{"id":307484,"date":"2026-08-01T05:12:35","date_gmt":"2026-08-01T05:12:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/307484\/"},"modified":"2026-08-01T05:12:35","modified_gmt":"2026-08-01T05:12:35","slug":"russland-nato-arbeitet-an-plaenen-fuer-mehr-atomwaffen-in-europa-an-einem-ort-koennten-sie-laengst-liegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/307484\/","title":{"rendered":"Russland: Nato arbeitet an Pl\u00e4nen f\u00fcr mehr Atomwaffen in Europa \u2013 an einem Ort k\u00f6nnten sie l\u00e4ngst liegen"},"content":{"rendered":"<p>Die Nato will die nukleare Abschreckung st\u00e4rken. Zus\u00e4tzliche US-Atomwaffen sind eine Option. Experten halten es f\u00fcr m\u00f6glich, dass die ersten Bomben l\u00e4ngst verlegt worden sind.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Die Nato arbeitet angesichts der Bedrohungen durch Russland an Pl\u00e4nen f\u00fcr einen Ausbau der nuklearen Abschreckung in Europa. Nach Recherchen der Nachrichtenagentur dpa ist dabei auch die Stationierung zus\u00e4tzlicher US-Atomwaffen eine Option. <\/p>\n<p>Experten halten es sogar f\u00fcr m\u00f6glich, dass die USA bereits Bomben vom Typ B61-12 auf den Luftwaffenst\u00fctzpunkt Lakenheath in Gro\u00dfbritannien verlegt haben. Bei einer weiteren Zuspitzung der Sicherheitslage k\u00f6nnten zudem auch L\u00e4nder wie Polen und Finnland sowie Litauen als Stationierungsstandorte in den Blick kommen.<\/p>\n<p>Bei den Planungen geht es vor allem um sogenannte nichtstrategische <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/atomwaffen\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/atomwaffen\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Atomwaffen<\/a>. Diese sind zum Beispiel f\u00fcr den Einsatz gegen gegnerische Truppen, Flugpl\u00e4tze, H\u00e4fen, Kommandozentralen und andere milit\u00e4rische Infrastruktur vorgesehen. Im Vergleich zu strategischen Atomwaffen haben sie h\u00e4ufig eine geringere Sprengkraft und sie werden meist mit Kampfflugzeugen oder k\u00fcrzer reichenden Raketen oder Marschflugk\u00f6rpern als Tr\u00e4ger eingesetzt.<\/p>\n<p>Nach der massiven atomaren Abr\u00fcstung nach dem Ende des Kalten Krieges lagerten laut Sch\u00e4tzungen von Nuklearexperten zuletzt nur noch etwa 100 US-Bomben vom Typ B61-12 auf sechs Luftwaffenst\u00fctzpunkten in Deutschland, Belgien, Italien, den Niederlanden und der T\u00fcrkei. In Deutschland sollen sie in B\u00fcchel in Rheinland-Pfalz stationiert sein. Die Bomben k\u00f6nnten im Rahmen der sogenannten nuklearen Teilhabe der Nato im Ernstfall auch von deutschen Kampfjets eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Nato-Generalsekret\u00e4r Mark Rutte schloss im Gespr\u00e4ch mit der dpa nicht aus, dass k\u00fcnftig mehr US-Atomwaffen in Europa stationiert werden. Er wollte sich aus Geheimhaltungsgr\u00fcnden allerdings nicht zu Details der laufenden Pr\u00fcfungen und Beratungen \u00e4u\u00dfern. Das B\u00fcndnis pr\u00fcfe fortlaufend, welche F\u00e4higkeiten ben\u00f6tigt w\u00fcrden und wie der nukleare Abschreckungsmix aussehen m\u00fcsse, erkl\u00e4rte er in einem Mitte Juli gef\u00fchrten Interview. \u201eWo immer wir Anpassungen vornehmen m\u00fcssen, werden wir dies tun\u201c, sagte Rutte. \u201eWir m\u00fcssen sicherstellen, dass uns niemand mit Atomwaffen angreifen kann, ohne dass wir in der Lage w\u00e4ren, darauf zu antworten.\u201c<\/p>\n<p>Dass die Arbeiten \u00fcber den Austausch und die Modernisierung vorhandener Systeme hinausgehen k\u00f6nnten, hatte er bereits im April beim Nato Nuclear Policy Symposium in Istanbul angedeutet. Es m\u00fcssten entscheidende Beschl\u00fcsse dar\u00fcber gefasst werden, wie die nukleare Aufstellung der Nato weiter an das sich verschlechternde Sicherheitsumfeld angepasst werden solle, sagte er damals.<\/p>\n<p>Nach dem j\u00fcngsten Treffen der Nuklearen Planungsgruppe des B\u00fcndnisses wurde dann im Juni erstmals seit knapp zwei Jahrzehnten wieder eine Erkl\u00e4rung ver\u00f6ffentlicht. Darin bekennen sich die Verb\u00fcndeten dazu, die nuklearen F\u00e4higkeiten der Nato weiter zu modernisieren, ihre F\u00e4higkeit zur nuklearen Planung zu st\u00e4rken und die Abschreckung anzupassen.<\/p>\n<p>Braucht es mehr als hundert zus\u00e4tzliche Sprengk\u00f6pfe?<\/p>\n<p>In welche Richtung es theoretisch gehen k\u00f6nnte, erkl\u00e4ren jedoch Fachleute von Thinktanks. Der US-Nuklearwaffenexperte Robert Peters sagte der dpa, er sei optimistisch, dass die Vereinigten Staaten die nukleare Abschreckung in Europa innerhalb der n\u00e4chsten 24 Monate st\u00e4rken w\u00fcrden. Er argumentiert, dass US-Pr\u00e4sident Donald Trump so die Wahrscheinlichkeit eines offenen Konflikts mit Russland verringern k\u00f6nnte. Demnach w\u00fcrde eine nukleare US-Aufr\u00fcstung auch nicht im Gegensatz zu Trumps Pl\u00e4nen stehen, k\u00fcnftig einen deutlich geringeren Beitrag zur konventionellen Verteidigung Europas zu leisten.<\/p>\n<p>Aus Sicht von Peters w\u00e4re es sinnvoll, zus\u00e4tzlich 100 bis 150 nichtstrategische US-Atomwaffen in Europa zu stationieren \u2013 m\u00f6glicherweise auch in Polen und Finnland. Dort m\u00fcssten neue Lagerst\u00e4tten gebaut werden. Dies sei aber nicht sonderlich schwierig und k\u00f6nne innerhalb weniger Monate geschehen.<\/p>\n<p>\u201eUns fehlt es eindeutig an einer ausreichenden Zahl von Waffen\u201c, sagte Peters, der f\u00fcr die konservative, den Republikanern nahestehende Heritage Foundation arbeitet. Russland verf\u00fcge bei nichtstrategischen Atomwaffen wahrscheinlich \u00fcber einen Vorsprung von mehr als zehn zu eins.<\/p>\n<p>Auch Jim Stokes, fr\u00fcherer US-Regierungsbeamter und ehemaliger Nato-Direktor f\u00fcr Nuklearpolitik, h\u00e4lt \u201eneue Arten nuklearer F\u00e4higkeiten\u201c f\u00fcr sinnvoll. Dies bedeute jedoch nicht, dass die Nato bei der Zahl der Sprengk\u00f6pfe zahlenm\u00e4\u00dfig gleichziehen m\u00fcsse, betonte er. Neue F\u00e4higkeiten k\u00f6nnten unter anderem signalisieren, dass die USA weiterhin fest zu ihrer erweiterten nuklearen Abschreckung und damit zur nuklearen Schutzgarantie f\u00fcr ihre Verb\u00fcndeten st\u00fcnden.<\/p>\n<p>Stokes verwies dabei auf die gr\u00f6\u00dfere Bandbreite nuklearer Systeme, die die Vereinigten Staaten w\u00e4hrend des Kalten Krieges zus\u00e4tzlich zu den f\u00fcr Kampfflugzeuge vorgesehenen B61-Bomben in Europa stationiert hatten. So hatten die B\u00fcndnispartner 1979 beschlossen, die Nuklearsysteme zu modernisieren und neue F\u00e4higkeiten zu stationieren. Dazu geh\u00f6rten ballistische Mittelstreckenraketen vom Typ Pershing II und landgest\u00fctzte Marschflugk\u00f6rper vom Typ BGM-109G Gryphon.<\/p>\n<p class=\"c-citation__text\">Wir wollen, dass Pr\u00e4sident Putin jeden Morgen aufwacht, eine Tasse Kaffee trinkt und sagt: \u201aHeute ist nicht der Tag f\u00fcr einen Angriff\u2018<\/p>\n<p>Eine Verlagerung amerikanischer Atombomben n\u00e4her an Russland h\u00e4lt der Verteidigungsexperte dagegen milit\u00e4risch nicht f\u00fcr erforderlich. Entsprechende Eins\u00e4tze k\u00f6nnten auch von Westeuropa aus durchgef\u00fchrt werden. Sinnvoll k\u00f6nne aber eine breitere Beteiligung weiterer Verb\u00fcndeter sein \u2013 etwa durch f\u00fcr Nukleareins\u00e4tze zertifizierte Kampfflugzeuge, Luftbetankung, Aufkl\u00e4rung, Begleitschutz, \u00dcbungen oder F\u00fchrungsf\u00e4higkeiten. Dies k\u00f6nne Vorteile bringen, ohne dass die L\u00e4nder selbst US-Atomwaffen lagern m\u00fcssten.<\/p>\n<p>\u201eWir wollen, dass Pr\u00e4sident Putin jeden Morgen aufwacht, eine Tasse Kaffee trinkt und sagt: \u201aHeute ist nicht der Tag f\u00fcr einen Angriff\u2018\u201c, sagte Stokes der dpa. Seit der Gr\u00fcndung der Nato vor 77 Jahren funktioniere dies. Kein Staat habe das B\u00fcndnis angegriffen.<\/p>\n<p>Die vor allem von Frankreich vorangetriebenen Bem\u00fchungen um einen europ\u00e4ischen atomaren Schutzschirm werden sowohl von Rutte als auch von den Experten lediglich als Erg\u00e4nzung und nicht als m\u00f6glicher Ersatz gesehen. Rutte sagte der dpa, der US-Nuklearschirm bleibe die ultimative Garantie f\u00fcr die Freiheit und Sicherheit der Verb\u00fcndeten. Die franz\u00f6sische Initiative schaffe aber eine zus\u00e4tzliche Ebene. Stokes bezeichnete die franz\u00f6sischen F\u00e4higkeiten als gute Erg\u00e4nzung. Frankreich k\u00f6nne die amerikanischen F\u00e4higkeiten bei Sprengk\u00f6pfen, Tr\u00e4gersystemen und Plattformen jedoch nicht ersetzen, sagte er. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr die britischen F\u00e4higkeiten.<\/p>\n<p>Ob, und wenn ja, wie m\u00f6gliche Entscheidungen zum Ausbau der Nato-Abschreckung kommuniziert w\u00fcrden, ist nach Angaben aus B\u00fcndniskreisen unklar. Eine Option w\u00e4re demnach, Russland im Ungewissen \u00fcber konkrete Schritte zu lassen. Dies w\u00fcrde auch der bisherigen Praxis entsprechen. So best\u00e4tigen die Nato und die US-Regierung zwar, dass amerikanische Atomwaffen in Europa stationiert sind, ihre genaue Zahl und die vollst\u00e4ndige Liste der Standorte bleiben allerdings unter Verschluss.<\/p>\n<p>dpa\/jm<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Nato will die nukleare Abschreckung st\u00e4rken. Zus\u00e4tzliche US-Atomwaffen sind eine Option. 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