{"id":315651,"date":"2026-08-05T08:54:10","date_gmt":"2026-08-05T08:54:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/315651\/"},"modified":"2026-08-05T08:54:10","modified_gmt":"2026-08-05T08:54:10","slug":"liegt-fibromyalgie-in-den-genen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/315651\/","title":{"rendered":"Liegt Fibromyalgie in den Genen?"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t\t\t\tWas ist Fibromyalgie?<\/p>\n<p>Fibromyalgie betrifft zwei bis vier Prozent aller Menschen. Betroffene leiden unter chronischen Schmerzen in mehreren K\u00f6rperregionen gleichzeitig. Dazu kommen h\u00e4ufig Schlafst\u00f6rungen, st\u00e4ndige Ersch\u00f6pfung und depressive Verstimmungen.<\/p>\n<p>Lange Zeit lie\u00df sich keine eindeutige k\u00f6rperliche Ursache nachweisen. Deshalb stufen manche Mediziner die Erkrankung bis heute als psychosomatisch ein. Psychosomatisch bedeutet, dass k\u00f6rperliche Beschwerden durch seelische oder psychische Faktoren verursacht oder verst\u00e4rkt werden.<\/p>\n<p>Warum galt Fibromyalgie so lange als rein psychische Erkrankung?<\/p>\n<p>Lange galt Fibromyalgie nicht als echte <a href=\"https:\/\/www.weltderwunder.de\/die-seltensten-krankheiten-der-welt\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Krankheit<\/a>, weil man bei Betroffenen keine organischen Ursachen wie Entz\u00fcndungen oder Gewebesch\u00e4den fand \u2013 die Schmerzen wurden oft als eingebildet oder rein psychisch abgetan.<\/p>\n<p>Das \u00e4nderte sich durch die Erforschung der Schmerzverarbeitung im Gehirn durch bildgebende Verfahren, mit denen sich die Hirnaktivit\u00e4t bei Schmerzreizen sichtbar machen l\u00e4sst. Diese zeigten, dass das Gehirn von Betroffenen Schmerzreize tats\u00e4chlich verst\u00e4rkt wahrnimmt.<\/p>\n<p>1990 legte das American College of Rheumatology erstmals feste Diagnosekriterien f\u00fcr Fibromyalgie fest, die 2010 um Symptome wie Ersch\u00f6pfung und Schlafst\u00f6rungen erweitert wurden. Auf diese Weise wurde Fibromyalgie zu einer klar erkennbaren Krankheit, weil sich die ver\u00e4nderte Schmerzverarbeitung selbst nachweisen lie\u00df. Eine wirksame Therapie gibt es bis heute kaum.<\/p>\n<p>Die bisher gr\u00f6\u00dfte Genstudie zu Fibromyalgie liefert neue Antworten<\/p>\n<p>Ein Team um Isabel Kerrebijn von der University of Toronto untersuchte systematisch, ob genetische Faktoren hinter der Erkrankung stehen. Daf\u00fcr analysierten die Forschenden die Erbgutdaten von mehr als 2,5 Millionen Menschen, die an elf gro\u00dfen Bev\u00f6lkerungsstudien in sieben L\u00e4ndern teilgenommen hatten.<\/p>\n<p>Darunter befanden sich rund 54.629 Personen mit Fibromyalgie. Die Wissenschaftler verglichen deren Erbgut mit dem gesunder Kontrollpersonen und suchten nach auff\u00e4lligen Genvarianten.<\/p>\n<p>26 Orte in der DNA erh\u00f6hen das Risiko messbar<\/p>\n<p>Die Forschenden identifizierten 26 DNA-Abschnitte, die das Risiko f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.weltderwunder.de\/die-zehn-haeufigsten-schmerzen-und-was-wirklich-dagegen-hilft\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fibromyalgie<\/a> stark erh\u00f6hen. Damit gibt es erstmals einen robusten genetischen Beleg f\u00fcr eine biologische Grundlage der Erkrankung.<\/p>\n<p>Laut Michael Wainberg, Seniorautor der Studie von der University of Toronto, stellt der Befund einen grundlegenden Wandel im Verst\u00e4ndnis der Krankheit dar. Viele der gefundenen Genvarianten stehen in engem Zusammenhang mit der Funktion von Nerven und Gehirn.<\/p>\n<p>Liegt die Ursache im zentralen Nervensystem?<\/p>\n<p>Die Analyse der beteiligten Gene deutet stark in diese Richtung. Die betroffenen Genvarianten \u00fcberschneiden sich n\u00e4mlich auff\u00e4llig mit Risikogenen f\u00fcr andere Gehirnerkrankungen.<\/p>\n<p>Dies spricht gegen die fr\u00fchere Annahme, dass Fibromyalgie in erster Linie eine Autoimmunerkrankung ist. Die neuen Erkenntnisse sprechen daf\u00fcr, dass die gest\u00f6rte Schmerzverarbeitung ihren Ursprung im zentralen Nervensystem hat.<\/p>\n<p>Erkranken auch M\u00e4nner an Fibromyalgie?<\/p>\n<p>Auch M\u00e4nner k\u00f6nnen an Fibromyalgie erkranken, jedoch sind Frauen dreimal h\u00e4ufiger betroffen. Der Grund hierf\u00fcr bleibt laut der Studie weiterhin offen. Die genetischen Risikovarianten unterscheiden sich zwischen den Geschlechtern jedoch kaum.<\/p>\n<p>Die Forschenden schlie\u00dfen daraus, dass andere Faktoren den Unterschied erkl\u00e4ren m\u00fcssen. Infrage kommen hormonelle Einfl\u00fcsse, unterschiedliche Umweltbelastungen oder auch diagnostische Praktiken in der Medizin.<\/p>\n<p>Eine unerwartete Spur f\u00fchrt zum Huntington-Gen<\/p>\n<p>Den st\u00e4rksten statistischen Zusammenhang fanden die Forschenden im HTT-Gen. Mutationen in diesem Gen l\u00f6sen normalerweise die t\u00f6dliche Nervenkrankheit Chorea Huntington aus. Tr\u00e4ger der bei Fibromyalgie relevanten Genvariante tragen ein neun Prozent h\u00f6heres Erkrankungsrisiko.<\/p>\n<p>Das HTT-Gen ist an vielen Zellprozessen beteiligt und wichtig f\u00fcr eine gesunde Entwicklung der Nervenzellen. Die Forschenden fanden jedoch keinen Zusammenhang zwischen Fibromyalgie und einem erh\u00f6hten Risiko f\u00fcr die Nervenkrankheit Chorea Huntington.<\/p>\n<p>Teilt Fibromyalgie ihre Wurzeln mit anderen Schmerzerkrankungen?<\/p>\n<p>Die Forschenden fanden deutliche genetische \u00dcberschneidungen mit Migr\u00e4ne, mit Gelenk- und Weichteilschmerzen sowie mit dem Reizdarmsyndrom. Mehr als ein Dutzend der neu entdeckten Risikovarianten liegen zudem in Genen, die an der Schmerzregulation beteiligt sind. Diese H\u00e4ufung st\u00fctzt die Idee gemeinsamer biologischer Mechanismen hinter verschiedenen chronischen Schmerzerkrankungen.<\/p>\n<p>Was bedeutet der Fund f\u00fcr k\u00fcnftige Therapien?<\/p>\n<p>Konkrete neue Medikamente f\u00fcr die Therapie von Fibromyalgie gibt es noch nicht. Die Studie liefert aber erstmals molekulare Ansatzpunkte, an denen eine Therapie ansetzen k\u00f6nnte. Co-Autorin der Studie, Frances Williams vom King\u2019s College London, sieht Potenzial darin, gemeinsame Mechanismen mehrerer Schmerzerkrankungen gleichzeitig zu behandeln. Bis aus den Ergebnissen der Studie ein zugelassenes Medikament wird, d\u00fcrften allerdings noch Jahre vergehen.<\/p>\n<p>Was hei\u00dft das f\u00fcr Betroffene im Alltag?<\/p>\n<p>Die Studie ersetzt keine Diagnose und keine Therapie. Sie spricht aber stark dagegen, die Erkrankung auf ein reines Kopfproblem zu reduzieren. Betroffene k\u00f6nnen sich k\u00fcnftig auf handfeste biologische Befunde berufen, wenn ihre Beschwerden angezweifelt werden. \u00c4rztinnen und \u00c4rzte erhalten zudem neue Ansatzpunkte f\u00fcr die Erforschung wirksamerer Behandlungen.<\/p>\n<p>Definitionen und Begriffserkl\u00e4rungenFibromyalgie<\/p>\n<p>Eine chronische Schmerzerkrankung mit Beschwerden in mehreren K\u00f6rperregionen, oft begleitet von Ersch\u00f6pfung und Schlafst\u00f6rungen. Sie betrifft zwei bis vier Prozent der Bev\u00f6lkerung und war lange ohne nachweisbare k\u00f6rperliche Ursache.<\/p>\n<p>Genomweite Assoziationsstudie (GWAS)<\/p>\n<p>Ein Studientyp, bei dem das Erbgut vieler Menschen verglichen wird, um Genvarianten zu finden, die mit einer bestimmten Krankheit geh\u00e4uft auftreten. Sie zeigt statistische Zusammenh\u00e4nge, keine direkten Ursachen einzelner Gene.<\/p>\n<p>HTT-Gen<\/p>\n<p>Das Gen, dessen Mutationen die Nervenkrankheit Chorea Huntington ausl\u00f6sen. Es spielt eine Rolle bei zahlreichen Zellprozessen und der gesunden Entwicklung von Nervenzellen, unabh\u00e4ngig von Huntington.<\/p>\n<p>H\u00e4ufig gestellte Fragen zur neuen Studie zu FibromyalgieHat Fibromyalgie eine genetische Ursache?<\/p>\n<p>Eine Studie mit \u00fcber 2,5 Millionen Teilnehmenden fand 26 Genvarianten, die das Risiko f\u00fcr Fibromyalgie nachweislich erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Ist Fibromyalgie eine Erkrankung des Nervensystems?<\/p>\n<p>Die genetischen Befunde legen genau das nahe. Die betroffenen Gene wirken \u00fcberwiegend im Gehirn und im Nervensystem.<\/p>\n<p>Warum sind Frauen h\u00e4ufiger betroffen als M\u00e4nner?<\/p>\n<p>Die genetischen Risikovarianten unterscheiden sich zwischen den Geschlechtern kaum. Hormonelle und Umweltfaktoren gelten daher als wahrscheinlichere Erkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>Wie viele Genvarianten wurden f\u00fcr Fibromyalgie gefunden?<\/p>\n<p>Die Forschenden identifizierten 26 DNA-Abschnitte, die das Erkrankungsrisiko erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Wie gro\u00df war die zugrunde liegende Studie?<\/p>\n<p>Ausgewertet wurden Daten von mehr als 2,5 Millionen Menschen aus elf Kohorten (eine Gruppe von Menschen, die aufgrund bestimmter gemeinsamer Merkmale \u00fcber einen bestimmten Zeitraum untersucht und miteinander verglichen wird) in sieben L\u00e4ndern, darunter rund 54.629 Personen mit Fibromyalgie.<\/p>\n<p>Erh\u00f6ht die gefundene Genvariante das Risiko f\u00fcr Chorea Huntington?<\/p>\n<p>Obwohl die st\u00e4rkste Fibromyalgie-Variante im HTT-Gen liegt, fanden die Forschenden keinen Zusammenhang mit einem erh\u00f6hten Huntington-Risiko.<\/p>\n<p>H\u00e4ngt Fibromyalgie mit anderen Erkrankungen zusammen?<\/p>\n<p>Die Studie zeigt genetische \u00dcberschneidungen mit Migr\u00e4ne, Gelenk- und<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Was ist Fibromyalgie? 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