{"id":31067,"date":"2026-03-07T14:03:08","date_gmt":"2026-03-07T14:03:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/31067\/"},"modified":"2026-03-07T14:03:08","modified_gmt":"2026-03-07T14:03:08","slug":"von-frauen-geschilderte-symptome-ernst-nehmen-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/31067\/","title":{"rendered":"\u201eVon Frauen geschilderte Symptome ernst nehmen\u201c \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Nina B\u00f6ck spricht im Vorfeld des Weltfrauentags \u00fcber Kinderlosigkeit und Familienplanung, die Bagatellisierung von Symptomen und dar\u00fcber, warum die Krankheit Endometriose zumeist sehr sp\u00e4t diagnostiziert wird. <\/p>\n<p>\u201eIch w\u00fcnsche mir von allen Kolleginnen und Kollegen eine geschlechtersensible Perspektive. Ich w\u00fcnsche mir ein Bewusstsein daf\u00fcr, dass medizinische Studien \u00fcber Jahrzehnte vor allem an M\u00e4nnern durchgef\u00fchrt wurden. Viele Leitlinien und Dosierungsempfehlungen basieren auf Daten, die Frauen nicht ausreichend abgebildet haben. Wer gute Medizin machen m\u00f6chte, sollte diese L\u00fccken erkennen und aktiv handeln\u201c, sagt Nina B\u00f6ck, Gyn\u00e4kologin und Referentin der Kammer f\u00fcr \u00c4rztinnen und \u00c4rzte in Wien. <\/p>\n<p>Sie ist Mitorganisatorin des Frauengesundheitstags im Rathaus, der sich in diesem Jahr vor allem den Themen Endometriose, Familienplanung und Reproduktionsmedizin besch\u00e4ftigt. In \u00d6sterreich ist n\u00e4mlich etwa jedes sechste Paar von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind sowohl bei den M\u00e4nnern als auch bei den Frauen zu finden.<\/p>\n<p>Nina B\u00f6ck im \u201ePresse\u201c-Interview<\/p>\n<p> Die Presse: Rund um den Weltfrauentag am Sonntag r\u00fcckt auch Frauengesundheit in den Fokus. Sie laden am 30. Mai zum zweiten Frauengesundheitstag ins Rathaus. Der erste im November 2024 stie\u00df auf gro\u00dfes Interesse. Worauf f\u00fchren Sie das zur\u00fcck? <\/p>\n<p> Nina B\u00f6ck: Das Besondere an unserem Frauengesundheitstag ist, dass die Zielgruppe nicht nur \u00c4rztinnen und \u00c4rzte sind, sondern auch interessierte Frauen und M\u00e4nner aus der Allgemeinbev\u00f6lkerung. Zudem ist die Veranstaltung kostenlos. Das Thema des letzten Frauengesundheitstags war \u201eMenopause, Hormone und Osteoporose\u201d. Die Wechseljahre betreffen alle Frauen irgendwann in ihrem Leben. Trotzdem war dieses Thema bis vor kurzem sowohl in der Medizin als auch in der Gesellschaft unterrepr\u00e4sentiert. So, wie bei vielen gesundheitlichen Themen der Frau wurde zur Menopause lange zu wenig geforscht.   <\/p>\n<p> Ein Fokus der Veranstaltung ist \u201einformierte Familienplanung unter Ber\u00fccksichtigung der M\u00f6glichkeiten der Reproduktionsmedizin\u201c. Warum dieses Thema?  <\/p>\n<p> In \u00d6sterreich ist etwa jedes sechste Paar von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen. Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind sowohl bei den M\u00e4nnern als auch bei den Frauen zu finden \u2013 schlechte Spermienqualit\u00e4t, fehlende Durchg\u00e4ngigkeit der Tuben, ovulatorische St\u00f6rungen etc. Eine gro\u00dfe Rolle spielt nat\u00fcrlich auch das zunehmende Alter der Paare. W\u00e4hrend Frauen zwischen 20-30 Jahren eine etwa 30-prozentige Wahrscheinlichkeit haben, pro Zyklus schwanger zu werden, liegt sie mit 35 Jahren nur noch bei 15 Prozent pro Zyklus. Die Eizell- und Spermienqualit\u00e4t sinkt mit zunehmendem Alter deutlich.  <\/p>\n<p> Zudem suchen Paare h\u00e4ufig viel zu sp\u00e4t eine Kinderwunschklinik auf. <\/p>\n<p> Genau, hier m\u00fcssen sowohl \u00c4rztinnen und \u00c4rzte besser aufkl\u00e4ren, als auch Paare rechtzeitig \u00fcber ihre Probleme sprechen. Untersuchungen wie etwa ein Spermiogramm sind rasch und unkompliziert durchf\u00fchrbar. Bereits in der allgemeinmedizinischen Praxis k\u00f6nnte eine Basisabkl\u00e4rung bei Kinderwunschpatienten und eine Beratung durchgef\u00fchrt werden, weshalb sich unsere Fortbildung nicht nur an Gyn\u00e4kologinnen und Gyn\u00e4kologen, sondern speziell auch an Allgemeinmedizinerinnen und -Mediziner richtet. \u00c4rztinnen sind aufgrund der langen Ausbildung oft selbst mit einem sp\u00e4teren Kinderwunsch konfrontiert. Ich selbst konnte nur mit Hilfe von In-vitro-Fertilisation schwanger werden, und ich kenne einige Kolleginnen, die in der gleichen Situation sind bzw. waren. Leider sind diese Themen sehr schambehaftet und sogar unter \u00c4rztinnen und \u00c4rzten spricht kaum jemand dar\u00fcber. Deshalb ist es uns sehr wichtig, dieses Thema zu enttabuisieren.  <\/p>\n<p> Der zweite Fokus betrifft die Erkrankung Endometriose und die sp\u00e4te Diagnose davon. Denn bis Endometriose diagnostiziert wird, vergehen im Schnitt neun Jahre. Wie ist das zu erkl\u00e4ren?  <\/p>\n<p> Starke Regelschmerzen werden immer noch als \u201enormal\u201c bagatellisiert \u2013 sowohl in der Gesellschaft als auch teilweise von behandelnden \u00c4rztinnen und \u00c4rzten. Frauen h\u00f6ren \u00fcber Jahre, dass diese monatlichen Schmerzen eben \u201edazugeh\u00f6ren\u201c. Dar\u00fcber hinaus macht Endometriose oft auch sehr unspezifische Symptome und der erste Weg f\u00fchrt deshalb nicht immer zu Gyn\u00e4kologinnen und Gyn\u00e4kologen.  <\/p>\n<p> Welche Symptome zum Beispiel? <\/p>\n<p> Zu den unspezifischen Symptomen z\u00e4hlen R\u00fcckenschmerzen, wechselnde Stuhlgewohnheiten, V\u00f6llegef\u00fchl, Bl\u00e4hungen, Schmerzen beim Wasserlassen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und unerf\u00fcllter Kinderwunsch. So, wie auch die Menopause war die Endometriose in der \u00e4rztlichen Ausbildung und Forschung lange unterrepr\u00e4sentiert. Die lange Diagnosedauer ist deshalb ein Ausdruck struktureller Defizite in der Frauengesundheit. Es fehlt an Bewusstsein bei \u00c4rztinnen und \u00c4rzten. Versorgungsstrukturen wie etwa Endometriose-Zentren sind derzeit begrenzt. \u201eFrauengesundheit Wien\u201c (MA 24, Anm.) hat deshalb auch einen Strategieprozess mit 23 verschiedenen Organisationen gestartet, der die Endometriose-Versorgung in Wien verbessern soll. <\/p>\n<p> Was genau ist eigentlich Endometriose?  <\/p>\n<p> Endometriose z\u00e4hlt zu den h\u00e4ufigsten chronischen Erkrankungen von Frauen im geb\u00e4rf\u00e4higen Alter. Dabei w\u00e4chst Geb\u00e4rmutterschleimhaut, die normalerweise nur die Innenwand der Geb\u00e4rmutter auskleidet, auch au\u00dferhalb der Geb\u00e4rmutter \u2013 etwa an Eierst\u00f6cken, Darm oder Bauchfell. Das Gewebe reagiert auf hormonelle Ver\u00e4nderungen im Zyklus mit dem Unterschied, dass das Blut an diesen Orten nicht abflie\u00dfen kann. Dadurch entstehen Entz\u00fcndungen, Schmerzen und Verwachsungen, manchmal auch mit der Folge, unfruchtbar zu werden. Sch\u00e4tzungen zufolge sind in \u00d6sterreich zwischen 120.000 und 300.000 Frauen und M\u00e4dchen betroffen, wobei von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist. <\/p>\n<p> Bis vor kurzem durften Frauen in \u00d6sterreich ihre Eizellen nur aus medizinischen Gr\u00fcnden einfrieren lassen. Ende 2025 hat der VfGH entschieden, dass das allen m\u00f6glich sein muss. Wie bewerten Sie diese Entscheidung? <\/p>\n<p> Es wird h\u00f6chste Zeit, dass Social Egg Freezing auch in \u00d6sterreich erlaubt wird. Es st\u00e4rkt die Selbstbestimmung von Frauen und schafft Gleichbehandlung. Die M\u00f6glichkeit, Eizellen nicht nur aus medizinischen, sondern auch aus pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden einfrieren zu lassen, tr\u00e4gt der gesellschaftlichen Realit\u00e4t Rechnung: Ausbildungen dauern l\u00e4nger, Karriereverl\u00e4ufe sind vielf\u00e4ltiger und stabile Partnerschaften entstehen h\u00e4ufig erst sp\u00e4ter im Leben. Wichtig ist nat\u00fcrlich, dass Frauen eine seri\u00f6se \u00e4rztliche Beratung erhalten. Das Einfrieren von Eizellen ist keine Garantie f\u00fcr eine sp\u00e4tere Schwangerschaft oder ein Kind, sondern eine Erh\u00f6hung der Wahrscheinlichkeit. Die Folge wird sein, dass wir \u00c4rztinnen und \u00c4rzte mehr Beratungsgespr\u00e4che f\u00fchren m\u00fcssen. Das sehe ich positiv, denn es kann dazu beitragen, das Thema Fertilit\u00e4t aus der Tabuzone zu holen. Ich hoffe deshalb, dass viele \u00c4rztinnen und \u00c4rzte und Interessierte unsere Veranstaltung besuchen, um ihr Wissen auf diesem Gebiet zu erweitern.  <\/p>\n<p> Was erwarten bzw. w\u00fcnschen Sie sich von Ihren m\u00e4nnlichen Kollegen, wenn es um Frauengesundheit geht? <\/p>\n<p> Ich w\u00fcnsche mir von allen Kolleginnen und Kollegen eine geschlechtersensible Perspektive. Ich w\u00fcnsche mir ein Bewusstsein daf\u00fcr, dass medizinische Studien \u00fcber Jahrzehnte vor allem an M\u00e4nnern durchgef\u00fchrt wurden. Viele Leitlinien und Dosierungsempfehlungen basieren auf Daten, die Frauen nicht ausreichend abgebildet haben. Wer gute Medizin machen m\u00f6chte, sollte diese L\u00fccken erkennen und aktiv handeln. Vor allem aber w\u00fcnsche ich mir, dass von Frauen geschilderte Symptome ernst genommen werden \u2013 ohne Bagatellisierung. <\/p>\n<p>                    Zur Person<\/p>\n<p>Nina B\u00f6ck ist Allgemeinmedizinerin und Gyn\u00e4kologin in Ausbildung in der Klinik Favoriten und Leiterin des Referats f\u00fcr Frauenpolitik, Gender und Diversity in der Kammer f\u00fcr \u00c4rztinnen und \u00c4rzte in Wien. Zusammen mit ihrer Co-Referentin Antonia Greb, Fach\u00e4rztin f\u00fcr Innere Medizin im Hanusch Krankenhaus, organisiert sie den Frauengesundheitstag, der am 30. Mai zum zweiten Mal stattfinden wird \u2013 in Kooperation mit \u201eFrauengesundheit Wien\u201c (MA 24).<\/p>\n<p>Details und Anmeldung: <a href=\"https:\/\/www.frauengesundheitstag.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">www.frauengesundheitstag.at<\/a><\/p>\n<p>    Lesen Sie mehr zu diesen Themen:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nina B\u00f6ck spricht im Vorfeld des Weltfrauentags \u00fcber Kinderlosigkeit und Familienplanung, die Bagatellisierung von Symptomen und dar\u00fcber, warum&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":31068,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[1423,40,41,39,66,65,64],"class_list":{"0":"post-31067","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-welt","8":"tag-interview","9":"tag-nachrichten","10":"tag-news","11":"tag-schlagzeilen","12":"tag-welt","13":"tag-world","14":"tag-world-news"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116188270050264337","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31067","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31067"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31067\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/31068"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31067"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31067"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31067"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}