{"id":311250,"date":"2026-08-03T08:10:09","date_gmt":"2026-08-03T08:10:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/311250\/"},"modified":"2026-08-03T08:10:09","modified_gmt":"2026-08-03T08:10:09","slug":"muskelschmerzen-durch-statine-entstehen-ganz-anders-als-gedacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/311250\/","title":{"rendered":"Muskelschmerzen durch Statine entstehen ganz anders als gedacht"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"article-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/muskelschmerzen-durch-statine-entstehen-ganz-anders-als-gedacht.jpg\"   alt=\"Muskelschmerzen durch Statine entstehen ganz anders als gedacht\" fetchpriority=\"high\"\/><\/p>\n<p>\n\t\t\t\t\t\t\t(Symbolbild) Cholesterinsenker senken zuverl\u00e4ssig das Risiko f\u00fcr Herzinfarkt und Schlaganfall, doch ein Teil der Behandelten bricht die Einnahme wegen Muskelbeschwerden ab. Bislang galt eine direkte St\u00f6rung des Energiestoffwechsels in der Muskelfaser als wahrscheinlichste Erkl\u00e4rung. Eine kanadische Untersuchung verschiebt diese Deutung und r\u00fcckt stattdessen ein Alarmsystem in den Vordergrund, das eigentlich Krankheitserreger abwehrt. Damit r\u00fccken auch neue Ansatzpunkte f\u00fcr Medikamente in den Blick.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t(Foto: \u00a9\u00a0Forschung und Wissen)<\/p>\n<p>Cholesterinsenker geh\u00f6ren zu den meistverordneten Medikamenten der Welt, doch ein erheblicher Teil der Behandelten klagt \u00fcber Muskelschmerzen, Schw\u00e4che und rasche Ersch\u00f6pfung beim Sport. Je nach Untersuchung sind zwischen sieben und 29 Prozent betroffen. Ein Team der McMaster University hat nun einen Weg beschrieben, auf dem Statine den Muskel sch\u00e4digen, und dieser Weg f\u00fchrt nicht \u00fcber die Muskelfaser allein. Beteiligt ist ein Alarmsystem, das der K\u00f6rper sonst gegen Bakterien und Viren einsetzt.<\/p>\n<p>Statine hemmen ein Enzym, das am Anfang der k\u00f6rpereigenen Cholesterinherstellung steht. Die Leber reagiert darauf, indem sie mehr Cholesterin aus dem Blut aufnimmt, wodurch der Wert des sogenannten LDL-Cholesterins sinkt. Der Nutzen dieser Wirkung ist in gro\u00dfen Studien belegt, Herzinfarkte und Schlaganf\u00e4lle treten seltener auf. Der Stoffwechselweg, der dabei gedrosselt wird, liefert allerdings nicht nur Cholesterin. Aus derselben Kette stammen auch kurze fettartige Anh\u00e4ngsel, mit denen Zellen bestimmte Signalproteine an ihrer Innenmembran verankern. Fachleute sprechen von Prenylierung. Fehlen diese Anker, verlieren die betroffenen Proteine ihren Platz und damit ihre Aufgabe. Genau an dieser Stelle setzt die neue Arbeit an, denn sie verfolgt nicht die Cholesterinwirkung, sondern die Nebenwirkungen dieses zweiten, weniger beachteten Astes im Stoffwechsel.<\/p>\n<p>Die Beschwerden selbst sind seit Jahrzehnten bekannt und werden unter dem Begriff Statin-Intoleranz zusammengefasst. Sie reichen von Ziehen in den Oberschenkeln \u00fcber Kraftverlust bis zu deutlich verringerter Belastbarkeit. Umstritten war stets, welcher Anteil davon tats\u00e4chlich auf den Wirkstoff zur\u00fcckgeht. Eine \u00dcbersicht \u00fcber 23 randomisierte Studien kam Anfang 2026 zu dem Schluss, dass der weit \u00fcberwiegende Teil der berichteten Beschwerden auch unter Scheinmedikamenten auftritt. Dass Medikamente dennoch reale und lange \u00fcbersehene Nebenwirkungen haben k\u00f6nnen, zeigt sich derzeit an anderer Stelle, etwa wenn Auswertungen von Krankenakten offenlegen, dass <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/nachrichten\/medizin\/ozempic-und-mounjaro-erhoehen-offenbar-das-risiko-fuer-haarausfall-133711818\" title=\"Ozempic und Mounjaro erh\u00f6hen offenbar das Risiko f\u00fcr Haarausfall\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Abnehmspritzen das Risiko f\u00fcr Haarausfall verschieben<\/a>, weshalb die Suche nach einem klaren biologischen Mechanismus so wichtig ist.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\tWie Statine im Muskel einen Alarm ausl\u00f6sen<\/p>\n<p>Die Arbeitsgruppe untersuchte isolierte Muskelzellen und Mausmodelle und verfolgte, was in der Zelle geschieht, wenn die Prenylierung nachl\u00e4sst. Ohne ihre Membrananker geraten mehrere Steuerproteine aus dem Takt, darunter der Regulator YAP, der \u00fcber Wachstum und Erhalt des Gewebes mitentscheidet. Die Zelle stellt daraufhin ihren Energiestoffwechsel um. Diese Umstellung wiederum wird von der Zelle selbst als Gefahrensignal gelesen. Sie aktiviert das sogenannte NLRP3-Inflammasom, einen Eiwei\u00dfkomplex des angeborenen Immunsystems, der normalerweise auf Krankheitserreger oder Zelltr\u00fcmmer reagiert und eine Entz\u00fcndung in Gang setzt. Damit entz\u00fcndet sich die Muskelfaser gewisserma\u00dfen selbst. Wie die <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/healthsci.mcmaster.ca\/mcmaster-researchers-uncover-possible-cause-of-muscle-pain-from-widely-used-cholesterol-medication\/\" title=\"Mitteilung der McMaster University zur Ursache von Muskelschmerzen unter Cholesterinsenkern\">Mitteilung der McMaster University<\/a> beschreibt, widerspricht dieser Ablauf der bisherigen Vorstellung eines rein energetischen Schadens.<\/p>\n<p>Warum nicht jeder Patient Beschwerden bekommt<\/p>\n<p>Entscheidend f\u00fcr die weitere Verwendung des Befunds ist ein Zwischenschritt aus den Versuchen. Wurde der Immunweg gezielt blockiert, blieb der Muskelschaden aus, w\u00e4hrend die Wirkung auf den Cholesterinstoffwechsel unangetastet blieb. Beide Effekte lassen sich also voneinander trennen. Das erkl\u00e4rt zugleich, warum die Beschwerden so ungleich verteilt sind, denn wie stark ein Inflammasom anspringt, unterscheidet sich zwischen Menschen erheblich und h\u00e4ngt von Alter, Vorerkrankungen und genetischem Hintergrund ab. \u00c4hnlich gro\u00dfe individuelle Unterschiede zeigen sich auch in anderen Bereichen der Medizin, etwa bei der Frage, <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/nachrichten\/medizin\/warum-bekommen-manche-starke-raucher-keinen-krebs-133711830\" title=\"Warum bekommen manche starke Raucher keinen Krebs?\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">warum manche starke Raucher trotz jahrzehntelangem Konsum tumorfrei bleiben<\/a>, wo ebenfalls der genetische Hintergrund \u00fcber die Reaktion auf eine Belastung entscheidet.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\tWas der Befund f\u00fcr die Behandlung bedeutet<\/p>\n<p>Eine Therapie ergibt sich daraus vorerst nicht. Die Ergebnisse stammen aus Zellkulturen und Tierversuchen, und der Nachweis am Menschen steht aus. Die Arbeit benennt jedoch mehrere konkrete Angriffspunkte f\u00fcr k\u00fcnftige Wirkstoffe, die den Entz\u00fcndungsweg d\u00e4mpfen, ohne die sch\u00fctzende Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System zu beeintr\u00e4chtigen. Parallel dazu hatte eine kanadische Arbeitsgruppe Anfang 2026 einen zweiten Mechanismus beschrieben, bei dem sich Molek\u00fcle eines verbreiteten Wirkstoffs an einen Kalziumkanal der Muskelzellen anlagern und diesen dauerhaft \u00f6ffnen. Beide Befunde schlie\u00dfen einander nicht aus und k\u00f6nnten unterschiedliche Beschwerdebilder erkl\u00e4ren. Nachzulesen sind die aktuellen Ergebnisse in der <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/doi.org\/10.1126\/sciadv.adz3612\" title=\"Studie in Science Advances zu Statinen, Proteinprenylierung und NLRP3-vermittelter Myopathie\">Ver\u00f6ffentlichung in Science Advances<\/a>, die den Weg \u00fcber Prenylierung und Entz\u00fcndung im Detail dokumentiert.<\/p>\n<p>Science Advances, Statins promote muscle metabolic danger and NLRP3-mediated myopathy via lower protein-prenylation and YAP; doi:10.1126\/sciadv.adz3612<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"(Symbolbild) Cholesterinsenker senken zuverl\u00e4ssig das Risiko f\u00fcr Herzinfarkt und Schlaganfall, doch ein Teil der Behandelten bricht die Einnahme&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":311251,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[20],"tags":[46,42,4338,124,123,1004,72890,81237,27724,63330,44,81238,56303],"class_list":["post-311250","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-gesundheit","tag-at","tag-austria","tag-cholesterin","tag-gesundheit","tag-health","tag-immunsystem","tag-muskelschmerzen","tag-muskelzellen","tag-nebenwirkungen","tag-nlrp3","tag-oesterreich","tag-statin-intoleranz","tag-statine"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/311250","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=311250"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/311250\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/311251"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=311250"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=311250"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=311250"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}