{"id":311038,"date":"2026-08-03T06:07:07","date_gmt":"2026-08-03T06:07:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/311038\/"},"modified":"2026-08-03T06:07:07","modified_gmt":"2026-08-03T06:07:07","slug":"melbourne-1986-das-war-der-seltsamste-picasso-diebstahl-aller-zeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/311038\/","title":{"rendered":"Melbourne 1986: Das war der seltsamste Picasso-Diebstahl aller Zeiten"},"content":{"rendered":"<p>In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1986 entwendeten selbst ernannte \u201eAustralian Cultural Terrorists\u201c das wertvollste Gem\u00e4lde der National Gallery of Victoria. Nach gut zwei Wochen tauchte der Picasso wieder auf. Aufgekl\u00e4rt wurde der r\u00e4tselhafte Fall nie.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Die Diebe hatten eine Art Visitenkarte hinterlassen. Neben dem leeren Platz des teuersten Ankaufs der <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.ngv.vic.gov.au\/\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.ngv.vic.gov.au\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">National Gallery of Victoria <\/a>in Australiens zweitgr\u00f6\u00dfter Stadt klemmte am Montag, dem 4. August 1986, ein Pappetikett mit dem K\u00fcrzel \u201eACT\u201c. Darauf stand, dass der 55 mal 46 Zentimeter gro\u00dfe Picasso mit dem Titel <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.ngv.vic.gov.au\/explore\/collection\/work\/4256\/\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.ngv.vic.gov.au\/explore\/collection\/work\/4256\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">\u201eThe Weeping Woman\u201c<\/a> von 1937 zu \u201eroutinem\u00e4\u00dfigen Wartungsarbeiten entfernt worden\u201c sei.<\/p>\n<p>Doch davon wusste kein Angestellter etwas, weder der Sicherheitschef noch die Kuratoren und auch nicht <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/about.unimelb.edu.au\/__data\/assets\/file\/0029\/15788\/mccaughey.pdf\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/about.unimelb.edu.au\/__data\/assets\/file\/0029\/15788\/mccaughey.pdf&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Patrick McCaughey<\/a>, der seit 1981 amtierende Direktor des Museums. Gegen Mittag traf der 44-j\u00e4hrige Kunsthistoriker an seinem Arbeitsplatz ein, um an einer Sitzung des Kuratoriums teilzunehmen \u2013 und wurde mit der Schreckensmeldung empfangen: \u201eDer Picasso ist weg!\u201c<\/p>\n<p>Das Bild \u201eThe Weeping Woman\u201c, gemalt im Oktober 1937, war erst 1985 f\u00fcr 1,6 Millionen australische Dollar gekauft worden. Dann rief, am Montagvormittag, die Redaktion der Melbourner Tageszeitung \u201e<a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.theage.com.au\/\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.theage.com.au\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">The Age<\/a>\u201c an und informierte das Museumspersonal von einem seltsamen Brief, der eben ge\u00f6ffnet worden war. Eine Gruppe, die sich \u201eAustralian Cultural Terrorists\u201c nannte, teilte darin den Diebstahl des Picassos mit.<\/p>\n<p>McCaughey und der Sicherheitschef eilten zum Platz des Picassos, doch das Bild war verschwunden \u2013 nur die Karte fiel ihnen auf. Sie hatte den ganzen Sonntag dort den Wachleuten vorgespiegelt, das Werk sei von den eigenen Kollegen abgenommen worden. \u201eAls ich die leere Wand und das gef\u00e4lschte Etikett sah, war ich entsetzt\u201c, erinnerte sich der Museumsdirektor. Er sagte die Sitzung ab und lie\u00df die Galerie durchsuchen. Noch hoffte er, nur Opfer eines Streichs geworden zu sein und das verschwundene Kunstwerk wiederzufinden.<\/p>\n<p>Eine halbe Stunde sp\u00e4ter entdeckte er den leeren Rahmen, der auf einer Vitrine lag \u2013 rund 30 Meter von der Stelle entfernt, an der das Gem\u00e4lde gehangen hatte. Offenbar hatten sich die Diebe am Samstag, dem 2. August 1986, einschlie\u00dfen lassen. In der folgenden Nacht schraubten sie dann das Gem\u00e4lde von seiner Wandhalterung ab und entfernten die Leinwand aus dem Rahmen. Vermutlich w\u00e4hrend der offiziellen \u00d6ffnungszeit am Sonntag verlie\u00dfen sie das Museum unbemerkt. <\/p>\n<p>In dem Brief an \u201eThe Age\u201c forderten die \u201eAustralian Cultural Terrorists\u201c eine Erh\u00f6hung der \u00f6ffentlichen Kunstf\u00f6rderung um zehn Prozent. Zudem solle ein j\u00e4hrlicher Malerei-Preis ausgelobt werden, der \u201eK\u00fcnstlern unter 30 Jahren\u201c offenstehen und mit f\u00fcnfmal 5000 Dollar dotiert sein sollte. \u201eSollten unsere Forderungen nach Ablauf von sieben Tagen nicht erf\u00fcllt sein, wird das Gem\u00e4lde zerst\u00f6rt.\u201c<\/p>\n<p>Der Direktor ordnete an, dass die Wachleute w\u00e4hrend ihrer Schichten im Museum nicht mehr sitzen d\u00fcrften. Das war keine gute Idee: \u201eDie Aufseher, die eine streitlustige Truppe waren, lehnten sich auf\u201c, erinnerte sich McCaughey. Sie begannen zu streiken, und das Museum musste f\u00fcr drei Tage komplett geschlossen werden. Der Direktor musste nachgeben, um wenigstens am folgenden Wochenende wieder \u00f6ffnen zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Dann traf ein zweiter Brief der \u201eAustralian Cultural Terrorists\u201c ein, diesmal beim Konkurrenzblatt \u201eMelbourne Herald\u201c. Er wiederholte die Drohung und erg\u00e4nzte: \u201eWir finden Ihre <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/print\/welt_kompakt\/vermischtes\/article13591811\/Einfach-nur-barbarisch-dieser-Conan.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/print\/welt_kompakt\/vermischtes\/article13591811\/Einfach-nur-barbarisch-dieser-Conan.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Conan-der-Barbar<\/a>-Nummer \u00e4u\u00dferst am\u00fcsant.\u201c Der Umschlag enthielt ein abgebranntes Streichholz. Eine subtile Erinnerung an die Drohung, den Picasso zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>Die Polizei hatte keinen Ansatzpunkt f\u00fcr Ermittlungen. Doch dann half der Zufall: Eine junge Kunsth\u00e4ndlerin aus Melbourne berichtete McCaughey, ein Nachwuchsk\u00fcnstler namens Mark Howson habe sich auf einer Party \u00fcber den Diebstahl ge\u00e4u\u00dfert; m\u00f6glicherweise wisse er mehr.<\/p>\n<p>Der Museumsdirektor suchte den 25-j\u00e4hrigen Howson in seinem heruntergekommenen Atelier auf und wurde freundlich empfangen. McCaughey behauptete, er gehe zurzeit in der Kunstszene herum und frage jeden, ob er etwas \u00fcber den verschwundenen Picasso geh\u00f6rt habe. Mindestens zweimal erw\u00e4hnte er, dass die Personen, die das Werk entwendet hatten, es in einem Gep\u00e4ckschlie\u00dffach am Bahnhof Spencer Street oder am Flughafen Tullamarine deponieren k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Howson blieb w\u00e4hrend des gesamten Besuchs vollkommen gelassen. Als McCaughey ging, bat er ihn, Bescheid zu geben, falls er etwas h\u00f6ren sollte. Das Museum sei an dem Gem\u00e4lde interessiert, nicht an einer Strafverfolgung der Diebe.<\/p>\n<p>Ein paar Tage sp\u00e4ter klingelte das private Telefon des Museumschefs; am Apparat war die Redaktion von \u201eThe Age\u201c. Gerade hatte man einen Anruf im Namen der \u201eAustralian Cultural Terrorists\u201c entgegengenommen. \u201eThe Weeping Woman\u201c befinde sich am Bahnhof Spencer Street, in Schlie\u00dffach 227.<\/p>\n<p>Die Polizei \u00f6ffnete das Schlie\u00dffach und fand ein Paket in braunem Packpapier, das genau die Ma\u00dfe des verschwundenen Picassos hatte. Der Chefkonservator des Museums, den McCaughey alarmiert hatte, trug das Paket vorsichtig in einen Polizeiwagen. Erst im Labor des Pr\u00e4sidiums packten Spurensicherer das Gem\u00e4lde aus. Es war unversehrt. <\/p>\n<p>Das Museum hatte sein wertvollstes Exponat zur\u00fcck \u2013\u00a0und der Direktor sorgte daf\u00fcr, dass jede weitere Ermittlung unterblieb. \u201eEs handelte sich um ein Verbrechen ohne Opfer \u2013 es war kein Schaden entstanden, au\u00dfer am Sicherheitssystem und am Stolz der National Gallery of Victoria.\u201c <\/p>\n<p>Aus Mark Howson wurde ein bekannter Maler; einige seiner Werke h\u00e4ngen in Museen, darunter auch in der National Gallery of Victoria. Deren Direktor Patrick McCaughey wechselte Anfang 1988 ans Wadsworth Atheneum Kunstmuseum in Hartford im US-Bundesstaat Connecticut; sp\u00e4ter \u00fcbernahm er einen Lehrstuhl f\u00fcr Australien-Studien an der Harvard University und leitete anschlie\u00dfend in Yale das Center for British Art. <\/p>\n<p>Pablo Picassos Gem\u00e4lde \u201eThe Weeping Woman\u201c h\u00e4ngt seit dem Sp\u00e4tsommer 1986 fast durchg\u00e4ngig in Melbourne; weitere Varianten des Bildes sind in London, Paris und Los Angeles zu sehen. Das dominant gr\u00fcne Exemplar in Melbourne sch\u00e4tzte das New Yorker <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/article140809325\/Picasso-fuer-knapp-180-Millionen-Dollar-versteigert.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/article140809325\/Picasso-fuer-knapp-180-Millionen-Dollar-versteigert.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Auktionshaus Sotheby\u2019s<\/a> 2016 auf <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/bilanz\/article161785348\/Das-sind-die-teuersten-Gemaelde-aller-Zeiten.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/bilanz\/article161785348\/Das-sind-die-teuersten-Gemaelde-aller-Zeiten.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">einen theoretischen Handelswert <\/a>von 100 Millionen US-Dollar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In der Nacht vom 2. auf den 3. 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