{"id":30654,"date":"2026-03-07T09:14:41","date_gmt":"2026-03-07T09:14:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/30654\/"},"modified":"2026-03-07T09:14:41","modified_gmt":"2026-03-07T09:14:41","slug":"dauerstress-durch-klimawadel-europas-waelder-kraenkeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/30654\/","title":{"rendered":"Dauerstress durch Klimawadel: Europas W\u00e4lder kr\u00e4nkeln"},"content":{"rendered":"<p>Der Klimawandel k\u00f6nnte in Europa mehr Waldsch\u00e4den durch Br\u00e4nde, St\u00fcrme und Borkenk\u00e4fer verursachen, zeigt eine neue Studie. Schon bei zwei Grad Erderw\u00e4rmung w\u00fcrden die Sch\u00e4den um ein F\u00fcnftel zunehmen. Bisher sind W\u00e4lder eine riesige CO2-Senke.<\/p>\n<p>\t\t\tvon \t\t\t<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tTine Heni<\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Krzywy_Las\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">krummen Kiefern<\/a> in Polen, die alle in einer merkw\u00fcrdigen U-Form gen Norden wachsen, der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nationalpark_Hainich\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Nationalpark Hainich<\/a> im Westen Th\u00fcringens, der sich auf einer einstigen Milit\u00e4rzone befindet, der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nationalpark_Garajonay\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">immergr\u00fcne Nebelwald <\/a>in Spanien: Europas W\u00e4lder sind faszinierend.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher bedeckten sie gro\u00dfe Teile des Kontinents. Doch nachdem jahrtausendelang W\u00e4lder f\u00fcr den Ackerbau gerodet wurden, machen sie heute nur noch rund ein Drittel der Fl\u00e4che Europas aus.<\/p>\n<p>Und selbst diese W\u00e4lder sind gef\u00e4hrdet. Extremwetterereignisse wie D\u00fcrreperioden oder Waldbr\u00e4nde, die durch den Klimawandel immer h\u00e4ufiger und intensiver werden, stressen die Fichten, Kiefern und Buchen. In den letzten Jahren kamen auch immer mehr Sch\u00e4den durch St\u00fcrme und Schnee hinzu.<\/p>\n<p>All das schw\u00e4cht die B\u00e4ume und macht sie anf\u00e4lliger f\u00fcr Sch\u00e4dlinge und Krankheiten. Laut einem gemeinsamen <a href=\"https:\/\/unece.org\/DAM\/timber\/docs\/sfm\/europe-2003.pdf#page=19\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">UN\u2011\u00a0und EU-Bericht<\/a> war Anfang des Jahrhunderts etwa ein F\u00fcnftel der europ\u00e4ischen W\u00e4lder gesch\u00e4digt. Die B\u00e4ume waren vertrocknet, von Sch\u00e4dlingen wie dem <a href=\"https:\/\/klimareporter.de\/deutschland\/der-zaehe-fichtenkiller\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Borkenk\u00e4fer<\/a> oder von t\u00f6dlichen Pilzkrankheiten befallen.<\/p>\n<p>Waldsch\u00e4den werden weiter zunehmen<\/p>\n<p>Zudem ist die globale Erw\u00e4rmung noch nicht gestoppt: Die globalen Kohlendioxid-Emissionen <a href=\"https:\/\/klimareporter.de\/erdsystem\/globale-co2-emissionen-von-wegen-trendwende\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">steigen weiterhin an<\/a>, das 1,5-Grad-Limit wurde 2024 erstmalig gerissen und die Deutsche Meteorologische Gesellschaft prognostiziert eine Erw\u00e4rmung <a href=\"https:\/\/klimareporter.de\/erdsystem\/bis-2050-in-die-drei-grad-welt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">von drei Grad<\/a> bis Mitte des Jahrhunderts.<\/p>\n<p>Solange die Temperaturen weiter steigen, werden Br\u00e4nde und St\u00fcrme die Natur in Europa immer mehr unter Druck setzen. &#8222;Man erinnere sich an die <a href=\"https:\/\/klimareporter.de\/erdsystem\/rekordfeuer-von-spanien-bis-kanada\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Feuersaison letztes Jahr<\/a>, die in Nordportugal und Nordspanien massive Auswirkungen hatte. Oder als 2018 St\u00fcrme in Deutschland, Polen und Tschechien einen Borkenk\u00e4ferbefall ausl\u00f6sten, der dann Waldsch\u00e4den verursachte&#8220;, sagt <a href=\"https:\/\/www.pik-potsdam.de\/members\/reyer\/homepage-de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Christopher Reyer<\/a> vom Potsdam-Institut f\u00fcr Klimafolgenforschung.<\/p>\n<p>Der Hainich in Th\u00fcringen vermittelt ein Bild von Europa vor den gro\u00dffl\u00e4chigen Rodungen im Mittelalter. (Bild: Universit\u00e4t G\u00f6ttingen)<\/p>\n<p>Reyer war an einer neuen internationalen <a href=\"https:\/\/www.science.org\/doi\/10.1126\/science.adx6329\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Studie<\/a> beteiligt, die nun beziffert, wie stark die Sch\u00e4den zuk\u00fcnftig werden k\u00f6nnten: In einem Zwei-Grad-Szenario k\u00f6nnte die j\u00e4hrlich gesch\u00e4digte Waldfl\u00e4che bis zum Ende des Jahrhunderts um rund 20 Prozent ansteigen. In einem Vier-Grad-Szenario k\u00f6nnten sich die Sch\u00e4den sogar mehr als verdoppeln, wie das Team um <a href=\"https:\/\/www.professoren.tum.de\/seidl-rupert\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Rupert Seidl<\/a> von der TU M\u00fcnchen <a href=\"https:\/\/www.tum.de\/aktuelles\/alle-meldungen\/pressemitteilungen\/details\/wie-braende-stuerme-und-borkenkaefer-europas-waelder-bis-2100-formen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">erkl\u00e4rt<\/a>.<\/p>\n<p>All dies ermittelten die Forscher:innen, indem sie Nasa-Satellitendaten auswerteten und daraus ein Modell erstellten, welches beschreibt, wie stark und auf welche Weise unterschiedliche Waldgebiete in ganz Europa gesch\u00e4digt sind. Mithilfe neuronaler Netzwerke simulierten sie anschlie\u00dfend, wie sich die W\u00e4lder bei unterschiedlichen Temperaturanstiegen zuk\u00fcnftig weiterentwickeln w\u00fcrden.<\/p>\n<p>&#8222;Das Neue ist, dass wir in der Studie ber\u00fccksichtigt haben, dass sich die Vegetation und das Waldbrandrisiko gegenseitig bedingen&#8220;, erkl\u00e4rt Klimaforscher Reyer. &#8222;Bisher wird das Risiko f\u00fcr extreme Ereignisse haupts\u00e4chlich <a href=\"https:\/\/klimareporter.de\/erdsystem\/extremwetter-ein-rueckblick-auf-das-jahr-2025\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">aus dem Klima abgeleitet<\/a>. So wird zum Beispiel bei Feuer gesagt: Wenn es trockener und w\u00e4rmer wird, steigt das Risiko, dass es brennt.&#8220;<\/p>\n<p>Doch laut dem Forscher hat die Vegetation ebenfalls einen Einfluss. Reyer: &#8222;Wenn es etwa an einem bestimmten Ort gerade ein Feuer gab, dann kann es dort im n\u00e4chsten Jahr, egal wie trocken und hei\u00df es ist, nicht mehr brennen. Und B\u00e4ume, die beispielsweise an bestimmten Stellen schneller wachsen und dadurch h\u00f6her und d\u00fcnner sind, sind bei gleich bleibender Sturmintensit\u00e4t trotzdem anf\u00e4lliger f\u00fcr Sturmsch\u00e4den.&#8220;<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich zeigt die Studie, dass vor allem Br\u00e4nde die europ\u00e4ische Natur k\u00fcnftig sch\u00e4digen werden: Sie k\u00f6nnen j\u00e4hrlich zwischen 110.000 Hektar Waldfl\u00e4che im Zwei-Grad-Szenario und 230.000 Hektar im Vier-Grad-Szenario verbrennen. Auch aus diesem Grund werden der Studie zufolge vor allem die mediterranen W\u00e4lder in Portugal, Spanien, Italien und Griechenland unter den kommenden Klimawandelfolgen leiden. Zudem werden Borkenk\u00e4fer einen gro\u00dfen Teil der Sch\u00e4den verursachen.<\/p>\n<p>Boreale W\u00e4lder und die Tundra, die vor allem in Skandinavien vorkommen, werden hingegen weniger stark betroffen sein. Dort k\u00f6nnten jedoch regionale Hotspots mit erh\u00f6htem Schadensrisiko entstehen, wie in der Studie betont wird.<\/p>\n<p>Eine der wichtigsten CO2-Senken<\/p>\n<p>Der prognostizierte Waldschwund stellt aus mehreren Gr\u00fcnden ein unmittelbares Problem dar. Zum einen leben in europ\u00e4ischen Nadel-, Laub- oder Mischw\u00e4ldern zahlreiche gesch\u00fctzte Arten. Schwindet ihr Lebensraum, k\u00f6nnten sie aussterben. Zudem sind <a href=\"https:\/\/klimareporter.de\/erdsystem\/auch-afrikas-regenwaelder-sind-keine-co2-senke-mehr\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">B\u00e4ume gro\u00dfe CO2-Senken<\/a>, indem sie per Photosynthese Kohlendioxid aus der Luft aufnehmen und den Kohlenstoff dauerhaft im Holz speichern. Auch der Waldboden ist ein riesiger CO2-Speicher.<\/p>\n<p>Das macht W\u00e4lder zur gr\u00f6\u00dften terrestrischen Kohlenstoffsenke. Weltweit absorbieren sie laut der Organisation Client Earth j\u00e4hrlich 2,6 Milliarden Tonnen des Klimagases. Wald speichert in Europa j\u00e4hrlich circa 330 Millionen Tonnen <a href=\"https:\/\/klimareporter.de\/lexikon\/co2-aequivalent\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">CO2-\u00c4quivalent<\/a>. Zum Vergleich: Das sind \u00fcber zehn Prozent der aktuell in Europa ausgesto\u00dfenen CO2-Emissionen.<\/p>\n<p>Seit einigen Jahren wird deshalb sogar diskutiert, ob sich durch massive Aufforstung der menschengemachte Klimawandel abschw\u00e4chen lie\u00dfe, weil B\u00e4ume der Atmosph\u00e4re in ihrer Wachstumsphase viel CO2 entziehen.<\/p>\n<p>&#8222;Doch in Zukunft werden Europas W\u00e4lder voraussichtlich weniger Kohlenstoff aufnehmen&#8220;, so Reyer. Hinzu kommt: Wenn B\u00e4ume\u00a0\u2013 etwa auch durch Waldbr\u00e4nde\u00a0\u2013 sterben, setzen sie ihr gespeichertes CO2 wieder frei. Auf diese Weise wird aus der einstigen CO2-Senke eine potente CO2-Quelle. Das beschleunigt wiederum den Klimawandel.<\/p>\n<p class=\"placeholder-article-bottom\">\u00a0<\/p>\n<p>Die Auswirkungen des Klimawandels auf die CO2-Senke Wald erfordern Gegenma\u00dfnahmen auf mehreren Ebenen. Zum einen die Reduzierung der Treibhausgasemissionen.<\/p>\n<p>Zum anderen m\u00fcsste &#8222;<a href=\"https:\/\/klimareporter.de\/erdsystem\/ohne-alte-und-naturnahe-waelder-sind-wir-dem-klimarisiko-nicht-gewachsen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">die Waldbewirtschaftung<\/a> die Resilienz von W\u00e4ldern st\u00e4rker f\u00f6rdern&#8220;, wie Christopher Reyer betont, also den Wald gegen\u00fcber k\u00fcnftigen Klimabedingungen und Wetterextremen widerstandsf\u00e4higer machen.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Klimawandel k\u00f6nnte in Europa mehr Waldsch\u00e4den durch Br\u00e4nde, St\u00fcrme und Borkenk\u00e4fer verursachen, zeigt eine neue Studie. 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