{"id":31009,"date":"2026-03-07T13:23:13","date_gmt":"2026-03-07T13:23:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/31009\/"},"modified":"2026-03-07T13:23:13","modified_gmt":"2026-03-07T13:23:13","slug":"narrenschiff-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/31009\/","title":{"rendered":"Narrenschiff Europa"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1\">Gr\u00fcezi miteinander! Einen wundersch\u00f6nen guten Tag, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde aus nah und fern. Ich begr\u00fcsse Sie herzlich aus dem Institut f\u00fcr fortgeschrittene Gegenwartskunde und angewandte Wirklichkeitsstudien. Wir blicken heute in einen Abgrund, der so tief ist, dass er selbst den hartgesottensten Optimisten schwindlig werden l\u00e4sst \u2013 aber, und das ist die gute Nachricht des Tages: Krisen sind immer auch Momente der Wahrheit. Sie sind die unerbittlichen Kristallisationspunkte, an denen die Lebensl\u00fcgen, die Wolkenschiebereien und der ganze moralisierende Ballast, den wir in Europa seit Jahrzehnten mit uns herumschleppen, wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen.<\/p>\n<p>                <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/WED_10_Editorial-1024x830.jpg\" alt=\"Thomas B\u00fchler, Narrenschiff - 25. M\u00e4rz 2009\/Archiv des K\u00fcnstlers\/Wikimedia Commons\" itemprop=\"contentUrl\" class=\"story-img story-img--landscape\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\"\/><\/p>\n<p>                                                    H\u00f6rt auf, Gespenstern hinterherzujagen!: Bildlegende.<br \/>\n                                                                            <\/p>\n<p>                                        Thomas B\u00fchler, Narrenschiff &#8211; 25. M\u00e4rz 2009\/Archiv des K\u00fcnstlers\/Wikimedia Commons<\/p>\n<p class=\"p3\">Wir befinden uns auf einem Narrenschiff. Und an dessen Steuer stehen Kapit\u00e4ne, die nicht nach den Sternen navigieren, sondern nach den Fata Morganas ihrer eigenen Einbildung. W\u00e4hrend da draussen die Realit\u00e4t mit der Wucht einer Abrissbirne gegen unsere Bordwand kracht, debattieren unsere Politiker in Br\u00fcssel, Berlin und \u2013 leider Gottes \u2013 immer \u00f6fter auch in Bern \u00fcber \u00abregelbasierte Ordnungen\u00bb, \u00abV\u00f6lkerrecht\u00bb und \u00abfeministische Aussenpolitik\u00bb. Es ist ein Trauerspiel der Entt\u00e4uschung und Desillusionierung.<\/p>\n<p>\n                 _e(&#8218;Werbung&#8216;, &#8218;weltwoche&#8216;); ?&gt;\n            <\/p>\n<p style=\"height: 0px; margin: 0;\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"p4\">I. Die Illusion des Rechts im Dschungel der Staaten<\/p>\n<p class=\"p2\">Machen wir uns doch nichts vor: Nach den j\u00fcngsten Ersch\u00fctterungen muss es der Hinterste und Letzte gesehen haben: Es gibt unter Staaten kein Recht. Punkt. Ende der Durchsage. Wer etwas anderes behauptet, betreibt politische Hom\u00f6opathie. Recht gibt es nur dort, wo es eine rechtsdurchsetzende Instanz gibt, eine Polizei, einen Richter, einen Staat mit Gewaltmonopol, der im Zweifel den Kn\u00fcppel auspackt, um die Ordnung zu garantieren. Das haben wir innerhalb unserer Landesgrenzen \u2013 meistens jedenfalls, wenn die Politik nicht gerade wegschaut.<\/p>\n<p>\n                 _e(&#8218;Werbung&#8216;, &#8218;weltwoche&#8216;); ?&gt;\n            <\/p>\n<p class=\"p2\">Aber zwischen den Staaten? Da herrscht der Dschungel. Da gibt es keinen Weltpolizisten, und wir sollten drei Kreuze schlagen, dass es keinen gibt! Denn ein Weltstaat w\u00e4re die ultimative Despotie, das Ende jeder Freiheit, der Auswahl und jedes Wettbewerbs. Was unsere Politiker uns als \u00abV\u00f6lkerrecht\u00bb verkaufen wollen, ist in Wahrheit nichts anderes als die vor\u00fcbergehende Beschreibung eines Friedenszustands, der auf einer ganz spezifischen, momentanen Machtbalance beruht. Ver\u00e4ndern sich die Machtverh\u00e4ltnisse \u2013 und meine Damen und Herren, sie verschieben sich gerade mit tektonischer Gewalt \u2013, dann l\u00f6st sich dieses V\u00f6lkerrecht auf wie Zuckerwatte am Gaumen.<\/p>\n<p>\n                 _e(&#8218;Werbung&#8216;, &#8218;weltwoche&#8216;); ?&gt;\n            <\/p>\n<p style=\"height: 0px; margin: 0;\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"p4\">II. Das Erwachen der Titanen: Interessen statt Ideologie<\/p>\n<p class=\"p2\">Grossm\u00e4chte verteidigen ihre Interessen. Das war vor 3000\u2009Jahren so, und das ist heute so. Die USA, die m\u00e4chtigste Nation der Welt, haben nat\u00fcrlich kein Interesse an einem erstarkenden Russland oder einem dominanten China. Das ist aus ihrer Sicht v\u00f6llig rational. Aber sie haben den Fehler gemacht, zu glauben, sie k\u00f6nnten den Aufstieg dieser Rivalen durch moralisierende Worth\u00fclsen und ein Netz aus Sanktionen verhindern.<\/p>\n<p>\n                 _e(&#8218;Werbung&#8216;, &#8218;weltwoche&#8216;); ?&gt;\n            <\/p>\n<p class=\"p3\">Dieses ganze Gerede von der \u00abregelbasierten Ordnung\u00bb wurde in Moskau und Peking schon lange als das durchschaut, was es ist: ein Instrument des Westens, um die Konkurrenz im K\u00e4fig zu halten. Ein Korsett, das nur so lange akzeptiert wurde, wie man zu schwach war, es zu sprengen. Jetzt brechen sie aus. Sie lassen sich die westliche Bevormundung nicht mehr l\u00e4nger gefallen.\u00a0<\/p>\n<p>\n                 _e(&#8218;Werbung&#8216;, &#8218;weltwoche&#8216;); ?&gt;\n            <\/p>\n<p class=\"p3\">Wladimir Putin hat es 2021\/22 unmissverst\u00e4ndlich klargestellt: Eine Nato-Pr\u00e4senz in der Ukraine und die Drangsalierung russischsprachiger Minderheiten sind nach seiner Beurteilung f\u00fcr Russland eine existenzielle Bedrohung. Er hat Truppen zusammengezogen, er hat gewarnt. Als der Verhandlungstisch keine Ergebnisse lieferte, griff er zur ultimativen Ratio des Staates: zum Krieg. Das ist nicht \u00absch\u00f6n\u00bb, das ist nicht \u00abmoralisch\u00bb, aber es ist die nackte, blutige Realit\u00e4t der Machtpolitik.<\/p>\n<p>\n                 _e(&#8218;Werbung&#8216;, &#8218;weltwoche&#8216;); ?&gt;\n            <\/p>\n<p class=\"p3\">Und schauen wir uns Donald Trump an: Er macht es im Nahen Osten genau gleich. Er deklariert den Iran als Bedrohung und ist dabei von einer fast schon erfrischenden Transparenz. Er sagt: \u00abWir verhandeln, aber wenn ihr nicht spurt, dann knallt es.\u00bb Er zieht die Flugzeugtr\u00e4ger zusammen, genau wie Putin die Panzer. Das ist das Gesetz des St\u00e4rkeren, der seine Interessen durchsetzen will. Ob uns das gef\u00e4llt oder nicht, ist irrelevant. Die Welt ist kein Streichelzoo der Vereinten Nationen.<\/p>\n<p>\n                 _e(&#8218;Werbung&#8216;, &#8218;weltwoche&#8216;); ?&gt;\n            <\/p>\n<p style=\"height: 0px; margin: 0;\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"p4\">III. Europa: Das schwimmende Irrenhaus der Moralisten<\/p>\n<p class=\"p2\">Und was macht Europa? Was macht Deutschland? Man hat sich in eine moralische \u00dcberheblichkeit hineingesteigert, die ans Pathologische, ans Wahnhafte grenzt. Moralismus statt Realismus: Man f\u00fchrt einen unehrlichen Fernduellkrieg gegen Russland, als ginge es darum, die eigene Geschichte noch einmal aufzurollen und den \u00abb\u00f6sen Zaren\u00bb im Kreml stellvertretend f\u00fcr alle S\u00fcnden der Vergangenheit zu besiegen.<\/p>\n<p>\n                 _e(&#8218;Werbung&#8216;, &#8218;weltwoche&#8216;); ?&gt;\n            <\/p>\n<p class=\"p3\">Im Ergebnis hat Deutschland seine Energieversorgung \u2013 die Hauptschlagader seiner Industrie \u2013 eigenh\u00e4ndig abges\u00e4gt. Man begab sich in eine totale Abh\u00e4ngigkeit von den USA, die ihre eigenen Interessen verfolgen und sich einen feuchten Kehricht darum scheren, ob die deutsche Wirtschaft vor die Hunde geht. Unsere Politiker haben das D\u00fcmmste gemacht, was man tun kann: Sie haben sich ohne Sackmesser in der Tasche mit den Schwergewichten angelegt und rufen jetzt von hinten, versteckt hinter dem breiten R\u00fccken des grossen Bruders, w\u00fcste Beschimpfungen hervor. Das ist nicht nur peinlich, das ist brandgef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>\n                 _e(&#8218;Werbung&#8216;, &#8218;weltwoche&#8216;); ?&gt;\n            <\/p>\n<p class=\"p3\">Die Interessen eines Landes zu wahren, bedeutet: Sorgen, dass die Bev\u00f6lkerung zu essen hat. Sorgen, dass die Heizung l\u00e4uft. Sorgen, dass die Wirtschaft nicht abwandert, weil sie von B\u00fcrokratie und ideologischen Bleiplatten erstickt wird. Es bedeutet, diplomatische Fluchtwege offenzuhalten, statt Br\u00fccken abzufackeln.<\/p>\n<p style=\"height: 0px; margin: 0;\">\u00a0<\/p>\n<p class=\"p4\">IV. Die R\u00fcckkehr der Wirklichkeit<\/p>\n<p class=\"p2\">Der Moralismus ist die Leitw\u00e4hrung der Inkompetenz. Wer keine realpolitischen Antworten hat, fl\u00fcchtet sich in die Emp\u00f6rung. Wir sehen das in der Migrationspolitik, wir sehen das in der Klimapolitik, und wir sehen es jetzt fatalerweise in der Aussenpolitik. Man opfert das nationale Interesse auf dem Hochaltar einer vermeintlichen Weltrettung.<\/p>\n<p>\n                 _e(&#8218;Werbung&#8216;, &#8218;weltwoche&#8216;); ?&gt;\n            <\/p>\n<p class=\"p3\">Aber die Wirklichkeit l\u00e4sst sich nicht wegzensieren. Sie l\u00e4sst sich nicht durch \u00abFaktenchecker\u00bb oder Haltungsjournalismus aus der Welt schaffen. Kriege sind schrecklich, ja, sie kosten Blut und Geld. Aber sie haben diese eine, uneingeschr\u00e4nkt positive Eigenschaft: Sie r\u00e4umen mit den Lebensl\u00fcgen auf. Sie zeigen uns, dass wir nackt dastehen. Keine Armee, keine Energie, keine Souver\u00e4nit\u00e4t und politische F\u00fchrungen, die nicht in der Lage sind, die Realit\u00e4t von ihrem Wunschdenken zu unterscheiden.<\/p>\n<p>\n                 _e(&#8218;Werbung&#8216;, &#8218;weltwoche&#8216;); ?&gt;\n            <\/p>\n<p class=\"p3\">Es wird Zeit, dass wir das Ruder auf diesem Narrenschiff herumreissen. Wir m\u00fcssen zur\u00fcck zur Pflege unserer Interessen. Das bedeutet f\u00fcr die Schweiz: R\u00fcckkehr zur integralen Neutralit\u00e4t! Keine Sanktionen, keine Einmischung, keine Feindschaften. Und f\u00fcr Europa bedeutet es: H\u00f6rt auf, euch als Weltlehrer aufzuspielen, w\u00e4hrend euer eigenes Haus lichterloh brennt.\u00a0<\/p>\n<p class=\"p3\">Die Deutschen bekommen die Quittung f\u00fcr die Dummheit der von ihnen gew\u00e4hlten Politiker. Atomausstieg, Klimawahn, Industrieverschrottung, Brandmauer und Russophobie, mit der sich die energiepolitischen Geisterfahrer in existenzbedrohende Abh\u00e4ngigkeiten man\u00f6vriert haben: Das einzig Erfreuliche ist, dass dieser ganze Unsinn von der Abrissbirne der Wirklichkeit jetzt in St\u00fccke gehauen wird. \u00a0<\/p>\n<p>\n                 _e(&#8218;Werbung&#8216;, &#8218;weltwoche&#8216;); ?&gt;\n            <\/p>\n<p class=\"p3\">Das ist schmerzhaft, aber \u00fcberf\u00e4llig, ein Realit\u00e4tsschock, sozusagen die Chemotherapie der Realit\u00e4t. Der Patient wird zwar brutal durchgesch\u00fcttelt, es fallen ihm die Haare aus, er magert ab, aber die Chancen sind vorhanden, dass er die Krankheit, die er sich selber eingebrockt hat, immerhin lebendig \u00fcbersteht.\u00a0<\/p>\n<p class=\"p3\">Ja, auch die Demokratie ist wieder ernst zu nehmen. Es ist ein Witz, dass ausgerechnet jene Politiker, die seit Jahren an der Wirklichkeit vorbeiregieren, sich nun auf einmal zu Gralsh\u00fctern der Wahrheit aufschwingen und einen Kreuzzug gegen \u00abDesinformation\u00bb f\u00fchren. Ausgerechnet sie, die uns seit Jahren verl\u00e4sslich mit Fake News \u00fcberf\u00fcttern \u00fcber \u00abWillkommenskultur\u00bb, \u00abKlimakatastrophe\u00bb, \u00aberneuerbare Energien\u00bb, \u00abPandemie\u00bb und Russlands angebliche Pl\u00e4ne, Europa zu erobern. Was soll Putin \u00fcberhaupt damit? Die Eroberung von Schulden und Problemen d\u00fcrfte kaum im Interesse seines Landes sein.\u00a0<\/p>\n<p>\n                 _e(&#8218;Werbung&#8216;, &#8218;weltwoche&#8216;); ?&gt;\n            <\/p>\n<p class=\"p3\">\u00abDesinformation\u00bb ist der Deckname f\u00fcr eine neue Inquisition, f\u00fcr Zensur und die Beseitigung der freien Rede. Regierungen, die freiwillig nicht von der Macht weichen wollen, diffamierten ihre Kritiker und Gegner immer schon als Sendboten der L\u00fcge und Agenten des Auslands. Das sehen wir heute sogar in einer autorit\u00e4rer werdenden Bundesrepublik mit Medien, die das Unheil nicht nur mitmachen, sondern oft sogar noch antreiben.<\/p>\n<p>\n                 _e(&#8218;Werbung&#8216;, &#8218;weltwoche&#8216;); ?&gt;\n            <\/p>\n<p class=\"p3\">\u00a0\u00abBrandmauern\u00bb haben in einer Demokratie nichts zu suchen, sind Ausdruck einer Missachtung des demokratischen Willens der B\u00fcrger, die schlauer sind als ihre F\u00fchrer in Berlin und die l\u00e4ngst gemerkt haben, dass es nackter Wahnsinn ist, Kernkraftwerke abzustellen, die Energie aus Russland abzudrehen, die Landschaft mit Windr\u00e4dern zu verschandeln und zu glauben, dass man so in eine \u00absichere Zukunft\u00bb steuert.\u00a0<\/p>\n<p>\n                 _e(&#8218;Werbung&#8216;, &#8218;weltwoche&#8216;); ?&gt;\n            <\/p>\n<p class=\"p3\">Kriege sind schrecklich, aber man macht sie nicht besser, wenn man sich einmischt aus moralischem Gr\u00f6ssenwahn und die eigenen nationalen Interessen mit F\u00fcssen tritt. Zum Gl\u00fcck aber k\u00f6nnen auch die Zauberk\u00fcnstler in Berlin, Br\u00fcssel, Paris und London ihren Krieg gegen die Wirklichkeit nicht gewinnen. Die Grossm\u00e4chte, die Realisten in Washington, Moskau, Peking, Delhi und vielen anderen L\u00e4ndern, die sich kein Wunschdenken leisten k\u00f6nnen, werden weiter ihre Interessen verteidigen. Es wird Konflikte geben, zum Beispiel um Taiwan, es wird weiter im Nahen Osten brennen. Wir k\u00f6nnen das nicht verhindern, indem wir moralische Haltungsnoten verteilen und uns dabei besser f\u00fchlen. Wir k\u00f6nnen nur daf\u00fcr sorgen, dass wir nicht zwischen die M\u00fchlsteine geraten.<\/p>\n<p class=\"p3\">\u00d6ffnet die Augen, ihr Narren! H\u00f6rt auf, Gespenstern hinterherzujagen! Die Welt ist kein Ponyhof \u00abregelbasierter Ordnung\u00bb, sondern ein raues Meer der nationalen Interessen. Wer das missachtet, geht unter. Wer es erkennt und danach handelt, hat eine Chance, zu \u00fcberleben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Gr\u00fcezi miteinander! 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