{"id":30573,"date":"2026-03-07T08:08:12","date_gmt":"2026-03-07T08:08:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/30573\/"},"modified":"2026-03-07T08:08:12","modified_gmt":"2026-03-07T08:08:12","slug":"kunst-gnadenlos-abgeschriebenes-gemaelde-ist-doch-ein-rembrandt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/30573\/","title":{"rendered":"Kunst: Gnadenlos abgeschriebenes Gem\u00e4lde ist doch ein Rembrandt"},"content":{"rendered":"<p>Jahrzehntelang galt der \u201eZacharias\u201c im Rijksmuseum als Werk eines Unbekannten. Nun erkl\u00e4ren Restauratoren das Gem\u00e4lde wieder zum originalen Rembrandt \u2013 dank Hightech-Analysen, die einen alten Methodenstreit neu entfachen.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Laut Google-Suche f\u00fchrt \u201eZacharias\u201c zur Friedhofsverwaltung in Hamburg-Eidelstedt oder zum Heizungsbetrieb in Hameln. \u201eZacharias\u201c k\u00f6nnte aber auch der langb\u00e4rtige Alte auf einem Gem\u00e4lde hei\u00dfen, das im <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.rijksmuseum.nl\/en\/stories\/story\/a-new-rembrandt-discovered\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.rijksmuseum.nl\/en\/stories\/story\/a-new-rembrandt-discovered&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Amsterdamer Rijksmuseum<\/a> zu sehen ist. Jedenfalls war man sich weitgehend einig, dass es sich bei dem Mann im geheimnisvollen Dunkel um den Hohepriester handeln muss, den der Evangelist Lukas zum Vater des T\u00e4ufer-Johannes gemacht hat. Nur der Maler blieb anonym \u2013 zumindest seit den fr\u00fchen 1960er-Jahren, als der alte Rembrandt-Verdacht von der strengen Bildwissenschaft kategorisch ausgeschlossen wurde. <\/p>\n<p>Jedoch sind die gnadenlosen Abschreibungen des sogenannten \u201eRembrandt Research Projects\u201c, welches das opulente Werk des niederl\u00e4ndischen Barockmeisters auf menschliches Normalma\u00df reduziert hat, nie besonders popul\u00e4r gewesen. Dass der famose \u201eMann mit dem Goldhelm\u201c eines b\u00f6sen Tages nicht mehr Rembrandt-w\u00fcrdig sein sollte, werden die Berliner den \u201eResearchern\u201c und ihrem Chef Ernst van de Wetering nie verzeihen. Seit 1986 wird das Bild, welches der Kaiser-Friedrich-Museums-Verein schon im Jahr 1897 f\u00fcr die Gem\u00e4ldegalerie erworben hatte, nicht mehr Rembrandt van Rijn zugeschrieben. Ein Urteil, das kontrovers diskutiert wurde.<\/p>\n<p>Umso beeindruckender der Mut, mit dem jetzt die <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/article69a56b0e4ffe244904b64d3c\/rembrandt-sensation-in-amsterdam-experten-entdecken-fast-400-jahre-altes-gemaelde.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/article69a56b0e4ffe244904b64d3c\/rembrandt-sensation-in-amsterdam-experten-entdecken-fast-400-jahre-altes-gemaelde.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Restauratoren des Amsterdamer Museums<\/a> den \u201eZacharias\u201c als Rembrandt-Original enttarnt haben. Wobei zu der nicht nur f\u00fcr Kunsthistoriker aufregenden Nachricht die Wiederzuschreibung durch die Tatsache wird, dass sie sich einem hoch bedeutsamen Methodenstreit verdankt. W\u00e4hrend die klassische kunstgeschichtliche Bildwissenschaft sich auf mikroskopisch kleine Stilunterschiede beruft, vergleicht eine neue Restauratoren-Generation mit technischen und forensischen Methoden mikroskopisch kleine Teile der Malstruktur.  <\/p>\n<p>Letztere Technik hat das Amsterdamer Team bei der jahrelangen Arbeit am Hauptbild der Sammlung \u2013 an Rembrandts \u201eNachtwache\u201c \u2013 mit avanciertesten Diagnose-Instrumenten zur Perfektion ausgebildet. Wenn man nun mit (natur)wissenschaftlicher Akribie den \u201eZacharias\u201c durchleuchtet, stellt man fest, dass alle gesicherten Gem\u00e4lde seiner Periode, was die Schichtung der Farbe angeht und die Art der verborgenen Korrekturen, dieselbe Malerhandschrift verraten. Auch die Signatur des Malers ist urspr\u00fcnglichster <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/rembrandt\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/rembrandt\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Rembrandt<\/a>, und \u201edendrochronologische Analysen\u201c \u2013 also Holzuntersuchungen am Keilrahmen \u2013 lassen keinen Zweifel am Entstehungsjahr 1633 zu.  <\/p>\n<p>Jetzt bliebe die gemalte \u201eVision des Zacharias im Tempel\u201c ein wahrhaft erstaunliches Bild, auch wenn ihm kein Weltmeister der Malerei zur Erscheinung verholfen h\u00e4tte. Wie er von m\u00fchsamer Lekt\u00fcre aufschaut und den herkunftslosen Lichtschein bemerkt, der sein kostbares Hohepriester-Gewand funkeln l\u00e4sst, das ist schon von besonderer Klasse. Bald wird ihm die Geburt seines Sohns Johannes (des sp\u00e4teren T\u00e4ufers), der den Weg f\u00fcr den Messias bereiten sollte, angek\u00fcndigt werden. Und alle, die bei der Darstellung des Zacharias auf der Leinwand schon immer auf Rembrandts Hand tippten, haben wohl recht behalten.  <\/p>\n<p>Diesen Ruck im K\u00f6rper oder in der Seele, dieses Verborgensein im Geheimnis, das ist nur einem Maler so gekonnt gelungen. Mal sehen, was die anderen Rembrandt-Researcher zu dieser Expertise aus Amsterdam sagen und wie der Bildbesitzer reagiert, der den wiedergewonnenen Schatz als langfristige Leihgabe im Rijksmuseum deponiert hat. Denn die Zuschreibungen d\u00fcrfte auch den Sch\u00e4tzwert des Gem\u00e4ldes beeinflussen. Und spannend ist nat\u00fcrlich aber auch, wann der langb\u00e4rtige Alte bei Google in der Zacharias-Galerie auftaucht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Jahrzehntelang galt der \u201eZacharias\u201c im Rijksmuseum als Werk eines Unbekannten. 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