{"id":308490,"date":"2026-08-01T17:15:13","date_gmt":"2026-08-01T17:15:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/308490\/"},"modified":"2026-08-01T17:15:13","modified_gmt":"2026-08-01T17:15:13","slug":"hiv-aids-geld-und-politischer-wille-fehlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/308490\/","title":{"rendered":"HIV\/Aids \u2013 Geld und politischer Wille fehlen"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img324003\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/324003.jpeg\" alt=\"Aktivisten demonstrieren w\u00e4hrend der 26. Internationalen Aids-Konferenz f\u00fcr einen gerechten weltweiten Zugang zu HIV-Medikamenten und Pr\u00e4ventionsangeboten.\"\/><\/p>\n<p>Aktivisten demonstrieren w\u00e4hrend der 26. Internationalen Aids-Konferenz f\u00fcr einen gerechten weltweiten Zugang zu HIV-Medikamenten und Pr\u00e4ventionsangeboten.<\/p>\n<p>Foto: AFP\/PABLO PORCIUNCULA<\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1201321.hiv-aids-im-clinch-mit-pharmaherstellern.html?sstr=Aids\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Welt-Aids-Konferenz, die am Freitag endete<\/a>, musste eine bittere Bilanz ziehen. Das Treffen von 20\u2009000 Experten, Aktivisten, Politikern, Vertretern betroffener Communitys und auch von Pharma-Unternehmen, das alle zwei Jahre stattfindet, war damit konfrontiert, dass durch K\u00fcrzungen und politisch motivierte R\u00fcckz\u00fcge die Erfolge der vergangenen Jahrzehnte bei der Versorgung von Millionen Menschen auf dem Spiel stehen. Laut einer Stellungnahme vom deutschen Aktionsb\u00fcndnis gegen Aids und der Deutschen Aidshilfe zum Abschluss der Konferenz in Rio de Janeiro fragte sich die internationale HIV-Fachwelt nun, ob die solventen Staaten und die Pharma-Hersteller den Ruf nach mehr Unterst\u00fctzung \u00fcberhaupt geh\u00f6rt hatten.<\/p>\n<p>Die aktuellen Mittelk\u00fcrzungen vor allem durch die USA betreffen verschiedene Programme, die nun auf Bruchteile der vorher verf\u00fcgbaren Ressourcen zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen. Nicht \u00fcberall k\u00f6nnen staatliche Stellen die Behandlung einfach \u00fcbernehmen, auch weil es Vorbehalte gegen die Betroffenen gibt. Diese sehen sich in staatlichen Gesundheitseinrichtungen h\u00e4ufig stigmatisiert. In den separaten Einrichtungen der Hilfsprogramme war das eher nicht so: Hier wurden gesch\u00fctzte R\u00e4ume angeboten. Fehlen diese, brechen viele die Behandlung ab.<\/p>\n<p>Die K\u00fcrzungen betreffen unter anderem das US-Programm Pepfar: Auf der Konferenz in Rio wurde bekannt, dass weltweit 1700 HIV-Kliniken und Servicezentren schlie\u00dfen mussten. Vor allem in Afrika ist das der Fall. Das US-Programm, mit vollem Namen President\u2019s Emergency Plan for Aids Relief, war die weltweit gr\u00f6\u00dfte Initiative eines einzelnen Staates zur Bek\u00e4mpfung einer spezifischen Krankheit. Es soll mehr als 26 Millionen Menschen das Leben gerettet haben und wurde 2003 von US-Pr\u00e4sident George W. Bush initiiert.<\/p>\n<p>Zu den Fortschritten in der Pr\u00e4vention z\u00e4hlte zuletzt eine Form der Prophylaxe, bei der gef\u00e4hrdeten Gruppen prinzipiell bestimmte Medikamente zur Verf\u00fcgung gestellt wurden: die Prep-Pillen, darunter das Mittel Truvada. Sie werden entweder t\u00e4glich oder anlassbezogen (vor und nach dem Sex) eingenommen. In Deutschland sind sie bei erh\u00f6htem Risiko Kassenleistung. Allein die Prep-Nutzung, die eine Infektion mit HIV nahezu sicher verhindern kann, ist weltweit innerhalb eines einzigen Jahres um fast 40 Prozent zur\u00fcckgegangen. Dieser Einschnitt, aber auch andere Folgen der K\u00fcrzungen, k\u00f6nnen laut der UN-Aids-Organisation UNAIDS zu <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1195845.welt-aids-tag-hiv-kuerzungen-waeren-verheerend.html?sstr=Aids\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">rund 3,9 Millionen zus\u00e4tzlichen HIV-Infektionen bis zum Jahr 2030 f\u00fchren.<\/a><\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>\u00bbDie Frage ist aber nicht mehr, ob wir Aids beenden k\u00f6nnen. Die Frage ist, ob wir es wollen.\u00ab<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\nWinifred Byanyima\u2003UNAIDS&#13;<\/p>\n<p>Hoffnung machte zuletzt auch <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1194481.hiv-praevention-medizinhoffung-und-finanzfrust.html?sstr=Aids\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Lenacapavir, das ebenfalls zur Prep-Vorsorge gegen HIV eingesetzt wird<\/a>. Die Depot-Injektion muss nur alle sechs Monate unter die Haut gespritzt werden. In der Republik S\u00fcdafrika, wo das Medikament mitentwickelt wurde, ist es f\u00fcr 40 Dollar pro Kopf und Jahr erh\u00e4ltlich \u2013 f\u00fcr viele \u00e4rmere und in dieser Frage nicht privilegierte Staaten ein Traum. In klinischen Studien zeigten Medikamente wie Lenacapavir und die Prep-Pillen eine Schutzwirkung von nahezu 100 Prozent.<\/p>\n<p>\u00bbWir haben heute Pr\u00e4ventionsmedikamente, die so wirksam sind, dass wir Aids als Gesundheitsbedrohung realistisch beenden k\u00f6nnten \u2013 wenn die Medikamente alle erreichen, die sie brauchen\u00ab, so UNAIDS-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Winifred Byanyima auf der Konferenz. Die Frage sei aber nicht mehr, \u00bbob wir Aids beenden k\u00f6nnen. Die Frage ist, ob wir es wollen. Nicht die Wissenschaft steht uns im Weg \u2013 sondern Ungleichheit und politische Entscheidungen.\u00ab<\/p>\n<p>Von der Deutschen Aidshilfe wurde angemerkt, dass zwar Vertreter der Staaten vor Ort waren, die durch die K\u00fcrzungen in Not gerieten. Deutschland indessen habe niemanden entsandt. Und die USA priesen auf einer Vorkonferenz ihr bilaterales Engagement. Dieses werde jedoch immer mehr in den Dienst nationaler Interessen gestellt und an Gegenleistungen gekn\u00fcpft. Bei der Konferenz selbst fehlten hochrangige US-Vertreter. Auch Frankreich hat gerade seine Beitr\u00e4ge zum Globalen Fonds zur Bek\u00e4mpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria um 58 Prozent gek\u00fcrzt.<\/p>\n<p>Dazu passt, dass neue Finanzierungszusagen der reichen L\u00e4nder auf der Konferenz ausblieben. Auch Deutschland korrigierte gek\u00fcrzte Beitr\u00e4ge nicht. Sylvia Urban von der Deutschen Aidshilfe res\u00fcmiert, dass an Konzepten kein Mangel herrsche: \u00bbDas Wissen ist vorhanden und reichhaltig. Die im Feld HIV\/Aids Engagierten haben l\u00e4ngst bewiesen, wozu sie f\u00e4hig sind. Was fehlt, sind Geld und politischer Wille.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Aktivisten demonstrieren w\u00e4hrend der 26. Internationalen Aids-Konferenz f\u00fcr einen gerechten weltweiten Zugang zu HIV-Medikamenten und Pr\u00e4ventionsangeboten. 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