{"id":305696,"date":"2026-07-31T09:23:10","date_gmt":"2026-07-31T09:23:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/305696\/"},"modified":"2026-07-31T09:23:10","modified_gmt":"2026-07-31T09:23:10","slug":"screen-lights-einladung-zur-einlassung-the-invite-von-olivia-wilde-the-gap","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/305696\/","title":{"rendered":"Screen Lights: Einladung zur Einlassung \u2013 \u00bbThe\u00a0Invite\u00ab von Olivia\u00a0Wilde \u2013 The Gap"},"content":{"rendered":"<p>Christoph Prenner bewegen bewegte Bilder. Diesmal besch\u00e4ftigt ihn Olivia Wildes neueste Regiearbeit \u00bbThe Invite\u00ab, eine will\u00adkommene R\u00fcckkehr der bissigen Erwachsenen\u00adkom\u00f6die.<\/p>\n<p>            <img width=\"750\" height=\"405\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/The_Invite_Still_1_c-Tobis-Film-1024x553.jpg\" class=\"attachment-large size-large wp-post-image\" alt=\"\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\"  \/><\/p>\n<p>\n                        \u00a9 Tobis Film \u2014 Traute Viersamkeit? Olivia Wilde, Seth Rogen, Pen\u00e9lope Cruz und Edward Norton in \u00bbThe\u00a0Invite\u00ab\n                    <\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbFr\u00fcher nannten wir das noch Sommer!1!!11!!\u00ab Ja, es\u00a0ist wieder diese Zeit des\u00a0Jahres. Kaum klettern die Temperaturen beunruhigend verl\u00e4sslich auf Subsahara\u00adwerte, schl\u00e4gt in den Kommentar\u00adspalten die Stunde der hysterisierten Abwehr\u00adreflexe. Mit\u00a0grotesk gleich\u00adf\u00f6rmigen Einw\u00fcrfen, pr\u00e4sentiert mit der z\u00e4hen Beharr\u00adlich\u00adkeit unzureichend programmierter Bots, wird\u00a0der Klima\u00adwandel zur reinen Erfindung erkl\u00e4rt, Extremst\u00adhitze zur Laune des Wetters und jede wissen\u00adschaft\u00adliche Einordnung zur gigantischen T\u00e4uschungs\u00adoperation. Es\u00a0irren ja sowieso immer nur die anderen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unbenommen: Die Erderw\u00e4rmung in ihrer ganzen Bandbreite zu durch\u00addringen, ist\u00a0keine Aufgabe f\u00fcr einen Nachmittag. Aber\u00a0muss man sich bei aller nach\u00advoll\u00adzieh\u00adbaren \u00dcber\u00adforderung absichtlich auch noch fetzen\u00addeppert stellen? Nur, weil nicht sein\u00a0kann, was\u00a0nicht sein\u00a0darf? Weil\u00a0es viel ange\u00adnehmer\u00a0ist, an\u00a0Ver\u00adschw\u00f6rungen zu glauben, als\u00a0das eigene Weltbild ein St\u00fcck weit nach\u00adjustieren zu\u00a0m\u00fcssen?<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor der Versuchung selektiv verzerrter Wahr\u00adnehmungen ist nat\u00fcrlich niemand von uns gefeit. Selbst\u00a0der sonst so stabile James Blake tappte j\u00fcngst in eine entsprechende Falle, als\u00a0er in einem Insta-Rant schwurbelte, dass\u00a0sich Labels wohl\u00adwollende Kritiken kaufen\u00a0w\u00fcrden. Aus\u00a0welchem Anlass er diesen Vorwurf erhob, wei\u00df\u00a0wohl nur er\u00a0selbst. Um\u00a0einen B\u00e4ren\u00addienst handelte es sich allemal: Nicht, dass\u00a0Journa\u00adlismus \u00fcber jeden Zweifel er\u00adhaben\u00a0w\u00e4re, doch\u00a0der vulg\u00e4r\u00adpopulistische Anwurf zahlte halt vorwiegend auf das immer\u00adgr\u00fcne Ressentiment ein, Medien seien letztlich stets Handlanger sinistrer Interessen.<\/p>\n<p>Eine \u00dcberleitung<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gar nicht so einfach, nun halbwegs nonchalant zum tat\u00ads\u00e4ch\u00adlichen Film\u00adthema dieser sicherlich immer gern gelesenen Seite \u00fcberzuleiten. Ich\u00a0ver\u00adsuche es damit, der\u00a0werten Kolumnen\u00adgemeinde Folgendes zu versichern: F\u00fcr\u00a0diese Zeilen sind keine Umschl\u00e4ge \u00fcber Tische gewandert, es\u00a0ist auch keine Einladung zu einer Soiree von Olivia Wilde angenommen worden. Schw\u00f6re! Letzteres w\u00e4re, zieht\u00a0man den Plot von <a href=\"https:\/\/tobis.de\/titel\/the-invite\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">\u00bbThe\u00a0Invite\u00ab<\/a> (Kinostart: 30.\u00a0Juli) als Ma\u00dfstab heran, aber\u00a0ohne\u00adhin kein ausschlie\u00dfliches Vergn\u00fcgen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Wildes dritter und bester Regiearbeit wird bald deutlich, dass\u00a0in der Ehe von Angela (Wilde) und Joe (Seth\u00a0Rogen) richtig der Wurm drin\u00a0ist. Die\u00a0stilvoll-weitl\u00e4ufige Wohnung kann den Umstand nicht kaschieren, dass\u00a0sich dort ein Unter\u00admieter ein\u00adge\u00adnistet\u00a0hat: ein\u00a0\u00fcber Jahre kultivierter gegen\u00adseitiger\u00a0Groll. Joe, einst\u00a0ein semi\u00aderfolg\u00adreicher Musiker, schl\u00e4gt\u00a0sich ohne Ambitionen mit einem Lehrjob an einem Konservatorium durch, w\u00e4hrend Angela mit extra\u00adrast\u00adloser Betrieb\u00adsamkeit in den eigenen vier W\u00e4nden ihre Resignation nur behelfs\u00adm\u00e4\u00dfig \u00fcberspielt. Die\u00a0beiden geraten st\u00e4ndig aneinander, aber\u00a0nur selten wegen der\u00a0Dinge, die\u00a0ihnen wirklich am Herzen\u00a0liegen. Gerade\u00a0als der n\u00e4chste Streit zu eskalieren droht, l\u00e4utet\u00a0es an der\u00a0T\u00fcr: Der\u00a0Dinner\u00adbesuch aus der Wohnung \u00fcber ihnen ist\u00a0da.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sehr viel mehr soll hier auch schon nicht gespoilert werden. Nur\u00a0das noch: Selbstredend haben auch die Eintrudelnden, der\u00a0Ex-Feuerwehr\u00admann Hawk (Edward Norton) und die Therapeutin Pi\u00f1a (Pen\u00e9lope Cruz), so\u00a0cool und abenteuer\u00adlustig sie im Vergleich auch wirken\u00a0m\u00f6gen, ihre\u00a0ganz eigenen Baustellen. Diese\u00a0treten freilich im Laufe des Filmes zutage \u2013 wie\u00a0so vieles andere\u00a0auch. Bald\u00a0reiht sich Wendung an Wendung sowie Offen\u00adbarung an Offen\u00adbarung \u2013 und\u00a0jedes Mal werden die Karten dabei neu gemischt: Die\u00a0Be\u00adziehungen der Charaktere geraten durch\u00adeinander, B\u00fcndnisse ver\u00adschieben\u00a0sich, Sympathien wechseln. Und\u00a0immer, wenn\u00a0man glaubt, die\u00a0Quint\u00adessenz des Abends entschl\u00fcsselt zu\u00a0haben, erwischt man sich kurz darauf\u00a0dabei, dass\u00a0man nur dem n\u00e4chsten Trugschluss auf\u00adge\u00adsessen\u00a0ist.<\/p>\n<p>B\u00fcrgerliches Kammerspiel<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass \u00bbThe Invite\u00ab seine theatralen Wurzeln nicht verhehlt, spielt\u00a0dem Film letztlich in die\u00a0H\u00e4nde. In\u00a0klas\u00adsischer Kammer\u00adspiel\u00admanier wird die Begrenzung des Settings dazu genutzt, jede\u00a0noch so kleine Verschiebung innerhalb der Gruppen\u00addynamik schonungs\u00adlos offen\u00adzulegen. Meist\u00a0ge\u00adn\u00fcgt schon ein Blick oder eine passiv-aggressive Antwort, um\u00a0die Stimmung kippen zu lassen und jene herrlich un\u00aderquick\u00adlichen Momente zu erzeugen, in\u00a0denen Menschen mit betr\u00e4chtlichem Aufwand versuchen, ihre\u00a0sorg\u00adsam kultivierten Selbst\u00adbilder zu verteidigen. Selbst\u00a0wenn das Drehbuch mit seiner Lust an vogel\u00adwilden Volten dann und wann \u00fcbers Ziel hinaus\u00adschie\u00dft, holt\u00a0das mit erheblicher Verve agierende Ensemble den Stoff verl\u00e4sslich vergn\u00fcglich wieder zur\u00fcck auf den Boden der Tatsachen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem man sich jahrelang fragen musste, ob Hollywood sein Interesse an den Malaisen des b\u00fcrgerlichen Zusammen\u00adlebens ein f\u00fcr alle Mal ver\u00adloren\u00a0hat, beeindruckt \u00bbThe\u00a0Invite\u00ab als will\u00adkommene R\u00fcckkehr der bissigen Erwachsenen\u00adkom\u00f6die: Hier\u00a0geht zwar keine Figur unversehrt vom\u00a0Feld, aber\u00a0eben auch nicht ohne die eine oder andere\u00a0neue, mitunter gar substanzielle Einsicht.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So schlie\u00dft sich am Ende noch der Kreis zum Kolumnen\u00adbeginn: Denn\u00a0letzt\u00adlich werden Annahmen ja erst dann verh\u00e4ngnisvoll, wenn\u00a0sie so gar keinen Widerspruch mehr\u00a0dulden \u2013 egal\u00a0ob es nun um die Klimakrise, den\u00a0Kultur\u00adbetrieb oder den Lebens\u00admenschen\u00a0geht. Und\u00a0die Realit\u00e4t zeigt sich von unseren Mut\u00adma\u00dfungen ohnehin kaum beeindruckt. Gut\u00a0also, dass\u00a0es noch Werke wie \u00bbThe\u00a0Invite\u00ab gibt, die\u00a0daran erinnern, dass\u00a0Ein\u00adsch\u00e4tzungen tr\u00fcgerisch sein k\u00f6nnen und wie viel einem \u00fcber die Welt und ihre Menschen entgeht, wenn\u00a0man glaubt, sie\u00a0bereits vollst\u00e4ndig verstanden zu\u00a0haben.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christoph Prenner plaudert mit Lillian\u00a0Moschen im\u00a0<a href=\"https:\/\/anchor.fm\/screenlights\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Podcast \u00bbScreen Lights\u00ab<\/a>\u00a0zweimal monatlich \u00fcber das aktuelle Film- und Serien\u00adgeschehen. Unser Kolumnist ist per E-Mail unter\u00a0<a href=\"https:\/\/thegap.at\/screen-lights-einladung-zur-einlassung-the-invite-von-olivia-wilde\/mailto:prenner@thegap.at\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">prenner@thegap.at<\/a>\u00a0zu erreichen. Ein\u00a0Archiv seiner Kolumne und der bisherigen Podcast-Episoden findet sich auch unter <a href=\"https:\/\/www.screenlights.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">www.screenlights.at<\/a>.<\/p>\n<p>\n            Newsletter abonnieren\n        <\/p>\n<p>\n            Abonniere unseren Newsletter und erhalte alle zwei Wochen eine Zusammenfassung der neuesten Artikel, Ank\u00fcndigungen, Gewinnspiele und vieles mehr &#8230;\n        <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Christoph Prenner bewegen bewegte Bilder. 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