{"id":30464,"date":"2026-03-07T06:39:10","date_gmt":"2026-03-07T06:39:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/30464\/"},"modified":"2026-03-07T06:39:10","modified_gmt":"2026-03-07T06:39:10","slug":"merkel-europa-muss-sein-schicksal-selbst-bestimmen-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/30464\/","title":{"rendered":"Merkel: Europa muss sein Schicksal selbst bestimmen &#8211; Politik"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">F\u00fcr dieses Abendessen haben zwei Menschen eine ganze Arbeitswoche lang das Silber des Hamburger Senats poliert, insgesamt 3400 Teile. Es gl\u00e4nzt nun im Licht der Kronleuchter als Besteck, Leuchter und Aufsatz auf den Festtafeln, die Tische sind mit 140 Kilo Tischdecken und Servietten sowie 3000 Porzellanteilen und 3425 Gl\u00e4sern eingedeckt. Dazwischen liegen aufwendige Blumenarrangements mit Zitronen, die G\u00e4ste tragen Abendrobe, ein Streichorchester spielt die Europahymne. Willkommen beim \u00e4ltesten noch gefeierten Festmahl der Welt, dem Matthiae-Mahl im Hamburger Rathaus. Mehr als 200 000 Euro kostet dieser Abend die Stadt <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Hamburg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hamburg<\/a>, ein Gro\u00dfteil entf\u00e4llt auf die Personalkosten f\u00fcr 80 Kellnerinnen und Kellner sowie 20 K\u00f6che und elf Reinigungskr\u00e4fte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/e04e739b-0767-411f-8061-bb68642c07b3.jpg\"   alt=\"Servicekr\u00e4fte kontrollieren die Wein- und Wassergl\u00e4ser auf den Tischen w\u00e4hrend der letzten Vorbereitungen f\u00fcr das traditionelle Matthiae-Mahl.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Servicekr\u00e4fte kontrollieren die Wein- und Wassergl\u00e4ser auf den Tischen w\u00e4hrend der letzten Vorbereitungen f\u00fcr das traditionelle Matthiae-Mahl. Marcus Brandt\/Marcus Brandt\/dpa<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Seit 1356 l\u00e4dt die Hansestadt im Februar \u201ewohlgesonnene M\u00e4chte\u201c in den Gro\u00dfen Festsaal im Rathaus ein. Oder, wie Hamburgs Erster B\u00fcrgermeister <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Peter_Tschentscher\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Peter Tschentscher<\/a> (<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/SPD\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">SPD<\/a>) sagte: \u201eFreunde und Partner.\u201c Damals im Sp\u00e4tmittelalter er\u00f6ffnete das Mahl den Beginn des Gesch\u00e4ftsjahres, heute kommen zu diesem Abend etwa 400 Menschen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur zusammen, um Kontakte zu pflegen, aber auch, um spektakul\u00e4r zu dinieren.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Der Ehrengast in diesem Jahr kennt die Location gut, es ist ihr dritter Besuch bei diesem prunkvollen Dinner in ihrer Geburtsstadt. Routiniert nickt <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Angela_Merkel\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Angela Merkel<\/a> freundlich in alle Richtungen in die Kameras, ist nach ihrer Ankunft sofort das Zentrum der Aufmerksamkeit. Seit vier Jahren ist die 71-J\u00e4hrige nicht mehr Kanzlerin, doch ihre Popularit\u00e4t ist ungebrochen. Am Mittwochabend hielt sie die Fastenpredigt in der traditionsreichen Abteikirche Maria Laach bei Koblenz, blickte selbstkritisch auf ihre Klimapolitik zur\u00fcck (\u201eEs war nicht genug\u201c), am Freitagabend ist sie Ehrengast in Hamburg. Der Abend steht unter der \u00dcberschrift: \u201eSouver\u00e4nit\u00e4t Europas in der geopolitischen Zeitenwende\u201c. Zweiter Ehrengast neben der CDU-Politikerin ist EU-Ratspr\u00e4sident Ant\u00f3nio Costa aus Portugal, die beiden begr\u00fc\u00dfen sich mit Wangenk\u00fcssen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/a746b2d1-f15e-4978-9d72-84db9daaef40.jpg\"   alt=\"Das Matthiae-Mahl im Gro\u00dfen Festsaal des Hamburger Rathauses ist das \u00e4lteste noch regelm\u00e4\u00dfig gefeierte Festmahl der Welt.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Das Matthiae-Mahl im Gro\u00dfen Festsaal des Hamburger Rathauses ist das \u00e4lteste noch regelm\u00e4\u00dfig gefeierte Festmahl der Welt. Fabian Bimmer\/REUTERS<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die Altkanzlerin tr\u00e4gt einen dunkelblauen schimmernden Hosenanzug mit gl\u00e4nzenden Satinkanten, eine schmale Perlenkette, der Henkel ihrer praktischen Lederhandtasche h\u00e4ngt verdreht \u00fcber ihrer Schulter. Bekannt ist, dass die Kanzlerin am liebsten Kartoffelsuppe isst. Angela Merkel war Prunk und Pomp nie wichtig, aber sie beherrscht den gro\u00dfen Auftritt wie keine andere deutsche Politikerin.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Ihre Rede zwischen Vorspeise und Hauptgang dauert 17 Minuten und wird ein so leidenschaftlicher wie k\u00e4mpferischer Appell an alle L\u00e4nder Europas angesichts der andauernden Kriege und Krisen zusammenzustehen und f\u00fcr mehr europ\u00e4ische Mitsprache beim Ukraine-Konflikt. \u201eEuropa muss sein Schicksal mehr denn je in die eigene Hand nehmen\u201c, forderte Merkel. Damit es mit einer Stimme in der Welt \u201ewahr- und ernstgenommen werde\u201c, m\u00fcsse Europa nach innen und au\u00dfen handlungsf\u00e4hig sein. Sie w\u00fcnsche sich ein starkes und sicheres Europa, das nach au\u00dfen geschlossen auftritt, ein Europa, das seine B\u00fcrger sch\u00fctzt, so Merkel.<\/p>\n<p>Merkel fordert Regulierung von US-Tech-Konzernen<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Es gehe ihr nicht nur um den Sicherheitsaspekt, sondern um das Eintreten f\u00fcr Demokratie, Rechtsstaat, Menschenw\u00fcrde, Wohlstand, Arbeitspl\u00e4tze, den Schutz der Au\u00dfengrenzen, der kulturellen Identit\u00e4t und der gemeinsamen Sch\u00f6pfung. Unabh\u00e4ngigkeit m\u00fcsse die EU auch dringend im digitalen Bereich erreichen. Das gelte sowohl f\u00fcr Soft- als auch Hardware, so Merkel. Die EU m\u00fcsse US-Tech-Konzerne regulieren, trotz Kritik der amerikanischen Regierung: \u201eNeue technische M\u00f6glichkeiten wie die sogenannten sozialen Medien sowie die Entwicklung im Bereich der KI f\u00fchren dazu, dass Wahrheiten L\u00fcgen und L\u00fcgen Wahrheiten genannt werden k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Auch ein Seitenhieb in Richtung Tschentscher? Der SPD-Politiker treibt die Einf\u00fchrung von Microsoft 365 in der \u00f6ffentlichen Verwaltung in Hamburg voran. In seiner Rede hatte Tschentscher zuvor die wirtschaftlichen Folgen der US-Zollpolitik von <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Donald_Trump\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Donald Trump<\/a> kritisiert. Tschentscher sagte, Hamburg liebe die Freihandelsabkommen der EU und internationalen Handel.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u201eWir haben lange den Frieden in Europa nicht hinterfragt\u201c, sagte Merkel, \u201ejetzt wurde die europ\u00e4ische Ordnung nach dem Zweiten Weltkrieg ersch\u00fcttert\u201c. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine erfordere, dass Europa noch enger zusammenstehe. Auch weil in der zweiten Amtszeit von US-Pr\u00e4sident Donald Trump amerikanische Interessen im Vordergrund st\u00fcnden und \u201eimmer mehr das Recht des St\u00e4rkeren, statt die St\u00e4rke des Rechts gilt\u201c.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Sie sei, so Merkel, schon 2021 der Meinung gewesen, dass man Treffen mit Russlands Pr\u00e4sident <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Wladimir_Putin\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wladimir Putin<\/a> nicht allein den USA \u00fcberlassen sollte; damals hatte sich Joe Biden mit Putin getroffen. Sie w\u00fcnsche sich daher, dass die <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Europ%C3%A4ische_Union\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Europ\u00e4ische Union<\/a> sowohl als milit\u00e4rischer Unterst\u00fctzer der Ukraine auftritt, aber sich auch diplomatisch f\u00fcr eine Beendigung des Krieges einsetzt. Nur mit \u201emilit\u00e4rischer und diplomatischer St\u00e4rke werden wir das erreichen, was wir wollen, dass <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Russland\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Russland<\/a> den Krieg nicht gewinnt und somit als die Ukraine als souver\u00e4ner Staat in Frieden und Freiheit eine Zukunft hat.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die Unabh\u00e4ngigkeit und St\u00e4rke der EU k\u00f6nne allerdings nur dann erreicht werden, wenn ausreichend Geld da sei, betonte Merkel. Beispielhaft lobte die Altkanzlerin deshalb das j\u00fcngste Handelsabkommen mit den Mercosur-Staaten und das historische Freihandelsabkommen mit Indien, die Verhandlungen hatten mehr als 18 Jahre gedauert. Sie m\u00f6chte allerdings gerade in diesen Zeiten \u201eausdr\u00fccklich Mut machen und zur Zuversicht aufrufen\u201c, sagte Merkel abschlie\u00dfend.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">EU-Ratspr\u00e4sident Ant\u00f3nio Costa lobte im Anschluss die EU-Solidarit\u00e4t nach dem Drohnenangriff auf Zypern, warnte aber vor den Folgen einer weiteren Eskalation im Nahen Osten. In diesen Zeiten seien Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenw\u00fcrde wichtiger denn je. \u201eDie Alternative sind Chaos und Gewalt\u201c, warnte Costa und benannte Menschenrechtsverletzungen in Iran, Afghanistan und dem Sudan. Verst\u00f6\u00dfe gegen das V\u00f6lkerrecht k\u00f6nne man nicht hinnehmen, \u201eweder in der Ukraine, Gr\u00f6nland, Lateinamerika, Afrika noch im Gazastreifen\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"F\u00fcr dieses Abendessen haben zwei Menschen eine ganze Arbeitswoche lang das Silber des Hamburger Senats poliert, insgesamt 3400&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":30465,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[2839,257,575,76,75,2386,74,828,4877,14301,269,1963,4892,1076,2375],"class_list":{"0":"post-30464","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-europa","8":"tag-angela-merkel","9":"tag-deutschland","10":"tag-donald-trump","11":"tag-eu","12":"tag-europa","13":"tag-europaeische-union","14":"tag-europe","15":"tag-hamburg","16":"tag-leserdiskussion","17":"tag-peter-tschentscher","18":"tag-politik","19":"tag-russland","20":"tag-spd","21":"tag-sueddeutsche-zeitung","22":"tag-wladimir-putin"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116186524302101447","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30464","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=30464"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30464\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/30465"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=30464"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=30464"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=30464"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}