{"id":303838,"date":"2026-07-30T12:07:20","date_gmt":"2026-07-30T12:07:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/303838\/"},"modified":"2026-07-30T12:07:20","modified_gmt":"2026-07-30T12:07:20","slug":"wanderndes-schwarzes-loch-zerreisst-stern-am-rand-einer-galaxie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/303838\/","title":{"rendered":"Wanderndes Schwarzes Loch zerrei\u00dft Stern am Rand einer Galaxie"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"article-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/wanderndes-schwarzes-loch-zerreisst-stern-am-rand-einer-galaxie.jpg\"   alt=\"Wanderndes Schwarzes Loch zerrei\u00dft Stern am Rand einer Galaxie\" fetchpriority=\"high\"\/><\/p>\n<p>\n\t\t\t\t\t\t\t(Symbolbild). Ein Schwarzes Loch von etwa einer Million Sonnenmassen hat sich weit au\u00dferhalb des Zentrums seiner Wirtsgalaxie bemerkbar gemacht, indem es einen vorbeiziehenden Stern auseinanderriss. Der dabei entstandene Lichtausbruch war \u00fcber Monate hinweg heller als das gesamte Sternsystem, in dem er stattfand. Solche Objekte gelten als \u00dcberbleibsel fr\u00fcherer Galaxienverschmelzungen und bleiben normalerweise vollst\u00e4ndig unsichtbar. Erst ein maschineller Klassifikator machte den Fund in den Daten einer n\u00e4chtlichen Himmelsdurchmusterung m\u00f6glich.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t(Foto: \u00a9\u00a0Forschung und Wissen)<\/p>\n<p>Am Rand einer rund 750 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie hat ein kurzer Lichtausbruch ein Objekt verraten, das dort nach g\u00e4ngiger Lehrmeinung gar nicht sitzen d\u00fcrfte. Ein Algorithmus fischte das Signal aus etwa einer halben Million n\u00e4chtlicher Helligkeits\u00e4nderungen heraus. Messungen im Ultraviolett ergaben eine Temperatur um 30.000 Grad Celsius und eine Leuchtkraft, die monatelang die komplette Wirtsgalaxie \u00fcbertraf. Die Auswertung ordnet den Ausbruch einer Objektklasse zu, von der bislang nur eine Handvoll best\u00e4tigter F\u00e4lle existiert.<\/p>\n<p>Im Zentrum nahezu jeder gr\u00f6\u00dferen Galaxie sitzt ein supermassereiches Schwarzes Loch mit Millionen bis Milliarden Sonnenmassen. Es bleibt f\u00fcr Teleskope vollst\u00e4ndig unsichtbar, solange kein Material in seine N\u00e4he ger\u00e4t. Kommt ein Stern der Masse jedoch zu nahe, \u00fcberwiegen die Gezeitenkr\u00e4fte die Eigengravitation des Sterns, und das Gas wird zu einem langen Strom auseinandergezogen. Ein Teil dieses Materials sammelt sich in einer hei\u00dfen Akkretionsscheibe und strahlt f\u00fcr Wochen bis Monate im ultravioletten, optischen und weichen R\u00f6ntgenbereich. Astronomen bezeichnen diesen Vorgang als Tidal Disruption Event. In einer einzelnen Galaxie tritt ein solches Ereignis im Mittel nur etwa alle 100.000 Jahre auf, weshalb Durchmusterungen Millionen von Galaxien gleichzeitig \u00fcberwachen m\u00fcssen. Weltweit werden derzeit rund 30 solcher Ausbr\u00fcche pro Jahr registriert, fast ausnahmslos im Kern der jeweiligen Galaxie. F\u00fcr die Erforschung <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/thema\/schwarzes-loch\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Schwarzer L\u00f6cher<\/a> sind sie damit eines der wenigen verf\u00fcgbaren Fenster, das sich \u00fcberhaupt \u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Nicht jedes massereiche Schwarze Loch bleibt jedoch dort, wo es entstanden ist. Nach dem g\u00e4ngigen Modell wachsen Galaxien, indem sie kleinere Systeme aufnehmen. Bei einer solchen Galaxienverschmelzung treiben auch die zentralen Schwarzen L\u00f6cher aufeinander zu, doch nicht jedes erreicht den neuen gemeinsamen Kern. Manche bleiben in den Au\u00dfenbezirken zur\u00fcck, andere werden durch das Wechselspiel dreier Massen nach au\u00dfen geschleudert. Rechnungen sagen deshalb voraus, dass gro\u00dfe Galaxien mehrere solcher versprengten Objekte beherbergen. Nachweisen lie\u00df sich das bislang kaum, denn ein Schwarzes Loch ohne Gaszufuhr verr\u00e4t sich weder durch Strahlung noch durch einen umlaufenden Begleitstern. Bis 2024 wurden Sternzerrei\u00dfungen ausschlie\u00dflich in Galaxienkernen registriert, was auch daran lag, dass die Suchprogramme gezielt dort ansetzten. Ein erster Fund in 2.600 Lichtjahren Abstand vom Zentrum \u00e4nderte diese Perspektive und lieferte den Ansto\u00df, systematisch au\u00dferhalb der Kerne zu suchen.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\tEin Ausbruch 30.000 Lichtjahre neben dem Galaxienkern<\/p>\n<p>Das Ereignis mit der Bezeichnung TDE 2025abcr fiel im November 2025 in den Daten der automatisierten Himmelsdurchmusterung Zwicky Transient Facility am Palomar-Observatorium in Kalifornien auf. Auff\u00e4llig war weniger die Helligkeit als die Position. Der Ausbruch sa\u00df nicht im Kern seiner Wirtsgalaxie, sondern mehr als 30.000 Lichtjahre daneben, was einem projizierten Abstand von etwa 9,1 Kiloparsec entspricht. Die Galaxie mit der Katalogbezeichnung WISEA J014656.04-152214.7 liegt rund 750 Millionen Lichtjahre entfernt im Sternbild Walfisch. Kein zuvor optisch entdecktes Tidal Disruption Event lag jemals so weit vom Zentrum entfernt. Die von Robert Stein geleitete <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/iopscience.iop.org\/article\/10.3847\/2041-8213\/ae77f3\">Analyse im Astrophysical Journal Letters<\/a> ordnet den Ausbruch einem Objekt von etwa einer Million Sonnenmassen zu, das sich abseits des Galaxienkerns bewegt und dort auf Beutefang ging.<\/p>\n<p>Ein Algorithmus filtert eine halbe Million Signale pro Nacht<\/p>\n<p>Entdeckt wurde das Signal nicht von einem Menschen. Die Durchmusterung registriert jede Nacht rund eine halbe Million Helligkeits\u00e4nderungen am Himmel, eine Datenmenge, die sich manuell nicht mehr sichten l\u00e4sst. Das Team setzt deshalb einen maschinellen Klassifikator ein, der Lichtkurven allein anhand ihres zeitlichen Verlaufs bewertet. Entscheidend war eine scheinbar kleine Anpassung. Bisherige Suchen sortierten Kandidaten vorab aus, indem sie ausschlie\u00dflich Signale aus Galaxienkernen betrachteten. Die neue Variante verzichtet auf dieses Kriterium und beurteilt jedes Aufleuchten unabh\u00e4ngig von seiner Lage im Bild. Nachfolgende Spektren des SOAR-Teleskops in Chile zeigten breite Emissionslinien von Wasserstoff und Helium, ein Muster, das weder Supernovae noch aktive Galaxienkerne in dieser Form erzeugen. Dass Schwarze L\u00f6cher <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/nachrichten\/astronomie\/schwarze-loechern-zerreissen-sterne-oefter-als-angenommen-13378649\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sterne \u00f6fter zerrei\u00dfen als angenommen<\/a>, hatten bereits Infrarotdaten nahegelegt, doch erst die Positionsfreiheit der Suche machte den Fund weit au\u00dferhalb des Zentrums m\u00f6glich.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\tSwift misst 30.000 Grad Celsius im Ultraviolett<\/p>\n<p>F\u00fcr die entscheidende Best\u00e4tigung sorgte das Neil Gehrels Swift Observatory der NASA, dessen Ultraviolett- und Optikteleskop Wellenl\u00e4ngen erfasst, die vom Erdboden aus nicht messbar sind. Nach den <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/science.nasa.gov\/missions\/swift\/nasas-swift-sees-wandering-mega-black-hole-shredding-star\/\">Messungen des Swift Observatory<\/a> erreichte das aufgeheizte Gas eine Temperatur von etwa 30.000 Grad Celsius, wie sie f\u00fcr eine frisch entstandene Akkretionsscheibe erwartet wird. \u00dcber mehrere Monate \u00fcberstrahlte der Ausbruch im ultravioletten Licht die gesamte Wirtsgalaxie und entsprach zeitweise der Leuchtkraft von rund zehn Milliarden Sonnen. Erst die Kombination aus Spektrum, Temperatur und weicher R\u00f6ntgenstrahlung schloss alternative Erkl\u00e4rungen sicher aus. Bemerkenswert ist der Zeitpunkt der Beobachtung. Die Instrumente des 2004 gestarteten Satelliten sind derzeit vor\u00fcbergehend au\u00dfer Betrieb, weil seine Bahn nach mehr als zwei Jahrzehnten durch die Restatmosph\u00e4re abgesunken ist und im Sommer angehoben werden soll.<\/p>\n<p>Woher der Ausrei\u00dfer stammt<\/p>\n<p>Bleibt die Frage, wie ein derart massereiches Objekt \u00fcberhaupt an den Rand einer Galaxie ger\u00e4t. Die Autoren halten zwei Wege f\u00fcr plausibel, und beide f\u00fchren \u00fcber eine Galaxienverschmelzung. Im ersten Szenario sind drei oder mehr Systeme zusammengewachsen, und im gravitativen Tauziehen ihrer zentralen Massen wurde die leichteste nach au\u00dfen katapultiert. Im zweiten Szenario steckt eine Zwerggalaxie mitten im Einfall, und der zerrissene Stern stammte aus ihrem eigenen Bestand. F\u00fcr beide Varianten spricht der gro\u00dfe Massenunterschied, denn das wandernde Objekt bringt etwa eine Million Sonnenmassen auf die Waage, w\u00e4hrend der Kern der Wirtsgalaxie mehrere hundert Millionen Sonnenmassen erreicht. Wie h\u00e4ufig solche kosmischen Waisen tats\u00e4chlich sind, ist v\u00f6llig offen. Dass ein <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/nachrichten\/astronomie\/erstes-einsames-schwarzes-loch-ohne-nahen-stern-entdeckt-133710129\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">einsames Schwarzes Loch ohne nahen Begleitstern<\/a> nachweisbar ist, zeigte sich erst vor wenigen Jahren. Mit dem Vera C. Rubin Observatory und dem Nancy Grace Roman Space Telescope erwarten die Forscher k\u00fcnftig hunderte bis tausende solcher Ereignisse pro Jahr.<\/p>\n<p>The Astrophysical Journal Letters, TDE 2025abcr: A Tidal Disruption Event in the Outskirts of a Massive Galaxy; doi:10.3847\/2041-8213\/ae77f3<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"(Symbolbild). 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