{"id":31503,"date":"2026-03-07T19:25:23","date_gmt":"2026-03-07T19:25:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/31503\/"},"modified":"2026-03-07T19:25:23","modified_gmt":"2026-03-07T19:25:23","slug":"jeder-traegt-ein-monster-in-sich-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/31503\/","title":{"rendered":"\u201eJeder tr\u00e4gt ein Monster in sich\u201c \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>In ihrer zweiten Regiearbeit \u00bbThe Bride!\u00ab mit Jessie Buckley in der Titelrolle wollte sie sich wieder mit \u00bbradikaler Offenheit\u00ab schwieriger Themen annehmen, sagt Maggie Gyllenhaal im Interview mit der \u00bbPresse am Sonntag\u00ab. <\/p>\n<p>Lange Zeit war Maggie Gyllenhaal vor allem als Schauspielerin t\u00e4tig, inzwischen konzentriert sie sich auf die Arbeit als Filmemacherin. Nach ihrem Oscar-nominierten Regiedeb\u00fct \u201eFrau im Dunkeln\u201c legt sie nun die Gro\u00dfproduktion \u201eThe Bride!\u201c vor, in der Jessie Buckley die Titelrolle und Christian Bale Frankensteins Monster spielt. \u201eDie Presse am Sonntag\u201c traf die Regisseurin in London zum Interview.<\/p>\n<p> Ms. Gyllenhaal, anders als man annehmen k\u00f6nnte, ist Ihre Regiearbeit \u201eThe Bride!\u201c nur sehr lose inspiriert von Mary Shelleys \u201eFrankenstein\u201c und keine Neuverfilmung von \u201eFrankensteins Braut\u201c. Womit nahm denn diese Geschichte \u00fcberhaupt Ihren Anfang? <\/p>\n<p> Maggie Gyllenhaal: Nach meinem Regiedeb\u00fct \u201eFrau im Dunkeln\u201c war ich auf der Suche nach einer Idee f\u00fcr meinen n\u00e4chsten Film. Ich spielte gedanklich mit allerlei Themen, aber hatte keinerlei Vorstellung, welche Form sie annehmen k\u00f6nnten. \u201eFrau im Dunkeln\u201c war ein wirklich kleiner Film, aber er schien mit seiner Ehrlichkeit einen Nerv zu treffen. Wir sprachen darin \u00fcber etwas, \u00fcber das sonst selten so freim\u00fctig gesprochen wird. N\u00e4mlich was es bedeutet, heutzutage Frau und Mutter zu sein. Es war, als h\u00e4tten wir damit in eine Vene gestochen, die so lecken begonnen hatte. Und f\u00fcr mein n\u00e4chstes Projekt fragte ich mich, ob Vergleichbares auch in sehr viel gr\u00f6\u00dferer Dimension m\u00f6glich w\u00e4re. Also sich mit radikaler, emotionaler Offenheit vermeintlich schwieriger Themen anzunehmen, aber in Gestalt einer wilden, poppigen Achterbahnfahrt. W\u00fcrde ich damit wom\u00f6glich eine noch viel gr\u00f6\u00dfere Vene treffen? Frankensteins Braut kam dabei allerdings erst ins Spiel, als ich zuf\u00e4llig bei einer Party einen Mann sah, der ihr Konterfei als Tattoo auf dem Arm trug. <\/p>\n<p> Ja, denn obwohl ihr Abbild so ikonisch ist, hatte ich James Whales Film von 1935 nie gesehen. Das holte ich nach \u2013 und stellte fest, dass Frankensteins Braut trotz des Titels kaum mehr als zwei Minuten lang in dem Film vorkommt. Und vor allem kein Wort spricht. Das fand ich nat\u00fcrlich problematisch \u2013 und hervorragend geeignet als Ausgangspunkt f\u00fcr eine neue Geschichte. Nat\u00fcrlich soll man mitf\u00fchlen mit Frankensteins Monster und Verst\u00e4ndnis haben daf\u00fcr, dass er sich jemanden an seiner Seite w\u00fcnscht. Aber was ist mit ihr? Was, wenn diese Braut, die aufgrund dieses m\u00e4nnlichen Bed\u00fcrfnisses zum Leben erweckt wird, selbst Bed\u00fcrfnisse hat? Wenn sie mindestens so einsam ist wie er? Und wenn sie in keine Schublade passt, am wenigsten in die, die er sich f\u00fcr sie vorgestellt hat? Genau diese, mit meinem ersten Film letztlich sehr verwandten Fragen und Themen, wollte ich nun in ganz neuem Ausma\u00df ausloten. <\/p>\n<p> Wie fanden Sie dann f\u00fcr diesen noch einigerma\u00dfen theoretischen Ansatz die passende Geschichte und vor allem die richtigen Bilder? <\/p>\n<p> Mein erster Gedanke war es, die Geschichte dieser Braut in den 1870er-Jahren spielen zu lassen, im Amerika nach dem B\u00fcrgerkrieg. So viele M\u00e4nner hatten damals ihr Leben verloren, und so viele Frauen suchten nach Wegen, um Geld zu verdienen. Ein neuer Beruf kam auf: Spiritualistinnen kamen zu einem nach Hause, um Kontakt zu den Toten aufzunehmen. Eine Zeitlang waren diese Frauen so allgegenw\u00e4rtig wie heute Therapeuten. F\u00fcr eine Geschichte, in der es darum geht, Verstorbene wiederauferstehen zu lassen, w\u00e4re dieses Setting interessant gewesen. Doch dann kam mir die Idee, dass Frankensteins Hauptbezugsperson ein Filmstar sein k\u00f6nnte. Jemand, dem er sich unglaublich eng verbunden f\u00fchlt, auch wenn es sich um eine komplett einseitige Beziehung handelt. So kam ich auf die 1930er-Jahre als Setting \u2013 und hatte die damalige \u00c4sthetik als Blaupause f\u00fcr den Look des Films. <\/p>\n<p> Wobei man vielleicht dazusagen muss, dass \u201eThe Bride!\u201c nun nicht ausschlie\u00dflich den alten Hollywood-Glamour kopiert\u2026 <\/p>\n<p> Nat\u00fcrlich nicht. Die Filme der Drei\u00dfiger waren letztlich durch und durch Fantasien, fernab der Realit\u00e4t. Das wollte ich nun mit meiner Geschichte aufbrechen und \u00fcberlegen, was es wohl mit jemandem gemacht hat, wenn dessen eigene Liebesgeschichte nicht so aussieht wie die von Ginger Rogers und Fred Astaire. Dessen Gesicht, K\u00f6rper oder Gedanken nicht dem entsprechen, was die Fantasien auf der Leinwand ihm vorlebten. Dieses Gef\u00fchl, aus dem Rahmen zu fallen und nicht den Normen zu entsprechen, sollte im Kern von \u201eThe Bride!\u201c stehen. Nicht nur, aber gerade aus weiblicher Perspektive. Entsprechend machte es Sinn, die 30er-Jahre-\u00c4sthetik zwar als Ausgangspunkt zu nehmen, aber sie dann auch zu konterkarieren, etwa mit dem Punk-Vibe von downtown New York im Jahr 1981. <\/p>\n<p> Das Gef\u00fchl des Andersein, mit dem man klarkommen muss, haben Sie anderswo als das Monstr\u00f6se in einem selbst beschrieben\u2026 <\/p>\n<p> Im Nachhinein erscheint es mir unumg\u00e4nglich, dass dieser Film eine Monster-Geschichte wurde. Denn die diffusen ersten Gedanken zu einer zweiten Regiearbeit kreisten eigentlich alle um die eigene Monstrosit\u00e4t, die jeder in sich tr\u00e4gt. Jeder entdeckt, wenn er genau hinsieht und ehrlich mit sich ist, an sich selbst Seiten, die ihm Angst machen. Die Frage ist dann, ob man sein Leben lang versucht, davor wegzurennen, oder das Monster in sich akzeptiert und ihm die Hand sch\u00fcttelt. Kulturgeschichtlich haben wir \u00fcber Jahrhunderte versucht, die Idee des Monstr\u00f6sen dazu zu nutzen, alles D\u00fcstere, Erschreckende und Perverse zu externalisieren und von uns fernzuhalten. Doch dauerhaft funktioniert das eher nicht. Und deswegen \u00fcbt auch Frankensteins Geschichte einen so unendlichen Reiz aus: Weil er zwar ein Monster ist, aber auch so unglaublich menschlich und nachvollziehbar, nicht zuletzt in seiner Einsamkeit.  <\/p>\n<p> Gleichzeitig erz\u00e4hlen Sie auch von Misogynie, patriarchalen Strukturen und gesellschaftlicher Unterdr\u00fcckung von Frauen\u2026 <\/p>\n<p> Oh ja, es geht auch um das Monstr\u00f6se da drau\u00dfen in der Welt, jenseits des Individuums. Das ist immer pr\u00e4sent, aber in manchen Zeiten ist es greif- und sichtbarer als sonst. Aktuell wahrscheinlich so sehr wie lange nicht, wenn ich an all die Enth\u00fcllungen in den Epstein-Akten denke oder den Fall Gis\u00e8le Pelicot. Gerade kommt so vieles ans Tageslicht, wovon auch \u201eThe Bride!\u201c explizit handelt. Dass der Film ausgerechnet jetzt ins Kino kommt, ist ein bemerkenswerter Zufall. <\/p>\n<p>        Zur Person<\/p>\n<p>Maggie Gyllenhaal wird 1977 als Tochter eines Regisseurs und einer Drehbuchautorin in New York geboren.<\/p>\n<p>Ihre erste Golden Globe-Nominierung erhielt sie 2002 f\u00fcr \u201eSecretary\u201c, u.a. war sie in \u201eMona Lisas L\u00e4cheln\u201c und \u201eThe Dark Knight\u201c zu sehen. <\/p>\n<p>F\u00fcr das Country-Drama \u201eCrazy Heart\u201c erhielt sie 2010 eine Oscar-Nominierung. <\/p>\n<p>\u201eThe Bride!\u201c ist soeben in den Kinos angelaufen. <\/p>\n<p>    Lesen Sie mehr zu diesen Themen:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In ihrer zweiten Regiearbeit \u00bbThe Bride!\u00ab mit Jessie Buckley in der Titelrolle wollte sie sich wieder mit \u00bbradikaler&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":31504,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22],"tags":[46,42,147,1423,44,148],"class_list":{"0":"post-31503","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unterhaltung","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-entertainment","11":"tag-interview","12":"tag-oesterreich","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116189536122300189","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31503","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31503"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31503\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/31504"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31503"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31503"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31503"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}