{"id":301076,"date":"2026-07-29T05:25:10","date_gmt":"2026-07-29T05:25:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/301076\/"},"modified":"2026-07-29T05:25:10","modified_gmt":"2026-07-29T05:25:10","slug":"biber-schuetzen-europa-vor-waldbraenden-und-beleben-verbrannte-landschaften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/301076\/","title":{"rendered":"Biber sch\u00fctzen Europa vor Waldbr\u00e4nden und beleben verbrannte Landschaften"},"content":{"rendered":"<p>Br\u00fctende Hitzewellen und kaum Regen haben in Teilen Frankreichs und Spaniens historische Waldbr\u00e4nde entfacht, die bislang kaum nachlassen.<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>Hunderttausende Menschen mussten ihre H\u00e4user verlassen \u2013 eine der gr\u00f6\u00dften Evakuierungsaktionen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Kommission hat ihr Notfallreaktionssystem aktiviert, um die beiden L\u00e4nder zu unterst\u00fctzen. Bilder von dichten Rauchschwaden und unkontrollierbaren Flammen zeigen, wie gro\u00df die Verw\u00fcstungen bereits sind.<\/p>\n<p>Doch die L\u00f6schkapazit\u00e4ten der EU kommen mit der zunehmenden Intensit\u00e4t der Br\u00e4nde kaum hinterher. In Spanien sind schon mehr als 80.000 Hektar verbrannt, in Frankreich rund 42.000 Hektar.<\/p>\n<p>Gestern, am 27. Juli, erreichte ein Feuer in Frankreich eine solche Wucht, dass seine eigene Rauchwolke ein Gewitter bildete. Die Blitze schlugen in den Boden und entz\u00fcndeten neue Br\u00e4nde au\u00dferhalb des urspr\u00fcnglichen Brandherds. Die Gewitterwolke brachte zudem \u201eheftige, unberechenbare Winde\u201c hervor, die das Feuer in neue Richtungen trieben, meldete die Nachrichtenagentur AP.<\/p>\n<p>Wie extreme Hitze Waldbr\u00e4nde anheizt<\/p>\n<p>Die Sorge vor neuen Feuerausbr\u00fcchen w\u00e4chst, denn gro\u00dfe Teile Europas stellen sich auf noch mehr <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/07\/28\/europa-droht-august-warmer-als-ublich-was-treibt-die-extreme-hitze\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">extreme Hitze<\/a> ein.<\/p>\n<p>Schon wenige Tage mit sehr hohen Temperaturen erh\u00f6hen das Waldbrandrisiko. Aus Gras, Str\u00e4uchern und anderer Vegetation verdunstet Feuchtigkeit, sie trocknen aus und lassen sich leichter entz\u00fcnden.<\/p>\n<p>Ist die Vegetation erst einmal ausged\u00f6rrt, reicht ein kleiner Funke \u2013 etwa von einem Grill oder einer weggeworfenen Zigarette \u2013 und ein gro\u00dfes Feuer kann entstehen, das sich rasch ausbreitet.<\/p>\n<p>Von <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/07\/23\/europa-trocknet-aus-hitze-statt-regenmangel-treibt-durren\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hitzewellen getriebene D\u00fcrren<\/a> lassen B\u00f6den zus\u00e4tzlich austrocknen. Das verst\u00e4rkt das Problem und macht Br\u00e4nde schwerer zu l\u00f6schen.<\/p>\n<p>Doch ein Tier, das fr\u00fcher wegen seines Fleisches stark bejagt und vielerorts als Plage angesehen wurde, k\u00f6nnte sich als geheime Waffe gegen diese t\u00f6dlichen Feuer erweisen.<\/p>\n<p>K\u00f6nnen Biber Waldbr\u00e4nde bremsen?<\/p>\n<p>Im Herbst 2020 brach in den von D\u00fcrre gezeichneten W\u00e4ldern Colorados ein Feuer aus. Angetrieben von starken Winden fra\u00df sich der Brand durch den Rocky-Mountain-Nationalpark, blockierte wichtige Stra\u00dfen, zerst\u00f6rte Hunderte H\u00e4user und legte die Region unter eine dichte Rauchglocke.<\/p>\n<p>Das Feuer mit dem Namen East Troublesome verw\u00fcstete fast 200.000 Acres Land und geh\u00f6rte damit zu den gr\u00f6\u00dften Br\u00e4nden in der Geschichte des Bundesstaates. Zwei Menschen kamen ums Leben.<\/p>\n<p>Luftaufnahmen nach dem Brand zeigten gro\u00dfe Waldfl\u00e4chen, die nur noch aus Asche bestanden. Mitten in der Zerst\u00f6rung lag jedoch eine gr\u00fcne Oase, die den Flammen entkam \u2013 dank des unscheinbaren <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/03\/03\/wie-tiere-heimlich-das-klima-retten-von-co2-speichernden-tigern-bis-zu-biber-staudammen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bibers<\/a>.<\/p>\n<p>Biber bauen D\u00e4mme, graben Kan\u00e4le und verwandeln kleine B\u00e4che in ausgedehnte Feuchtgebiete. So bleiben Pflanzen auch in langen D\u00fcrrephasen saftig und gr\u00fcn.<\/p>\n<p>Entsteht ein Waldbrand, lassen sich die gr\u00fcnen Pflanzen rund um die Biberteiche deutlich schwerer entz\u00fcnden als ausged\u00f6rrte Fl\u00e4chen.<\/p>\n<p>Fachleute sagen, dass sich Feuer meist den Weg des geringsten Widerstands suchen. Sie brennen durch trockene Vegetation fern der Biberteiche, statt sich durch nasse Bereiche zu fressen.<\/p>\n<p>So entstehen sichere R\u00fcckzugsr\u00e4ume f\u00fcr Tiere, die einem Feuer kaum entkommen k\u00f6nnen \u2013 etwa Fr\u00f6sche, kleine S\u00e4ugetiere oder Fische.<\/p>\n<p>Eine Studie aus dem Jahr 2020 mit dem treffenden Titel <a href=\"https:\/\/esajournals.onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1002\/eap.2225\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Smokey the Beaver (Quelle auf Englisch)<\/a> nutzte Vegetationsdaten von f\u00fcnf gro\u00dfen Waldbr\u00e4nden im Westen der USA. Sie untersuchte, wie wirksam Biber klimaresiliente Landschaften schaffen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Ergebnis: Von Bibern gestauten Flusskorridoren setzen Br\u00e4nde \u201erelativ wenig\u201c zu im Vergleich zu Regionen ohne Biber. Im Schnitt verschlechterte sich der Zustand der Pflanzen in Gebieten ohne Biber w\u00e4hrend der Feuer etwa dreimal so stark wie in Gebieten mit Bibern.<\/p>\n<p>Eine sp\u00e4tere Studie, die im vergangenen Jahr in der National Library of Medicine erschien, modellierte die m\u00f6glichen Effekte von Bibern in der Sierra Nevada in Kalifornien \u2013 einer Region mit hohem D\u00fcrre- und Brandrisiko.<\/p>\n<p>Demnach ist in der Region noch 51 Prozent der fr\u00fcheren Biber-Damm-Baukapazit\u00e4t vorhanden. In allen Einzugsgebieten, also den Landfl\u00e4chen, die Regen und Schmelzwasser in ein gemeinsames Gew\u00e4sser leiten, besteht \u201eerhebliche\u201c Dammkapazit\u00e4t. Solche Einzugsgebiete wirken im Grunde wie riesige Trichter.<\/p>\n<p>Die Studie sch\u00e4tzt \u201evorsichtig\u201c, dass Biberbauten insgesamt bis zu 120 Millionen Kubikmeter Oberfl\u00e4chenwasser speichern und in <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/07\/28\/waldbraende-frankreich-spanien-hitze\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gebieten mit hohem Brandrisiko<\/a> rund 2.200 Quadratkilometer feuerresistente Landschaft schaffen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>\u201eZudem liegen viele Gew\u00e4sserl\u00e4ufe, in denen Biber aufgrund der Landschaftsform und der Lebensr\u00e4ume besonders gro\u00dfe Vorteile f\u00fcr Wasserhaushalt und Brandschutz bringen k\u00f6nnten, in Einzugsgebieten mit hohem D\u00fcrre- und Feuerrisiko\u201c, hei\u00dft es in der Studie.<\/p>\n<p>\u201eSelbst in Regionen, in denen Feuer und D\u00fcrre weniger wahrscheinlich sind, d\u00fcrfte die Wiederansiedlung von Bibern \u00e4hnliche Vorteile bringen.\u201c<\/p>\n<p>K\u00f6nnen Biber Brandnarben nach Waldbr\u00e4nden heilen?<\/p>\n<p>Nach Untersuchungen zur Rolle der Biber bei der Eind\u00e4mmung von Br\u00e4nden wollten Forschende wissen, ob die halbaquatischen Nager auch zerst\u00f6rte Landschaften nach einem Feuer wiederherstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr zogen Teams in die Berge westlich von Fort Collins in Colorado. Dort errichteten sie <a href=\"https:\/\/phys.org\/news\/2025-12-beavers-scars-wildfires.html#google%5Fvignette\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">k\u00fcnstliche Biberd\u00e4mme (Quelle auf Englisch)<\/a> in sogenannten Burn Scars \u2013 den verkohlten Fl\u00e4chen nach einem Feuer \u2013, um zu erforschen, wie sich durch D\u00e4mme entstandene Feuchtgebiete auf die Erholung der \u00d6kosysteme und die Wasserqualit\u00e4t auswirken.<\/p>\n<p>\u201eDas ist f\u00fcr uns in dieser Form eine v\u00f6llig neue Welt\u201c, sagt der leitende Forscher Tim Fegel, Doktorand an der Colorado State University.<\/p>\n<p>Waldbr\u00e4nde destabilisieren B\u00f6den und verringern ihre F\u00e4higkeit, Regen und Schmelzwasser aufzunehmen. Die Folge sind st\u00e4rkerer Oberfl\u00e4chenabfluss und ein h\u00f6heres \u00dcberschwemmungsrisiko. Flie\u00dft viel Wasser und fehlen Pflanzenwurzeln, die den Boden festhalten, gelangen mehr Sedimente und Tr\u00fcmmer flussabw\u00e4rts und verschlechtern Wasserqualit\u00e4t und Trinkwasseraufbereitung.<\/p>\n<p>Die Forschenden hoffen, dass k\u00fcnstliche Biberd\u00e4mme den Wasserfluss bremsen und das Wasser statt in einem Kanal \u00fcber die ganze Aue verteilen. Wo Hindernisse das Wasser verlangsamen, sinken Sedimente auf den Grund des Flussbetts, statt weiter talabw\u00e4rts gesp\u00fclt zu werden.<\/p>\n<p>Fegel untersucht zudem, ob langsam flie\u00dfendes Wasser, das sich in der Aue ausbreitet, mehr Kohlenstoff und Stickstoff im Oberlauf des Systems festh\u00e4lt. So w\u00fcrden die Stoffe nicht in Unterl\u00e4ufe gelangen, wo sie aquatische \u00d6kosysteme st\u00f6ren oder <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/02\/23\/ostsee-erholt-sich-kaum-nicht-nur-wegen-der-klimakrise\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Algenbl\u00fcten<\/a> ausl\u00f6sen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Biberd\u00e4mme die Wasserqualit\u00e4t verbessern. Das Team pr\u00fcft nun, ob sich der Ansatz auch in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfstab praktisch umsetzen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Europas Biber-Boom<\/p>\n<p>Einst fast ausgerottet, haben <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2025\/03\/01\/okosystem-techniker-wo-biber-kostenlos-damme-bauen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Biber<\/a> dank strengerer Schutzgesetze und intensiver Naturschutzarbeit in den vergangenen Jahren ein beeindruckendes Comeback geschafft.<\/p>\n<p>Zwischen 1960 und 2016 stieg die Zahl der europ\u00e4ischen Biber (ohne Russland) um erstaunliche 16.000 Prozent. Heute leben mehr als 1,2 Millionen Tiere auf dem Kontinent.<\/p>\n<p>Die Nager breiten sich zudem weiter aus als je zuvor. Ihr Verbreitungsgebiet wuchs zwischen 1955 und 2020 um rund 835 Prozent. Damit entstehen \u00fcberall in Europa zus\u00e4tzliche nat\u00fcrliche Feuerschneisen \u2013 neben anderen Vorteilen wie Hochwasserschutz und saubererem Wasser.<\/p>\n<p>2023 wurden Biber im Cairngorms-Nationalpark in Schottland angesiedelt, der derzeit wegen eines laufenden Brandes f\u00fcr Touristinnen und Touristen geschlossen ist.<\/p>\n<p>\u201eAngesichts von Waldbr\u00e4nden, die infolge des Klimawandels immer h\u00e4ufiger und heftiger werden, darf man den Wert von Biberlandschaften nicht untersch\u00e4tzen\u201c, erkl\u00e4rt <a href=\"https:\/\/rewildingeurope.com\/blog\/beaver-benefits\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Rewilding Europe (Quelle auf Englisch)<\/a>. \u201eWie ein weiser Mann einmal sagte: \u201aWasser brennt nicht!\u2018\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Br\u00fctende Hitzewellen und kaum Regen haben in Teilen Frankreichs und Spaniens historische Waldbr\u00e4nde entfacht, die bislang kaum nachlassen.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":301077,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[3],"tags":[76,75,74,41319,1332,13460,13461],"class_list":["post-301076","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-europa","tag-eu","tag-europa","tag-europe","tag-hitzewelle","tag-tiere","tag-waelder","tag-wetterextreme"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/117001606613126995","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/301076","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=301076"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/301076\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/301077"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=301076"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=301076"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=301076"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}