr das Projekt Heumarkt entschieden haben&#8220;, so Tojner in einer Aussendung. &#8222;Es soll die Stadt bereichern und einen neuen Treffpunkt f\u00fcr die Wiener:innen und Menschen aus aller Welt schaffen. Wir werden nun nach finaler Genehmigung des Projektes den Neubau des Hotel Intercontinental realisieren, den Wiener Eislaufverein zukunftssicher aufstellen und f\u00fcr das Wiener Konzerthaus v\u00f6llig neue Perspektiven schaffen. F\u00fcr alle drei Institutionen ist das eine unbeschreibliche Erleichterung. Die formalen Schritte werden aber nat\u00fcrlich einige Zeit in Anspruch nehmen.&#8220;<\/p>\n<p>Daniela Enzi, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der WertInvest Hotelbetriebs GmbH, sieht dem Beh\u00f6rdenverfahren gelassen entgegen. &#8222;Wir sehen es als positives Signal, dass der VwGH entschieden hat, f\u00fcr die finale Umsetzung eine vereinfachte Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung (UVP) durchzuf\u00fchren. Das UVP-Verfahren ist f\u00fcr uns keine H\u00fcrde, sondern die Chance auf maximale Transparenz und abschlie\u00dfende Rechtssicherheit&#8220;, sagte sie. &#8222;Mit der Entscheidung des Welterbe-Komitees in Busan ist heute eindeutig gekl\u00e4rt worden, dass das vorgelegte Projekt welterbekonform ist.&#8220;<\/p>\n<p>Politik reagierte mit Lob und mit Vorbehalten<\/p>\n<p>B\u00fcrgermeister Michael Ludwig (SP\u00d6) f\u00fchrte das Ergebnis der UNESCO auf die Vorarbeit der Stadt zur\u00fcck und dankte in einer entsprechenden Aussendung der Wiener Delegation rund um Welterbe-Beauftragten Ernst Woller und Planungsausschuss-Vorsitzenden Omar Al-Rawi: &#8222;Wien hat in den vergangenen Jahren gro\u00dfe Anstrengungen unternommen, um das historische Zentrum als UNESCO-Welterbe zu sch\u00fctzen und zugleich eine verantwortungsvolle Weiterentwicklung unserer Stadt zu erm\u00f6glichen. Von daher ist die heutige Entscheidung nur zu begr\u00fc\u00dfen. Damit ist sichergestellt, dass alle k\u00fcnftigen L\u00f6sungen im Rahmen der Stadtentwicklung den Wiener:innen zugutekommen.&#8220;<\/p>\n<p>Aus den Reihen des Koalitionspartners NEOS kam ebenfalls Zustimmung. &#8222;Unser Ziel war immer klar: Stadtentwicklung und Welterbeschutz sind kein Widerspruch und m\u00fcssen Hand in Hand gehen&#8220;, so Klubobfrau Selma Arapovi\u0107. Auch die Gr\u00fcne Gemeinder\u00e4tin Jennifer Kickert zeigte sich &#8222;durchaus zufrieden&#8220;, mahnte aber die weitere Umsetzung ein: &#8222;Die offenen Aufgaben m\u00fcssen ernsthaft angegangen werden, damit die Innere Stadt ihre einzigartige Bausubstanz erh\u00e4lt und auch weiterhin Welterbestadt bleibt.&#8220;<\/p>\n<p>Deutlich kritischere Stimmen kamen von \u00d6VP und FP\u00d6. &#8222;Nach jahrelangem Druck wurde Wien endlich von der Roten Liste genommen. Gleichzeitig bleiben aber wichtige Hausaufgaben offen&#8220;, kommentierte Markus Figl, Landesparteiobmann der Wiener Volkspartei und Bezirksvorsteher der Inneren Stadt. Aus Sicht der \u00d6VP ist die Stadt durch den Umgang der SP\u00d6-NEOS-Stadtregierung mit dem Bauvorhaben und den UNESCO-Vorgaben \u00fcberhaupt erst in diese Situation geraten. &#8222;Die R\u00fccknahme von der Roten Liste ist kein Freibrief. Der Schutz unseres historischen Stadtbildes endet nicht mit dieser Entscheidung&#8220;, hielten Figl und Planungssprecherin Elisabeth Olischar fest. Die FP\u00d6 Wien wiederum nahm die Stadtregierung direkt ins Visier. &#8222;Die rot-pinke Stadtregierung setzt alles daran, dass &#8218;ihre Milliard\u00e4rs-Freunde&#8216; noch reicher werden, w\u00e4hrend die Wiener:innen mit den negativen Folgen leben m\u00fcssen. Das historische Stadtbild und der Charakter der Wiener Innenstadt d\u00fcrfen nicht f\u00fcr einzelne Investoren geopfert werden&#8220;, so der Planungssprecher der Wiener FP\u00d6, Toni Mahdalik.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wien.gv.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">www.wien.gv.at<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.unesco.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">www.unesco.at<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Beschluss des Welterbekomitees beendet eine seit 2017 andauernde Zitterpartie rund um die Wiener Innenstadt. 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