{"id":313827,"date":"2026-08-04T12:27:12","date_gmt":"2026-08-04T12:27:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/313827\/"},"modified":"2026-08-04T12:27:12","modified_gmt":"2026-08-04T12:27:12","slug":"deutschlands-kinder-entkommen-der-weltweiten-kurzsichtigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/313827\/","title":{"rendered":"Deutschlands Kinder entkommen der weltweiten Kurzsichtigkeit"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"article-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/deutschlands-kinder-entkommen-der-weltweiten-kurzsichtigkeit.jpg\"   alt=\"Deutschlands Kinder entkommen der weltweiten Kurzsichtigkeit\" fetchpriority=\"high\"\/><\/p>\n<p>\n\t\t\t\t\t\t\t(Symbolbild) Kurzsichtigkeit entsteht, wenn der Augapfel im Verh\u00e4ltnis zur Brechkraft des Auges zu lang w\u00e4chst und der Brennpunkt dadurch vor der Netzhaut liegt. Eine Freiburger Auswertung von rund 1,25 Millionen Brillenverordnungen zeichnet f\u00fcr Deutschland ein deutlich anderes Bild als die Zahlen aus Ostasien. Als kurzsichtig galt in der Analyse bereits ein Auge mit minus 0,50 Dioptrien. Der Befund betrifft einen Zeitraum von 25 Jahren und schlie\u00dft die Pandemiejahre ein.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t(Foto: \u00a9\u00a0Forschung und Wissen)<\/p>\n<p>Weltweit gilt die Kurzsichtigkeit als eine der am schnellsten wachsenden Gesundheitslasten, doch die deutschen Zahlen folgen diesem Muster offenbar nicht. Ein Team der Universit\u00e4tsklinik Freiburg hat rund 1,25 Millionen Brillenverordnungen von etwa 437.700 Kindern und Jugendlichen zwischen 3 und 18 Jahren aus den Jahren 2001 bis 2025 ausgewertet. Als kurzsichtig eingestuft wurde dabei bereits ein Auge ab minus 0,50 Dioptrien. Das Ergebnis widerspricht der verbreiteten Erwartung einer sich rapide beschleunigenden Epidemie und wirft die Frage auf, welche Faktoren hierzulande anders wirken als in Ostasien.<\/p>\n<p>Kurzsichtigkeit, medizinisch Myopie, beschreibt einen Brechungsfehler des Auges: Der Augapfel ist im Verh\u00e4ltnis zur Brechkraft von Hornhaut und Linse zu lang, sodass einfallendes Licht bereits vor der Netzhaut geb\u00fcndelt wird. Nahe Objekte erscheinen scharf, entfernte verschwimmen. Der Fehler entsteht fast immer im Wachstumsalter, meist zwischen dem sechsten und zw\u00f6lften Lebensjahr, und stabilisiert sich erst im jungen Erwachsenenalter. R\u00fcckg\u00e4ngig machen l\u00e4sst er sich nicht, weil die L\u00e4ngenzunahme des Auges strukturell ist und nicht durch Training oder Muskelarbeit korrigiert werden kann. Gemessen wird die Fehlsichtigkeit in Dioptrien, wobei Werte ab minus 6,00 als hohe Myopie gelten und mit einem deutlich erh\u00f6hten Risiko f\u00fcr Netzhautabl\u00f6sung, Glaukom und Makuladegeneration verbunden sind. Genau deshalb beobachten Fachgesellschaften die Entwicklung der Pr\u00e4valenz so genau: Jede Dioptrie mehr im Kindesalter verschiebt das Erkrankungsrisiko im sp\u00e4teren Leben nach oben.<\/p>\n<p>Die epidemiologische Datenlage in Europa war dabei lange d\u00fcnn, weil fl\u00e4chendeckende augen\u00e4rztliche Reihenuntersuchungen fehlen. Verordnungsdaten aus Optikbetrieben schlie\u00dfen diese L\u00fccke zumindest teilweise, weil sie \u00fcber Jahrzehnte einheitlich erfasst werden und sehr gro\u00dfe Fallzahlen erreichen. Die Freiburger Analyse nutzt genau diesen Zugang und rekonstruiert daraus den zeitlichen Verlauf f\u00fcr ein ganzes Vierteljahrhundert. Erg\u00e4nzend liefert die augenoptische Praxis erste Hinweise auf Ver\u00e4nderungen, weil viele Eltern eine Sehschw\u00e4che zuerst bei einem Termin im Fachgesch\u00e4ft bemerken und der <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/nachrichten\/medizin\/sehtest-inklusive-das-gehoert-zum-kostenlosen-angebot-beim-optiker-133711031\" title=\"Sehtest beim Optiker: Umfang und Grenzen der kostenlosen Leistungen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">kostenlose Sehtest beim Optiker<\/a> h\u00e4ufig der erste Kontaktpunkt ist, bevor eine augen\u00e4rztliche Abkl\u00e4rung folgt. F\u00fcr die Bewertung der Ergebnisse ist deshalb entscheidend, welche Gruppe die Daten \u00fcberhaupt abbilden und welche systematisch fehlt.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\tWas 1,25 Millionen Brillenverordnungen \u00fcber die Kurzsichtigkeit verraten<\/p>\n<p>Zwischen 2001 und 2025 fand das Team um Wolf Lagr\u00e8ze keinen Anstieg der myopen Brillenverordnungen. Sowohl der mittlere Refraktionswert als auch die Wahrscheinlichkeit, wegen Kurzsichtigkeit \u00fcberhaupt eine Brille zu erhalten, blieben weitgehend stabil. Bei j\u00fcngeren Geburtsjahrg\u00e4ngen zeigte sich sogar eine leichte Tendenz in Richtung Weitsichtigkeit. Auff\u00e4llig ist ein zweiter Befund: Brillen werden heute im Mittel in j\u00fcngerem Alter erstmals verschrieben. Die Forschenden f\u00fchren das nicht auf schlechtere Augen zur\u00fcck, sondern auf gestiegene Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, schon bei geringen Werten zu korrigieren. Auch ein Pandemieeffekt blieb aus, obwohl asiatische Studien w\u00e4hrend der Schulschlie\u00dfungen deutliche Sch\u00fcbe berichtet hatten. \u00c4hnlich wie bei anderen Verlaufsdaten zeigt sich, dass optische Korrekturen den Verlauf beeinflussen k\u00f6nnen, etwa wenn spezielle <a href=\"https:\/\/www.forschung-und-wissen.de\/nachrichten\/medizin\/kontaktlinsen-verlangsamen-myopie-bei-jugendlichen-messbar-133710090\" title=\"Kontaktlinsen verlangsamen Myopie bei Jugendlichen messbar\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kontaktlinsen die Myopie bei Jugendlichen verlangsamen<\/a> und so das L\u00e4ngenwachstum des Auges bremsen.<\/p>\n<p>Warum in Ostasien fast jeder junge Erwachsene betroffen ist<\/p>\n<p>Der Kontrast zu Ostasien ist drastisch. Dort stieg der Anteil kurzsichtiger junger Erwachsener von 20 bis 40 Prozent vor dem Zweiten Weltkrieg auf heute 60 bis 90 Prozent. In Europa verlief die Ausbreitung langsamer, Prognosen sehen den Anteil bei etwa 40 Prozent einpendeln. Als Treiber gelten vor allem die extreme und sehr fr\u00fch einsetzende Intensit\u00e4t der schulischen Ausbildung sowie ein gravierender Mangel an Zeit im Freien. Beide Faktoren sind im deutschen Alltag schw\u00e4cher ausgepr\u00e4gt oder werden durch l\u00e4ngere Aufenthalte drau\u00dfen ausgeglichen. Die Freiburger Ergebnisse decken sich mit einer europ\u00e4ischen Metaanalyse, nach der die Myopiepr\u00e4valenz auf dem Kontinent seit dem Jahr 2000 weitgehend stagniert. Die oft zitierte globale Kurve beschreibt damit keinen weltweiten Automatismus, sondern eine regional sehr ungleich verteilte Entwicklung mit klar benennbaren Lebensstilursachen.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\tWie Bildschirmzeit und Tageslicht auf den Augapfel wirken<\/p>\n<p>Entscheidend ist nach heutigem Kenntnisstand nicht das Ger\u00e4t, sondern der Abstand und die Dauer. St\u00e4ndiges Nahsehen l\u00f6st eine Anpassungsreaktion aus, bei der das Auge die energieaufwendige Muskelarbeit reduziert und stattdessen in die L\u00e4nge w\u00e4chst. Besonders relevant ist das Smartphone, das oft in 20 Zentimetern Abstand oder n\u00e4her gehalten wird. Eine Dosis-Wirkungs-Analyse von 45 Studien mit 335.524 Teilnehmern, ver\u00f6ffentlicht im <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/jamanetwork.com\/journals\/jamanetworkopen\/fullarticle\/2830598\" title=\"Digital Screen Time and Myopia: Dosis-Wirkungs-Metaanalyse in JAMA Network Open\">Fachjournal JAMA Network Open<\/a>, beziffert den Zusammenhang genauer: Bis etwa einer Stunde Bildschirmzeit t\u00e4glich steigt das Risiko kaum, danach erh\u00f6ht jede weitere Stunde die Chance auf eine Myopie um rund 20 Prozent, ab etwa f\u00fcnf Stunden flacht die Kurve ab. Als Gegengewicht gilt Tageslicht, denn zwei Stunden im Freien pro Tag bremsen das L\u00e4ngenwachstum des Auges messbar.<\/p>\n<p>Was die Daten nicht zeigen<\/p>\n<p>Die Entwarnung hat klare Grenzen. Erfasst wurden ausschlie\u00dflich Kinder und Jugendliche, die bereits eine Sehhilfe verordnet bekamen. Wer unkorrigiert bleibt, taucht in der Statistik nicht auf, und gerade unkorrigierte Fehlsichtigkeit ist in Schulstudien \u00fcberraschend h\u00e4ufig. Zudem beruhen die Werte auf realen Verordnungen aus Optikbetrieben und nicht auf standardisierten augen\u00e4rztlichen Untersuchungen mit Pupillenerweiterung, was systematische Abweichungen erzeugen kann. Ein stabiler Durchschnitt bedeutet au\u00dferdem nicht, dass das einzelne Kind sicher ist: Wer fr\u00fch kurzsichtig wird, erreicht am Ende oft die h\u00f6chsten Werte. Wie stark die Folgen ausfallen k\u00f6nnen, zeigt eine <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/doi.org\/10.1136\/bjo-2026-329849\" title=\"British Journal of Ophthalmology 2026: Risiko f\u00fcr Optikusneuropathie bei hoher Myopie\">aktuelle Risikoabsch\u00e4tzung im British Journal of Ophthalmology<\/a>, nach der die Wahrscheinlichkeit einer Sch\u00e4digung des Sehnervs mit der Achsenl\u00e4nge und dem Lebensalter steil ansteigt.<\/p>\n<p>JAMA Network Open, Digital Screen Time and Myopia: A Systematic Review and Dose-Response Meta-Analysis; doi:10.1001\/jamanetworkopen.2024.60026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"(Symbolbild) Kurzsichtigkeit entsteht, wenn der Augapfel im Verh\u00e4ltnis zur Brechkraft des Auges zu lang w\u00e4chst und der Brennpunkt&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":313828,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[20],"tags":[46,81692,42,20281,81690,81691,124,123,2971,20280,20286,44,66464],"class_list":["post-313827","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-gesundheit","tag-at","tag-augapfel","tag-austria","tag-bildschirmzeit","tag-brillenverordnungen","tag-dioptrien","tag-gesundheit","tag-health","tag-kinder-und-jugendliche","tag-kurzsichtigkeit","tag-myopie","tag-oesterreich","tag-tageslicht"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/117037240126139714","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/313827","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=313827"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/313827\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/313828"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=313827"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=313827"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=313827"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}