{"id":313407,"date":"2026-08-04T08:30:07","date_gmt":"2026-08-04T08:30:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/313407\/"},"modified":"2026-08-04T08:30:07","modified_gmt":"2026-08-04T08:30:07","slug":"gewaltschutzzentrum-warnt-social-media-trends-verpacken-alte-rollenbilder-in-ein-neues-gewand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/313407\/","title":{"rendered":"Gewaltschutzzentrum warnt: Social Media-Trends verpacken alte Rollenbilder in ein neues Gewand"},"content":{"rendered":"<p> LINZ. Das Gewaltschutzzentrum O\u00d6 bietet nicht nur Beratung im Akutfall, sondern besch\u00e4ftigt sich auch mit der Frage, welche Faktoren Gewaltbereitschaft beg\u00fcnstigen. Besonders kritisch werden die Social Media-Trends \u201eManosph\u00e4re\u201c und \u201eTradwives\u201c gesehen. <\/p>\n<p>\u201eTrends, wie die Manosph\u00e4re, rechtfertigen h\u00e4ufig Gewalt gegen Frauen oder stellen diese als akzeptabel dar, da Frauen minderwertig und M\u00e4nner Opfer des Feminismus seien und es deshalb eine neue M\u00e4nnlichkeit brauche\u201c, erkl\u00e4rt Eva Schuh, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin vom Gewaltschutzzentrum O\u00d6. Anh\u00e4nger verbreiten in Foren frauenfeindliche Narrative und glorifizieren patriarchale Strukturen.<\/p>\n<p>Die Botschaften scheinen Wirkung zu zeigen: Laut Studie der Organisation Plan International in Deutschland empfindet es ein Drittel der befragten M\u00e4nner zwischen 18 und 35 Jahren als akzeptabel, wenn ihnen beim Streit mit der Partnerin die Hand ausrutscht. \u201eSie finden es durchaus okay, Gewalt auszu\u00fcben, um sich Respekt vor der Partnerin zu verschaffen\u201c, betont Schuh. <\/p>\n<p>Besonders erschreckend seien die Inhalte einschl\u00e4giger Foren. Dort werden Beitr\u00e4ge \u00fcber get\u00f6tete Frauen mit Kommentaren wie \u201eendlich eine gute Nachricht\u201c versehen, Vergewaltigungsfantasien ausgetauscht und zu sexuellem Kontakt mit Minderj\u00e4hrigen aufgerufen. \u201eAuch in \u00d6sterreich sind mittlerweile zwei F\u00e4lle solcher m\u00e4nnlicher Netzwerkgruppen bekannt, die sich dar\u00fcber austauschen, wie sie ihre Frauen sedieren, vergewaltigen und ins Netz stellen\u201c, berichtet Schuh. <\/p>\n<p>Frauen zur\u00fcck an den Herd?<\/p>\n<p>Ebenso kritisch sieht das Gewaltschutzzentrum den Hype um sogenannte \u201eTradwives\u201c, die ein Frauenbild der 1950er-Jahre romantisieren. Inszeniert werden ein Leben f\u00fcr Kinder und Haushalt, ein stets perfektes \u00c4u\u00dferes sowie die uneingeschr\u00e4nkte sexuelle Verf\u00fcgbarkeit f\u00fcr den Ehemann. Der Mann verdient das Geld und trifft die Entscheidungen.<\/p>\n<p>Was dabei oft vergessen wird: Die Influencerinnen, die diesen Lebensstil propagieren, leben ihn selbst gar nicht. \u201eDenn st\u00e4ndiges Posten, sich und die Familie dabei perfekt darzustellen, ist harte Arbeit und viele haben dadurch ihr eigenes Einkommen\u201c, gibt Schuh zu denken. <\/p>\n<p>Dabei wolle man unterschiedliche Lebensentw\u00fcrfe keineswegs kritisieren. \u201eWenn Frauen sagen, sie bleiben lieber zu Hause bei den Kindern, ist das vollkommen legitim. Nur sollten sie wirklich schauen, dass sie sich finanziell absichern. Dass finanzielle Abh\u00e4ngigkeit romantisiert wird, halte ich f\u00fcr sehr problematisch\u201c, erg\u00e4nzt Sonja Ablinger, Vorsitzende des Vereins Gewaltschutzzentrum O\u00d6. Denn Abh\u00e4ngigkeit bedeutet wiederum Macht des Gegen\u00fcbers.<\/p>\n<p>Einfluss auf die Jugend<\/p>\n<p>Als Direktorin und Lehrerin einer Linzer Mittelschule erlebt Ablinger t\u00e4glich, wie stark Social Media junge Menschen beeinflusst. \u201eSchr\u00e4ge Trends hat es immer gegeben. Das Problem zu fr\u00fcher ist die enorme Verbreitung \u00fcber Social Media. Unsere Sch\u00fcler sind zwischen zehn und 15 Jahre alt. Genau in dieser Zeit geht es darum, wer man sein m\u00f6chte und Identit\u00e4ten auszuprobieren. Da spielen solche Trends nat\u00fcrlich eine Rolle.\u201c Umso wichtiger sei es, sich schon in der Schule kritisch mit Rollenbildern, Gleichberechtigung und gesunden Beziehungen auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p>Weil Gewalt \u00fcberwiegend von M\u00e4nnern ausgeht, brauche es vor allem auch positive m\u00e4nnliche Vorbilder. Eine Schl\u00fcsselrolle komme dabei den V\u00e4tern zu. \u201eWas f\u00fcr ein M\u00e4nnerbild lebe ich meinem Sohn, aber auch meiner Tochter vor? Putze ich daheim genauso das Klo oder die Fenster, wasche die W\u00e4sche oder wickle das Baby?\u201c <\/p>\n<p>Anzeichen f\u00fcr eine toxische Beziehung<\/p>\n<p>Gewalt in einer Beziehung beginnt nicht mit dem ersten Schlag. Erste Warnsignale sind Kontrolle und Einschr\u00e4nkungen im Alltag: Wenn der Partner bestimmt, was sie anziehen soll, wohin sie geht oder wen sie trifft. Wenn er ihr Handy kontrolliert mit der Begr\u00fcndung, man habe schlie\u00dflich keine Geheimnisse voreinander.<\/p>\n<p>F\u00fcr Freunde und Angeh\u00f6rige ist es oft schwer, solche Situationen zu erkennen \u2013 auch weil jede Betroffene anders reagiert. <\/p>\n<p>\u201eViele scheuen sich, eine Frau darauf anzusprechen, weil sie Angst haben, Grenzen zu \u00fcberschreiten. Aber bitte sprechen Sie sie an\u201c, appelliert Eva Schuh. Wichtig sei jedoch, dies mit Feingef\u00fchl zu tun. Statt zu sagen: \u201eIch bin mir sicher, dass etwas nicht stimmt\u201c, sei es besser zu formulieren: \u201eIch habe das Gef\u00fchl, dass es dir nicht gut geht. Wenn dem so ist, gibt es Anlaufstellen, an die du dich wenden kannst.\u201c<\/p>\n<p>Erz\u00e4hlt eine Frau von sich aus von Problemen in ihrer Beziehung, sei vor allem entscheidend, zuzuh\u00f6ren. \u201eGanz wichtig ist, nicht vorschnell zu sagen: ,Das kann ich mir gar nicht vorstellen.\u2018 Auch wenn das nicht b\u00f6se gemeint ist, verunsichert das viele Frauen, weil sie bef\u00fcrchten, dass ihnen niemand glauben wird\u201c, sagt Ablinger.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"LINZ. 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